Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 38 (16.9.1926)
- Date
- 1926-09-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 38__ ■■ Leben zu erringen, tn henen er unk nicht l vA ^vrt, ÄngkU° blicke, in denen er in losgelöstem, strahlenden Erkennen das Wesen der Thora, der Welt und seiner selbst erschaut, in denen er mit der Welt abrechnet und die Wirklichkeit erkennt. Dann wird sein Wandel auf Erden in Sicherheit sich vollziehen. Auch wenn er dann später von der in solchen Augenblicken erklommenen Stufe wieder herabsinkt, so wird er doch leicht wieder zu ihr emporgelangen und sich das Bild jenes Augenblickes des Schavens reproduzierenkönnen. Es ist, wie wenn einer, der an sich nie im Leben imstande wäre, sich die ungeheure, die Erde um ein Vielfaches übertreffende Größe eines blinkenden Sternleins am Abendhimmel vorzu st eilen, auch nur e i n einziges Mal auf jenen Stern in Wirklichkeit emporgehoben worden wäre. Das einmalige Erlebnis der wirklichen Größe jenes Sternes würde genügen, ihn, auf die Erde zurückgekehrt, immer wieder zur reproduzierenden Vorstellung des wirklichen Größenverhältnisses zu befähigen. Jetzt verstehen wir den Sinn des an die Spitze dieser Ausführung gestellten Wortes der WEM. Nur Die „MauWim", »uv luf W* mindestens zeitweise sich von der Herrschaft ihres Trieblebens völlig befreit, ihr Erkennen durch die Vorstellung einer möglichen höchsten Prüfung zu vollkommenen Unabhängigkeit und ihr Wollen zur Stufe der „formalen Entschlußfähigkeit" emporgehoben haben, nur sie vermögen die sittliche Wahrheit ohne Irrtum und Wirrnis zu erkennen. Ihnen geht die Rechnung der Welt restlos auf und ihrem Blicke erscheint die Awera als Awera die Mizwa als Mizwa! Wochenrundschau. Vom Weltbund der Völker. Am Tage, fast zur selben Stunde, da aus Millionen jüdischer Herzen auf dem Erdenrunde die tausendjährige Hoffnung auf die „um Seinen Willen geeinte Menschheit" sich zum Himmel rang, da sich das Bild der Zukunft zum so und - - D e r I s i o t ... 1. fo vielten ffflaie lmj’erem ^etj'ftgcrt Slit^e errtrottte, m W „bk GcrichtigMt siegt, alle Dvshelt wie Rauch vergeht und die Herrschaft des Uebermutes von der Erde schwindet", just zur gleichen Stunde sind in Genf im Rate der Völkervertretung, in dem nun auch Deutschland seinen Sitz hat, Worte gehört worden, die diese alte Hoffnung fast in greifbare Nähe rücken. „Nie mehr Krieg! Aussprache und Aussöhnung zwischen denehemaligen Erbfeinden! Nie soll mehr Volk gegen Volk Schwert erheben, sondern die Völker und Länder sollen ihre Konflikte vor einem Weltforum zum friedlichen Austrage bringen!" Man verzeihe es einem Volke, das in Jahrtausenden nächtiger Finsternis diese Welthoffnung im Herzen trug und ihr in den gehobensten Momenten m Gebeten und Festliedern Ausdruck gab, wenn es in diesen Worten, überhaupt in diesem Zusammensitzen und Sichaussprechen so etwas wie den Anbeginn einer Welt-Teschuwa sieht •n hü 121V1 — ö*w DDay lnp Wir sind uns dessen wohl bewußt, daß der vom Gotteswillen getragene Weltbund unserer Gebete noch nicht lückenlos in Wirkung tritt, daß noch manche Klippen zu umschiffen, und viele Hindernisse zu beseitigen sein werden, bis der gemeinsame Weg zur Weltbefriedung begangen werden kann. Aber es kann uns Juden nicht Ulltzßpühvt sin [o Irunstrss alten Rofch Hafchana-Gebeles aus dem Munde der ersten Staatsmänner Europas, von einer Welttribüne herab zu hören, die sich immerhin Völkervertretung und Weltparlament nennen darf. Wir, die wir vor vierzehn Jahren am Tage der Zerstörung die Entfesselung aller durch Bosheit und Tücke von vielen Jahrzehnten angehäuften Leidenschaften und den Zusammenbruch Europas erlebten, wir erben am Tage der Einkehr den cibiv mn nr>n in anderem Sinne, eine Welterneuerung, die an Stelle von Haß und Mißtrauen den Friedenswillen, das geeinte Streben nach Aufbau setzen will. Wie sollten wir nicht weiter hoffen und weiter beten!? Möge nun der Völkerbund unter Mitnnrkllllll DülltschfölldA sziuzm n??rK?n und eine Etappe sein auf dem Wege zum letzten Ziele, das wir an unseren heiligen Tagen noch weiter ersehnen. Gegen antisemitische Wahnvorstellungen. Daß der Kampf gegen den Antisemitismus eine Sache des Rechtsstaates sei, ist ein Standpunkt, den wir sowohl wie die gesamte jüdische Presse von jeher vertreten. Durch die Häufung der Fälle, welche das wahre Gesicht des Anti- 16. September 19BG > Jemtiwmu* geigen, kpUMM ftfff lMllMkU Nllih viele Nilhijuven allmählich zur Ueborzmgung. ,daß auch innerhalb einer demokratischen Republik dem staatsgefährlichen Treiben einer Clique Grenzen gesetzt sein müssen. Der erste, der dazu in der C. V^-Zeitung das Wort ergreift, ist Albert Weidner, .der Herausgeber der „Welt am Montag". Wenn beispielsweise das berüchtigte Nürnberger Skandalblatt Streichers 1 „Der Stürmer" in riesiger Ueberschrift die letzten Eisenbahnattentate als „jüdischen Massenmord", „Eisenbahnattentate der Dawes-Juden "ausschreit und diese perfide Verleumdung sogar mit gefälschten und erdichteten. „Talmudzitaten" erhärtet, so müßte man zwar glauben, daß ver antisemitische Wahnsinn damit den Gipfelpunkt erreicht hat. Aber der Hitlersche „Völkische Beobachter" übertrumpft noch sein Bruderorgan, indem er das Volk „zur Selbsthilfe gegen die Juden und Dawes-Brüder" auffordert. Es ist nicht einmal der jüdisch klingende Familienname des einen Attentäters — Otto Schlesinger ist nach den uns gewordenen Informationen kein Jude — der die Grundlage zu dieser Hetze bildet, sondern der Dawes Pakt muß dafür herhalten, Der Verfasser des Paktes fei ein russischer Jude, der früher Davidsohm hieß, und dieser ganze 'Pakt sei nur darauf angelegt, burdjmartgelttbe Q3er^ef)rsjtc^^erIpeti auf her UeccHsbahn recht viele Nichtjuden zur Strecke zu bringen usw. In normalen Zeiten, da Vernunft herrscht, würde man sagen: Solcher Blödsinn, solche Auswüchse einer krankhaften Phantasie charakterisieren sich selbst und seien nicht tragisch zu nehmen. Heute aber, bei der von dieser Skandalpresse in breiten Schichten des Volkes erzeugten Stimmung, müssen wir uns schon Albert Weidner anschließen, der den Rechtsstaat als solchen zum Eingreifen gegen diesen gemeingefährlichen Wahnsinn aufruft. Interview mit Herrn Nabb. Jecheskel LiebfHütz. Von Mar MM in Frankfurt a. M. Der Kalischer Raw, Rabbi JecheSkel Liebschütz, der nicht nur als großer Tälmid Chochom, sondern auch als Mann von überragender Klugheit und Weltbildung unter den Rabbinern Polens einen der ersten Plätze einnimmt, und der auf Einladung des Vorstandes des amerikanischen Rabbineroerbandes einige Monate lang in den Vereinigten Staaten zubrachte, weilte, auf der Rückreife nach Kalifch begriffen, in Bad Wildungen zur Kur. Herr Rabbiner Liebschütz 9 Der stebenundzwanzigste Psalm. (Schluß.) 11. Weise mir. Allgütiger, deine Wege, und leite mich auf dem Pfade der Grobheit, — meiner Späher wegen. So stolz ttrtb frei tötr aber über die unferes SS i 1 { e n s flirrt Suien beniertj - tfft 3$ ( f f f fmö (y n gänzlich auf des Allgütigen Belehrung angewiesen; die Einsicht in ®utes und Böses ist unserem schwachen Menschengeiste meist verschlossen. Hätte Gott uns nicht die Thora gegeben, lo wären wir niemals — dies ist unser Glaubensgrundsatz, — zur Erkenntnis der grundlegendsten Menschlichkeitsgebote gelangt. Auch die Völker der Welt sind nur durch Gottes an sie gerichtete Offenbarung der sieben noachidischen Gebote zu den ihnen innewohnenden Rechtsbegriffen erzogen worden. Eine eingeborene Ahnung vom Guten und Bösen ist nicht. Gerade der seines ethischen Könnens, seines gottsuchenden Willens sichere Sohn Israels unterwirft sein ethisches Denken gänzlich der göttlichen Norm. Auch Leitung und Lenkung auf diesem Wege tut uns not. Uns Befolgern der 613 Gebote muh besondere Erleuchtung zuteil werden, damit uns die Befolger der sieben Gebote nie eine Sünde gegen eins der sieben nachweifen können, wenn sie uns, wie üblich, befpähen. 12. Gib mich nicht in den Atem meiner Bedränger, denn gegen mich stehen sie als Lügenzeugen und als Brodem der Gewalttat auf. Göttlicher Belehrung und Leitung bedürfen wir vor allem dann, wenn Bedränger uns befpähen, um zur Beschönigung ihres gottlosen Lebens in den Ruf: „Die Frommen sind ja auch nicht besser!" ausbrecken zu können. Ihren Fallen und Streitigkeiten ist oer schlichte Sinn des Frommen nicht gewachsen. Selbst im strengsten Rechtssatze beharrt Israels Lehre bei dem Vertrauensgebote «'pry ’jüsipa Ivrr. daß die Partner einander nur guten Willen unterstellen und schützt so vor dem Verfangenworden im der giftigen Atmosphäre des Streites, wie sie zwischen Thorafeinden herrscht. Bewußt Unwahres sagen Jene aus, wenn sie den Thorabefolger dadurch herabwürdigen können, von dem sie wissen, daß er in die MMN88 iUkk MMMtilen W niöjt WmbWt lmü tonen Ocfto wehrloser preWMvM ist. 13. (Wie. trostlos wäre ich geworden), wenn ich nicht mich darauf verlassen hätte, Gottes Güte (einst wieder) im Lande der Lebenden zu sehen! Todgleich und grabgleich lebensfern erscheint dem Getreuen und Gerechten solche Niederung menschlicher Nichtgesittung und Gottlosigkeit. Aller Trost müßte in solcher Oedeow» D'>nr>:i on^na trpen seinem nach Menschheitsbestimmung dürstenden Gemüte abhanden kommen. Gottes Güte, Gehorsam vor seinen die Menschen sittigenden Geboten, — wird sie je der Erdenpilger Leben alle umfangen, Auch im Hallelgebete klagt ja der Psalmist (116): Wenn ich vor dem Allgütigen in den Ländern der Lebenden wandeln wollte, so bemerkte ich, daß ich der Menschheit Jdealziel voreilig erfüllt gewähnt hatte und mein Bild von aller vervollkommneten Menschheit ein trügerischer Traum war. Das aber ist die härteste Probe für des Gottgewissen Herz. 14. Hoffe zum Allgütigen, sei stark und wirke dein Herz kräftigend, und hoffe zum. Allgütigen! Hoffnung auf eigne und der Mitwelt Besserung und Aufstieg kann durch Machtwaltungen des Weltenherren gezeitigt sein, kann ohne solche Machtwaltungen oft unerreichbar erscheinen — kann aber auch selber freiem Menschenentschlusse entspringend festigend und kräftigend wirken. Selbst in trostlosesten Zeitläuften, vielleicht gerade in ihnen pflegen nicht erst Gottes Allmachtbeweise die Hoffnung und das Selbstvertrauen der Edlen neu zu beleben, sondern Großtaten Einzelner an dauerndem, stillem Opfermut sind es, welche das Zeitalter erst der besonderen göttlichen Waltung wieder würdig machen. Nicht die zuwartende Seelenhaltung zwingt das Wunder xnmnK einer Erweckung zur Heiligkeit, unsere Weisen schätzen viel segensreicher die Selbsterweckung des Menschen zürn Glauben an das Bessere and an sein befsML M«M8. ES UnMan^e s-e^ SUnnb Nschr!-Pf<r!nres an uns gur Jahreswende das Gebot, auf eine dem Gefetzesbefolger wohlergefonnene Zeit zu hoffen. Von der Erfüllung dieses Gebotes hängt es ab, ob wir wieder Kraft und Auhenwirkung des Gemütes erlangen. Erlangten wir dies dann auf diesem Wege, dann mag uns als Lohn neue Hoffnungsfteude beschert sein! Meines Feuilleton. Me man im Osten einen Großen ehrt. Erst jetzt bringen die östlichen Zeitungen eingehende Berichte über die Bestattung des Dwinsker Gaon, Rabbi Mejir Simcho P"2T, aus denen wir hiermit einiges wiedergeben, was den Geist des jüdischen Ostens am treffendsten zeichnet. - mm