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Der Israelit · 1926-09-02 · Heft 36 (2.9.1926) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 36 (2.9.1926)
Date
1926-09-02
Page
– (sequence 15)
Language
German
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tz. SÄember 1926 ' " Korrcspondettzctt« Bacbricbte». Die Schule in Höchberg. Würzburg, 27. August. Von der Israelitischen Präparanden- und Bürgerschule (Talmud-Thora) Höchberg bei Würzburg (Lazarus-Ottensoser-Stiftung) ergeht ein Notruf an die Oefsentlichkeit: „A l t e s j ü d i s ch e s K ultürgutistinNot und Bedrängnis! Die wirtschaftliche Krise hat die Spenden für unsere Schule versiegen, unsere kleine Reserve auf ein Minimum schwinden lassen. T a t k r ä s tige Hilfe ist bringend nötig! Wir erachten es als Pflichtei n e s jedenJuden mitzuhelfen, daß die Israelitische Präparanden- und Bürgerschule (Talmud-Thora) in Höchberg erhalten lidil su jor?t (iu ü* Zllkllttft Hi SuDanluma, für die Ausbildung von Mischen Lehrern und Beamten, für die israelitischen Kultusgemeinden. 70 Schüler aus allen Ländern Deutschlands besuchen zur Zeit die Anstalt. Große Summen werden jährlich zu ihrem Unterhalte benötigt. 80 Proz. dieser Summe müssen durch gütige Einzelspenedn ausgebracht werden. Wohl wissend, daß heute viele unserer Glaubensgenossen große Spenden nicht leisten können, bittet, die Anstalt innigst (Zahlkarte Nürnberg 10 450) um einen Mindestbeitrag von nur 2 Mark." Den Aufruf unterzeichnen für das Kuratorium der Lazarus - Ottensoser - Stiftung Höchberg und die Schulleitung: S. Pfeusfer und Direktor S. Steinhäuser. ttngavt*. Die Wirkung des Numerus clausus in Ungarn. Budapest, 23. August. Das Unterrichtsministerium hat für das Universitätsjahr 1926/27 die Quote der zuzulassenden jüdischen Studenten für alle Hochschulen Ungarns auf die Zahl 190 festgesetzt. Cs können demnach in ganz Ungarn nur 190 barrsn ött bei? für ArHltMur ö öuDen> an Der Abteilung für bloß 1 Jude. Eine Illustration von der Wirkung des Numerus clausus-Gefetzes geben die Zahlen der Budapester Universität, wo im Universitätsjahr 1913/1914 bei einer Gesamtzahl von 7.613 Studierenden 2.598 Juden waren, die demnach 31. Proz. aller Studierenden ausmachten. Nach der Einführung des Numerus clausus-Gefetzes i. I. 1920 betrug die Zahl der jüdischen Studierenden im Universitätsjahr 1921/22 bei einer Gesamtzahl von 7.140 Studierenden nur 558, d. fi 8 Proz. ftofcn. Jüdische Fragen in einer Beratung des polnischen , Ministerrats. Warschau, 20. August. In der letzten Sitzung des polnischen Ministerrats wurden Fragen der nationalen Minderheiten in Polen behandelt. Grundlage der Besprechungen bildete das vom Innenminister Mlodzianowski ausgearbeitete und von der Minderheitssektion beim Ministerrat akzeptierte Memorial. In diesem Memorial werden eingehend die Beziehun- 0<m guro Zionismus, &as Mfi HjSQQQ des wirtschaftlichen Antisemitismus und dessen Bekämpfung, die Abschaffung juridischer Beschränkungen gegen Juden usw. behandelt. Alle diese Fragen bildeten Gegenstand der Besprechung. Es wurde beschlossen, die ganze Angelegenheit dem politischen Komitee beim Ministerrat, das in den nächsten Tagen zusammentritt, zur Entscheidung zu überlassen. Dem Komitee gehören an: Miniestrpräsident Prof. Bärtel, Innenminister Mlodzianowski, der Minister des Auswärtigen, der Kriegsminister, der Volksbildungsminister und der Justizminister. Die Juden sollen sür den mexikanischen Kirchenkonflikt verantwortlich sein. Posen, 13. August. In dem Städtchen Zlotomr, wo gegenwärtig der Jahrmarkt abgehalten wird, wurden unter der Bauernschaft massenhaft Flugschriften verbreitet,, in denen behauptet wird, die Juden als die Feinde der katholischen Kirche trügen die Schuld an dem mexikanischen Mrchenkonflikt. Dieser sei der Auftakt, zu einer Bewegung, die auf die Vernichtung des Katholizismus hinzielt. — Der Der -sraelit Roschha-schono- Glückwünsche können in drei Größen veröffentlicht werden: Größe I 10 Zeilen 1 spaltig zu Mk. 4.— Größe II 15 Zeilen 1 spaltig zu Mk. 6.— Größe IN 10 Zeile» 2 spaltig zu Mk. 8 — Die Beträge wolle man auf Postscheckkonto Nr. 19 802 überweisen, den Text durch Postkarte einsenden. Texte, die bis zum 3. September in unserem Besitze sind, werden in der Rosch-Haschono-Nummer, später eintresfende in der darauffolgenden veröffentlicht. Wer seine Glückwünsche zu Gunsten von Erez Jisroel a b z u l ö - s e n wünscht, wolle dem nach Belieben festzusetzenden Ablösungsbetrag eine Gebühr von zwei Mark für die Beröffentlichung von Namen und WMrvk im SsuMslinsaM ßaifüflßn. FraMftin a. Zit. Verlag des Israelit G. m.b.H. Jüdische Nationalrat hat die Regierung um Maßnahmen gegen diese Hetze ersucht. Ein Verteidigungskomitee für Schwarzbarth in Moskau. Moskau, 25. August. In Moskau hat sich ein Komitee zur Unterstützung der Verteidigung von Schalom Schwarzbarth gebildet, an dessen Spitze der bekannte Verteidiger in politischen Prozessen, Sokolow, steht und dem prominente Rechtsanwälte wie Urison und Tschlenofs, sowie die Publizisten Bragin und Jaschunsky angehören. Auch bekannte Parteiführer wie Kolzoff und Malkin haben sich dem Komitee angeschlossen. Das Komitee verfügt über eine Menge gravierenden Materials über die Pogrome in der Ukraine und die Schuld Petljuras und seiner Attamane. Dieses Material wurde dem Verteidiger Schwarzbarths, Torree, g«. $er{V„8 MA.) Führer des Joint beim Kommissar Smidowitsch. Moskau, 12. August. Die hier weilenden Joint-Delegierten, Mr. Billikops und Mr. Faltz, wurden gestern vom Volkskommissar Smidowitsch empfangen, der jetzt Kallinin vertritt. Die Unterhaltung dauerte mehr als eine Stunde. Herr Billikopf richtete an Smidowitsch eine Reihe Fragen mit Bezug auf das jüdische Leben in der Sowjetunion, die der russische Volkskommissar freimütig beantwortete. Smidowitscy sagte, die russische Regierung interessiere sich für die jüdische Kolon'sation, weil es sich für sie um eine Sache staatlichen Interesses handelt und weil sie das Unrecht des früheren Zaren-Regimes gegen die jüdische Bevölkerung Rußlands gutmachen wolle. Die Regierung wolle den Millionen Juden, die als Nation der Kleinhändler und Handwerker infolge der Revolution und des besonderen ökonomischen Systems Sowjetrußlands ihre früheren Positionen verloren haben, einen neuen ökonomischen Boden befestigen helfn. Auf die Frage, ob die Regierung den jüdischen Binnenwanderern hinreichend Boden zur Verfügung stellen werde, erwiderte Smidowitsch, auf eine spezielle Landkarte weisend, die Regierung habe für We lolotxljäUön üäh ttutzü zlz UM MilliM Dm Mn Boden zur Verfügung. Aus Villikopss Frage, ob die Regierungsorgane die Kolonisten daran hindern, in ihren Kolonien Vethäuser zu errichten und nach den Vorschriften der jüdischen Religion zu leben, erwiderte Smidowitsch entschieden: „Das ist in keiner Weise der Fall. Ihr seht, daß in Rußland alle Kirchen und Synagogen den Andächtigen ossenstehen. Warum soll gerade den jüdischen Kolonisten verwehrt bleiben, nach den Vorschriften ihrer Religion zu leben?" — (Und wie steht es mit dem Unterricht in den Schulen? D. Red.). Sehiveiz. Der Kongreß der Minderheitsnationen. Genf, 29. August. Am 25. August trat in Gens der Kongreß der Minderheitsnationen zusammen. Dem Präsidium gehören zwei jüdische Delegierte an, und zwar Dr. Motzkin und Abg. Grünbaum, außerdem arbeiten sieben jüdische Delegierte in den einzelnen Kommissionen mit. Mit Referaten sind ü. a. betraut Dr. Robinsohn, Nr. 38 Seite 18 Kowno, Rabbiner Nurok, Riga, und Dr. Margulies, Tschechoslowakei. Am Eröffnungsabend sprach für die jüdischen Delegierten Dr. Motzkin. Am 26. August referierte Dr. I. Robinsohn über die kulturelle Autonomie der Minderheitsvölk e r und suchte hauptsächlich nachzuweisen, daß diese Autonomie nie und nimmer als Staat im Staate empfunden werden kann. Seine Thesen werden in der Hauptsache angenommen, ebenso ein Antrag, der sich gegen die wirtschaftliche Benachteiligung der Minderheiten in ihrem Staate richtet, was für die Juden in den Randstaaten von besonderer Wichtigkeit ist. VatÜftfo«. Der Nachfolger von Kir Ronald Klorrs. Jerusalem, 25. August. WlS Dia MlMiMslM WMlwWMkkltllr MMt, ist Mojor Campbell zürn Gouverneur dos jnrlastillällsischkll Süd-Distrikts (Jerusalem—Jaffa) an Stelle von Sir Ronald Storrs, der bekanntlich als Gouverneur nach Cypern geht, ernannt worden. Die offizielle Mitteilung hierüber wird in den nächsten Tagen erscheinen. Eine Ausweisung und ihre Folgen. Jerusalem,!. August. Vor einiger Zeit erging von der Palästina-Regierung ein Ausweisungsbefehl an den Leiter der Palästinafiliale des Orkus, Herrn Glaser. „Orkus" ist der Name einer russischen Gesellschaft, die angeblich Handelszwecke verfolgt und ihre Zentrale in London hat. Die Ausweisung wurde damit begründet, daß Herr Glaser sowohl wie seine Gesellschaft kommunistische Ideen im Aufträge der Sowjets in Palästina verbreiten. Herr Glaser wehrte sich gegen diese Anschuldigung mit aller Kraft und legte, allerdings ohne Erfolg, gegen die Ausweisung Protest ein. Er fand darin die Unterstützung jüdischer Kaufleute in Jaffa und Tel-Awiw, und ihr offizielles Organ nnvvn n'vxv legte sich mit großem Eifer in die Schanze für den „unschuldigen" Herrn Glaser und seine zu Unrecht vsrdächtrgts russische Gesellschaft, aus deren Schließung sis eins 'schMgung W ge{4"f^!4c" zwischen Palästina und Rußland befürchteten. Auch der *mn, das Organ der für die Bolschewisten ganz und gar nicht eingenommenen Arbeiter, glaubte diesen „Kampf um das Recht" mitmachen zu müssen. Nun aber stellt sich heraus, daß die Regierung besser orientiert war als alle Instanzen und wohl ihre guten Gründe hatte, sich des Orkus und chres Emissärs zu entledigen. Aus dem Blaubuch, das die englische Regierung aus Anlaß des Bergarbeiterstreiks in England herausgegeben hat, geht mit aller Klarheit hervor, daß die genannte russische Gesellschaft die Handelszwecke nur als Deckmantel für politische Wühlarbeit im Sinne des russischen Bolschewismus benutzt. Es kann nur ein Gewinn für Palästina bedeuten, wenn solche destruktiven Elemente und Bestrebungen dort nicht platzgreifen. Es ist äußerst peinlich, daß jüdische Instanzen sich in die Sache einmischten, woraus leicht eine Waffe in die Hand der Judenfeinde gespielt werden kann, wenn auch feststehen dürfte, daß die jüdischen Kaufleute wie auch das Arbeiterorgan im besten Glauben gehandelt haben. Mehr Vorsicht wäre für die Zukunft in solchen Fällen am . Platze. #fWt*^*** (Sin Kaschruih-Prozeß in Kanada. Toronto, 2. August. Ein interessanter Prozeß über Kaschruth-Fragen kam in diesen Tagen vor dem Gericht in Toronto zur Entscheidung. Der Fleischhändler Cohen verklagte die jüdische Gemeinde auf Zahlung einer Entschädigung von 5000 Dollar, weil die Gemeinde seine Fleischwaren für „trepha": (den rituellen Vorschriften zuwider) erklärt hatte. Das Gericht holte ein Gutachten des „Beth-Din", der Union orthodoxer Rabbiner Amerikas und Kanadas ein. Das Gutachten lautete dahin, die Gemeinde und die Rabbiner hätten das Recht, jedes nicht unter ihrer Aufsicht geschachtete Fleisch für „trepha" zu erklären. Das Gericht verwies den Fall zur endgültigen Entscheidung an das Rabbinergericht, welches die Klage des Fleischhändlers als unberechtigt zurückwies. In dem Urteil wird ferner gesagt, die Beschlüsse der Mehrheit der Rabbiner seien in Kaschruth-Fragen bindend. In Zukunft müssen alle Rabibner der Gemeinde angehören und mit ihr Zusammenarbeiten. Entscheidungen von nicht der Gemeinde angehörenden Rabbinern werden nicht anerkannt.

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