Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 36 (2.9.1926)
- Date
- 1926-09-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 36 zu verwirklichen, einerlei, ob sie seinen bts^erigeit ot>GX rnlspNchl. Cr mutz sich Dann ven weilen Ävstand von seiner Gewohnheit vorstellen und muß sich fragen, ob für den Fall, daß er diese Wege als wahr erkennen sollte, er die Kraft hättte, sie auch zu beschreiten. Unsere Weisen sagen, es ist besser, daß ein Mensch sein Leben lang in den Augen der Menschen als Narr gilt, wenn er nur nicht als Frevler dasteht einen Augenblick in den Augen Gottes. (Edooth V,6.) Auch hier handelt es sich nur um die Entschlußfähigkeit, denn letzten Endes ist der Gute immer der Weise und nur die Weisen werden die Ehre erwerben. Und dies ist nun der wirkliche Prüfstein; denn wenn der Mensch des Entschlusses nichl fähig ist, nach jeder Richtung, die ihm die Wahrheit weist, so ist das der Beweis dafür, daß Lüge in seiner Rechten ist. Daraus selbst kann er erkennen, wie weit er von der Wahrheit entfernt ist, denn noch bevor er sie erkannt, zittert er davor, diese Wahrheit in kräftigem Entschlüsse erwählen zu müssen. Wenn ihm aber nicht die Entschlußfähigkeit fehlt, wenn er in sich die Fähigkeit empfindet, mit reinem Herzen in völliger Neutralität ist, die Richtung einzuschlagen, die die Wahrheit ihn gelehrt, dann vermag er vermittelst seines reinen tüimer nur Ber- QH“ strebt, den sittlichen Forderungen der Thora genau zu entsprechen. Dann wird sein Weg.zur Thora führen, und es verwirklicht sich das Wort, daß Israel und die Thora eins sind. Das ist der Sinn des kleinen Wörtchens, das wir in den Händen der Väter der Welt finden und das lautet: ich bin bereit. Hier springt das Ergebnis dieser inneren Selbstprüfung ins Auge, die zur absoluten sittlichen Bereitschaft gegenüber dem Gottesbefehl führt, absolut unabhängig von der Vorstellung von dem Inhalt des Gottesbefehls. Das ist der Sinn des Gotteswortes an Abraham: „In das Land, das ich dir zeigen werde." Ohne daß ihm Gott auch nur die Richtung angab, wohin er gehen soll, war Vater Abraham bereit, sein Land, seinen Geburtsort zu verlassen und oy»,e eigene Wahl, rein nach Gottes Willen, nach dein Orte zu gehen, den Er ihm zeigen würde. So rief am Sinai das jüdische Volk ntm vor »öim» nnr m]m Weisen nennen msso BerMrtzW Dllö TötzöNNNiZ. däZ &em nur von den Engeln offenbart sein konnte, das Geheimnis der Bereitschaft zur Erfüllung des Gotteswillens, der völligen Loslösung des gegen jede Versuchung gestählten Willens von den Der stebenundzwanzigsie Psalm 1. Von David. Gott ist mein Licht und mein Heil. Vor wem soll ich mich fürchten? Gott ist Widerstandskrastquelle meines Lebens. Vor wem soll ich bangen? ..Mein Licht", sagen die Weisen, .am Rauschhaschono; und mein Heil — am Jaumkippur*. Dunkel breitet sich der Schleier des Nichtwissens zur Jahreswende zwischen uns und unsere Zukunft; der Allgütige aber erleuchtet uns diese Finsternis Den Tüll B&S Äsßsnksrrs rirri» &ei>adtjirofHSl 91!©J BSSlBWiUr Vergangenst, fvnvnn feiner ewigen Allgüte (als Hasch em) wird um diese Zeit gedacht, sodatz wir Mut zu einem Neubeginn sündenreinen Lebens gewinnen. Darum wird Er uns am Tage des Gerichtes zum Heile, indem er an ihm uns Versöhnung statt des verdienten Unheiles befcheert und die Verkettung der irdisch strafenden Notwendigkeiten durchbricht. Dadurch überwinden wir sowohl die Furcht um unser hieniediges Geschick als auch das Bangen um unseren Anteil am Himmelsglück der Seele. 2. Wenn an mich rücken böse Genossen, um mein Irdisches hinzuzehren, meiner Bedränger und Feinde zu mir, — sie selber straucheln und fallen. Eine noch nicht genannte innere Sicherheit seit D er' anatin_- Fesseln der Sinnlichkeit, die Erhebung der Er- M kkMkll Titffiffjen WlMM: v>m yaw sagen unsere Weisen auf die Worts w*iwsr»v sie gingen und taten", in dem Augenblick, da sie es auf sich nahmen, es zu vollbringen, rechnete es ihnen Gott schon an, als hätten sie es vollbracht, denn wo diese reine Entschlußfähigkeit vorliegt, da werden die sinnlichen Organe hes Menschen zu bloßen Werkzeugen, um den sittlichen Entschluß zu verwirklichen. Wie der weise Denker sagt: Die innere Vorbereitung, dieser „forma l en E n ts chlu ß f äh i g k e i t, sie ist die Grundursache, die den Menschen befähigt, ein wahrhaftiger Gottesdiener zu werden. Sie ist der Stoff, über dem sich die Form der wahrhaftigen sittlichen Vollkommenheit erhebt . . Sie ist wahrlich nicht Kleines und nicht jeder Mensch wird ihrer teilhaftig. Als man Rabbi Akiba, so erzählen unsere Weisen, zur Richtstätte hinausführte, da war es die Zeit des pvw-Lesens. Sie zerfetzten seinen Körper mit eisernen Kämmen. Er aber „richtete seinen Sinn darauf", das Joch der Gottesherrschaft im Leiden auf sich zu nehmen. Da sagten seine Schüler: „Unser Lehrer, s o weit?" Und er erwiderte: „All mein Leben hindurch habe ich mich gequält, um diesen Gottesspruch: B!it .©ettter gartgert Seele^ crurf^ man Sein ßtöen rauDr, uuv ifl). vlllW, wann wird es mir begegnen, daß ich dieses Wort verwirkliche, und nun, da es mich trifft, sollte ich es nicht erfüllen? (Brochoth 6,1.) Wir haben von unserem Lehrer Rabbi Simcho Siessel zur Erläuterung dieses Ausspruches folgendes gehört. Die Worte, die unsere Weisen von Rabbi Akiba sagen: "jTonö irni": „Er richtete seinen Sinn darauf, das will sagen: er konzentrierte sein ganzes Denken darauf, seine Seele zu läutern, damit die Hingäbe des Lebens, die er jetzt vollzog, völlig frei sein solle von jeder leisesten Empfindung des Stolzes, der im Moment einer solchen beispiellosen Hingebung aufkommen könnte. Nur darauf, auf dieses Höchstmaß sittlicher Vollendung war die Frage der Schüler gerichtet: „Unser Lehrer, s o w e i t?" Womit, mit welchen Mitteln kannst du auf eine Stufe von so kaum erfaßbarer sittlicher Höhe gelangen, daß du in der Stunde der fur«j)tL,arften VeÜfunA zu einer sollen höchste gelangen konntest, um an Selbstläuterung und an Reinigung des Herzens von jedem Schatten einer Nebenabsicht zu denken. Davon, daß die Schüler Rabbi Akibas über die Selbstverständlichkeit der Lebensaufopfeden Psalmisten gegen die quälendsten irdischen Erlebnisse. nrnj? wird zum nachbarliche Nähe zum Anlasse zehrender Feindschaft, izy zur nn’K ungewolltes Zusammengedrängtleben zu gepflegter und geschürter Hassesatmosphäre, ans zu v'2?irr> Doch wenn nicht ich ihnen, sondern sie sind mir ins Gehege gekommen, mn *r»n nVman mro kV ’jk so habe nur rch die gegen alles Straucheln und Fallen sichernde innere Rechtsgewißheit; sie aber iVeo non iVü2i über das geringste strauchelnd, stütztos niederstürzen. 3. Wenn ein Lager gegen mich lagert, fürchtet nicht mein Herz; wenn Krieg gegen mich ersteht, aus dies hoffe ich. Der noch nicht genannte Quell der Hoffnung Davids nimmt die Furcht vor belagerunggleichem, dauerndem Kleinkrieg der Erwerbe nebenbuhler fort; auch die Schrecken plötzlichen Dernich-- MWr Milk maiWilt er in Loffmmg. 4. Mus einm HD bdiw AllzMz^. hashlbe suche ich; Mein Verbleiben im Hause des Aügütigen alle Tage meines Lebens, um in des Allgütigen Lieblichkeit Einblick zu genießen und in seiner Allmachtsstätte nach dem Rechten zu sehen. Das fromme Verdienst, dem der Psalmist die innere Ruhe zuschreibt, wird nun benannt; es ist das Bewußtsein, ein ständiges Verbleiben im Hause des Allgütigen von ihm selber erbeten zu haben und dauernd anzustreben. Das Verbleiben war zuerst VlkV ein vorübergehend, unverdient erborgtes und wurde erst später ppia» durch emsiges Streben zu einem solchen, dessen der Psalmift sich wert weiß. Cs wäre ja sonst schwer begreiflich, weshalb hier als Urgrund festen Gottoerttauens gerade die Liebe zum Hause des Allgütigen betrachtet wird. Eine solche 2. September'1926 r U N g s e! b st im Zweifel gewesen wären, kann jll feine OtoDo fein. lmD nm» auf jzm WrZe te* Schüler bezog sich auch die Antwort des Rabbi Akiba: „Mein ganzes Leben lang habe ich mich innerlich v o r b e r e't t c t zu jener „formalen Entschlußfähigkeit", indem' ich mir die höchste Prüfung vorstellte und meine ' Bereitschaft, sie zu bestehen-in-Mr g'roßzog. So ist sie mir jetzt ein leichtes Ding, und die Prüfung selber verschwindet hinter der gewaltigen Größe innerer Vorbereitung." (Schluß folgt.) Wochenrundschau. Nach der Misrachi-Konferenz. Die Misrachi-Konferenz in Antwerpen, die gleich den Tagungen aller anderen an Erez Jisroel interessierten Organisationen unter dem Drucke der die Aufbauarbeit schwer gefährdenden Wirtschaftskrise stand, hat einige Momente gezeitigt. die einer Besprechung bedürfen. Zunächst MllA Bis im i8syalk ihod'e Verwahrung eingelegt werden; nach der einzelne Redner, insbesondere Rabbiner Fischmann, den Ruhm des Misrachi durch Schmähungen der „Agudas Jisroel" erhöhen zu sollen glaubten. Ein Blick in die offizielle Berichterstattung der Aguda-Blätter über die Zentralratssitzung von Berlin hätte Herrn Rabbiner Fischmann davon überzeugen können, daß Herr Dr. Moses Auerbach die Zahl der in a g u d i st i - f ch e n Schulen Erez Jisroels betreuten Kinder niemals mit 3500 angab, sondern daß diese Zahl alle in orthodoxen Schulen alten Schlages erzogenen Kinder (exkl. Misrachi) zusammenfaßte. Die Zahl der Schüler und Schülerinnen in den spezifisch agudistischen Anstalten schwankt zwischen 12—1500 (zur Zeit 1190), nicht, wie Herr Fischmann, im Widerspruch mit den Tatsachen, behauptet „allerhöchstens 300". Kopfschüttelnd vernimmt man die weitere Proklamation des Herrn Fischmann, daß Rabbi- ™er Kuk ff n \? ttt fl t f klnenDssnr gegen DasFrllllenwllhlreHköt'lssssn häbe." Das ist genau so richtig, wie die Tatsache, daß Herr Rabbiner Kuk auch gegen den Keren hajeffod „keinen Jssur" erlassen hat. Beileibe nicht. Herr Rabbiner Kuk hat nur in einem großen, auch im „Israelit" seinerzeit auszugsweise Wertschätzung örtlichen Gotioerehrens fügt sich nur schwer in das Lehrgebäude unserer Anschauung vom 11122 pKH V2 KiVa alle Welt erfüllenden Schöpfer. Doch Gottes Lehre erzieht von außen nach innen. Als Kinder werden wir ohne Ahnung vom Weltheiligtume des Allgütigen in die heiligen Hallen seiner Anbetung und Huldigung geführt, um mit erwachendem Verstände in ihren „Schulenwahrer Gesetzeskunde und -treue erblicken zu lernen und alsdann ihrer wert und in ihnen über unsere Bestimmung auf Erden belehrt zu werden. — So wird die Schau, die uns an diesen heiligen Stätten zuteil geworden, zu einer n asu göttlichen Durchheiligung und Verklärung des ganzen Alltagslebens durch Gesetzesgehorsam und zu einem n»a, zu einem Sichumsehen nach dem Heilungs- und 'Krästigungsbedürsniffes unserer Seele, die ja, wie Hillel lehrt» unser steter „Gast" ist. — Nicht seinem Allmachts» iettvpel gilt Vt? fhM kttkttglk PflMk MS Sorge, foTtbem 1^,13 Vf¥ fli tÖDl HUI DCflCIt lMMlM und georgenen Seele feines BefMers. 5. Denn er birgt mich in seiner Hütte am Tage des Bösen, schützt mich im Schutze seines Zeltes; aus. einen Felsen erhebt er mich. Der Ich dieses Verses ist vor allem das Volk Israel als Ganzes; er läßt sich jedoch aus jeden solchen Menschen im Einzelnen änwenden, welcher sich vor inneren und äußeren Anfeindungen zu Gott flüchten, muß : Gott bewahrt midj, wie er iwrr ruöx den Frommen für jene Welt ihren Lohn im Stillen bewahrt, und hält mich geborgen für bessere Zeiten. Ich soll nicht den Stürmen meiner Jugendtriebe vorzeitig erliegen; ich soll nicht der Ungunst der Zeiten zum Opfer fallen; ich soll nicht in unnützem Kampfe mit Leichtfertigen meine Seelen-