Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 35 (26.8.1926)
- Date
- 1926-08-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450388-2450423--73405-2530813- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 Nr. 35 Der Isra e f*f |,?zjß^ 26. August '1926 Frauenwahlrecht usw. und teilt im Namen von Rabbi Kook mit, daß dieser niemals einen „ Isfur " gegen das Frauenwahlrecht erlassen hätte. Er polemisiert gegen die Aguda, und weist darauf hin, daß sogar die Linken aus dem letzten Kongreß für das religiöse Budget gestimmt hätten. An das Rösercli schloß sich sine srngshends Diskussion.!n ker Uc 4eUnng verschiedentlich gelobt und kritisiert wurde. Mit Spannung wurde die Rede M. M. Uss i s ch k i n s angehört. Er sagte: „Wir haben zwei Deklarationen, die eine ist von Balfour, die andere aber noch von Moses unterzeichnet. Obwohl die Diplomaten Palästina zerschnitten und verkleinert haben, muß man mit Schmerz konstatieren, daß kaum 5—6 Prozent des Bodens Kleinpalästinas jüdisch ist und doch ist der Bauer, der seinen Boden bearbeitet, der Hüter des Landes." Herr Philipp Mayer referierte über die Bankfrage, Abg. F a r b st e i n - Warschau über die pol itische Frage im Zionismus. Farbstein polemisierte gegen die Meinung mancher Misrachisten, daß der Misrachi nur eine religiöse, nicht aber eine politische Partei sei. Farbstein schilderte ausführlich die weltpolitische Lage des Zionismus, die er als günstig beezichnete. Rabbi Meir Berlin referierte am letzten Konferenztag über die praktische Arbeit des Misrachi, die darauf gerichtet sei, in Palästina ein religiöses Judentum zu erziehen. Die Erziehung ist der Grundstein zu einem Judentum der Zukunft. Misrachi muß in Palästina ein Mittelschulwesen ausbauen und für die Absolventen der Mittelschulen eine große Jeschiwa, in der auch weltliche Studien, wie z. B. Agronomie, getrieben werden sollen, um Thora und Awodah zu vereinigen. Er appellierte an die Misrachi-Rabbiner, von der Kanzel aus für den Misrachi-Gedanken zu werben, ebenso auch an die Leitung, die Presse für Misrachi zu gewinnen. — An das Referat von Rabbi Berlin schloß sich eine eingehende Debatte, an 8er sich fast alle Misr-achi- und dir bis spül nachto Dauerte.. P P * Die Misrachikonferenz nahm folgende Beschlüsse an: Stellung zur Aguda. Die Weltkonferenz des Misrachi bedauert die in den Reihen der orthodoxen Judenheit bestehende Spaltung und fordert den „Merkas Olami" (Weltrat) des Misrachi auf, wieder in Fühlung mit der Aguda zwecks Herbeiführung einer Verständigung und Vereinigung der gesamten orthodoxen Judenheit zu treten. Misrachi und Völkerbund.' Die Misrachi- Weltkonferenz protestiert gegen die Taktik der zionistischen Exekutive, die in ihren Eingaben an den Völkerbund die Existenz des Misrachi verschweigt. Die Palästinensische Gemeindeordnung. Die Misrachi-Weltkonserenz spricht sich für die Schaffung eines geeinten jüdischen Gemeindewesens in Palästina aus. Die jüdische Gemeinde soll alle jüdischen Landesbewohner in sich einfchließen; Austrittssreiheit hat nur derjenige, der aus dem Judentum austritt. Jedoch sollen verschiedene Gruppen innerhalb der Gemeinde mit Bezug auf religiöse Fragen Autonomie erhalten, insofern sie auf der Basis des Aufbaus eines jüdischen Palästina und der jüdischen Religion stehen. Kolonisation jenseits der Landesgrenzen. Die Misrachi-Weltkonferenz begrüßt den PlM fülfr NllMWlM DCS MMN KDllMlslMlMNMkL auf uni Kolonisation. Die Misrachi-Weltkonserenz beschließt, daß die Tätigkeit des Merkas Olami in Angelegenheit von Arbeit und Arbeiter durch den Hapoel Hamisrachi geführt werden müsse. Die Konferenz fordert den Merkas auf, für die Mittelstandssiedlung einzutreten und fordert die zionistische Leitung auf, sofort an die Schaffung einer Hypotheken- und Jndustriebank zu schreiten. Die Konferenz sprach sich noch gegen den einheitlichen Schekel aus und richtete einen Appell an die orthodoxen Juden Amerikas und an die amerikanischen orthodoxen Rabbiner, sich mit allen Kräften an dem vereinigten Palästina-Drive zu beteiligen. Fvcrnkveieh. Ausschreitungen im Pariser Judenviertel. Paris, 17. August. In der Nacht zum 17. August ist es im Pariser Viertel Belleville, wo sich zum großen Teil aus dem Osten eingewanderte Juden angesiedelt haben, zu ernsten Ausf^reiiungen ves farifer SjSSWfj MM W MM Mit' wohnerfchaft gekommen. Ursache zu den Ausschreitungen gab ein Vorfall im Cafe Sadoul, wo ein jüdischer und ein tschechoslowakischer Gast aneinandergeraten waren. Der Tscheche griff den Juden an, worauf dieser in der Abwehr ihn zu Boden schlug. Der Tscheche verlor für einige Zeit das Bewußtsein. Es verbreitete sich nun das Gerücht, ein Jude tjätte einen |jrango|en f?H?sMgZssil 2er Pöbel stürzte m Das Cafe, Demolierte es unö mißhandelte mehrere jüdische Gäste zum Teil schwer. Die antijüdischen Ausschreitungen dehnten sich über die Straße und andere Lokale aus. Die Menge stürmte ein Restaurant, in welchem eine etwa 80 Personen zählende Gesellschaft ein Bankett abhielt. Die Gäste wurden mißhandelt und die Inneneinrichtung demoliert. In den umliegenden Straßen wurden mehrere jüdische Passanten mißhandelt. Die Polizeiposten waren anfangs der Menge gegenüber machtlos, als dann Verstärkung herankam, wurde die Ordnung wiederhergestellt. Einige der Rädelsführer, sowie ein Jude, der zur Abwehr aus einem Revolver geschossen hatte, wurden verhaftet. Die Ausschreitungen werden auf die nervöse Jnflationsstimmung zurückgeführt. Man glaubt, daß angesichts der Wachsamkeit der Behörden eine Wiederholung dieser Vorkommnisse nicht zu befürchten ist. Brief aus Brasilien. San Paolo, 1. August. Infolge der Absperrung Nordamerikas und vieler Länder von Südamerika gegen die jüdische Einwanderung, indes die Krisis in Osteuropa katastrophale Formen annimmt, flutet der jüdische Wanderstrom nach Brasilien. Noch vor wenigen Jahren wohnten in Brasilien im ganzen 8000 jüdische Seelen, heute zählt die aus dem Osten stammende jüdische Bevölkerung im Lande 25 000 Seelen und ist irn Steigen bs° Äis grosse Sße^e^eli: ker Snbcrc sich in den Hauptstädten Rio De Janeiro, San Paolo unD anderen Großstädten. Ein kleiner Teil wohnt auf dem platten Lande. Die jüdische Kehillah in der Hauptstadt zählt 12 000 Seelen und ist gut organisiert, hat eigene Schule, Lesehalle, sowie religiöse Institutionen. In einem gut geleiteten Emigrantenheim erhält der Einwanderer die erste Hilfe. Geistiger Leiter der Gemeinde ist Rabbiner Dr. Jesaja R a s l o w i tz, der, von der Jca geschickt, anfänglich mit einigem Mißtrauen empfangen, sich in der Folge eine gewisse Autorität erworben hat und diese auch zu Gunsten der Einwanderer einsetzt.. Er ist zugleich auch Sachwalter der Jca und vermittelt die Uebersiedlung der Städter, die sich der Landwirtschaft widmen wollen, in die Kolonien. Ende Mai gelangten hierher 30 Familien, im ganzen 164 Seelen, die auf den Baron Hirsch-Kolonien im südlichen Brasilien angesiedelt werden. Nicht mitgezählt bei der vorgenantenStatistik ist eine beträchtliche Anzahl von westeuropäischen Juden, die sich hier dauernd oder vorübergehend aushalten und gar keine Beziehungen mit den jüdischen Zentren pflegen. Deren Zahl scheint nun auch groß genug zu sein, daß sie jetzt daran gehen, sich in der Hauptstadt einen Reformtempel zu errichten. Außerdem gibt es hier einige Tausend Juden aus Marokko und anderen Teilen Nordfl f r i r ß f i Die tDenföffl llDMlMDM Dom Mntz 08? 3U- DöNtzeit itzp Löben führen. In politischer Beziehung ist nicht der geringste Grund zur Klage vorhanden. Die Gleichberechtigung aller Bürger ist hier lückenlos durchgeführt. Für den jüdischen Menschen und die jüdische Lehre ist hier allgemein eine gewisse Achtung zu merken, und die Zeitungen üben scharfe Kritik an dem Antisemitismus, der in vielen Ländern Europas platzgegriffen hat. Wirtschaftlich geht es den Juden leidlich. Auf dem Lande find sie mit der Landwirtschaft beschäftigt, die Städter treiben Handel und Kleinindustrie. Von den Neuankommenden gehen die meisten in die Fabrik. Die Zahl der Handwerker ist sehr minimal. Aus- und Einwanderung in Palästina. Jerusalem, 19. August. Nach den offiziellen Berichten haben im Monat Juni 875 Seelen das Land verlassen, darunter 603 Juden. Eine solche Zahl hatte bis jetzt die Abwanderung auch in den schlimmsten Jahren des Krieges und der Nachlrimszsil mört SIMM. <DU Ulisinänkernnysyisfer schwankte bis letzt zwischen 200 und 300. Im Mai waren, es bereits 452 und im Juni schon 603. Im Juli soll sich, wie man erfährt, die Zahl noch wesentlich gesteigert, haben. Und dieses zu einer Zeit, da die Alijah im Vergleiche zum vorigen Jahre um die Hälfte zurückgegangen ist. LA «rmr löalöfif Wt in Diofon ZllWn 8M sWM Tzsahr sür dös Natronalhelm und macht der Palästmaregierung wie auch London schwere Vorwürfe, daß von. dort aus wenig getan wird zur Hebung.der Industrie, und des Arbeitsmarktes und damit zur Einhaltung der^ Abwanderung. Dann aber hält das führende Organ auch nicht mit seinen Anklagen gegen die zionistische Leitung, zurück, die für die Olim so gut wie gar nichts tue. Der- „Waad Haleumi", der früher ein Komtiee für die Alijah unterhalten hat, scheine ebenfalls keinen Finger zu rühren und der Zerstörung des Jifchuw durch die Auswanderung ruhig mit zuzusehen. Wenn die „Jüdische Rundschau" in Berlin andauernd zur Geduld mahne und darauf vertröste,' daß die Lösung der Aufgaben nicht eine Sache des Augenblickes, sondern eine Arbeit von Generationen erfordere, so sei ihr entgegenzuhalten, daß mit der Steigerung der Abwanderung und Verringerung der Alijah auch in Generationen die Ausgabe nicht gelöst wird. Auch der Bodenankauf gehe nicht in dem Tempo, das wenigstens ein langsames Vorwärtskommen sicherte. Im Juli, sind 1000 jüdische Seelen ins Land gekommen. Mai und Juni zusammen verzeichnen 1600 Einwanderer. Und diesen Ziffern gegenüber die starke Auswanderung. Das sollte den leitenden Stellen doch zu denken geben. Die Palästinaregierung veröffentlicht soeben ihr Budget für das Jahr 1926/27. Das Budget beläuft sich auf 2.525.034 Pfund. Unter den Ausgabenposten sind beachtenswert eine Position von 307.656 Pfund sür öffentliche Schulden- und Amortisationstilgung, 322.826 Pfund für Polizei- und Gefängnisse, 177.223 Pfund für den rnrnmua in iransiorDanion m 121378 1b. \k¥$k\)unQsme\en. Der Gouverneur Des palästinensischen Süddiftrikts General Sir Ronald Storrs ist zum Gouverneur und Oberbefehlshaber von C y p e r n als Nachfolger von Sir Malcolm Stevenson, dessen Amtszeit'abgelaufen ist, ernannt worden. Der König hat diese Ernennung bestätigt. General Storrs wird sich Anfang Oktober nach Palästina begeben und schon Ende Oktober Palästina wieder verlassen, um seinen neuen Posten anzutreten. General Sir Ronald Storrs war im Dezember 1917 von General Allenby zum Militärgouverneur von Jerusalem ernannt worden und weilt seit dieser Zeit als einer der obersten Beamten in Palästina. Personalien. Wallertheim, 20. Aug. Am nächsten Rosch Haschonoh begeht der 73jährige Herr Karl Jsaac, Seniov der Getreidehandlung Karl Jsaac u. Co., ein seltenes Jubiläum. , 50 Jahre sind es, daß der Jubilar Baal Tokeah der hiesigen Religionsgemeinde ist. Als Nachfolger, seines- Onkels, der ebenfalls lange Jahre Baal Tokeah war, mahnt er nun schon 50 Jahre durch des Schofars Stimme die Gemeinde zur heiligen Einkehr und Selbstbesinnung. Außerdem wirkt er bereits ununterbrochen von Beginn des Krieges 1914, seit der „lehrerlosen" Zeit als Baal' Koreh, immer in dem Bestreben, die Institutionen der Gemeinde bochzuhalisn, 8is lsidsr cruch fcJjort unter faem. QÜRflUfi iDetigeiiies gefillen Dies nicht Zur-Ücsfchrectsrr, in feinem Bestreben die Hei» lrghaltung der Thora in der Gemeinde zu vertiefen. Unser Wunsch zu seinem Ehrentage, dem namens des Wohltätigkeitsvereins Wallertheim—Gau - Bickelheim- Armsheim am vergangenen Jom-Kippur-Kotaun anläßlich der General-Versammlung bereits das Vorstands-- Mitglied Herr Jsaac Oppenheimer Gau-Bickelheim be-- redten Ausdruck verlieh, ist der: Mögen seine Bemühung gen von Erfolg gekrönt sein, und seine Kraft noch lange; Jahre der Gemeinde erhalten bleiben. Vermischtes. Frankfurt a .Al.» 3. August. Von der Stellenvermittlungszentrale der Agudas Jisroel-JugendorganifatBn wird uns geschrieben: Stellenlos! Fall. 1. „Meine Tochter ist bereits 2 Jahre stellenlos. In dieser schweren Zeit wird es mir nicht leicht, alles zu bestreiten. Sie: haben meiner Tochter noch immer keine Stelle vermitteln können" ... So schreibt' uns ein Vater vom Lande! Fall 2. Lebensmittelgroßfrrma, unter Aufsicht einer Großgemeinde, hat 20 Mann Personal, darunter 2 jüdische Angestellte. Die Kundschaft dieser Firma besteht aus rituell lebenden Juden. Fall 3. Textilwarenfirma,, deren Inhaber Vorsteher sozialer Institutionen sind, stellt 2 neue Angestellte ein: Nichtjuden! Fall 4. Religiöser Wt S BMoaiWUM. Darumsr teiim Da Suocn MW Dtstretian. wllhM kvnum.