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Der Israelit · 1926-08-19 · Heft 34 (19.8.1926) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 34 (19.8.1926)
Date
1926-08-19
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 17 Lette 3 -.19: August 1928 $tann Blätter das jetzt Bestehende zu schaffen. Mögen sich ihrem Beispiel Weitere Kreise anschließen, in der Erkenntnis, daß hier ein junges, für die Zukunft der thoratreuen Jugend und Erez Jisroels bedeutsames Werk entsteht. Holländischer Agudatag. Am 1. Luzufl müi i;; Zmrllz Uv rvfl; rffi. zielle Agudatag für Nordholland abgehalten. Mehr als 100 Abgeordnete hatten sich aus Groningen, Zwolle, Almelo, Zutphen, Arnheim, Amsterdam, Rotterdam und dem Haag versammelt. Oberrabiner Tal aus Utrecht, Herr Vredenburg, der Oberrabbiner von Gelderland, der Generalsekretär des Keren Hajischuw, Mr. van der Rhoer, Herr W. Birnbaum aus Amsterdam und Dr. Bamberger aus Frankfurt, sowie die meisten Vorstandsmitglieder der Landesorganiiation mormtcn Der MMllilliluW m. Der Vorsitzende der holländischen Aguda, Oberrabbiner Hirsch, Zwolle, hieß die Versammel- . ten willkommen und gedachte in großer Bewegung des eben verstorbenen Frankfurter Raws, Dr. Salomon Breuer, dessen ganzes Leben ein Werben und Kämpfen für die Agudabewegung war. — Redner freut sich, feststellen zu können, daß die Agudabewegung in Holland immer mehr Boden faßt und daß in den letzten drei Wochen 150 neue Mitglieder gewonnen wurden. Von Rabbiner Saarlouis, Mitglied des Raboinifchen Rats, und Herrn van Gelder, Arnheim, \m MMWNMklMSNMI MMüMii: Am Nachmittag versammelte man sich im Freien in Hattum. Hier sprach Dr. I. Pollak ays Wien. Redner , legte die Ziele der Aguda dar: größere Kenntnis der Thora, mehr Liebe zur - Thora und ein Leben, das innerlich und äußerlich der Thora angepaßt fein soll. Mit diesem Ideal .wollen wir einen Verband schaffen, der das gesamte Judentum umfaßt. Nicht nur die, die heute schon gesetzestreu find, sondern auch alle, die es morgen, übermorgen oder in der Zukunft fein werden. Oberrabbiner Vredenburg, Vorsitzender des Keren Hatora, setzte die Bedeutung einer sich ausbreitenden Agudabewegung auseinander, erklärte dis Ziele bes Keren Hajisthuns und dessen Sßebcu« kmg ms1e[onlev? fw Me §hvralehrstätten dkS Ostens und des Keren Hajischuw für Erez Jisroel. Auch Oberrabbiner Tal sprach begeisternde Worte zur Versammlung. Danach schloß Oberrabbiner Hirsch den Tag, den er als einen außerordentlich..gelungenen bezeichnete. . London. Von Wolf llncvbsvu ln Hamburg. in. Zu den unvergeßlichen Erinnerungen des englischen Aufenthaltes gehört ein Massenmeeting, das in der Synagoge der Machasikei Hadas veranstaltet wurde. Die Machasikei Hadas- Schul ist das orthodoxe Gotteshaus im Eeast, in erster Reihe von Arbeitern besucht. Macht diese Schul schon an einem gewöhnlichen Sefiro- Abend, wo Hunderte von Menschen, deren Gesichter von schwerer Lebensnot, deren Kleidung von schwerer Arbeit zeugen, zum „Sefirozählen" Zusammenkommen, einen ergreifenden Eindruck — an der Misrachwand umstehen zahlreiche Hürkr einen — sMstmrWndlich litsuischLtt — iMzglb, während in dem großen Bes Hamwrofch, das die Schul nach Westen abschließt, 10—50 eifrige „Lerner" sich über ihre Gemoro beugen — so war an diesem Abend, da der Keren Hathora gerufen hatte, das gefüllte Gotteshaus Stätte einer besonders packenden Kundgebung. Durch den Streik konnten erst am Morgen des betreffenden Tages die Plakate, die von dem Meeting Kenntnis gaben, in den Synagogen'der benachbarten Straßen angeklebt werden. Durch den lag die Synagoge während der ersten Hälfte der Veranstaltung in Halbdunkel — nur von 8 Uhr abends bis 6 Uhr morgens funktionierte das elektrische Licht — durch den Streik waren die Anwesenden — in überragender Mehrzahl Arbeiter, die sich und ihre Familien vom Tageslohn ernähren — schon acht Tage ohne das mindeste Einkommen, von des Tages Not im wörtlichsten Sinnn beschwert, — und doch: daß Israel nicht verwaist ist, zeigte auch gerade dieser Abend. Ob Sftafcti |Jer£>er-j irr her SOHetobit Iitc*wi|c^exr Vortragsweise, aber auch zugleich in der Trauer eines Menschen, der fast zwei Jahrzehnte in London das Judentum abbröckeln und immer mehr abröckeln sieht, den Zuhörern in sich ständig steigernder Erregtheit und Gewalt Musar sagte, ob E. Botschko mit geistvollen „Wörtern" und mit herzpackenden „Momentbildern" die Schönheit aber auch die Not des Ostens schilderte, ob Rabbi Rottenberg den „Gruß Jerusalems" entbot, zugleich das Elend seiner Rabbonim und Lamdonirn zeigte. ob man bte Pflicht bes Einzelnen für ten Mal um b?? Emgefnen, Me Mn> Westens für den Osten um des Westen willen predigt, — immer lauschte atemlos eine ergriffene Menge, und das Weinen, das aus der Frauenschul zu uns drang, zeigte, daß Männer wie Frauen, trotz jahrzehntelanger Trennung, die alte Melodie nicht vergessen hatten; nur angetönt, weckte sie hundertfaches Echo. Und die sich daran anschließende Geldsammlung! Man hatte uns gewarnt: der englische Jude hört gern, aber er gibt nicht gern — nun, wir waren immer Optimisten, noch nie aber hat unser Optimismus so triumphiert wie an diesem Abend. Pennyrneise ßeilie - uni 3 e i e r gab, mahl nicht ein Einziger schloß sich aus. Und schwer, sehr schwer wird bei Gott diese Gabe gewogen haben; sie war für das Frühstück des andern Morgens bestimmt, oder gar, wo man das schon gestrichen hatte, für das Mittagbrot. Wie tief beschämt waren wir doch: als wir kamen und diese Menschen sahen, äußerten wir zueinander: „Hier kann man kein Geld sammeln, hier wird man verteilen müssen." Und nun dieses Ergebnis. Satte Westler hatten dem deutschen Keren Hathora Vorwürfe gemacht: „Wer geben will, der kann geben", dieses Wort aus seinem Schowuaus- Aufruf sei eine Phrase. Die Herren mögen von den Arbeitern Londons lernen, sich von ihnen vffchämfll Ulfftch Klk stk UNZ Dctottmten.' llnD hier kam es uns so recht zum Bewußtsein: Kaschjes macht, wenn Tauroh in Not ist, nur der Satte. Wer selber hungrig ist, spürt den Hunger, der spricht nicht, der verhandelt nicht, der handelt! Diese orthodoxen Londoner Arbeiter tragen dem Namen ihres Gotteshauses Rechnung, ja sie tun mehr als ihre Pflicht. Der Talmud verlangt mirin pim nur von dem, T7*a pisvw. f i e unterstWn Mb ftüßon, dötiq Dafi Tio Doe DMMögsn düM haben. Und als mir ben Ehafon tm anschließenden Maariw dann vielhundertstimmig antworteten: mi,? ava w ibvn mwin *r\ da fühlten wir: Solche selbstvergessenen Menschen tragen auf ihren leidgebeugten Schultern ein größeres Stück Golus als wir Westler. IV. Die Londoner Wochen standen im Zeichen des Generalstreiks. Das hinderte die Arbeiten außerordentlich, und doch war dieser Streik ein gewaltiges Erlebnis. Millionen von Arbeitern streikten — und kaum war ein ernstlicher Zwischenfall zu verzeichnen. Alle Räder standen still, und in 24 Stunden hatten bte Maßnahmen ier Negierung b?n Trfyfg, hlk MUschMc wieder, wenn auch langsam und in beschränktem Umfang, arbeitete, daß z. B. in London, wo täglich Millionen die Beförderungsmittel benutzen müssen, ein die Ansprüche einigermaßen befriedigender Notverkehr eingerichtet war. Ein überwältigender Sieg des Gedankens der Organisation, eine zwingende Mahnung an die Orthodoxie. —- aus solchen Tatsachen die Lehre zu ziehen und nicht achtlos an ihnen vorüberzugehen. Und noch ein Anderes löste der Streik in uns aus. das nicht so schnell »ersessen sdllie: es war ein Außerbetriebsetzen materieller Kräfte, und die Menschen waren davon bis in das Jnerste ihrer Seelen ergriffen. Wie würden die Menschen, unsere Menschen, auf einen Streik der g e kst i g e n Arbeiter reagieren? Mit dieser Frage mußten wir uns alle die Tage unfreiwilliger Muße beschäftigen. Man kalkulierte die durch den Streik verursachten Verluste in einzelnen Geschäftszweigen. „Man", das waren nicht nur smarte Engländer, sondern auch „unsere Leute" — stfl fNs? till? ru? m\m TmsWss tsr men, wenn ein Generalstreik der Laumde Tauroh einsetzte? Diese Betrachtungen machten wir zum Gegenstand einer Aussprache, und ehrlicherweise mußten wir alle diese Frage verneinen. Und in diesem „Nein" liegt das ganze große Elend unserer Zeit mit ihrer Judentumsnot umschlossen. Das Meßbare, das Wägbare, das durch Substanz Auszudrückende, das umfängt unsere Seelen und Sinne, jener nipun auf dem die sittliche Welt basiert, ist unserer materialisierten Welt zum geworben. llnh bas, was her: Üher «föen Singen stehende Koheleth als bezeichnet, wurde uns zum letzten Sinn des Lebens. Wenn eine Jeschiwah schließen muß, weil Brot für Lehrer und Schüler fehlt, löst's ein baldvergessenes Bedauern in uns aus. Wenn aber eine Fabrik drei Tage freiwillig feiern muß, weil ihr der elektrische Strom abgeschnitten wurde, dann sind wir verzweifelt, -pan aVw p M'rrn.Und bei uns hätte ich die gleiche Welt sehen können, wenn Gelegenheit dazu gewesen wäre. Dies war der so sehr erschütternde Gedanke, der sich während der Londoner Streiktage beflemmertb aufbrängfe nnb immer mteber an jenes sc» lref|enke chafsiMfche mflijnWf W»? Ansky im „Dibbuk" bringt: Cs kam einmal zum Rabbi ein Ehossid, ein reicher Mann, aber ein großer Geizhals. Der Rabbi faßte ihn an der Hand, führte ihn zum Fenster und befahl: „Blicke hinaus". Der Reiche blickte hinaus. Dann fragte der Rabbi: „Was siehst du dort?" Der Reiche antwortete: „Ich sehe Menschen". Der Rabbi faßte ihn wieder an der Hand, führte ihn vor den Spiegel und sagte: „Blicke hinein, was siehst du jetzt?" Der Reiche erwiderte: „Jetzt sehe ich mich". Da sagte der Rabbi: „Verstehst du mich? Im Fenster ist eine Glasscheibe, und im Spiegel ist eine Glasscheibe. Aber die Glasscheibe im Spiegel ist versilbert. Durch dieses Silber hört man auf. MkllMn zu MW. Ullä kWinill nur sich allein ZU sehen! ..." Das Silber, der Drang, es zu besitzen, macht uns blind, ja blinder noch als dieses Bild uns sagt. Auch uns selber läßt es nicht mehr sehen, nur den äußeren Menschen zeigt uns der Spiegel, das wahre Ich bleibt uns verborgen. Im Spiegel unserer Seelen sehen wir unsern wahren Menschen nur in seltenen Mamenten ber Hoch- [fannwngr {o nnr meine — trotz allen ©C’ müfjens, die Not zu erleben — westliche Reserviertheit zum Bewußtsein kam erst gegenüber der Aufgeschlossenheit, der Hingegebenheit jener armen, reichen Arbeiter in der Machsike Hadaß. Jene Juden sind vielleicht gar nicht besser als wir, nur weil das Silber fehlt, sehen sie die Andern deutlicher und auch sich selber. Gebe Gott, daß unser Volk nie so arm wird, daß seine Laumdim streiken müssen, — das könnte ja G. s. h. nur ein „Hungerstreik" in des Wortes anderm Sinne fein — bleiben wir uns aber bewußt, daß ein Versiegen des „Brunnens der lebendigen Wasser" Verdursten der ganzen Judenheit bedeutete, mte sein frisches uttb starkes Giranten der West HeöeN UUd MM ist» Diese kurze Skizze, die am Rüsttag zu pr nrv-nn niedergeschrieben wurde, soll mit den Worten geschlossen werden, die der Dichter im Piut des ersten Festtages spricht: „Wenn das Begehren du bemeisterst, Für Gottes Wort dich froh begeisterst, Dann ist dir wahres Glück begegnet! Dein ist der Reichtum beider Welten, Und in Palästen und in Zelten Wirft bu ^ef»riestn unb gesegnet." 1 r iw« H’V’awiaD Tnr Trat o^sidq th ö^vwi ösai5j? ‘i'htiWi nibMy

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