Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 34 (19.8.1926)
- Date
- 1926-08-19
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 17 Die Wahrheit mit der Parteibrille. Entgegen den Verdrehungen und Verleumdungen, die sich die jüdische Presse in Amerika in letzterer Zeit gegen die Aguda leistete, veröffentlicht der Zionistische Schriftsteller S. P i - t r u s ch k a im Newyorker „Tog" vom 24. Mai dieses Jahres einen Artikel, der wegen seiner tim mmmmimm vnümn Mit Nüxksicht aus all die Ausetuaudersetzuugen im „Tog" und anderen Blättern für und wider die Aguda erachte ich es als Pflicht, die Sache so zu schildern, wie ich sie hier in Palästina aus eigener Anschauung kenne, ohne jeglichen Aufputz. Ich bin kein Mitglied der Aguda und auch sonst nicht auf die Satzungen des Schulchan Aruch eingeschworen, aber ich bin auch kein Feind Dfl¥ SlQllbS. iDid 31$Ufor Sie eine gro|je .üflertge orthodoxer Juden umschließt, har Anspruch auf objektive Beurteilung und gerechte Behandlung, auf Anerkennung ihrer Leistungen und Kritik ihrer Fehler. Verwerflich ist es aber, Unwahrheiten über sie zu verbreiten. So las ich im „Tog" vom 1. April eine Mitteilung des Rabbiners S Sadowski, daß die Aguda den Arabern einen hohen Preis für Boden angeboten hat, den der Nationalfond um die Hälfte hätte kaufen können. Herr Rabbiner Sadowski ruft emphatisch aus: „Wer dies nicht für wahr hält, komme und wiederlege es." Ich 1mm Dich M Um Mlnele Des »ntanfs in Palästina recht gut aus und sehe mich daher verpflichtet, zu konstatieren, daß diese Anklage der Wahrheit entbehrt. Im Gegenteil ist mir bekannt, daß die Aguda einmal einem Araber eine Vorauszahlung von tausend Pfund für einen großen Ankauf gemacht hat, dann aber, als sie erfuhr, daß eine Gesellschaft des Nationalfonds bereits in Verhandlung wegen dieser Grundstücke stand, von der Sache zurückgetreten ist und dabei ohne jede Forderung die tausend Pfund aertoren mt W trifft nur Das ging zn. Daß orthodoxe Juden «US Polen (nicht Aguda) Boden erwarben in der Nähe von Petach Tikwa, der schon anderen Juden (nicht Nationalfond) verkauft war. Die Käufer konnten bei einem Din Torah vor dem Oberrabbinat Nachweisen, daß sie von dem Erstverkauf nichts gewußt hatten. Preistreibereien und unlautere Konkurrenz beim Bodenerwerben kommen leider in vielen Fällen bei nichtfrommen Juden oder guten Zionisten vor, ohne das deswegen Jemand eingefallen wäre, die zionistische Organisation dafür verantwortlich zu rnachsn. Ich r»iedsrhc»le: ö!n gut kingeweiht in die VerhlllMifse des Bodenkaufs in Erez Jisroel und weiß, daß die Anklage des Rabbiners Sadowski vollkommen unbegründet ist. Ebenso völlig aus der Luft gegriffen ist die Anschuldigung, daß Agudas Jisroel in Palästina eine Gruppe von Verrätern sei, die nur darauf ausgehe, die jüdische Einheit zu zerbrechen. Man muß nur die Agudaführer in Palästina, wie Rabbi I. CH. Sonnenfeld und Rabbi Elia Klatzkin (früher Lublin) und ähnliche mehr kennen, um zu wissen, wie absurd es ist, diese Männer'des Verrates an der jüdischen Gemeinschaft anzuklagen. Rabbi Sonnenfeld, ein Greis von halb 80 Jahren, rmbmeie |ein ganges Leben List Thora und der Frömmigkeit, ist sin Weiser und ein Gaon und führt ein kümmerliches Leben, von. dem man sich kaum einen Begriff mache, da er es strikte ablehnt, etwas aus öffentlichen Geldern anzunehmen, wiewohl man ihm schon viele öffentliche Aemter und sogar das Amt des Oberrabbiners neben Rabbi Kuck angetragen hat. Won gleicher Art stnd au^ Rabb^ flHi? Huölm, einer der anerkanmen Glwnim, wie die anderen Führer der Aguda, die zum Teil als bedeutende Männer in der Welt bekannt sind. Vielleicht sind auch ein paar unerwünschte Elemente darunter, deren Inneres etwas anders aussieht als ihr äußeres Gehaben. Solche gibt es aber in jeder Partei, im Misrachi sowohl wie in der zionistischen Organisation und allerwärts. Der Israeli Blätter Darum über die Führer der Aguda den Stab zu brechen wie über Verräter und Verbrecher an Israel, ist eine Ungeheuerlichkeit und auch eine absolute Fälschung der Tatsachen. Und grade in dem Punkte, der zu jenen Anklagen und Verleumdungen geführt hat, ist das Recht vollkommen auf Seiten der Aguda. Ich meine, die Frage der Gemeindeorganisation in Palästina. Wie man sich au® 2ur Mißion fMt, muß man Doch MiMwerse zugeben, daß die Orthodoxie in Palästina ein Anrecht darauf hat, sich ihre eigenen getrennten religiösen Gemeinden zu sichern. Große Fehler sind dadurch begangen worden, daß man die Forderungen der Orthodoxie außer acht ließ. Es geht nicht an, in religiösen Dingen einen Gewissenszwang auf die Andersgesinnten ausßuüben. Erklären tmr uns btejes an einern Beispiel! Ärlgcimmmcm vir Agulm mürve auf diesem Gebiete unterliegen, so daß in Palästina nur e i n e Gemeinde, in jeder Stadt existieren könne, in der alle Angelegenheiten, nach den Grundgesetzen der „heiligen Demokratie", mit Stimmenmehrheit entschieden werden. Nun könnte sich beispielsweise ergeben, daß sich in einer Kolonie wie Petach Tikwa, die 8000 Seelen zählt, 5900 Unreligiöse 3000 Religiösen gegenüberstehen. (Zur Zeit stehen die Dinge in Petach Tikwo noch nicht so, und ich möchte keinem raten, dort aus öffentlicher Straße am Sabbat nur ein Taschentuch zu tragen, wenn der Eruw beschädigt ist.) rnioenommen, mir Dätten Dort ddiqo KonstM? Hort und eine zufällige Stimrnenmajorität käme dann zusammen für die Wahl eines Rabbiners aus einem Reformseminar mit Rabbinatsautorisation von einem der Rabbis, die den Genuß von Schweinefleisch für ganz ungefährlich halten und die Göttlichkeit der Thora auch nicht als absolut sichere Sache hinstellen, was dann? Hn alle Freunde und Förderer unserer Arbeit richten wir den Appell, ihre Glückwünsche zu Rausch-Haschonoh zu Gunsten unseres Schul- Werkes in Erez Jisroel abzulösen. Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel Frankfurt a. TR. Postscheckkonto 53 900 Frankfurt a. TR. Ich betone nochmals: Zur Zeit besteht keine Befürchtung, daß in Palästina solche Rabbiner gewählt werden. Aber theoretisch sind solche Fälle zu bedenken. Dürfen fromme Juden in einer Stadt, wo sie die Minorität bilden, sich den Beschlüssen der Majorität fügen, die gegen den Schulchan Aruch sind? Dürfen und können sie in einer solchen Gemeinde bleiben? „Mir" wäre es erlaubt, einer solchen Gemeinde anzugehören, „mir" wäre sogar erlaubt, gar keiner Gemeinde anzugehören, ich persönlich habe so wenig Interesse an einem Reformrabbiner aus Cincinatti wie an einem alten Raw aus der Woloschiner AWrrn, Wir sprechen aller von arillolloren Juden. Darf ein orthodoxer Lude seiuett Steuerobulus einer Gemeinde leisten, deren Rabbiner an die Thora nicht glaubt und sich nicht an die Satzungen des Schulchan Aruch gebunden fühlt? Es kommt nicht darauf an, daß man den frommen Juden nicht zwingt, mit seinen religiösen Fragen zu diesem Rabbiner zu kommen (auch dies fehlte nach;) Aller Darf ein gcießestreuer QuDe Mrs Haupt in. irgend sinsr Berührung mit einer solchen Gemeinde kommen? Darf er mit feiner Zugehörigkeit zu solcher Gemeinschaft anerkennen, daß der. Mann, der die Grundsätze der Religion ableugnet, den Namen „Rabbiner" verdiene? Vorige Woche fand in Jerusalem eine Rabbinerversammlung statt, an der unter Führung von Sonnenfeld und Klatzkin die angesehensten Rab- 19 August 19^6 biner des Landes teilnahmen. Die Versammlung nahm Stellung zu der Weigerung der Regierung, die Forderungen der Orthodoxie in Sachen des Gemeindegesetzes anzuhören und zu erfüllen. Die Rabbiner nahmen einen Beschluß an, danach esjedem gesetzestreuen Juden verboten ist, einer Gemeinde anzugehören und Steuern zu zahlen, welche Institutionen, die gegen Thora und Religion gerichtet sind, unterstützt. Wenn beifpiels- Röisö fslHe GzllietllSz etüen nnreiigias^n Rabbiner wählt oder eine Arbeiterküche unterstützt, die unrituell geführt wird, mit einem Worte, wenn die Kehillah nicht nach den Satzungen des Schulchan Aruch ihr Leben regelt, dürfen und können Gesetzestreue nicht mitmachen. Die Rabbinen haben von ihrem Standpunkte aus durchaus recht. Sie können auf keine Forderung des Schulchan Ar-u«^ x>ev^xdjien. Unb wenn wir Wert darauf legen, NM der Orlhodoriö in einem l Verbands, m einer Gemeinde zu bleiben und sie sogar mit der Staatsgewalt dazu zwingen wollen, so müssen wir all ihre religiösen Forderungen annehmen. In religiösen Dingen gibt es kein Recht der Majorität. Was hier nicht erlaubt ist, bleibt unerlaubt.. Aus all dem ergibt sich klar, daß grade im Punkte des Gemeindegesetzes die Orthodoxie m vollstem Rechte ist, wenn sie für sich beansprucht, eigene Gemeinden mit eigenen Rabbinern, Schächtern und Lehrhäusern zu errichten. Der Sturm, der sich deswegen erhob, zeugt von Wimmer Manfoninfigfoit. WG MH te Zwang zur Steuerzahlung wird die Einheit m Israel erhalten. Auch die Anklage gegen die Aguda, daß sie sich mit ihren Forderungen an die englische Regierung gewandt hätte, ist grundlos, da sie bekanntermaßen zuerst mit ihren Anliegen die zionistische Organisation angegangen ist. Erst nachdem diese die Forderungen abgelehnt hat, sah sie keinen anderen Ausweg, als sich direkt an die englische Regierung zu wenden. Aus der Bewegung. Frankfurt a. Ist. Anläßlich der vom 22. bis 29. August stattfindenden Werbewoche der Agudas Jisroel-Jugendorganifation wird eine Sammlung veranstaltet mit einem Preisausschreiben, dessen 1. Preis eine Fahrt nach Erez Jisroel ist. Es kann sich jeder Agudist und jede Agudistin beteiligen. Nähere Bedingungen teilt das Großstadt- Dezernat der Agudas Jisroel-Jugendorganisation, Frankfurt a. M., Schützenstr. 12, mit. Frankfurt a. nt. Die Agudas Jisroel-Jugendorganisation, bezw. das hier in Frankfurt domizilierende Großstadt-Dezernat gibt jetzt ein gedrucktes Korrefpondenzblatt heraus, von dem uns die zweite Nummer An. soso yortiegejj, HM MW im MM' lichcn Berichte über vas Hemmer Treiien (Möiöllll Wolf Jacobson), Gruppenberichte und Notizen, sowie einen Aussatz von Manfred Neuberger über die Neutralität des Esra. Lodz. (AJPB). Laut Beschluß der Zentrale fanden am Chamischeosser b'Aw in 40 Städten Zusammenkünfte der Benaus Agudas Jisroel-Bewegung statt. Die Frauen und jungen Mädchen verbrachten diesen Tag in festlicher Stimmung. Es wurden Referate über die Bedeutung des Tages gehalten und die Teilnehmer über den Stand der Agudaarbeit unterrichtet. Eine Sammlung für den Pressefond zeitigte ein schönes Ergebnis, so daß das „Vees Jakob-Journal", das bisher monatlich erschienen ist, nunmehr 14tägig herausgegeben werden soll. Lutno und Schedlitz. (AJPB). Am 28. und 29. Aw finden hier Bezirkskonferenzen der Aguda statt, bei welcher je 20 Gruppen vertreten sein werden. Antwerpen. (AJPB). Durch die Bemühungen von int Mr MMN, srmftßrDam, murDs Dior otns MSSchsngMpps gegründet, deren Leitung Frl. Necha Rottenberg (Vorsitzende), Frl. Regine Wachsstock (Sekretärin), übernommen haben. Ferner wurde ein Bees Jaakob- Komitee gegründet. Den Vorsitz hat Frau Figatner übernommen. Wien. (AJPB). Rabbiner Dr. Pollak ist nach siebenwöchentlicher Abwesenheit nach Wien zurückgekehrt und hat seine Amtsgeschäfte wieder übernommen. Wien. (AJPB), Die Keren Hathora-Zentral« bat auf Manlassuilg Dqf Iöfsii MlMllÄasWMung in Sa? Schweiz Uii Zöschiwss m Zebren, Ae§ üubämic (Polen), Vomza, Klotzk, Nowogrodek, Kowno, Galanta, Hunsdorf, Stampfen, ferner den Lehrerbildungsanstalten Höchberg und Würzburg Subventionen überwiesen. Brünn. (AJPB). Der Kultus-Ausschuß der hiesigen Kultusgemeinde beriet über den Veitrittsantrag der Keren Hathora-Zentrale und beschloß nach längerer Verhandlung, je einer ausländischen und inländischen Jeschiwo einen Subventionsbeitrag zu bewilligen.