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Der Israelit · 1926-08-19 · Heft 34 (19.8.1926) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 34 (19.8.1926)
Date
1926-08-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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S»iie 6 Skr. 34 Der Israelit 19. August 1926 Liberales Staatsbürgerfchaftsgeseh in Litauen. Kowno, 8. August. Das litauische Kabinett berät gegenwärtig über einen Gesetzentwurf betreffend die Verleihung des Bürgerrechtes an solche Personen, die zwar in Litauen geboren oder beheimatet sind, aber nicht in der Lage sind, sich über ihre litauische Staatszugehörigkeit auszuweisen. Die jüdische Fraktion im litauischen Sejm hat diese Vorlage angeregt, die, wenn sie Gesetz wird, es vielen Hunderten jetzt staatenlosen Juden ermöglichen wird, Bürger des litauischen Staates zu werden. (I. T. A.) Sehiveiz. Der Bericht der Alandatkommiffion. Genf, 13. August. Die „Jüdische Telegraphen-Agentur" verössentlicht Alirziige m bcm Bericht der ÜMatfomnifffion über ihre Juni-Sitzung, der für die Teilnehmer an der Vollversammlung des Bundes im September bestimmt ist. W-s -nrn^-nen feem gWjM 8jx TtMlli BlE W aus da G e m e i n d e g e s e tz beziehen, wobei wir die Verantwortung für die Korrektheit der Uebersetzung, da es zuweilen auf eine Wortnüance ankommt, der genannten Agentur überlassen müssen. Den Bericht über das Memorandum der Agudas Jisroel erstattete Frau A. Wicksell. Sie führte aus: „Es ist für die permanente Mandatskommission somge unmöglich,?>n Urteil darüber abzugeben, ob der Waad Hair Aschkenasi und die Agudas Jisroel in ihren Klagen im Rechte sind, als bis die einzelnen Vorschriften betreffend die jüdische Gemeinschaft veröffentlicht und der Kommission vorgelegt worden sind. Bis jetzt wissen wir nicht, welche Macht hierin den zentralen und den munizipalen Autoritäten der verschiedenen religiösen Gemeinschaften gegeben wird, bis zu welchem Grad, wenn überhaupt, es ihnen erlaubt sein wird, sich eigene Gesetze zu geben.' Die kleine aschkenasische Gemeinde protestiert gegen die bloße Tatsache, daß eine Organisation geschaffen wird, in der Frauen Stimmrecht haben und wo öffentliche Zerrisikate von Autoritäten ausgegeben werden, die nicht zu ihrer Sondersekte gehören. Es ist die Pflicht der Mandatsmacht und der permanenten Mandatskommission, allen Einwohnern Palästinas vollständige Gewirensfreiheit zu sichern, ebenso auch die freie Uebung jeder Form des Gottesdienstes, insofern sie der Aufrechterhaltung ö^enrlidpr Orömmg unö tmcKikSSstMtl vM Angelegenheiten des Familiöngesöhss z. B. herrscht große Meinungsverschiedenheit zwischen den streng orthodoxen Juden und dem fortschrittlicheren Element. Wenn in diesem Belange der Gemeinde gesetzgeberische Macht verliehen ist, so darf der streng orthodoxe Teil mindestens ebenso viel Freiheit verlangen, sein inneres Leben in Palästina selbst zu regeln, wie sie ihm in England zugebilligt wird. Unter den ganz besonderen Umständen, die in Palästina herrschen, kann es nötig werden, zu einer so ungewöhnlichen und vielleicht sogar gefährlichen Maßnahme zu greifen, wie sie die Schaffung religiöser Staaten im Staate darstellt. Das Problem ist ein außerordentlich schweres, und zwar sowohl was die jüdische Gemeinschaft als auch die christliche Gemeinschaft betrifft, die noch weit mehr in Sekten zersplittert sind als die Juden. Die Mandatskommission nimmt das Memorandum und die Feststellungen hierüber seitens der Mandatsmacht zur Kenntnis und wird auf die Angelegenheit zurückkommen, sobald die vorgefchlagenen Regelungen in Kraft getreten sein und ihr vorliegen werden." VäÜHkn*. Die Litze an der Weskmauer. Jerllslllöm. 1. IiifliifL ist Noch ih Itaue'tgev Erinnerung i>er <£>£cmbai, der am letzten Jom Kippur vor der Westmauer dadurch entstand, daß die Araber mit Hilfe der Jerusalemer Polizei den betenden Juden die Stühle und Bänke gewaltsam entzogen. Nun ist im Schoße eines Komitees der Gedanke entstanden, daß sich die Juden einer gewissen Art von Schemeln und transportablen Liegestühlen bedienen sollten, wie sie bei den arabischen Hirten an vielen Stellen üblich sind. Die palästinensischen Vertreter beim Völkerbunde ließen ein Dutzend solcher Stühle zur Probe in Genf anfertigen, um sie in Palästina auch den Arabern vorzuzeigen, und man hofft, daß diese Sitzgelegenheiten den Unwillen der Araber nicht mehr Hervorrufen. (Daß die Araber erst die jüdische Sitzweite genehmigen müssen, ist ebenso bezeichnend wie der Skandal selbst.) Personalien. Flieden, 11. Aug. Schon wieder riß der Tod eine schmerzliche Lücke in unsere kleine Gemeinde. Unser langjähriger früherer Synagogenältester Salomon K a tz - mann ist nach kurzem Krankenlager zu einem besseren Leben heimgegangen. Die Trauerkunde von dem unerwartet schnellen Ableben des vor wenigen Wochen noch so rüstigen Greises Hatte unter der jüdischen und auch christlichen Bevölkerung, bei der der Verblichene in großem Ansehen stand, eine so rege Anteilnahme hervorgerufen, wie wohl kaum ein Trauersall vorher. Als Beweis, welch großer Hochschätzung sich der Entschlafene erfreute, dient die Tatsache, daß er zu gleicher Zeit vier zeitraubende Ehrenämter bekleiden durfte. Er war 20 Jahre Synagogenältester, saß ebenso lang im Gemeindekollegium, war 25 Jahre lang Hauptmann und bis zu seinem Lebensende Ehrenpräsident der Freiwilligen Feuerwehr und Vormund über 5 Waisenkinder. Am Grabe wies Lehrer Freudenberger auf diesen Umstand hin und nahm im Namen der Gemeinde Wsrhied von dm früheren Führer. Sn rührenden AWedsmrte» entbot der Oberbrandmeister Ebet aus Neuhof dem treuen Kameraden im Namen der in corpore erschienenen Freiwilligen Ssuermsb* feen lebten Slfefc^tefesgmfe. SEßtr roerb en bem Kll es)ren^es un& treues Sinkenden bewahren. n-r-i-n- Geroda, 10. Aug. Am 18. Aw wurden die sterblichen Ueberreste des Salomon Heß von hier unter starker Anteilnahme zu Grabe getragen. Der Verstorbene war ein goltesfürchtiger, frommer Jehudi, auf den das Pfalmistenwort paßt: s-ps 'n nw •> -ras -vi n-.x „Leid und Kummer trifft mich und den Namen Gottes rufe ich an". Herr Ortslehrer Strauß schilderte vor dem Trauerhause das Leben des Dahingeschiedenen und Herr Lehrer Heß aus Miltenberg dankte dem entseelten Vater für all die empfangene Liebe. Belgrad, 9. August. Durch Kgl. Dekret vom 26. Juli ist der bisherige Leiter des jugoslavischen Vizekonsulats in Bafel, Sally Guggenheim, zum Konsul und das Vizekonsulat zum Konsulat erhoben worden. Vermischtes. Berlin, 12. Aug. Der Verband der Großberliner Ortsgruppe des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat ein Merkbüchlein herausgegeben, das einen jüdischen Kalender und sonstiges Wissenswertes enthält. Es kostet 60 Psg. pro Stück, und ist vom Landesverband Berlin, Lindenstr. 13, zu beziehen. Frredberg i. H., 9. Aug. Am hiesigen Polytechnikum wurde ein Jüdischer Studenten-Verein „Heatid" gegründet. Er bezweckt die Zusammenfassung und die Jnteressenwahrung aller jüdischen Studenten. Auskünfte über alle Studicnangelegenheiten, Nachweis von Zimmern und von koscherer Cßgelegenheit durch den Schriftführer, Herrn cattb ing. ßufetmg 9?ofeni:E;nIer, 0rriefet>erg -r. Sy.. fieort» HMM 11. Jl&V&bäM, 17. Aug. Der Verband gesetzestrsuer jüdischer Jugendvereine Bayerns, der seit vier Jahren für die Wiederbelebung des jüdischen Lebens in Stadt und Land eine segensreiche Tätiget entfaltet, ruft feine Gruppen für Sonntag, den 29. Aug. ds. nach Ansbach zu einem Verbandstag auf. Das Interesse, das allseits dieser Jugendorganisation entgegengebracht wird, läßt bestimmt eine rege Teilnahme aus allen Gemeinden Bayerns erwarten. Essen a. d. Ruhr, 12. Aug. Die hier bestehende, segensreich wirkende Chewrah Talmud-Thora hat beschlossen, ein Haus zu errichten oder zu kaufen, in dem die bestehende Talmud Thora entsprechend dem Bedürfnis erweitert werden kann. Die Talmud Thora wird heute schon von 116 Kindern besucht. Da die Eltern dieser Kinder meistens unbemittelt sind, fordert der Verein zur allgemeinen Beteiligung an den Kosten des Hauskaufes auf. Es wird gebeten, Spenden für diesen Zweck Herrn I. Hudes, in Essen-West, Fronhauserstr. 170, zukommen zu lassen. Jhringen am Kaiserstuhl, 9. Aug. Gelegentlich eines Familienbesuches hielt am Sabbat, den 12. Juli, der Sekretär des Hilfsoereins für jüdische Lungenkranke in der Schweiz, Herr A. I. Rom aus Zürich, in der hiesigen Gemeinde einen Vortrag über die Bedeutung der Lungenheilstätte „Etania". Die fast vollzählig erschienene Gemeinde nahm den Vortrag mit lebhaftem Interesse und aufrichtigem Danke entgegen. Es sollte auf dem Erdenrund keine jüdische Gemeinde geben, die es nicht als ifira MW DetracOtot MMs oroßo m llNtsMutzsn. dsnn. bsi Sse Isidst« fs mitm D^eb^itung der Tuberkulose ist die Gesamtheit an der Erhaltung der Lungenheilstätte „Etania" aufs stärkste interessiert. Briefkasten. N. L. W. in Fr. Es wird bei pp 1122 D*)1' das nicht bei Ganzsasten stattfindet, weder iriy noch D2N2 noch cpw gesagt. Besten Gruß. I. I. in Sch. Die Mitteilung war uns von der jüdischen Telegraphenagentur in Berlin zugegangen. Näheres ist uns nicht bekannt. Familiennachrichten. B armizwo:kErwin. Sobn des Herrn Alfons Klibansky, Bäckerweg 321. Nxn ’D 'S- Synagoge Friedberger Anlage. frankfurter Berichte. Trauerfeier für Rabb. Dr. Salomon Breuer in der Synagoge der Israelitischen Religionsgefellfchaft. Die cpsw für unseren Heimgegangenen Rabbiner fanden am letzten Sonnabend mit einer Trauerfeier in der Synagoge, Friedberger Anlage, ihren Abschluß, die zu einer überwältigenden Kundgebung der Pietät und der Dankbarkeit für den abberufenen Meister wurde. Die Synagoge hatte mit der Menge, die sie bis auf den letzten Platz anfüllte, mit der Stille und Andacht, die im Raume herrschten, fast Jomkippurweihe. Von den Pulten schimmerten weiße Zettel, die die zum siebzigsten Geburtstag des Raw ins Leben gerufene Fürsorgek a s j e in empfehlende Erinnerung brachten. Auch die jüdische Trauer soll zur ausbauenden Tat führen. Mincho- und Maariwgebet wurden von den Söhnen vrrrichiet Sajmifd)«! tu# man tief ergriffen den btibtn Hespedreden, gehalten vom ältesten Sohne des Heimgegangenen, Distriktsrabb. Dr. Raphael Breuer, Asck-aisenbura und einem dankbaren Schüler. Rabbiner snjtrm Jtntn ddii m MD AMI in MM. Rabbiner Dr. R. Vreuer knüpfte an den Bericht über den Tod E h i sl i j a s an, von dem überliefert wird, daß man eine Jeschiwa an seinem Grabe errichtete. Chiskija, der nach eurer geistigen Oede die Hebung der Thora so erfolgreich durchgefüyrt hat, daß 'on ynr? »ta tji n» vo/- man von Grenze bis zur Grenze „keinen Knaben und kein Mädchen, keinen Mann und keine Frau antraf, die nicht bewandert waren in den Vorschriften der Reinheit und Unreinheit", er verdiente es, daß fein Erbe weiter verwaltet wurde und fein Andenken geehrt wurde mit einer Jeschiwa am Grabe. Der Heimgegangene Frankfurter Raw hat eine Jeschiwa an Chiskijas, d. h. an seines Vorgängers Grab, gesetzt. Wie war das Erbe, das Breuer nach Uebernahme des Frankfurter Rabbinates vor 36 Jahren vorfand? In großen Zügen entwarf der Redner ein packendes Bild der damaligen Uebergangsverhältniffe. S. R. Hirschs epochemachende Tätigkeit kennzeichnet er an dem Bibelworte: nns~9' jvns n w» *v>?n w. das auf Abraham angewandt wird. Wie Abraham harte der erste Rabbiner der Elfmitgliedergemeinde etwas Neues, etwas Ungekanntes der jüdischen Welt gebracht. Und zu der inneren Freiheit kam auch die äußere Freiheit, verbürgt im Staatsgesetze. Und dennoch lag die Gefahr nahe, daß nach dem Tode des genialen Schöpfers der Religionsgesellschaft, seine Lehren und Ideen nicht in der von ihm gewünschten Weise zur Auswirkung kämen, es war die Gefahr einer Loslösung der westlichen Orthodoxie vom großen Becken der östlichen Jüdischkeit. Breuer halbe in Fortgestallung des Hirschwerkes mit dem Schlagwort von der „Frankfurter Neuorthodoxie" gründlich aufgfsllllllst, MSlll SS 88Z LhölMNM: OIE SEEfE DES Mjuvkmums, auch m Vas Zentrum der westlichen Orthodoxie stellte. Wie Josua, der bei Uebernahme der Führung au?, der Hand Mosches den Segensspruch wo ->e>r n-nn sagte, so besteht die uns gegebene und hinterlasiene Brocho Breuers in der»»» m-m.tn der Ausbreitung des Twb» wie es auch letzten Endes Samson Raphael Hirsa) 2"xt nicht anders gewollt hat. Mit der Wiedereinsetzung des geschwundenen Beth Hamedraschgeistes war das Rabbinat der Religionsgesellschaft natürlicher Sachwalter des Erbes der alten Frankfurter Rabbinen, des „Pne Joschua" und „Haflooh". Redner schildert die Lehrmethode des Frankfurter Rabbiners, die sich durch die peinliche, sich auszehrende Gründlichkeit auszeichnete und daun feine menschlichen Eigenschaften und Tugenden, die ebenfalls nur reife Früchte am Lebensbaume der Thora waren'. Seine Einstellung zu allen jüdischen Grundfragen ließe sich durch das Talmudwort kennzeichnen: 12 sn?? o* -nnmb m 2m» Alles Häßliche, alles Verführerische wird ins Beth Hamedrasch gezogen, im Lichte der Thora gesehen und geprüft. Was der Rabbi von den »'mp-x o-vn, den frommen Frauen für seine Gemeinde und das Judentum erwarrete, schilderte der Redner in warmen Worten. An Hand der anderen Erklärung zum Bericht über den Tod Ehiskiins nr D”p i">»rri imx vs ri"o nnmn; nn n»' schilderte der Redner die Tätigkeit und den Einfluß des Frankfurter Raw in den jüdischen gesetzestreuen Organisationen, die das Wort „Frankfurt" zu einem Programme in der Welt machten. Dabei habe der Heimgegangene burc^ die 9teorgcrm|ation &er fjffifff ^kSkilliZtlllA fnt ^atjxre 1907 Wif styl ihM llM HkMN lüg, den Riß innerhalb der veutsHen Orthovoxie zu heilen. Mit Worten der Klage über des Großen Tod, der, wie der von Josef, David und Moses, am Sabbat zur Minchozeit erfolgte, woran sich Worte des Trostes und dev Hoffnung für die Zukunft anreihten, schloß der Redner, unter großer allgemeiner Ergriffenheit, seinen Hesped. Es folgte dann die zweite Gedenkrede des Herrn Rabbiner Dr. H. Klein, Berlin. In der Tischo boaw- Nacht empfand er die Kunde vom Ableben seines Lehrers wie eine erneute Tempelzerstörung. Eine Charakteristik des Rabbi in den mannigfachen Ausstrahlungen seiner Persönlichkeit und seines Wirkens bot Rabbiner Dr. Klein an Hand der heiligen Einrichtungen, die am 9. Aw mitzerstört wurden. Er war ein rns,, eine heilige Lade, in der die Thora in ihrer ganzen unermeßlichen Fülle aufbewahrt war. Er war eine rnn» die weit hinausleuchtete und Tausenden den Weg wies, und wie diese np?»- aus einem Guß im Lehren wie im Leben, n»^ yi-rm- Tausende von Jüngern haben diesem Salomo zu Füßen

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