Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1926)
- Date
- 1926-08-12
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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y, 12£$Iltguft. 1926. _;_-_ Samson Raphael Hirsch und die IsraelMsche Mllgillvsgksellschllsl. Von De. Mendel Httsch (Fortsetzung.) In unseren ersten Worten, zur Verständigung, hatten wir hingewiesen, welch eine große Lüge es sei, wenn man dem unkundigenPublikum vorspiegele, „Moses und die Propheten" selbst hätten kein anderes Judentum gekannt, als das in der Anschauung des Herrn Doktors von allem positiven Gehalte verflüchtigte Judentum, haben Darauf Wütwmm wie man unm Sßm msntsl dss. Kampfes gegen den verschrieenen Rabbinismus in der Tat Moses und die Propheten verleugnet. Der entschleierte Anonymus sucht sich zu retten. Er wisse wohl, daß Moses und die Propheten, daß die Bibel ein solches Judentum lehren, allein er sehe die Bibel mit dem Auge des kritischen Blickes und der Reformgelüste an. — Und dem kritischen Auge mit der für Reform gkMffkllkll Mf?' ffi# biegsamen Gewissen sei ja alles möglich. . Dem kritischen Auge müsse erst .noch erwiesen werden, ob denn auch Alles von Moses sei, was von Moses gelte, und mindestens in einer Anmerkung zu fragen erlaübt sein, ob denn überhaupt auch das sogenannte Zeremonialgesetz — es find dies mehr als neun Zehntel aller biblischen Gesetze — noch äußer Palästina Geltung habe. Dies zu entscheiden sei Sache der Wissenschaft. 2ffcer obgleich diese ©nijd^exbung no«^> ntc^i IiguiDe, der Lehrer der Jugend habe doch vorweg schon das Resultat zu lehren, und dürfe sich rühmen, als Erzieher eines grüßen Teiles der jetzigen Generation sich redlich bemüht zu habenihnen die gründlichste Verachtung ihrer väterlichen Religion beizubringen, sie gelehrt zu haben, daß man an der Authentizität der Bibel noch zweifeln dürfe, daß neun Zehntel der jüdischen Gesetze antiquiert, und wenn man nur recht kritisch wissenschaftlich gebildet sei, sich die Abfindung Mit aus, die lsichtssts' llVeise sänds. i: .Man deute eben das Bwölwort — der Herr Doktor verzeihet — wie es bequem ist; er gibt uys jh die Probe. / Ehamez, Machamezeth heißt allgemein Gesäuertes — das ist unbequem, so Heißt es'gesäuertes Brot,— von Bier ist ja keine Rede! „Kein Feuer sollt ihr anzünden am Sabbat," lehrt freilich die Bibel: allein die brennende Zigarre ist ja nichtgenannt! Genuß her Würmer hat aÜerbmgs hie Bibel verboten; aber nun im Sommer nachzusehen, ob die Frucht keine Würmer habe, ist ja lächerlich! Blut zu essen ist verboten, abep Fleisch von. Blut zu reinigen ist mehr als Kinderei! Die Feier des Sabbat steht freilich in den jüdischen Zehngeboten, aber das hindert ja nicht, den von Gott geweihten Sabbat, der größeren Bequemlichkeit'halber, auf den Sonntag zu per-, legen, damit der Ruhetag ein allgemeiner sei .und nicht mit dem Leben in ständigen-Konflikt gerate." M M NW TttiT eines Lehrers, eines Juden, ist es eines jeden rechtschaffenen, redlichen Mannes würdig? . ' , Für uns gibt es keine andere Alternative. Ist das Verbot göttlich, so ist die Vorsicht Pflicht," so ist, was der Herr Doktor minutiöse Observanzen schilt, nichts als reine Konsequenz derredlichen' Gewifsenhaftigkeit, und so ist die Leichtfertigkeit, mit her er das Verbot behandelt, mehr als sträflicher' Leichtsinn. Darf man aber so leichthin mit dem Verbote spielen, so. kann, so darf es nicht göttlich fein, kann und darf feine Quelle Nicht als GMkswon gelehrl werden, ohne mil demselben LStchtsitttts die GrundkstAp^llds auf Gott beruhenden Pflichtgefühls zEhrMtÄrn. Für den redlichen Mann gibt es keine'ändere Wahl. Vergebens ruft der Herr Doktor die Manen unserer großen Hingeschiedenen spanisch-arabischen Der Israelit Rabbinen an; vergebens die Manen -der Hingeschiedenen ^großen Räbbinerversammlungenr Jene philosophisch-gebildeten Rabbiner stanven Mit LM Md Tßßlß im Mdkinum. Dkr MU Maimonibes, besten „Führer ber Verirrten", wie der Herr Doktor erzählt, man yerbrannte, ist die erste und schützende Säule des praktisch rabbini- . schen. Judentums geworden, und wer auch nur oberflächliche Kunde seiner Schriften hat, weiß, mit welcher Entschiedenheit, Mit welchem Ernst, welcher Begeisterung er eben dem verschrieenen Zeremonialwesen in seiner Jad Chasaka das Wort redet. Der einseitigen, nicht im Judentume wurzelnden, flachen Spekulation waren die (ftabbinen ^etnb, feind einem Streben, bas mit vermessenem Dünkel nur die Lssenbarung Gottes in der Natur und Geschichte als Västs der Spekulation hinnimmt, daraus das Gebäude der Erkenntnis absolut aufbaut und mit dem dort allein gewonnenen Maße der Erkenntnis das Judentum kritisierend mißt und verstümmelt. Da hat sich von, jeher der Hochmut erzeugt, der mit Knabenhänden das Gottesheiligtum stürmen zu können wähnt. Wo aber die Offenbarung Gottes in jüdischem MMZwM &U ZlLiHwshHHigzL faWuw zu.Ssp Offenbarung, m der Natur ebenbürtig sich gesellte, wo auf judentümlichem Boden die Spekulation sich erhob, wo die Gottesfurcht nicht das in Frage gestellte Ergebnis, sondern die Basis der Erkenntnis bildete, ha begrüßten die Rabbinen. sie stets freudig und auf dieser breiten, gesicherten Basis waren sie jeder Erleuchtung, jeder Geistesentwicklung hold. Und die Rabbinerversammlungen? So kann Dop fym lioftor Dioforflon im (Mp nitfjt sögnm, wie wir ihrer täglich und stündlich segnend gedenken. Wie kein anderes Ereignis sonst, haben sie der Generation die Äugen geöffnet, haben gezeigt, welche Hohlheit, welche Ohnmacht, welche Bod.enlosigkeit diesem ganzen Streben innewohne, und wie die am allerersten jedes Prinzips entbehren, deren erstes und letztes Wort prunkend Prinzipien" lautet. Negiren, leugnen,, spötteln, das konnte man leichten Kaufs zu Haufe, aber wo es galt, offen nun an die Stelle des vermeintlich nioDörprilfeiißn Mlmiumö ein an Mm zu erbauen, ba war die RaUostgkest fo groß, baß die Versammlung jede Frage nach Prinzipien verpönte. Ein solches Glaubensbekenntnis aber, oder vielmehr eiw solches Bekenntnis des Unglaubens schütztden Herrn Doktor. in Zukunft besser als jede Anonymität. Nicht wir sind die Richter, nicht unsere „kleine Sterbe44 r das ^orum, oor dem er |ti^ qtx Verteidigen tjati Es gibt einen Richter jenseits, vor dem wir Älle einst uns zu. verantworten haben, wie' .wir Mit unseren Gaben gehaust, wie wir oox-allem unsere Stellung zum Heile oder Unsegen unserer Brüder benutzt oder mißbraucht. ■ Und auch auf ‘ Erden erscheint noch die Zeit, wo die Enkel bejammernd den Stab brechen werden über einen Leichtsinn, dem eine solche Richtung die Altäre gebaut. Das aber gestehen wir offen. Würbe uns die Bibel das sein, was sie dem Herrn Doktor ist, wir würden es als ein Verbrechen/ als eine Versündigung SN äsr uns savkM«Mkil LugkUS dkiralkjicw M vie Mdel in vis Mnvs zu gsdsn unö zuZlsich die Kunstgriffe zu lehren, mit denen man, dem ausgesprochenen Gottesworte gegenüber, das Gewissen äbfindet und beschwichtigt. Wir würden ' zittern vor dem Verrate, d.en wir an den zarten Kinderherzen begingen, würden - das Sittengesetz rein nur aus der Ahnung der menschlichen Brüste entwickeln — die Bibel aber uyter den Antiqui-' täten verschollener Zeiten vermodern lassen/ Mit dem-Anonymus waren wir fertigx Mit dem Herrn Dr. Heß sind wir fertig.' ^' t Wir öaößn ja tiiefo ganze MWlilVsIUasstüa nicht angeregt-; friedlich gedachten wir die zur Entwicklung -unseres religiösen Glaubens erforderlichen Institutionen zu" gründen üntzzu vollenden. Uyd wahrlich friedlich hätte manuns. unfern Weg gehen lasten können. -Wir haben biel _ Nr. 7 Seite 3 . auf anderm Wege ihr Heil suchenden Brüder nie angegriffen und werden sie nie angreifen. Wir sind überzeugt, den besseren, wahreren Teil eroriTfrn zu Dänen, — mir ameDm vronnmncs offen, rvir find von der Uedergeugung allerdings durchdrungen, unser Judentum als das allein wirkliche Judentum verehren zu dürfen — und wehe dem Juden, der selbst an der Wahrheit seines Judentums noch zweifelte, und doch nicht stark genug wäre, das Bessere, Wahrere zu ergreifen — wir sind überzeugt, mit unserm Streben nicht nur unser Heil,,sondern auch das Heil der einst zum Bessern erwachenden Enkel der uns jetzt entgegenstehenden Brüder zu begründen. Ader nimmerhaben mir unb nimmer merben wix bis tte&evgeugwng Anbern aufbrangrn, haö?n um dieser unserer Ueberzeugung willen Andere nie angefeindet und werden sie nie anfeinden, wir erwarten den Sieg unserer Sache von der still und um so sicherer siegenden Kraft der lebendigen Wahrheit, und haben mit keinem Wort die Angriffe des Herrn Doktor provoziert. (Fortsetzung folgt.) M? 4m r , Synagogengemeiude «Israelitische Religronsgesellschaft". . . «Echl-tz.» Wir stehen noch ganz unter dem schmerzenden Eindrücke des schweren Schlages, der unsere Gemeinde durch das Hinscheiden ihres hochverehrten Vorstandsmitgliedes und langjährigen Vorsitzenden, Herrn Adolf, Stern, betroffen hat. Herr Stern gehörte 18 Jahre , hindurch der Verwaltung an. Was dir Trmkinvr m drm Dahmg?- schienen verloren' hat, das vermögen Worte nur dürftig wiederzugeben. Mit , jeder Faser feistes Seins wurzelte er in unserer Gemeinde, der er in tiefer, reinster Liebe ergeben war, und der sein Tun und sein Denken in jeder freien Minute gehörte. Seine durchdachten Anregungen, deren praktische Verwirklichung ihm ein unvergängliches Denkmal, inunserer Mitte errichteten, sind. Zeuge dafür, daß das wache Interesse seines lebhaften Geistes sich auf Gemeindefragen auch dann konzentrierte, wenn er,fid) nicht mit ihnen unmittelbar th der Gerneindestube be- » » : ■' >' i ' ■ i i ' ' ■ » - « > »' j»> i ggem ptit Sey feines^ <perpes diente er der Gemeinde. Milden Sinnes, eindrucksfähigen Gemütes, aufgeschlossenen Herzens und großzügig im Geben legt manche Stiftung, die er im Verein mit seiner treuen Lebensgefährtin errichtete, innerhalb der Gemeinde Zeugnis ab von seiner offenen Hand und seinem tiefen Verstehen für die Bedürfnisse der Gemeint^ Sein-Bestreben war u. a. darauf gerichtet, unserer Kehilla zu einem selbständigen Hospital zu verhelfen, für welchen ZWll .er am Won vor Dein KNM killt große Wonne alst-Gkundstolk siisiete. ' - j '^Sein^/bSfonhere Litzböjedoch wivtneteer ünfMfn Schultv^rk. dex Erkenntnls,. daß bas. Gedeihen, unserer Schule die Entwicklung der Gemeinde bedingt, hat. der Dahingeschiedene 'mit Vorliebe seine Tätigkeit unseren Unterrichksänstalten gewidmet. Viele Jahre war er Vvrsitzender des Schulrats. Er wast das Ideal eines' Vorsitzenden. Inmitten bewegter Debatten bewährte er ruhige Gelassenheit und an der vornehmen Ruhe und der Verbindlichkeit^ WM. Weselts- ^gilätteten sich, die Wogen. Mit der Gabe des geschickten Verhandlungsleiters verband er Konzilianz gegen j^dermann. Alles umfaßte er mit Der Iran seines ffieiftos. olles oslsöte M mW Des Me fernes tiefen Aemäis wni» feiner edlen Seele. Sr war ssin leuchtendes, Vorbild von Unparteilichkeit und .gottvertrauender Frömmigkeit. Sein Andenken wird gesegnet sein.' .<■•••■ Z Das Andenken dieser MMner wird iiN unserem Kreise lniemals.verblassen. Als äußeres. Zeichen unserer Verehrung für die . Dahingeschiedenen bitten wir. Sie, sich von Ihren Plätzen zu erheben. ' - Die Verwaltungsarbeit der Gemeinde ist unter dem Einflüsse der Zeitoerhältniss« in ungewöhnlich starkem Maße gewachsen. — Großer Dank gebührt den Männern, Die sich in Wstlose? WÄ West sinm. U»L in WsM schweren, verantwortungsvollen 'Arbeit. zu unterstützen^ Wir sprechen an dieser Stelle den Mitgliedern unserer Kommisstonest, den OekonoMen und sonstigen Mitarb.eie' texn unseren allerher^lichften -Dank für "ihre tätig« Mit? Hilfe aus: . :