Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1926)
- Date
- 1926-08-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette 6 -A-. 33 Der 8 s ra elt 1> August 1926 zählt, und wo neuerdings der jüdische Friedhof geschän- Mt llllliHö. tUÄPIH Ö5H 13 Fäinilien mahrenk des Krieges 22 Angehörige eingerückt. Hiervon starb ein Landsturmmann infolge des Militärdienstes in der Heimat, einer machte Dienst in der Etappe und die übrigen 20 Memelsdorfer Juden waren an der Front. Von diesen erlitten 6 den Heldentod, während mehrere andere dekoriert und verwundet wurden. Hierunter befand sich auch der Ober- und Bataillonsarzt beim III. Bat. des IV. Infanterieregiments, Dr. Hermann Gunzenhäuser, der während der Ausübung seines Dienstes durch Verwundung ein Auge verlor und das Eiserne Kreuz I. Kl. erhielt. (I. T. A.). Der Haushaltsplan der Leipziger Israelitischen Gemeinde. Leipzig, 6. August. Der Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig sendet uns zu der in Nr. 29 veröffentlichten Korrespondenz über die Etatberatungen im Leipziger Gemeindeparlament folgende Berichtigung: „Es ist unrichtig, daß der Verwaltungsdirektor ein Gehalt von Mk. 39.000.— bezieht; vielmehr ist in der Position I der Ausgaben in der Gesamtsumme von Mk. 50.000.— nicht nur das Gehalt des Verwaltungsdirektors. sondern auch dis Besoldung der übrigen Beamte» unk kie Summe ker \adyliA)en llnfo^ten enthalten. Dis Herabsetzung der Verwaltungskosten, welche die Gemeindevertretung vornahm, betrug nur 2.000.— von Mk. 52.000 auf Mk. 50.000.—. Der Synagogenchor kostet nicht Mk. 12.000, sondern weniger als Mk. 8.000.—. Der Zuschlag zur Reichseinkommensteuer ist noch nicht festgesetzt, wird aber wesentlich niedriger als 30% ausfallen. Sabbakdifpens in Schulen. Mannheim, 5. August. Nach den bisherigen Bestimmungen wurden die jüdischen Schüler nur an den beiden Tagen des Neujahrsfestes, am Versöhnungstag, am 1. und 7. Tag Peffach, ain 1. Tag Schewuos, am 1. und 8. Tag Sukkos auf Verlangen vom Schulbesuch ganz befreit. An den anderen Festtagen und am Sabbcn sollten sie. soweit tunlich, während des öffentlichen Gottesdienstes auf Verlangen befreit werden. Die Befreiung fiir diese letzteren Tage war also ganz in das Belieben der Schulbehörde gestellt. Auf eine Eingabe der Rabbiner Dr. Unna- Mannheim, G r e i l s h e i m e r - Mosbach und Dr. M i ch a l f k i - Karlsruhe hat das Kultusministerium jetzt verfügt, daß die Worts „soweit tunlich" aus dem betr. Ministerialerlah gestrichen werden. Die Befreiung muß also in Zukunft auf Verlangen ohne weiteres bewilligt werden. Die bodischs Synode. Karlsruhe, 9. August. Am 4. und 5. Juli waren in Karlsruhe die Abgeordneten der Synode zufannnengetreten, um den Voranschlag der Israelitischen Z e n t r a l k a s s e für 1926, 1927 und 1928 zu beraten. Der konservativen Fraktion, mit der sich die zionistischen Abgeordneten verbunden hatten, gehörten an die Abgeordneten Rabbiner G r e i l s h e i in e r - Mosbach, Lehrer Neuburger - Phlippsburg, Rothschild- Randegg, K n s f e w i tz - Freiburg, Uffenheimer - Breisach, Hofs m ann - Schmieheim, Dr. F r i e d b e r g - Karlsruhe, Blum- Karlsruhe, K a 1; n u e r - Bruchsal, Si - n a u e r - Grötzingen, D a r m st ä d t e r - Ladenburg, Bauer- Mannheim, Otto Simon- Mannheiin, Dr. Simon- Mannheim, Ackermann - Flehingen und 'NlNSrEMIiW. Dissen 16 stanken 18 ürbcr-ats $ec;enu6er, und iuerm auch die Abgeordneten der Rechten durchaus nicht alle als „gesetzöstrsu" anzusprechen sind, so bilden sie doch ein starkes Gegengewicht gegen die Liberalen, deren Majorität sich eben doch nur auf zwei Stimmen beschränkt. Eine betrübende Feststellung wurde zu Beginn der Beratungen erwähnt: Während 1910 in Baden noch 25 895 Juden wohnten, waren es 1915 nur noch 24 064: die allgemeine Bevölkerungsstatistik ergibt aber, daß eine Zunahme von mindestens etwa 2500 hätte er, folgen müssen. Wir wollen ein paar drastische Beispiele herausgreifen, wobei wir die Zahl der jüdischen Bevölkerung von 1910 in Klammer setzen: Tiengen 44 (87), Eichstetten 129 (197), Jhringen 102 (162), Altdorf 68 (117), Nonnenmeier 88 (142), Gailingen 375 (492), Randegg 79 (139), Schmieheim 134 (192), Müllheim 110 (170), Breiten 155 (204), Bruchsal 603 (711), Bühl 111 (192), Malsch b. E. 101 (148). Hardheirn 65 (100). ^ockmfcetm 45 (74). Geinsheim 54 Strüm^rfelbrurm 23 (42^ 9^e<Sav” bischossheim 40 (78), Berwangen 58 (119!), Gemmingen 57 (105), Schlüchtern 31 (58), Wollenberg 19 (44), Tauberbischofsheim 111 (154), Külsheim 64 (106), Wertheim 110 (168). Das Bild ist traurig. Um so trauriger, als die Abnahme der Emunoh bei den Zurückgebliebenen in den meisten Fällen noch größer ist als die Abnahme der Seelenzahl ... Von diesen Dingen wurde in der Synagoge auch gesprochen. Ein Ausschuß befaßte sich besonders mit der Lage der Landgemeinden, und viele von den Dingen, die vor Jahresfrist im „Israelit" sehr deutlich geschildert wurden, kamen zur Sprache. Die Synode faßte auch „Entschließungen": daß der Oberrat erwägen möge, ob nicht eine Zentralinstanz mit allen Unterrichtsangelegenheiten betraut werden soll, daß überall ein Religionsunterricht- Klassenbuch geführt werden muß, daß -ie Inspektionen und Prüfungen in den Landgemeinden neu geregelt werden sollen, daß in den Filalgemeinden mindestens 2 Stunden wöchentlich Religionsunterricht erteilt werden soll, daß der Heranbildung von Leuten, die „oren" und „laienen" können, mehr Interesse gewidmet werden soll usw. Es ist außerordentlich erfreulich, daß all diesen Fragen auch von Laien besonderes Interesse entgegengebracht tmrb- <So i)cti Oberrat ®r. f a I 3 e r irt einer owscjeria)nct?n -z>7nsMstt (wQwrn ©ntrourj eino Lchipllliw usw.") in großen Linien vieles Bemerkenswerte über den Religionsunterricht gesagt, und in der Synode hat Abg. Darmstädter in längeren Ausführungen die Notwendigkeit obiger, dann in einer Entschließung von der Synode gewünschter Maßnahmen dargelegt. Auch der Abg. Josef (Lörrach) hat als Berichterstatter des Landgemeinden-Ausschustes deutlich betont, was alles für die kleinen Gemeinden geschehen soll und — geschehen kann. Es war, nehmt alles nur in allem, wichtig und hoffentlich nicht ganz ohne Ergebnis, daß in der Synode auch einmal über andere Dinge als nur — Gehaltswünsche gesprochen wurde . . . Daß ein Antrag einstimmig angenommen wurde, wonach den Hinterbliedenen von Lehrern die ihnen zustehende Pension ohne Abzug von 15 Proz. ausgezahlt wird, soll mit Befriedigung erwähnt werden. Ein paar orientierende Zahlen: die Synode bewilligte 15.000 Mk. für soziale Zwecke; 20.000 Mk. zur Stärkung des sogenannten Pensionsfonds: 10.000 Mk. für Zuschüsse an bedürftige israelitische Gemeinden für Instandsetzung der Gebäude und Friedhöfe; 10.000 Mk. Aufwand zur Ausbildung von Rabbinern und Lehrern; 6000 Mk. zur Fortbildung usw. von Rabbinern und Lehrern, für Hilssvorbeter ustv. Für allgemeine Bedürfnisse insgesamt: 445.750 Mk.; der hiervon ungedeckte Bedarf mit 382.850 wird durch Erhebung einer Steuer von 10 Proz. auf die Ursteuern ausgeglichen. Von E a i l i n g s n war jüngst hier schon die Rede. Es war ein langes Beraten um eine Sache, die zweifellos nie hätte so weit kommen dürfen, wenn man sie „oben" anders behandelt hätte . . . doch: das Rabbinat Gailingen ist gesichert. Wir freuen uns, wenn wir — f. G. w. recht bald — einen an in unserem Sinne in den alten ml-np amtieren zu sehen und wünschen, daß sein Wirken sich recht weit über die beiden Gemeinden hinaus bemerkbar mache, ^liicht nur Äailingen und Randegg, sondern das ganze badische Oberland braucht einen gesetzestreuen Rabbiner! Es ist bekannt geworden, daß in München bei den „Reichsverbands"beratungen einstimmig einem Antrag 3U3C|timtni murfcc, tuonaaj alle 2^^}i:a^iert des i'ünjHgen 9*eldpoer&<t»$>?? nach drn Vkstimmnngm vcv Mllgwllb: gesttzes zu führen sind. Wir in Baden Hallen es nicht so leicht, bei der Beschlußfassung über den Beitritt Badens zum Reichsverband eine derartige Bestimmung durchzusetzen. Zwar: wir haben es' schon längst im 8 3 unserer badisch-jüdischen Verfassung. Aber die Herren Liberalen waren furchtbar.mißtrauisch, sie witterten Gott weiß, was für geheime Pläne hinter solchem Antrag und salvierten ihr Gewissen schließlich erst, als eine Fassung gewählt wurde, die ihnen hinterher keine schlaflosen Nächte' bereitete. So kam es zum einstimmig angenommenen Antrag: „Unser Vertreter bei den Münchener Beratungen soll dahin wirken, daß in die Verfassung des Reichsverbandes folgende Bestimmung ausgenommen wird: die vom Reichsverband unterhaltenen Einrichtungen sind auf der Grundlage des überlieferten Judentums zu führen." Nun, nachdem wir unseren Freund Dr. Pfälzer als badischen Vertreter bei den betr. Verhandlungen wußten, durfte» mir sicher sei», datz er recht energisch „dahin mirke»" Bleibt noch etwas zu sagen über Synode und Frauenwahlvecht. Ein recht unerquickliches Kapitel. Und — um es sehr kurz zu machen, genügt die Feststellung, daß das Frauenwahlrecht abgelehnt und der seitherige Wahlmodus geblieben wäre, wenn nicht zwei unserer Abgeordneten unbegreiflicherweise vor dieser Abstimmung bereits die Sitzung verlassen und ein konservativer Lehrerabgeorvneter als Einziger mit den Liberalen für aktives und passives Frauenwahlrecht gestimmt hätten. So aber waren es 14 in der Minderheit und 17 in der Mehrheit, nachdem nachts zuvor in der betr. Kommission vier Fünftel der Liberalen auch für den bisherigen Modus gestimmt hatten. Am andern Morgen waren sie umgefallen. Da aber in der Begründung zu dieser Notverordnung für das Gemeindewahlrecht ausdrücklich gesagt ist, daß „die endgültige Entscheidung der Gemeinde Vorbehalten werden" muß ,so ergibt sich, daß recht wohl die oder jene Gemeinde die „endgültige Entscheidung" dahin fällen kann, das Frauenwahlrecht wie bisher, so auch künftighin, von sich fernzuhalten und dies dem Oberrat aufs höflichste mitzuteilen ... Im übrigen ist das ganze nur eine Notverordnung. Im Jahre 1927 wird die Synode wieder zusammenberufen, um die neue jr®?™?!nsreFSnimg“ gll MM: Dann erst mirö Wer DQB WllWWt zu Ban lSöMSIUrEäällen beschlossen werden, und da heute , schon feststeht, daß auch in liberalen Kreisen der Landgemeinden gar keine Sympathie dafür vorhanden ist, die Frauen mit Synagogenratswahlen u. dgl. zu befassen, so wird die Erfahrung bis dahin die Berechtigung dieser Abneigung hoffentlich erwiesen haben. Denn die „Wahlverordnung" ist inzwischen im Verordnungsblatt vom 2. Aug. 1926 erschienen, und da an vielen Orten im Laufe dieses Jahres Neuwahlen zu den Synagogenräten anberaumt werden müssen, so kann neben dem „Baal habajis" im geliebten Musterland Baden dieses Jahr auch die Hausfrau zur Urne schreiten, um — „ihren" Parnes zu wählen. .Hoffentlich aber erst nach dem Jomtowim. Esra-Tagung. Halber st adt, 4. August. Der „Esra" hielt von Freitag bis Sonntag seine diesjährige Bundestagung auf der H u y s b u r g bei Halberstädt ab. Die Beteiligung war aus West-, Mittel- und Ostdeutschland vorzüglich, weniger war der Süden (München) vertreten; es dürften wohl 250 Esräer zugegen gewesen sein. Die Tagung wurde vom Bundespräsidenten Eli Munk- Berlin, eröffnet, der auch den Tätigkeitsbericht erstattete. Referate hielten Ist Grünfeld- Hamburg (Judentum — Religion oder Staatsverfassung), Ari W 0 h l g e m u t h - Berlin (Reform — ein historischer Ausblick); Felix Munk-Karlsruhe erläuterte den vom Limud-Amt herausgegebenen, mit ausführlichen Literaturnachweisen versehenen Arbeitsplan für die Esra- Sruppen, der reiche Anerkennung fand, Max Feuchtw a n g e r - Frankfurt und Bernhard Heidingsfeld berichteten über die Arbeit des Palästina-Amtes. Bor den Mädchen sprach Bestie Hamburger - Frankfurt über Z n i u s , Elfriede Straus über die F r allen f r a g e. Am Sabbat hielt Rabb. Dr. Elie M u n k - Ansbach einen Lehrvortrag. Rabb. Dr. Auerbach- Halberstadt beehrte die Tagung durch eine herzliche Ansprache, einen besonderen Gruß aus Erez Jisroel brachte Dr. Robert Weiß. Ausführlicher Bericht folgt. erf(e Wischer MMlMr. d & H i , is. 9«n. Im Dangrger Schützenhaus wurde heute die erste Weltkonferenz jüdischer Kriegsinvalider eröffnet. Erschienen waren mehr als 60 Delegierte aus vielen Ländern. Mehrere der Delegierten sind selbst Schwerkriegsverletzte, man bemerkt unter ihnen Vollblinde, Beinlose und ähnliche Invaliden. Der Delegierte aus Amerika, Ziprinsky, eröfsnete die Konferenz mit einer Ansprache, in der er daraus hinwies, daß schon im Jahre 1924 die Idee der Schaffung eines Weltverbandes jüdischer Invalider reif gewesen war, noch aber gab man sich der Hoffnung hin, daß die jüdischen sozialen Institutionen der Lage der unglücklichen Kriegsopfer das gebührende Interesse zuwenden werden. Diese Hoffnung hat getrogen, die jüdischen Invaliden aller Länder müssen zur Selbsthilfe greisen und sich zu einem starken Verband vereinigen, der sich mit der Besserung 'des Loses des jüdischen Invaliden befaßt, der in allen Ländern, rechtlos und verlassen,