Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1926)
- Date
- 1926-08-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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et ö H 0? I i Nr. 33 Seile 7 12 August 1928_ eine tiejtrauri je Qsjrijten^ |ri|ieri mujj- Der Stntifemittsmus mach! keineswegs vor dem jüdischen Dnvvlidkn Halt, insbesondere hat der jüdische Invalide unter dem offiziellen Antisemitismus in vielen Ländern zu leiden. Oft wird er gegenüber dem nichtjüdischen Invaliden in krassester Weise zurückgesetzt. Der Vorsitzende regte an, daß die Konferenz eine Abordnung nach Amerika entsendet, die die Mission haben soll, die amerikanische Judenheit über die.Nöte der jüdischen Invaliden zu informieren. Die Konferenz wurde von einem Vertreter der Danziger Regierung, von mehreren ausländischen Persönlichkeiten und von allen öffentlichen jüdischen Institutionen Danzigs begrüßt. Die Konferenz wird Sonntag zu Ende gehen. Den Beratungen wird sich eine öffentliche Kundgebung und ein Demonstrationszug durch die Straßen von Danzig und Zoppot anschließen. Die Hauptrede hielt der amerikanische Delegierte Ziprinski. Er behauptete, daß die in Amerika gesammelten Millionen nicht den wirklichen Kriegsinvaliden zugeführt worden feien. Es folgten Berichte aus Bulgarien, Rumänien und Oesterreich. Die gefaßten Resolutionen lauten: 1. Die vom Kongreß gewählte Exekutive wird ermächtigt, Aktionen zur Aufbringung der nötigen Mittel für konstruktive Hilfe, an die Invaliden zu unternehmen. 2. Der Kori^re^ menbet mit einem 2tu|ruJ an die MlsHk OtMMNHlM, Mk MlllkUWkll lllw MMlglllw sationen, den jüdischen Kriegsinvaliden, , Witwen- und Waisen-Hilfe angedeihen zu lassen. 3. Der Kongreß stellt fest, daß in den letzten Jahren unter der Parole der Jnvalidenhilse Gelder gesammelt wurden, die anderen als dem bestimmten Zwecke zugeführt wurden. 4. Die Exekutive wird dafür sorgen, daß in Zukunft Sammlungen für Invalidenhilse nur durch die vom Weltverband jüdischer Invalider legitimierten Personen und Gruppen durchgeführt werden. Die jüdische Welt soll erfahren, daß der Verband etwa 600.000 jüdische Invaliden, Witwen und Waisen repräsentiert. 5. Der Kongreß bevollmächtigt die Exekutive, eine Abordnung nach Amerika zu entsenden, die die dortige jüdische Oeffentlichkeit über die wirkliche Lage der jüdischen Invaliden, Witwen und Waisen auszuklären und die Geldsammlungen zu leiten haben wird. 6. Der Kongreß beschließt, zu der am 8. August in Berlin stattfindenden Hauptversammlung des Verbandes Ort die Herren Dr. Schitlowsky und Ziprinsky zu informativen Zwecken zu entsenden. 7. Der Kongreß wendet sich an die polnische Regierung mit der Bitte, getreu dem Beispiel anderer Regierungen auch für ihre Invaliden im Ausland, insbesondere in Wien, zu sorgen. 8. Die Exekutive wird aufgefordert, beim Völkerbund zugunsten der Versorgung der staatenlosen Invaliden zu intervenieren. Der Kongreß wählte eine zehngliedrige Exekutive bestehend aus den folgenden Herten: Abg. Heller-Warschau, Bachner-Krakau, Schwarz-Lemberg, Pojanoff-Sofia, Prof. Lasar-Wien, Blum-Rumänien, Fraumann-Warschau, Ziprinsky-Amerika, Dr. Schitlowsky-Rußland, Heine-Berlin. Die Exekutive kann sich durch Kooptation auf 21 Mitglieder bei Zutritt weiterer Länderverbände ergänzen. Die polnische Regierung und die jüdische Auswanderung. W a r f ch a u , 1. August. Der staatliche Auswanderungsrat befaßte sich in der letzten Zeit mit Fragen der jüdischen Auswanderung und TorDcne in einem MWM Die MMtM auf, m M öifchö dÜÄ Polen zu fordern. ElsithzerUg wandte sich die jüdische Emigrationsgcsellschast in Warschau an das Emigrationsamt mit einem ausführlichen Memorandum, in welchem gefordert wird, daß bei der Organisierung der Kolonifationsgefellschaft für Brasilien und Südafrika die spezifische Lage der jüdischen Emigranten, die eine besonders geartete Wirtschaftsgruppe darstellen, in Betracht gezogen wird. Im Zusammenhang damit hielt der Direktor der jüdischen Emigrationsgefellfchaft, Herr Leon Alter, mit dem Minister für öffentliche Arbeiten und soziale Fürsorge eine Besprechung ab, in deren Verlauf er die folgenden jüdischen Forderungen begründete: Es soll beim Arbeitsministerium ein Sonderdezernat für jüdische Auswanderung eingerichtet werden; die jüdische Emigrationsgesellschaft soll gleich der nichtjüdischen moralisch und materiell gestützt werden; es soll Vorsorge getroffen werden, die jüdischen Auswanderer durch Sprach- und Fachunterricht nach den Bedürfnissen der Länder, in die sie eustoanhern tuoSIcn, oorgubereiten. Der Minister schloß sich den jüdischen Forderungen voll und ganz an und^versprach. den Bedürfnissen der jüdischen Auswanderung feine volle Aufmerksamkeit zu widmen und die Besonderheit des jüdischen Auswandererelements in Betracht zu ziehen. (I. T. A). Der Rabbiner von Baranowiczi Gast des Marschalls Pilsudski. Warschau, 3. August. Dieser Tage weilte hier der Rabbiner von Baranowiczi, der ein persönlicher Freund des. Marschalls Pilsudski ist. Der Marschall lud den Rabbiner zu sich ein und verbrachte mit ihm sieben Stunden, von 6 Uhr abends bis 1 Uhr nachts, in intimem Gespräch. Die nächsten Freunde Pilsudskis, meist hohe Militärs, nahmen an der Unterhaltung teil. Lin Vertreter des dänischen Roten Kreuzes zur Sache Petljuras. Wilna, 3. August. Der bekannte Wilnaer Advokat Stefan M i c k i e - wicz erhielt soeben einen Brief der gewesenen Leiters des dänischen Roten Kreuzes ni der Ukraine, P s ch a - nowski, in welchem dieser mitteilt, er sei Zeuge v?ss^ g?l?kskül Kik Pkttjük» skillk Amlkk gegen Die 3uBen MWMl unB zu Wgkomsu auMSlSM M Cr habe auch diesbezügliche Befehle mit der Unterschrift Petljuras gesehen. Pschanowski berichtet weiter, er fei durch Petljura vor ein Feldgericht gestellt worden, als er als Vertreter des dänischen Roten Kreuzes versucht hatte, für einen Abbruch des Pogroms in Proskurow zu intervenieren. Das Feldgericht schreckte aber davor zurück, einem ausländischen Rote Kreuz-Vertreter den Prozeß zu machen. — Auch ein früherer Kapitän der Petljura-Armee, Mikolai Lukianow, hat sich erboten, Beweise für Petljuras Pogromschuld herbeizuschaffen. Eine Akramer-Bande in Galizien will die jüdischen Einwohner aus den Dörfern vertreiben. Lemberg, 3. August. Die Polizei kam einer Bande Ukrainer auf die Spur, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die jüdischen Grundbesitzer in den Dörfern von ihrem Grund und Boden zu vertreiben. Eine Abteilung dieser Bande drang in das Dorf Dobrowolny in der Nähe von Stry in Ostgalizien ein, eröffnete ein Schnellfeuer auf die Häuser der jüdischen Gutspächter Abraham Schindler, und Mendel Zuckerberg, wodurch die Häuser und die Inneneinrichtung stark beschädigt wurden. Die Bewohner konnten sich nur durch rechtzeitige Flucht in die Keller retten. Dann zogen die Huligans auf dis Felder und verursachten einen viele tausende Zloty hohen Schaden, in den den Juden gehörenden Feldern. In dem Dorf Uherska zündete eine andere Abteilung der Bande die Wohn- und Wirtsgebäude des jüdischen Grtspächters Mendel Bardach gn und verursachte einen hohen Brandschaden. Der Polizei gelang es, sechs Mitglieder der Bande festzunehmen und einzusperren. Fünf derselben konnten aus dem Gefängnis entfliehen. Nur der in Ketten geschmiedete Anführer Stephan Oszechowski blieb in Gewahrsam der Polizei. Liberales Staatsbürgerschaftsgeseh in der Tschechoslowakei. M unfaceno, 3, August, soeben in Ärast getretene neue (Bteats&iirgffschastsgesetz für Karpathorußland gibt fielen Hunderten jüdischen Familien, die bis jetzt als staatenlos galten, die Möglichkeit, die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft zu erwerben. Zahlreiche jüdische Kriegswitwen, — Waisen und Invaliden — werden nunmehr staatliche Unterstützung erhalten können. - Werkzeug für jüdische Handwerker in Ruhland. — Ein Abkommen mit der Regierung. Berlin, 3. August. Die kooperative Einkaufsgesellschaft, eine Sonderinstitution des Verbandes Ort für Versorgung jüdischer Handwerker mit Produktionsmitteln auf Kreditwege, hat in der letzten Zeit Verhandlungen mit den Kooperativbanken und jüdischen kooperativen Verbänden in Rußland gepflogen, die die Schaffung einer Grundlage für Versorgung der jüdischen chandroerker mit Wia^ctxinen, Vyhstpss und Werkzeug im KrcdUwcgr fretrafen. Als Resultat dieser Verhandlungen wurde mit der zuständigen staatlichen Instanz ein Abkommen getroffen, auf Grund dessen die kooperative Einkaufsgesellschaft des Verbandes Ort die Möglichkeit erhielt, die Aktion für Versorgung der jüdischen Handwerker und Landarbeiter mit Produktionsmitteln durchzuführen. Die Einkaufsgefellfchaft hat bereits einen Transport Maschinen und Rohstoff nach Leningrad auf Bestellung der dortigen Kooperative „Trud" abgehen lassen. Der Transport enthielt 21 Maschinen für Hutmacherei, 20 für Schuhmacherei, 15 Strickmaschinen, mehrere Trikotage-, Leder- und Knopfmaschinen im Gesamtwerte von 1-9.000 Dollar. Die Gegenstände wurden bereits jüdischen Handwerkern im Kreditwege überlassen. Demnächst werden Transporte, die für die jüdischen Handwerker in Odessa, Kiew, Charkow und anderen Städten bestimmt sind, abgehen. (I. T. A.) (Snglanfe. Die Exekutive der zionistischen Weltorganisation. London, 4. August. Die Beratungen des Aktions-Komitees der Zioni- 9BeIiarQantfa±tott ftttb beenbeK Dcr einige ber ber letzten A. g;w«hllM MUglUBtt Btt Exekutive die auf sie entfallene Wahl nicht annahmen, waren diesmal Crgänzungswahlen notwendig geworden. Hinzugewählt wurden Dizengoff, Dr. Felix Rosenblüth und Dr. Eder. Die bishergien Mitglieder der Exekutive sinh Dr. Weizmann, Nahum Sokolow und Lipsky in London, Colonel Kisch, Sprinzak und Prof. Pick in Jerusalem, ferner die Mitglieder des Finanz- und Wirtschaftsrates Naiditsch, Feiwel, Dr. Halpern und Paplansky. Personalien. Oberrabbiner S. B. Ehrenfeld Wien, 30. Juli. Im Anschluß an die kurze Würdigung des Heimgegangenen Mattersdorfer Raws, an dessen Bahre in fünfzehn Hespedim dem Schmerze der Gesamtheit um das Hinscheiden dieses Zadik Ausdruck gegeben worden war, sei aus seinem Leben noch folgendes mitgeteilt: Als Sohn seines großen Vaters Rabbi Samuel Ehrenfeld, des Chafan Sofer, entwickelte sich der Heimgegangene schon in jungen Jahren als würdiger Sproß seiner großen Vorfahren. Tiefinnige Frömmigkeit, gepaart mit einem unübertrefflichen Wissensdurst und unterstützt durch ein beispielloses Gedächtnis, war der Heimgegangene schon als Bachur ein Musterbeispiel seiner Zeit. Mit 18 Jahren heiratete er, um noch in ganz jungen Jahren nach Sarvar als Oberrabbiner berufen zu werden. Von hier aus drang sein Ruf in die ganze Welt, als er nach dem allzufrühen Hinscheiden feines großen Vaters Mattersdorfer Raw wurde. Was der junge gesunde Mensch in ihm an Lernen und Lehren geleistet hat, konnte nur noch überboten werden durch die Größe dessen, was er in seinem 20iährigen Leiden mit majestätischer Würde getragen hat. Der äußere Eindruck dieses Menschen, der fast zwei Jahrzehnte hindurch nicht imstande war, eine Bewegung auszuführen, war erschütternd. Er konnte nur durch den erhabenen Eindruck eines Gespräches mit ihm verscheucht werden. Es. ist eine geistreiche und vollständig zutreffende Schilderung seines Zustandes, wenn der Vuczaczer Raw, der ihn in Vöslau kennen lernte, zu seinen Bekannten mit einer Handbewegung, die auf den Hals wies, sagte: „Der Jid ist krank bis daher, und weiter ist er gesund wie kein zweiter auf der Welt." Sein sprühender Geist, der leider so wenig und ho schwache Ausdruckssormen hatte, seine bezwingende Liebenswürdigkeit, seine herzliche Freundlichkeit, er. MlWN ihm Biß 5WM Mi>. Me einmal mll IU zujllmmsntxafö». Man hatte das Empfinden, Hiob, den schwerstgeprüften Mann, zu sehen, wenn man ihm begegnete, Und wie Hiob, so trug er ein Leiden, das andere Menschen schon in den ersten acht Tagen zur Ver-- zweiflung getrieben hätte, fast zwei Dezennien in demutsvoller Ergebenheit. Es grenzt ans Unfaßbare, daß sich seine nächste Umgebung nicht erinnert, je von ihm ein Wort der Klage, gehört zu haben. Und es steigert sich die Bewunderung ins Unermeßliche, wenn erzählt wird, daß er jemanden^ der ihn über seinen Zustand befragte, zur Antwort gab, daß er sich in den Spitälern der Welt umsehen möge und überall Menschen finden werde, die noch ärger daran seien als er, der stehe, wenn man ihn aufstelle, und sitze, wenn man ihn niedersetze. Im Nachlasse des Verblichenen fand sich ein Brief von Scheweth Sofer, Oberrabbiner S. B. Schreiber, Preßburg, -dem folgende Begebenheit zugrunde liegt: Als der Verstorbene zu Beginn seiner Leidenszeit, erkannte, daß er seiner Gemeinde nicht mehr seine ganze Kraft weihen könne, beschloß er, nach dem heiligen Lande auszuwandern. Seine Mutter bat er am Vor-