Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1926)
- Date
- 1926-08-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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12. August 1926 , . Der 8 r a i I i t Nr. 33 Seite 8 Fiir Sieben Mk. 40 Pfg liefern wir einen eleganten Kneifer mit Gläsern, Double ohne Fassung, der eigens für Nase und G esichtsbildung hergerichtet wird. Es ist nicht mehr nötig, daß Sie sich mit schlechtpassenden Gläsern, falsch und schief sitzenden Kneifern behelfen, die Augen dadurph vernachlässigen und schädigen. Besprechen Sie sich mit unseren Fachleuten ohne Kaufverpflichtung, wir beraten Sie gut und bedienen Sie sehr preiswert. Lieferung für alle Kassen, Orthozentrische Kneifer-Gesellschaft, Opernplatz. Für die Reise Feldstecher, Operngläser von 20.— Mk. an. Schutzbrillen und Kneifer in allen Färber geschehen muß. Jeder, der mit Hinweis auf „nationale Pflichten" das jüdische Palästina verleiten will, das Gottesgesetz zu übertreten, ist ein Verräter am jüdischen Volke. Durch keinerlei Phrase und keinerlei Terror wird das jüdische Volk sich dazu drängen lassen, seinem Gotte die Treue zu brechen. Die Entscheidung über das praktische Primat des göttlichen Gesetzes gegenüber Erfordernissen des Wirtschaftslebens oder „nationalen Belangen" wird schließlich von der geistigen Einstellung zum Gesetze abhängig sein. Für uns, die wir überzeugt sind, daß es Ausdruck des göttlichen Willens ist und daß auch die Bestimmungen unserer Weisen kraft göttlichen Rechtes verbindlich sind, kann die Entscheidung nur ganz eindeutig zu gunsten des Thorawortes ausfallen. Anders ist es in den Kreisen, denen das Sinaigesetz nicht die von Gott gegebene Grundlage der Existenz des jüdischen Volkes ist, die in verschiedenen Abstufungen es aus nationalen Gründen ganz oder teilweise zu beobachten wünschen oder gar böi der nationalen Neuorientierung es als störendes Erbteil der Vergangenheit betrachten und nach Möglichkeit ausschalten wollen. All diesen Kreisen ist es ein Leichtes, vielen ein Erwünschtes, mit Rücksicht auf wirtschaftliche oder nationale Interessen, bas (Meß zu lwmmen. Es sind dies vor allern bre Greste, die rtttieu dem Einflüsse der radikalen protestantischen Bibelkritik seit Jahrzehnten b'emüht sind, in zäher Maulwurfsarbeit die Grundmauern des Judentums zu unterwühlen, ein Geschlecht aufzuzieben^ das sie „von dem Joche der Thora" befreien. Seit dem Siege der Kulturfraktion innerhalb der zionistischen Organistion ist es ihnen in immer stärkerem Maße gelungen, den geistigen und politischen Zionismus ihren areligiösen Zielen dienstbar zu machen. Trotz mancher Teil- und Scheinkonzessionen, die den Thoratreuen gemacht werden, sind sie in der Regel die Maßgebenden 'in der Zionistischen Organisation und den meisten Zionistischen Anstalten. Und von unübersehbarer Gefahr ist der ideologische Einfluß, den sie mittelbar auch auf die thoratreuen Zionisten vielfach ausüben. Ebenso wie uns bei der Fragestellung: „Gesetz oder nationaler Vorteil durch wirtschaftliche OTimifatioir vw mtmtt »$ h s ‘® ° * *e s ge - setz " SslöstvörstgrivlikUM ist, ebenso antworten nur zu weite Kreise: „Die nationalen Erfordernisse". Hier stehen sich die Gegensätze klar und entschieden gegenüber. Doch die Mehrzahl der offiziellen zionistischen Führer Möchte einer klaren Entscheidung aus dem Wege gehen, teils hofft man, das religiöse Gewissen der Thoratreuen würde allmählich eingeschläfert werden, teils glaubt man, es werde sich in der Praxis irgend ein Kompromiß finden. Eine prinzipielle Entscheidung wollen sie aber vermeiden, um nach keiner Sette hin anzustoßen. Das Haifaer Ereignis, und die Diskussion, die es Hervorrufen muß> macht dieses Weiterlavieren unmöglich. Wir betrachten es als ein Glück, daß an Hand des nur zu krassen Cinzelfalles die prinzipielle Erörterung in aller Oeffentlichkeit einsetzen muß. -Es war ein Glück, daß durch das brutale Eingreifen des Antiochus Epiphanes und der mit ihm verbündeten Hellenisten dem jüdischen Volke der Kampf um seine Gottesgebundenheit zu einer Zeit «ufgezwungen wurde, da der Kern noch gesund vbrvok^l die ^ü^renden Kreise schon grosteniQtrs Dqi AstMUllltton zum Opfer gefallen W«5?N' So hoffen wir auch, daß m. G. H. das Haifaer Attentat dem jüdischen Volke den Entscheidungskampf für das Gottesgesetz gegen seine Verächter aufzwingt in einem Augenblick, da der überwiegende Teil noch den Willen und die innerliche Kraft hat, ihn siegreich durchzuführen. Es handelt sich hier nichtumeinenParteikampf innerhalb des Judentums, sondern um einen Kampf, für das Judentum. Wem das Gottesgesetz die souveräne Herrscherin in Jeschurun ist, muß zur Rettung seiner Herrscherstellung herbeieilen. Die Thoratreuen innerhalb der Zionistischen Organisation müssen ihren ganzen Einfluß dafür einsetzen, daß diese Organisation, welche mit ihrer Zustimmung den Anspruch erhebt, Sachwalterin des jüdischen Volkes zu sein, ihre Hand nicht dazu reicht, selbst oder durch von ihr unterstützte. Institutionen das Thoragesetz zu entthronen. So wenig wir uns berechtigt fühlen, uns darauf zu verlassen, daß bei der Mehrzahl der zoinistischen Führer der tatkräftige Wille vorhanden ist, die Verletzung des Gottesgesetzes um jeden Preis zu verhindern, so fest sind wir überzeugt, daß die große Masse des jüdischen Volkes, auch die der zionistisch. Organisierten, Schutz des Gesetzes verlangt. Pflicht der thoratreuen Stimmführer ist es, nicht nur Achtung vor der Thora zu fordern, sondern sie zu erzwingen und keinen Zweifel darüber zu lassen, daß das Gottesgesetz ihnen wertvoller ist als die Zionistische Organisation. Die überwiegende Mehrheit der Thoratreuen der ganzen Welt, die aus religiösen Gründen der Zionistischen Organisation sich nicht eingliedert, darf sich nicht in dem Berou^tseirr fceruJ^igert^. Heine SBerciniroorirmg 31t tragm. Die MmkMbürgschafr gang Derart? verpflichtet uns alle, die religiöse Entwicklung eines jeden Teiles des jüdischen Volkes, vor allem im heiligen Lande, als eigene Sache zu betrachten. Die Entweihung des Landes durch Bruch des Treuverhältnisses zu Gott trifft die jüdische Gesamtheit. Wir hoffen, daß unter dem moralischen Drucke der Thoratreuen der ganzen Welt die Zionistische Organisation zum Bewußtsein kommt, daß sie die Verantwortung dafür trägt, wenn ihre Organe das Gottesgesetz entweihen. Wir wünschen von Herzen, daß der Kampf für die Thora nicht zu einem Kampfe gegen die Zionistische Organisation zu werden braucht, daß sich hier, unabhängig von jeder parteipolitischen Einstellung, alle zusammenfinden, denen das göttliche Gesetz unverletzlich ist. Die jüdische Oeffentlichkeit ist jetzt vor die Entscheidung gestellt, ob ihr die wirtschaftlichen und politischen Interessen wichtiger sind als die religiösen. Es ist gut. daß dis Macht der Tatsachen ttnrno^Vt^ ntoi|L Sie wurzelt in Der GrunDaussassung über das Wesen des jüdischen Volkes, ob es eins Nation sei wie die Nationen der Welt oder ob es das Volk Gottes ist. Wir sind der sicheren Hoffnung, daß der weitaus überwiegende Teil der Judenheit beweisen wird, daß es nicht eine Phrase, sondern Ausdruck der Weltanschauung ist, wenn wir alltäglich Gott preisen als den, der uns erwählt hat von allen Völkern und uns die Thora gegeben. Gott hat seine Herrschaft über Israels ganzes Sein durch Gebote dargetan, die tief in das wirtschaftliche Leben des Einzelnen und der Gesamtheit eingreifen. Das Gottesgesetz soll nicht „in die Synagogen eingeschlosfen werden" sondern mitten im Leben stehen und es beherrschen. Jetzt, da das jüdische Volk daran geht, im Lande der Väter das Nationalheim zu erbauen, muß es vor aller Welt bekennen, daß wirtschaftliche und politischeErfordernissenursoweit Berücksichtigung finden dürfen, wie es im Einklänge mit der Thora steht. Unserer Sünden wegen wurden wir einst uMmUn LUä MsLMM fla«Da. Sag lSöWMß das in die Heimat gurückkehren ^arf, maß sich dieses Glückes würdig erweisen. In freudigem Bejahen des Gottesgesetzes soll Israel der großen Aufgabe gerecht werden, die ihm jetzt gestellt ist: als Volk Gottes auf heiligem Boden die Herrschaft Gottes zu künden. NKäSi Korrespondenzen Nachrichten. Deutsche« Reich. Bund jüdischer Akademiker. Berlin, 1. August. Das vergangene Sommersemester brachte in der hiesigen Vereinigung Jüdischer Akademiker (V. I. A.) eine Reihe interessanter Vortragsabende, an die sich lebhafte Diskussionen anschlossen: Alte Testamente als Quellen jüdischer Ethik (Bbr. Rabb. Dr. A. L ö w e n t h a l). Meine Eindrücke in Palästina. (Bbr. Dozent Dr. Auerba ch). Jehuda Halevy, der Dichter und Denker des jüdischen Volkes. (Rabb. Dr. Nobel a. G.). Tragik und Problematik im sittlichen Handeln, (cand. phil. M. König). Im wissenschaftlichen Arbeitskurs wurde unter Leitung von Bbr. Dr. Eli Munk über das Thema: „Entwicklung der Halacha" gesprochen. Die Bundesbrüder nahmen teils an den Schiurim des Rabbinerseminars, teils an sonstigen Schiurim teil. Für den verstorbenen fl&r. ®r. (LfelMil UHä für- Rsbb. Dk. S. Breuer *"ST fanden Hkspedim statt. Das Wirtschaftsamt sorgte unter Leitung von Bbr. Dr. Köhler für unbemittelte Vundesbrüder. Abgesehen von Geldunterstützungen war es in der Lage, Lebensmittel und Kleider zur Verteilung zu bringen. An den Studentenwahlen wurde aktiv teilgenommen. Durch Ausflug und Rudern wurde der Pflege der Geselligkeit Rechnung getragen. Der Vorstand bestand aus den Bundesbrüdern: Armin Duschinski (Vors.), Dr. David Ochs (2. Vors.), Julius Samuel (Schriftf.), Selig Auerbach (2. Schriftf.), Alfred Biberfeld (Kassenwart). München, 27. Juli. Die Vereinigung Jüdischer Akademiker (V. I. A.) zu München wies im vergangenen Semestre eine besonders zahlreiche Aktivitas auf. Nicht weniger als 14 Studenten hatten sich zu gemeinschaftlicher jüdischwissenschaftlicher Arbeit zusammengefunden. Es fanden folgende Schiurim statt, die von allen Wllnhssbrüdsrn besucht ruurdsu. Gswor« Kidduschin und 8K«k>» rrtegt«, fozoie 9tamBam {SjöU±joilj jJjt Der Schabuoth-Nacht wurde unter Leitung von Bbr. Dr. Levinger gelernt. Dei Vortragsabende waren stark besucht; es sprachen Vbr. Dr. Dr. Levinger über die „Ziele der V. I. A.", Bbr. Dr. E. E h r e n t r e u über das „Problem der Willensfreiheit" und Bbr. Dr. Levinger über das „Talionsprinzip im jüdischen Recht". Fast alle Woche fanden gemeinschaftliche Ausflüge in die nähere Umgebung Münchens statt und führten so zum persönlichen Zusammenschluß der Bundesbrüder. Für das kommende Wintersemester erwartet die V. I. A. weiteren Zuzug an Studenten, da die antisemitischen Belästigungen vollkommen nachgelassen haben. Judensiatistik im kleinen. Berlin, 3. August. Der „Schild" berichtet über das Martyrium der kleinen jüdischen Gemeinde in Memelsdorf in Unterfranken, wo bis zum Kriegsende Christen und Juden in völliger Eintracht lebten. Unter der Wirkung der Hetze des Pfarrers König und des Lehrers Büringer terrorisierten ansässige Bewohner gemeinsam mit den Ehrhardt-Leuten 3ur mehrere ifftocf,err ln rofefier Weise Die Juden von Meinelsdors-Unterinerzbach und Autenhausen, woselbst sogar 2 Juden, die über 60 Jahre alt waren, in der Nacht gewaltsam aus das Feld geschleppt und bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen wurden. In einem Fall wurden nachts zwei Familien in Untermerzbach unter Androhung des Erschießens mit vorgehaltenem Revolver eines großen Teiles ihrer Habe beraubt. In Memelsdorf, das im ganzen etwa 650 Einwohner