Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1926)
- Date
- 1926-08-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450388-2450421--73369-2530775- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 4 Nr. 33 Der 8»i«f llt 12 August 1926 der Präsidiums sitzen Träger mehr oder weniger bekannter zionistischer Namen. Man spricht und deklamiert über „moralische und materielle Solidarität Zwischen den Jugendverbänden aller Länder", die „Propagierung der Ideen des Völkerbundes", und man darf hoffen, daß aus der gleichen Freude an starken Worten die Beschlüsse über die „internationalen Zentren für jüdische Kultur und Erziehung" geboren sind. Es könnte uns sonst ein bißchen angst und bange werden um diese Kulturzentren. ' Ernster, gefährlich scheint uns schon das Gerede vom Rechtsschutz, den der „Weltverband", der jüdischen Jugend (gemeint ist vornehmlich die akademische Jugend) in allen Ländern bieten will. Hier können schon Worte allein mehr Unheil anrichten, als die Taten Besonnener wieder gut zu machen vermöchten. Wunder muß es nehmen, daß es auch noch gereifte jüdische Politiker hie und da gibt, die sich dem Glauben hingeben, es könnte durch Anrufung fremder Mächte durch jüdische Weltverbände in Sachen des jüdischen Rechtes in einzelnen Ländern etwas erreicht werden. Auf einer Sitzung in London wünschte dieser Tage der bekannte Dr. Stephen A. W i s e, daß das „Komitee der jüdischen Delegationen" zu einem „ W e l t r a t e zum Schutze der jüdischen Rechte" ausgestaltet werde. Das Beispiel in U n g a r n und P o l e n hat aber deutlich gezeigt, wie nutzlos, ja gefahrvoll alle Unternehmungen find, wenn der Schauplatz solcher Aktionen vom Lande selbst ins Ausland verlegt wird. In Ungarn haben sich die Juden selbst kräftig zur Wehr gesetzt gegen eine Einmischung 5kn «tlßkll in MlUn M Numerus clausus. In Polen rvurbs die Verständigung bei vernünftigem Entgegenkommen von beiden Seiten im Lande selbst erreicht. Wo der Völkerbund von sich aus in gegebenen Fällen nach dem Rechten sieht und reinigend eingreift, können wir nur dankbar sein. Der „Weltrat" in London und der „Weltkongreß" in Paris, so kindisch auch letzterer angelegt ist, können nur Steine auf dem Wege der erwünschten Verständigung und Aussöhnung sein. Lehre und Leben im neuen Palästina. Von Dr. Moses Auerbach in ZSerlin. Der „Ha-olam", das in London erscheinende Zentralorgan der Zionistischen Organisation, behandelt in seiner Nummer 29 (S. 538/39) in dem Artikel rniJK'xan irma („Unter dem Drang der Tatsachen") das Problem der Herrschaft des Thsrcrgeie^es im i»eiliaen fianbe. aussehen sollen. Somit können wir Achad Haam, so sehr wir ihm in der Kritik der Reform und der nationalen Bewegung in vielem zustimmen müssen, leider ganz und gar nicht als den unsrigen reklamieren. Von seinen Prämissen ausgehend, hätte er leicht, wie Nathan Birnbaum, zu uns finden können. Aber nun ist er ein Siebziger und steht immer noch suchend und unschlüssig am Scheidewege, can nens Welche Brochoh macht man über Bananen? Die Unklarheiten und Meinungsverschiedenheiten, die allerorts hinsichtlich der Vrochoh über Bananen herrschen, haben Veranlassung gegeben, bei einer maßgebenden Instanz, der überaus kundigen und wissenschaftlich hochstehenden Direktion der Frankfurter Palmengarten-Gesellschast, Auskunft über Art und Wachstum der-Banane zu erbitten. Die Direktion hat die Liebenswürdigkeit gehabt, folgende dankenswerte Antwort zu erteilen: „Aus die Anfrage vom 26. dss. teilen wir ergebenst mit, daß 1. die Banane nur einmal im Jahre blüht, die Dauer der Blüte und Fruchtreise beträgt unter dem Aequator etwa 10 Monate, dieser Zeitraum nimmt in demselben Verhältnisse zu. is weiter voM AMMM Die KUltUlM DöMöÖOR BUb&L (Stamm vinm jmi mraai. »sH Mr Müto beSm. Fruchtreifs werden keine Blätter mehr gebildet und der Stamm geht ein. An feine Stelle treten aus derWurzel entspringende junge Schosse, dienach erfolgter Stamm- und Blattentwicklung blühen, 3. der Stamm ist nicht holzig, sondern wird aus den Stielen der abgestorbenen Blätter gebildet wird, sodatz er also einen sog. Scheinstamm darstellt, aus bestem Inneren Auf jeden thoratreuen Juden muß der Artikel erschütternd wirken. In vollem Bewußtsein der Tragweite will der Verfasser das Problem aufrollen, dem „die hebräische Publizistik bis jetzt absichtlich sich entzogen hat". „Denn jetzt ist die brutale Tatsache gekommen und hat — ohne sich vorher mit der Publizistik zu beraten — diese Fragen in ihrer ganzen Schärfe zur Diskussion gestellt und gegen ihren Willen muh die Publizistik zu ihnen Stellung nehmen". Die Veranlassung ist wahrlich furchtbar genug. Am Sabbat, dem 7. Tammus, arbeiteten an 120 jüdische Arbeiter im Hafen von Haifa beim Ausladen von Waren. Eine Abordnung der Thoratreuen, unter ihr zwei Stadtrabbinen, forderte vom Haifaer Arbeiterrat die sofortige Abstellung der Sabbatentweihung. Die Antwort des Rates verrät uns der Berichterstatter nicht. Dagegen verbreitet er sich ausführlich über die Schwierigkeit des Problems: im Gegensätze zu Jaffa ist es in Haifa allmählich den Juden gelungen, zur Hasenarbeit zugelassen zu werden. Nun aber ist die Frage: was soll am Sabbat geschehen, wenn Lastdampfer morgens anlegen und abends abfahren? Die Hafenarbeiter ruhen, wenn kein Schiff anlegt, und arbeiten, wenn Schiffe ankommen. So ist es in allen Häfen, besonders da, wo es nicht üblich ist, daß Schiffe zwecks Reparatur oder Verproviantierung längere Zeit bleiben. Jede Störung bringt großen Schaden: den Reedern wie den Empfängern der 'Waren und den Hafenarbeitern. Allerdings muß man solchen Schaden hinnehmen, wenn der Sturm die Scküffo zwingt, mohrers Tags »or ben VälästtUsristfchstt qix atrfcrrt. ist es force majeure. Aber wenn Die Schiffe mangels Arbeiter nicht rechtzeitig ausladen könnten, dann würden sie die Waren in einen anderen Hafen bringen, und Kaufleute und Arbeiter hätten den Schaden. Der Schreiber des Artikels hält es daher für ausgeschlossen, daß der jüdische Arbeiter die Hafenarbeit behalten könne, wenn er sich nicht dem „ehernen Hafengesetz" unterwerfe, d. h. ohne Rücksicht auf religiöse Pflichten, Arbeit und Ruhe nur nach dem Landen der Schiffe bestimme. Abschließend wirft er die Frage auf: „Ist es uns möglich, beim Bau unseres Nationalheimes auf dieses Arbeitsgebiet zu verzichten, welches viel mehr als nur wirtschaftliche Bedeutung hat?" Der Berichterstatter hat recht: Das Problem des Verhältnisses von Wirtschaftsleben zum Gottesgesetz ist aufgerollt. Um mit s e i n e n Worten zu sprechen: „Kann die Wirklichkeit des Lebens beim Aufbau des Landes in Einklang mit den Lcmmmullgen Um WssM gobr-lM mvlm. & sich nach Beendigung des Wachstums ein dem UN" terirdischen Wurzelstock entspringende Blütenstand erhebt, der sich in dem inneren Hohlbaum emporschiebt. Die verschiedenen Entwicklungsphasen können Sie an den in den Schauhäusern angepflanzten Bananen immer gut beobachten". Aus dieser Darstellung geht mit aller Deutlichkeit hervor und es wird das von zuständiger Stelle bestätigt, daß die Vrochoh über Bananen mnxn 'is rrii2 ist. (Eine Stammtafel des Ilabür Eteafar <Lörv, genannt „Schemen Itokeach"-) Soeben ist von Herrn Rabbiner Dr. I. Münz, der durch seine Werke über „Maimonides" und „Jüdische Aerzte im Mittelalter" bekannt ist, eine interessante genealogische Arbeit erschienen: Stammtafel des Rabbi EleasarLöw, genannt .Schemen Rokeach". In übersichtlicher, anschaulicher Form werden aus einem größeren, gut ausgestatteten Blatte die Ahnen und Sprößlinge dieses großeu Rabbiners, der zu den hervorragendsten talmudischen Gelehrten seiner Zeit gehörte, verzeichnet und ihre verwandtschaftlichen Beziehungen zueinander graphisch dargestellt. Etwa 70 Personen umfaßt diese Stammtafel, die bis zum Jahre 1370 hinausreicht und nicht nur Namen und Daten nennt, sonr?m krrrzgefatzte MggkM MbaU linier i>en auf i>ff <Kt«MML«sSl Perfvnen finden sich viele hochberllhmle. gefeierte Männer wie: Schach, Keffer Kehunna. Meharscha, Atereth Potz. Remo, Mram Padua, Schau! Wahl, sodatz die Arbeit für weite Kreise von Jntereffe und Bedeutung ist. Münz — ein Urenkel des Schemen Rokeach — geht wissenschaftlich zu Werke und verweist stets aus die Quellen, denen er seine Angaben entnommen hat. der Form, die es im Laufe der Jahrtausende erhalten hat?" Die Frage ist leider sehr ernst. Das Schlimmste an ihr ist, daß f ie überhaupt eine Frage ist. Für jeden, dem Jisroel das heilige Volk, Erez Jisroel das heilige Land ist, darf die Frage nicht fein, o b es möglich das Leben mit dem Gottesgesetz in Einklang zu bringen, sondern nur, w i e es möglich ist. Wir sind der festen Ueberzeugung, daß es mit Gottes Hilfe möglich ist. Ueber die Einzelheiten der Ausführung bedarf es in jedem Falle sorgfältiger Ueberlegungen, auf Grundlage peinlichster religiöser Gewissenhaftigkeit, des vollen Verständnisses für die Erfordernisse des Lebens und bester Sachkenntnis. Aus der großen Zahl der Einzelprobleme^ die der Sabbat uns stellt, feien hervorgehoben: Das Melken der Kühe und Ziegen, die Bewässerung der Orangerien, die öffentliche Wasserleitung, die elektrischen Anlagen. Zum Teil (Bewässerung der Orangerien) hat njan bereits einen Weg gefunden, ohne Verletzung des Gesetzes und auch ohne Inanspruchnahme nichtjüdischer Arbeitskräfte den Betrieb durchzuführen, in den meisten Fällen ist man z. Zt. noch auf arabische Arbeiter angewiesen. Aufgabe der Technik ist es, geeignete Methoden zu finden, den Betrieb so zu gestalten, daß durch gute Vorbereitung am Freitag jede menschliche Tätigkeit am Sabbat ausgeschaltet werden kann. Mit etwas hämischem Untertone wird in dem erwähnten Artikel die Handhabung der Ma'asergesetze erwähnt, wie sie nach der halachischen Entfchewung Der orofiton Soßnim Ds» fmi%mvi jetzigen Zeit getätigt wird. Tatsächlich ist sie gerade ein Musterbeispiel, wie Leben und Lehre eine Einheit werden: die Lehre das Leben heiligend, das Leben die Lehre verwirklichend. Wer je das Glück hatte, jüdische Frucht vom heiligen Boden, durch die Gesetzeserfüllung geadelt, mit Bewußtsein zu genießen, dem ist es ein innerliches Ergebnis, die Gottverbundenheit von Volk und Scholle gefühlt zu haben. Das ist nicht eine äußerliche Form der Pflichtentledigung, das ist das beseligende Bewußtsein der Pflichterfüllung. Wem das Gottesgesetz Seele des Volkes urid Kern des Eigenlebens ist, dem kann der Gedanke nicht aufkommen, das jüdische Nationalheim solle erkauft werden mit Treubruch an der göttlichen Lehre. Sie ist es, die uns ein unverjährbares Anrecht an das Land Gottes gibt. Jeder Versuch sie auszuschalten, würde i"n das Recht und die Möglichkeit, im Lande dev Thora zu wohnen, untergraben. Bevor Israel vor Jahrtaussttbsn bett Sctrben ii£>er=- fHrrU, »urk \\jm derdottesherrschaft als Voraussetzung für die Dauer seines Lebens im heiligen Lande verkündet. Der Bruch dieses Prinzipes hatte die längst vorausgesagte Vertr ei b u n g z u r F o l g e. Und nur unter dem Banner der Gotteslehre kann Israel auch jetzt wieder hoffen, im Lande dev Väter wohnen zu dürfen. Das Gesetz hat das. unbedingte Primat, dem das Leben sich unterzuordnen hat. So wenig der Einzelne einen Beruf ergreifen darf, der ihn zur Entweihung des Sabbats zwingt, so wenig darf die Gesamtheit eine Tätigkeit für lebensnotwendig erachten, mit dev Untreue gegen Gott verbunden wäre. Wir wünschen von Herzen, daß es m. G. H. gelingen möge, durch jüdische Arbeit den jüdischen Besitz des heiligen Landes zu sichern. Wir hoffen auch, daß es möglich ist, ohne, immer wiedev auf Hilfe von Nichtjuden angewiesen zu sein. Wenn aber der Verzicht auf nichtjüdische Arbeit nur durch Entweihung des Sabbats möglich fein sollte, so wollen wir i"n nicht das Verbrechers gegen die Nation Gottes begehen, sie verführen £11 IDOHOn, DOm 80f0tz^ (3Mies untreu gn merl»en^ Me Grundlage seiner Existenz zu zerstören. Sollte eszurHeilighaltungdes nationalen Lebens durch das unverletz bare Gottesgesetz n o t w endig? sein, Arbeiten durch Nichtjuden verrichten zu lassen, so ist es eine Selbstverständlichke i t, d?aß ■ di e s-