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Der Israelit · 1926-08-05 · Heft 32 (5.8.1926) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 32 (5.8.1926)
Date
1926-08-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Serie 4 Nr. 32_ '_ . bische Religionsphilosophie", S. 171 folgendes: „Und in der Tat: von Saadia Gaon, einem der ersten Begründer der arabisch-jüdischen Relionsphilosophie, bis auf Don Isa k Abratz a n e l (Einleitung zu Jesajas), einem ihrer letzten Koryphäen herab, hatte auch nicht ein Einziger, selbst nicht die Rationalisten, wie MaiMVNideS, UNd selbst nicht dis „FrsisiNNMöN". Wir S« Tamuet I, 2, 6)- den Glauben an die Auferstehung in Frage zu stellen gewagt. Ja, Maimuni erhebt die Auferstehung sogar zu einer von den dreizehn Fundamentallehren des Judentums, so daß, wer die Auferstehung leugnet, sich von aller Verbindung mit der Religion des Judentums lossage: nr *z>b rp*nn’ im mprr x^i m r» (Mischnah-Kommentar Synhedrin, X.) Albo (Jkkarim I, 3, 23) will zwar der Auferstehung keine solche hervorragende Dignität zuerkennen usw.-doch nennt auch Albo die Auferstehung einen traditionellen Glaubenssatz, daran jeder Anhänger des Mosaismus zu glauben verpflichtet ist: ^2 nraxn1? r’irr naixa nVaipa rrn '»x ♦"irai NV» min bin« Also im allgemeinen gab es in der Mitte des traditionellen Judentums keine Meinungsverschiedenheit bezüglich dieses Grundprinzips. Ja, als die Feinde des Maimonides gegen letzteren die Anklage erhoben, daß er an diesen Grundsatz nicht glaube, da schrieb er hiergegen eine klassische Abhandlung unter dem Titel -iaxa wn»n n"nri' worin er diese gegen ihn erhobene Anklage aufs glänzendste zurückweist, indem er den Nachweis liefert, wie er diese Lehre, die eine der ^unbameniaUe^ren des Buden jst, m allen von ihm verfaßten Werken erwähnt. (G. David Holub, M-Km-S. 37.) Nur bezüglich einzelner Detail fragen dieses Lehrsatzes tauchten wesentliche Meinungsverschiedenheiten auf.*) Es entstanden die Fragen, ob die Auferstehung eine allgemeine sein wird, oder ob nur einzelne Frommen sich ihrer zu erfreuen haben? Wird das Leben nach der Auferstehung dem Leben der Gegenwart gleichen, oder ein von diesem ganz verschiedenes sein? Werden die Auferstandenen neuerdings sterben, oder werden sie ewig fortleben? Von den kleineren Meinungsverschiedenheiten absehend, sind es besonders zwei divergierende Auferstehungstheorien, die wie hier anführen wollen. Die eine ist die maimonidifche, diese kennzeichnet sich durch ein dreifaches Kriterium: *) Zu folg. Ausführungen vgl. man Schmiedel, w. o. S. 174 u. f. — und 'n iirrvon Chasdai Creskas, III 4, 8 1. dem Prager Stadtwappen als Titelblatt. Die erste jüdische Druckerei in Prag ist im Jahre 1313 durch den jüdischen Drucker Gerswon ben Sdbiomc gsgnmoet MMN. ES MM ML Anzahl Druckerelgründmmen. die in der Folge ln der gesamten jüdischen Welt zu großem Ansehen gelangten, wie die Druckerei der Firma Katz (Kohen Zedek"), Abraham Haida und Jakob Bach. Die letzte Druckerei ist in Prag 1820 von M. Landau gegründet worden. Sie ist nach seinem Tode verfallen, und damit hat Prag die Bedeutung als jüdische Druckstätte verloren. (Lakomomsche Verteidigung.) Man schreibt uns aus Serajeoo: Bor einigen Wochen wurde eine junge Mohammedanerin dabei betroffen, als sie ihr Kind aussetzte. Da sie Armenrecht genoß, wurde ihr seitens des Gerichts ein Ofstzialverteidiger in der Person des Herrn Dr. Josip Deffel, Sohn des aschkenastschen Oberrabbiners Dr. Deffel. zugeteilt. Nachdem der Staatsanwalt die Verurteilung wegen Aussetzung und daher versuchten Kindsmords beantragt hatte, plädierte der Offizialverteidiger Dr. Deffel auf Freisprechung. Allgemeines Erstaunen des Richterkollegiums. Der Vorsitzende fragte den Offizialverteidiger, ob er im Ernst aus Freisprechung plädiere, was der Verteidiger selbstverständlich bejahte, indem er gleichzeittg einen Tnach aus der Tasche zog und den Gerichtshof fragte, ob die Richter an die Wahrheit und die Ethik der Bibel glaubten^ Als diese Frage seitens der Richter bejaht wurdet sagte der Verteidiger, daß dann nichts anderes als Freisprechung und sogar Belohnung der unglücklichen Mutter möglich fei, denn ein analoger Fall habe sich in Aegypten ereignet, wo Moses auch von seiner Mutter ausgesetzt worden sei, welche gewiß nicht Der 8 » r » e l t t 1. Die Auferstehung wird nur den Frommen zuteil. .;j v 2. Diese Wiederbelebung ist nur von zeitlicher Dauer, da ein abermaliges Absterben der Materie erfolgt. 3. „Auferstehung^a'nan n"nn) und „Jenseits" (xan nbiy) sind zwei wesentlich verschiedene Begaffe. ygK skmgelsUge Leben im Imscits das eigenNiVe Ziel des Manschen ist, hUbel die Auferstehung nur eine Vorstufe zu jenem. Dagegen lehrt eine andere Theorie, als deren bedeutendsten Vertreter wir R. Mose ben Nachman (i"2Bi) nennen: 1. Mit der Auferstehung beginnt ein vom gegenwärtigen unendlich verschiedenes Dasein. Die Seele wird wohl wieder mit ihrem Körper vereinigt, aber dieser Körper verklärt sich all-- mählich, so daß er unsterblich wird wie jener des Propheten Elias. 2. Für den derartig ätherisch gewordenen Körper ist das sinnliche Wahrnehmen nicht mehr nötig, und ebenso das sinnliche Genießen, Speise und Trank kein Bedürfnis mehr, und so lebt dann die Seele mit ihrem geistig gewordenen Körper ewig fort, da der Tod keine Macht mehr über letzteren hat.*) 3. X2N v^ip„Zukünftige Welt" undaman n"nn „Auferstehung" sind identische Begriffe; sie bezeichnen beide die zu erwartende Zeit des ewigen Gerichts, wo die Seelen mit ihren Körpern vereint ihre Vergeltung erhalten sollen. Mit dieser Theorie übereinstimmend, wich der berühmte Jünger Nachmans, R. Ähron Halevy(n"x-m), dennoch in einem wesentlichenPunkte davon ab, indem er bei der Auferstehung die Sssls mii einem n e u % fl UMllkMk siltz nur werde Vieser neue Körper in derselben Konstellation wie der erste geschaffen, um diesem vollkommen ähnlich zu sein. Doch findet Albo (Jkkarim, IV, 31.) diese Ansicht aus mehreren Gründen angreifbar und lehrt hingegen die Verbindung mit der Seele mit dem früheren Körper. Wir hielten uns bei diesem abstrakten Gegenstände etwas länger auf, denn wir wollen hiermit auf die klarste Weise die Möglichkeit von prinzipiellen Meinungsverschiedenheiten selbst auf der gemeinschaftlichen Basis des traditionellen Judentums vordemonstrieren. Wir haben hierbei gesehen, wie bezüglich der Anerkennung des als Beispiel angezogenen Grundprinzips selbst absolute Eintracht herrscht. Es kann doch auch nicht anders sein. Bemerkt doch bereits Dr. Schmiedel in seinem zitierten Buche (S. 170), daß es höchst unkritisch ist, die *) S. Nachmanides in seinem Kiv^n ->»vdie Absicht gehabt habe, daß er verhungere oder ertrinke, sondern mit der Aussetzung bewirken wollte, datz eine dgssNhsrgW Qttlt flCD DßS Kindes atetite. Etwas anderes habe die unglückliche arme Mohammedanerin aus nicht bezweckt, denn auch sie hielt sich wie einst Mirjam in der Nähe auf, um zu beobachten, was mit dem Kinde geschehe. Diesem schlüssigen Beweis konnte sich der Gerichtshof nicht entziehen, und so gelang es dem frommen jüdischen Verteidiger, seinen mohammedanischen Schützling von Strafe zu retten und die Richter zum Freispruch zu veranlassen. (Die juristische Gültigkeit der kethuba.) Die juristische Gültigkeit der Kethuba ist kürzlich vom höchsten amerikanischen Gerichtshof in einem vom Richter Mannig Unterzeichneten Urteil anerkannt worden. Es handelte sich um das Besitzrecht eines Hauses, das die Witwe, auf Grund einer in der Kethuba erfolgten Verschreibung, gegenüber den Erben ihres Mannes beanspruchte. Der Gegner wandte ein, daß die Kethuba ein Dokument sei, das auf Grund fremden Rechtes formuliert, und daher nicht geeignet sei, die Grundlage für Rechtsforderungen in den Vereinigten Staaten zu bilden. Die Appellations-Instanz entschied jedoch im entgegengesetzten Sinne. „Fremdes" Recht seien nur die Gesetze eines anderen Staates, nicht aber die Vorschriften des mosaischen Gesetzes. Wie die ITA bemerkt, ist eine ähnliche Entscheidung auf Grund eines Gutachtens des Dajon Feldmann im Februar 1922 auch von einem englischen Gerichtshof gefällt worden. / öAuguft 1926 jüdische Auferstehungslehre aus dem Christentume herleiten zu wollen, wie solches manchechristliche Theologen tun. Denn die Stellen in Jesaja 26, 19:'Deine Toten werden wieder aufleben, deme Leichen auferstehen, erwachet und jauchzet ihr Bewohner des Staubes", — Kap. 37 in Jecheskel, das von der WisberbelsSiina der' IlNONböiNI — kefon!?Ader 12, 18 tu f&anlet: „Du aber gehe bis ans Ende, und du wirst ruhen und aufstehen zu deinem Lose am Ende der Tage," welch letztere Stelle, wie schon Albo (Jkk. IV, 35) bemerkt, durchaus keine bildliche Auslegung zuläßt — all diese Stellen beweisen unwiderlegbar, daß das Judentum auch in Bezug auf diesen Lehrsatz nicht auf eine Anleihe seitens des Neuen Testaments angewiesen war. Und so sanktioniert auch die Mischnah (in Sanhedrin, 10, 1) nur ein uraltes Grundprinzip' des Judentums. Was aber finden wir bei der neuzeitlichen. Neologie? , Nun, unbezweifelbar war AbrahamGeigerder hervorragendste Wissenschaft-' liche Vertreter derselben. lieber das Verhältnis^ dieser bis zum heutigen Tage anerkanntesten Autorität der Neologie zu erwähntem Lehrsätzeschreibt aber der Biograph desselben folgendes: „Hinsichtlich des Glaubens an die leibliche Auferstehung, den Maimonides bekanntlich als letzten, der dreizehn Glaubensartikel aufstellt und dessen Leugnung er fast*) als Abfall vom Judentum, brandmarkt, übt Geiger eine auffallende Zurückhaltung. Daß er aber nicht nur persönlich diesen Glauben nicht teilt, sondern ihn auch im Judentume nicht, f e st gehalten zu sshsn t»ütvj<^±f k « u si Nicht bsZirrerfeii w? shtzM Steht jll Vkl Auferstehungsglaube mit dem Erscheinen eines persönlichen Messias in engster Verbindung, weshalb auch Maimonides beide aneinander reiht; wer aber wie Geiger den Glauben an einen persönlichen Messias aufgegeben hat — —,— für den gehört auch der Auferstehungsglaube zu den veralteten und überwundenen Vorstellungen".. (A. Geiger, Leben und Lebenswerk, von L. Geiger, S. 268.) Ja, Geiger selber schreibt es in seiner „Jüd. Zeitschrift" (VII, S. 21) geradezu heraus: „Ich glaube nicht an die Auferstehung des Leibes." Nun, mein Herr Dr. K.! Eine ähnliche Delikatesse bitte ich aus den verstaubten Archiven der Vergangenheit hervorzuholen.' Solange aber solches nicht geschieht, bleibt diese rrvsD ein Schulbeispiel dafür, was im Rahmen des traditionellen Judentums in der Vergangenheit keinen Platz, fand und auch in der Gegenwart und der Zukunft nicht Platz finden darf! Und da wir schon einmal bei Geiger sind, so wollen wir dem gelehrigen Jünger desselben — Lr. K. rotrD dÄ für dissss Ljücheton ornans hoffentlich uns nicht gram sein! — also wir wollen dem Herrn Dr. K. ein viel einfacheres Beispiel liefern. Derselbe ist nämlich voller Freude darüber, wie die talmudischen Autoren die Thora auf die eine Weise erklären, hingegen die Rationalisten auf eine andere Weise; wie oie philosophietreibenden Exegeten die Ideen des Aristoteles oder des Plato in die Thora hineintrugen,, dagegen wiederum die Mystiker die Lehren des Sohar usw. Dennoch aber hätte man keinen einzigen unter denselben aus her Gemeinschaft des traditionellen Judentums ausschließen wollen. Aber mein lieber Herr! Sie vergessen eine Hauptsache! Sie vergessen nämlich, daß in den Augerr all jener Talmudlehrer, Rationalisten, philosophierenden Exegeten, Mystiker usw. — daß in den Augen all dieser, ohne jegliche Ausnahme — d i e ganze mtmpn min von x*n rvwx-n b i s-- ^xw» bi 'i'ph das ge offenbarte Wort Gottes war! Sie alle standen auf dieser gemeinschaftlichen Basis, wenn auch ein jeglicher von ihnen, seiner individuellen Neigung oder wissenschaftlichen Vorbereitung und Richtung entsprechend, auf je eine andere Art und Weise die- *) Warum nur „fast"? Schreibt doch Maim. klar und bündig: p rw' nn miiv'n nVsa no’ mxb bfiphivstr -'121 1S21

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