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Der Israelit · 1926-07-22 · Heft 30 (22.7.1926) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 30 (22.7.1926)
Date
1926-07-22
Page
– (sequence 17)
Language
German
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.22.JUÜ 1926 Der I s r a etu BL Lite r Nr. 16 Sette 3 schlägt, der Mensch von Kultur, der >,eine äußere oder innere Verantwortung für die Aröeit des Misrachi trägt," bsnr ss „widerstrebt/von Zeit z.1 Zeit in eine Polemik. mü UHlHfll ROM MUMM" m Den SL W NW darum häitdell, Gegner seine Sünden vorzuhalten und ihn in der Oeffentlichkeit zu beschämen", der „die. Tätigkeit eines Pinchas Kohn und anderer Männer mit scharfen biblischen Ausdrücken kennzeichnen" könnte, wenne rr Wülste; er will aber nicht, sondern lenkt nur des Lesers Phantasie auf einen scharfen biblischen Ausdruck na ch fr ei er Ausw äh l. Wie mutz es mitdem Misrachi bestellt fein! Was ist passiert, was.hat den Menschen von Kultur so aus dem Kulturhär^chen gebracht, daß er die, Herrschaft über sich verlor-und ins Keifeü verfiel? Dr. Moses «ttoBo4 ist schuld . .bfrran mti fcJncr an bem Ue $cr£>urcben^eii les der Zionistischen Organisation, so sagte er etwa,, leide der min iim der mi^rachistischen Schulen, die nicht nur materiell, sondern auch ideologisch nicht ganz unabhängig seien. Zn dem Zta-Bericht über die Berliner Sitzung des Zentralrats der Agudas Jisroel und das Auerbachsche Referat war sogar manches noch schärfer, gesagt. Auch das Lehrermaterial sei nicht zu-, reichend in religiöser Hinsicht." . Man schlägt den Jta- Bericht nach und findet darin: „Während der Unterricht an den orthodoxen Lehranstalten faktisch und prinzipiell den Forderungen der Thora entspricht, während an den misrachist: scheu Schulen zumindest im Prinzip e:n thoratreues Erzie.hungsideal vorherrscht, s:nd die zionistischen Lehranstalten — so führte der Referent' aus..— insbesondere <- was die Mädchenerzishung betrifft, anti- oder areligiös." /Die DorfMjenD von uns vcrnorMovkncn MM illlv 1 fcas Mzigs, was charakterisisrönd Mk dis Misrachi- Schulen im Jta-Vericht zu finden ist. Der drauflos erhobene Vorwurf des Misrachr-'Vorsitzenden, in dem Jta- Bericht se:. „sogar .manches noch schärfer gesagt," stimmt 7 demnach änscheiftend' nicht. -' Doch das ist uns nur insofern von Belang, als es eine gewisse Sorglosigkeit kennzeichnen soll, , in der der Herr Misrachi-Dorsitzende mit seinem Gegner umspringt. Undmit was für einem Gegner! . Der .Mann, der die lautere Wahrhaftigkeit mit unendlich zarter Menschenrücksicht zu verbinden immer ängstlich beflissen ist, der sogar ein um -der Sache willen erforderliches Tadelwort hunderte von Malen unterdrückt oder bis .zur Unmerklichkeit. . abschwächt, um nicht weh zu . tun, das ist . Dr. Moses Auerbach: Man beachte doch >in dem-. Jta-Bericht die ergreifende Sanftmut der Kritfk, -die. sich in. der-« Form eines nur abgestuften, doch positiven. Lobes äußert, -aus dem freilich geschulte Äugen zu erkennen vermögen, -wie schmerzlich die Ein- MNk MMM/M, M MT DL lUTOU/DM ven Misrachi-Schulen und ihrer Lehrmethode gewonnen hat. Der Misrachi-Vorsitzende selber bekennt: „Der Urheber, der tadelnden Worte galt 'immer als einer der ruhigsten Vertreter-seiner Richtung. Es schien, als ob er mit ganz prominenten Gestalten des misrachistischen Schulwerks in gutem Einvernehmen stände und unsere - Schulen, mit Wohlwollen beurteile." , Und dennoch der leise geäußerte! Tadel, infolge der Verbundenheit des Misrachi mit dem Zionismus.- sei auch ideologisch das Misrachi-Schulwerk „nicht ganz unabhängig!" Man frage sich vergebens, meint der Misrachi-Sprecher, woher diese „Gesinnungsänderung" rühre. Die Nächstliegende Antwort, daß hier ein Mann aus - Wahrhaftigkeit ■ und ' tiefer . Ueberzeugung schweren Herzens, sein absprechend Urteil äußert, diese zum Greife;!: Di ltt ii Dem Hnßieirer niU, Ei.' MM sich.vergevens" unö öd© nicht öergefiene", er . findet' vielmehr - eine : abscheuliche- Erklärung' für 'Dt.' Auerbachs Verhalten: „weites aus p o litischen Gründen d er extremen Orthodoxie no twendig er.s.chernt, die kulturellen Leistungen des Misrachi zu. schmälern." Wieschrieb doch-so schön ^err Rabbiner Dr. Unna? „ . . . man muß, mit einem Wort, auch dem Gegner gerecht'zu'werden suchen-" Die kulturelle Sendung des Misrachi scheint anders' gerichtet zu fein. Wir aber wollen deck Appell folgen: ' - . Das .Schulwerk in Palästina erklärt Herr Dr. Wolfsberg als -dio beste. Leistung - seiner misrachistischen Organi- . sation, als ihren Stolz und ganz gewiß stärksten Aktivposten und Bürgen für die Zukunft des Misrachi, Wird dieses Werk angegriffen, so erklärt, er weiter, können die, Misrachisten- „nicht ruhig bleiben; sondern eilen zu seiner Verteidigung." - Das erklärt den ausfallenden Ton und entschuldigt in unfern Augen den Urheber. Nur wird M öSMiflich l fittbLU, iAfe Mibü MIA znrückiversän. Cs gibt noch einen weiteren Entschuldigungsgrund für den Herrn. Er schrieb (Nr. 37 Rundschau) vom Misrachi: „Es ist seine historische Sendung, die Orthodoxie zurechtzuweisen, wenn sie die Einheit der Nation und/die lebensnotwendigen nationalen Aufgaben preis- . . ." Nun find wir uns zwar klar und sicher Darüber, daß' nicht die Orthodoxie, sondern der Misrachi .die Einheit der -Nation Und ihre lebensnotwendigen ÄufgabLn Preisgibt, durch feiste Existenz, durch-fein Handeln üstd durch den grauenvollen Irrtum, der beidem zugrunde liegt. Aber die Herren vom Misrachi sind ja anbro awefnwgj WlV »Ü vlk „WttWS Tmduog" vcs MMllM, me OilyovoM m VM von Herrn Wolfsberg beliebten Tone zürechtzuweisen, nicht qfs. Uebergriff anfehen,-sondern als gutentreuherzigen Misrachi mit II. Ehrliche Politik. Un Me ßetpgtger ^on^ereng Mr traditionell-gesetzestreuen Rabbiner-Vereinigung hat Herr Rabbiner Dr. Unna-Mannheirn sich über das Kapitel Politik geäußert (Wochenbl. Nr. 25). Es heißt da: „ . . . daß die Politik und die Politisierung des jüdischen Volkes uns den schwersten Schaden zugefügt hat, das ist nicht zu leugnen." Die Richtigkeit dieses Satzes wird von mancher Seite bestritten werden, in erster Reihe von bert J^ioni^ten; sie galten die Politisierung des jüdifchcn Dolles für eine Großtal erflcn Ranges, für eine Leistung, ohne die ihre Bewegung in den Uranfängen stecken geblieben wäre. Wir sind der Ansicht, daß die zionistische Politik den denkbar schwersten Schaden angerichtet hat. Aber sie treibt nun einmal ihr Unwesen, und die naturnotwendige Folge davon ist die Gegenpolitik derer, denen um der Thora willen die Eindämmung des Schadens auf. seinen Herd heilige Pflicht ist. Das ist doch wohl selbstverständlich. Es ist deshalb kaum anzunehmen, daß Herr Dr. Unna etwa die politische Betätigung der Agudas Jisroel an und für sich verurteilt, solange die zionistische besteht. Oder sollten wir darin irren? Sollte dennoch Herr »Diner Bma Der MMl fern, nur müiten Die Zionisten ihre verderbliche Politik gehenden Auges weiter treiben lassen, ohne den Finger dagegen zu rühren?. Dann darf die Bitte ausgesprochen wetöen/daß er solch Verlangen öffentlich bekunde und begründe. Es wäre eine solche Auffassung von größtem Interesse und die Aussprache darüber jedenfalls wertvoll und lehrreich. Doch es scheint, Herr Dr. Unna selber betrachtet die Politik zwar als ein Uebel, aber als ein notwendiges, gat nicht entbehrliches. Denn er selbst hat über den Austrittsgedanken ein Referat gehalten und darüber in der Oeffentlichkeit. berichtet; und die Austrittsfrage ist doch unumstritten eine jüdisch-politische Angelegenheit, nicht über an, daß unter den gegebenen Verhältnissen eine thoratreue Politik schlechterdings'notwendig ist. Daraus folgt dann sofort, daß sie Pflicht ist, unbedingte Pflicht. Wir zweifeln keinen Augenblick daran, daß Herr Dr. Unna in der Erstattung seines Referats auch hie Erfüllung einer Mizwoh erkannt hat. Sonst hätte er es bei seiner Abneigung gegen Politik sicher ungehalten gelassen. Nach dieser vorbereitenden Klarstellung lesen wir weiter: „Und wenn man schon Politik gegenüber den Gegnem ^ora pr M MM T M zweifellos auch Der Herr Verfasser.?) — auch vier '* ■ darf es nur eine gerade und ehrliche Politik fein —" Dieses Wort ist uns aus dem Herzen gesprochen. Gerade Politik, ja wirklich, das ist die Vorbedingung für die Existenzberechtigung einer gesötzestreuen 'Gesamtheit, Kein Schwanken, kein Abirren vom geraden Wege darf es für sie geben. Geradeaus auf das eine Ziel, auf die klare Volksbestimmung muß sie zusteuern, mit festem Schritt, ohne Konnivenz nach links, ohne Kompromiß-Krümme, ohne Vertuschen klaffender Gegensätze. Das ist die von der Agudas Jisroel (leider nur von ihr) getriebene Politik. Und e h r l i ch e.Politik vor Gott und Menschen ehrlich und aufrichtig, ohne List — so soll jüdische Politik sein. m«t}TUd}r aurfj barin ^ai Hsss Ds, Umm das DeryMn der Agudas Jisroel objektiv ins' rechte Licht gestellt. Wir sind ihch dankbar; und lauschen weiter: „ . . . zwsichen ihren (der Thora) Anhängern müßte ein Vertrauensverhältnis herrschen, müßte eine ehrliche und offene Zusammenarbeit möglich - 'sein."- . ... . Müßte! sehr einleuchtend. Wie aber, wenn eine Gruppe von Gesetzestreuen zur Organisation der Gesetzes l e u g n e r übergeht, sich ihr untertellt, sich mit ihr identifiziert, einheitlich mit ihr Die mratmw ffloaunuölitir schmäht und Mfämpft unb gu vernichten sucht? Wie ist da trotzdem ein Vertrauensverhältnis herzustellen, eine offene Zusammenarbeit zu ermöglichen? Diese Frage wolle der ehrwürdige Mahner die Güte haben, uns zu beantworten. Vorerst i st sie für uns beanitDoriei. „Das gilt vor allem," so fährt der Autor fort, „für die gesetzestreuen Organisationen. Da darf es keine Zurücksetzung, keine Differenzierung, geben; wer aus dem Boden der Thora steht und für die Ziele der Thora arbeiten will, der muß willkommen sein und die gleichen Rechte genießen." Unverkennbar zielt diese Zurechtweisung auf den vorletzten Satz von § 4 der Aguda-Verfassung, lautend: „Angehörige von Organisationen, die sich im prinzipiellen Gegensatz zur Agudas QUroel tefMfce^ \lrrl i« Me ^e„We„ (fi, l) Verwaltungsorgane nicht wählbar/' Unter 3, 4, 5 sind der Zentralrat, das Exekutivkomitee und der Geschäftsausschuß verstanden (während nicht gemeint sind die Leiter von Orts- und Jugendgruppen, der Landesorganisationen und Abgeordneten zur Kenessio gedaulo). Der Verfasser gestatte. eine zweite Frage: Könnte von der Zionistischen Vereinigung verlangt werden, daß sie in ihre Exekutive etwa Zentralvereinler wähle, die den ganzen,,Zionismus, wie er leibt und lebt, für einen am Mark der Judenheit fressenden Schädling halten? Könnte dem Misrachi zügemutet werden, jemanden gu seinem 92or|tjjenben gu t»ät)fen^ der die. Misrachi-Idee als thorawwrig verwirft? Lächelnd wird die Frage verneint. Zu der Leitung der Zionistischen Organisation werden Männer gebraucht, die in erster und zweiter und dritter Linie durch und durch Zionisten sind. Der Vor-, sitzende des Misrachi muß zuerst Misrachist fein und dann noch einmal Misrachist und dann noch lange nicht Agudist. Davon steht nichts in den Satzüngen, weil es selbstverständlich ist. Nun denn — die Agudas Jisroel erstrebt die. Zusammenfassung der jüdischen Gesamtheit der Welt unter die Herrschaft der Thora. Sie will gar keine Zurücksetzung, keine Differenzierung, weder in den Orts- und Jugendgruppen, noch in der Landssorganisation, noch aus dsr Ksnsssio gedaulo. Äufnahmesahig ist jeder Eiude, der die Verbindlichkeit der Thora für sich und für das jüdische Volk anerkennt, der sich also nicht selber vom Klal Jisroel ausschließt. Wählbar ist jedey, dessen Gesinnung und Lebensführung anerkanntermaßeü der Thora entspricht, mag er im übrigen so zionistisch gesinnt sein, wie er wolle. Die Zentralverwaltung jedoch braucht Nur-Agudisten und kann nicht solche brauchen, die prinzipiell gegensätzlichen Lagern zugehören und halbe, Viertels- Agudisten sind. Das ist die Agudas Jisroel ihrem als heilig und unantastbar erkannten.Prinzip Wttuf must fis gu J(j¥6¥ Sstöftstfjattung beharren. Ausgabe der ruhig e n, b, & - s o n n e n en Männer vonautor.it a t i - vem Einfluß wäre es, diese Se lb st - v e r st ä n d l i ch k e i t zu p o p u l a r i s i e r e n, damit die unberechtigte Verstimmung gewisser G e s e tz e s t r eu.cn schwinde; damit der Agudas Jisroel als recht zugestanden werde, was für jedes Gemeinwesen als billig gilt: in die Regierung nur Regierungstreue, die Opposition ins Parlament! Es wäre das der richtige Weg zur Verständigung und zu dem (nicht nur) von Herrn Dr. Unna ersehnten Vertrauensverhältnis, das auch zstr brüderlichen Zusammenarbeit auf dem einen und andern. Gebiet' führen könnte. Es wäre das wirklich gerade Md khrliltze Politik, lüii 'ftwm nnm . ■ ■ ■. Was soll aus unseren Töchtern werden? ^Eine zeitgemäße Betrachtung von Ar. Eine Schülerin von mir schreibt an ihren Brüder:'„Soeben weilt mein Mann und die ganze Gemeinde am Sterbebette unseres hochverehrten Lehrers. Der Gram darüber, daß seine beiden Töchter jede einen Christen geheiratetz hat ihm Das Hspz Asövschstt." . - s' , Mag es etwas Schrecklicheres für einen frommen, im Dienst der Gemeinde und des Klall ergrauten jüdischen Lehrer, für einen guten Jehudi,

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