Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 30 (22.7.1926)
- Date
- 1926-07-22
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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^ausgeacbcn Don det fandesorganifaHon der Agudar-Zisroet in Pemfefiland ^ranlfurt a. M., 22. Juli {$26 I Aw 5686 Nummer J6 Äreff ans Sröndt . „Sg.lange Jirmejahu vom Weinen und Beten ür sein Volk nicht ließ, konnte die Zerstörung richt erfolgen, konnten die Feinde nicht Gewalt gewinnen über die heiligen Stätten. Nun aber die Stunde geschlagen hatte und das Verhängnis unabänderlich war, erhob sich starker Wind und trug den Propheten weit fort in das Land Chawilä. Jndeß der Seher auf fremder Erde weilte, vollzog sich in Jerusalem des Volkes und des Heiligtums Schicksal. Wie Jirmejahu auf dem eiligen Rückwege von dem Ünheile erfuhr, schrie er entsetzt auf, daß die Welt von Pol zu Pol erbebte und aus seinen Augen flössen . Tränen, die auf Erhen zu Strömen wurden. An deren MM WM m öoires Wykkr M LMMm, H sie Zions gedachten." Diese poetische Midraschdarstellung kann auch, indem sie vom Propheten spricht, in diesem symbolisch das Volk als-solches gesehen haben. Böse Winde (rilnn bezeichnen sowohl Winde, wie auch Geister, Geist der Verirrung) trugen Israel weit weg von seiner geistigen Urstätte, weit weg von sich selbst.- Das Volk war seelisch von der geistigen Heimat losgelöst, wie hätte anders das Unglück geschehen können? Und da es, von wildem Schmerze geweckt, zu sich kommt, weint es. Aus den Tränen entstehen aber die Ströme, aus denen zugleich der Trost geschöpft wird. Die Träne bringt Entspannung, Erlösung und hält Zugleich be'rt Geist mach und mürm für den Morgen her (ösrhssßrmg. ' I32tz>' b22 lYHm An den Strömen Babels dort verspürten sie nur wenig vom eigentlichen Exile, dort „sähen" sie, ließen sich nieder, erfreuten sich der Ruhe und der Achtung, des Glückes und des höchsten Wohlergehens, im Besitze dön Feld üNd HaUs, Recht und Ehre, trotzdem weinten sie, da sie Zions gedachten. Und drsfs Tränen waren reinigend, sühnend für gshäuste schuld, sammelten sich zur neuen öueüe von Kraft und Reinheit, rpirö v'änv fy gerade die Annehmlichkeit Und Lieblichkeit, bas aüfgezwungene Glück auf fremdem Boden (MgÜnm übersetzt v'änp nicht Mit Trauerweiden, sondern leitet das Wort von rns?/ lieb, angenehm ab) entlockten unseren Harfen die wehmutsvollsten Töne, in der Erinnerung ün Zion. iw nm waiff vv •»> Denn dort wällten die Häscher das Lied von ihnen hören, das Lied der Begeisterung für die. neue Heimat, mit der sie sich seelisch ganz verknüpft fühcen sollten nnvv und die Zertrümmeren taoITien ^ter bei Hprtert £> r e ^reiibe unb b a S Glück wahrneymen, wie sie sie einmal im Schatten der Zionsburg.empfunden. Jp's i n b rr»tf " „Singet uns das Lied, das früher ihr für Zion im Munde gehabt!" Allein, 223 riöTx n iw i'V3 *|’X' wie könnten sie^ wie sollten sie? Wohl könnten sie singen, rühmen düs Land, in dem sie ein Asyl gefunden und danken Gott, der den Kelch des Gölusleides mit der Völker Huld versüßt hatte. Ä i b r» ®? f f? ff Y?r*T**[j* die jyerrtbe Luft nicht. Me Sehnsucht im Herzen und das Lied auf den Lippen, sie wiesen näch der alten Heimat zurück. Däs Lied und die Freude, die die babylonischen Zwingherrn wünschten, sie könnten, nur ertönen und erblühen unter der Sonne des Landes, das Heimat der Schechina war. Und wie von selbst streckte sich der Finger Zum Eide in die Höhe: „Wenn ich dem vergesse Jerusalem, verdorre meine Rechte, es klebe meine Zunge am Gaumen, wenn ich dein nicht gedenke!" Das Lied Gottes auf fremdem Boden singen wir wohl seit zweitausend Jahren, aber immer MeiM De? MM nach öer WM MilWt, non mo „die Lehre und das Wort Gottes" ausgehen. Etwas Schlimmeres noch als das Lied Gottes in des Golus Gottentfremdung zu singen wäre, Tt? ]Y>xJiünxbv2D3 das fremde Lied auf heiligem H e i m a t b o d e n zu singen. Vielleicht geht auch dahin der feierliche Schwur unserer Väter an Babels Strömen.- Das fremde Lied auf Gottesboden verpflanzen, hieße, den Aufbau Palästinas mit fremden Maßstäben messen und vollführen wollen, sich dabei von Voraussetzungen leiten zu lassen, die man im Kulturgoluth Europas als der Weisheit letzte Schlüsse zU werten gelernt hat. Sport und Spiel, Theater und Lustbarkeitsstätten, die heute in Palästina so liebevoll gepflegt werden wie in Min llMl PskiSi mt WH Mülrn tillhöchste Vtlduugsstüttsn, so sie nicht vom alten Zionsgeiste getränkt find, all dieses ist ein fremdes schrilles Lied, zur Verdrängung der Schechina aus ihrer und unserer Urheimat. Wenn Gott die Gefangenen Zions zurückführt und langjähriger Traum zur Wirklichkeit geworden v'»^iN2 i3"N' dann werden die Völker voller Verwunderung und Bewunderung vor dem Großen stehen, das Gott an uns vollführt hat. nVx ds? n nair 'tx* Aber nicht d a s wird in unseren Augen groß sein, wüs die Völker nach ihren Begriffen, nach ihrem Machtempfinden groß preisen. Unsere Freude, das wahre Glück strömen aus dem aus, roos Gatt als unsere Größe, entsprechend unsirer Eigenart, unsir^r Rottshrstlmmnng «n uns vollführet vmav hay nwvb n b'iM Es geht bei unserer Erlösung, bei unserem nationalen Wiederaufbau wahrlich nicht darum, daß die Pölkerwüste sich um-einen neuen öden Landstrich bereichert, sondern, daß sich eine Oase mitten in 8er Wüste eröffnet und ein Quell sich dariri aüftüt, aus dein sie alle in ihrem Durste ErkeNntriis, rtfctdp Nuye, rt<t<i) ÄDahrhsit, nach Glück und Frieden schöpfen und sich laben. 2ä32 UYÄV' M '1 Haben wir in diesem Sinne um Jerusalem geweint Und die Tränen sich zü Taten verdichten lassen, dann sind sie, diese Tränen, wie beim Propheten der ersten Zerstörung, nicht umsonst geweint, dann ist der Tränenquell zu einem Quell des Heiles geworden, nirp' N3'i2 nsan2 D’jnwii London. Von Wolf Jacobson in Hamburg. Der erste Eindruck, den der Fremde von Lonbart ernpfärigit eine rief&riget&ttliige <&>iab£ tri Dimensionen, die selbst den üeutschen^roDähtcr in schreckhaftes Erstaunen versetzen. Eines aber zeichnet London, die Stadt aller Städte, von ihren kleineren Großstadtschwestern aus: das sind die wunderbaren Parks, die in der City wie in den Außenvierteln das unendliche Steinmeer der' Hauser, die verwirrende Fülle der Straßen Unterbrechen. Diese geographische Notiz ist mehr als das: sie ist ein pir bie ßonboner Quben^eti, in deren Kreis für einige Wochen zu weilen'. Schreiber dieses Gelegenheit, hatte. Das darf ausgesprochen werden, ohne daß wir uns damit das Recht anmaßen wollten, „Land und Leute" gründlich studiert zu haben. Parks — Zentren jüdischer Kraft, Gemeinden echter treuer Menschen — Bethäuser frommer Andächtiger aller Länder und Minhogim, „Stübel" chassidischer Versunkenheit, Talmud Thoras östlicher Prägung, Jeschiwo, von berühmtem, jetzt ins Land gekommenem Gaon geleitet, blühende Jüdischkeit, lebendige, zukunftverheißende Tätigkeit, — MemgeMlllU in kill Mkkk 88ll Mknmmms?s „Verstemchett", mU Nschsn Birnbaum jagt. Von jenem London, in dem es sich jüdelt wie es sich christelt, dem Spiel und Sport die letzten Erkenntnisse des Lebens find, will ich nicht sprechen. Nicht vom London extremster Reform unter des Assimilanten Montefiore Leitung, und extremer Reform, vom Zionisten Blau angeführt, und auch von der offiziellen, in den United Synagogues organisierten Orthodoxie nicht, die in einem Teil ihrer Synagogen „Frauenchor" duldet, und deren Führer, der englische Oberrabbiner, doch einen so energischen Kampf gegen „links" führt. Ich möchte mit ein paar Strichen nur einige jener Bilder festhalten, die dem Auge besonders wohlgetan, das Herz besonders erquickt haben, einige ^.Sporflyartieri" schildern. I. Die Adaß Jisroel, eine im Norden Londons domizilierte, von einigen deutschen und österreichisch-ungarischen Juden vor etwa zwei Jahrzehnten gegründete Gemeinde, ist die natürliche Aktionsbasis für Menschen unserer Sendung, das Milieu, in dem sich „Leute unserer Art" heimisch und heimelig fühlen. Ganz diskret sei vermeldet, daß „Frankfurt", was ja wohl in Wirklichkeit das geistige Erbe seiner beiden Großen, Chatham Sofer und S. R. Hirsch, bedeutet, hier dominiert, sowohl was das geistige Gepräge der Gemeinde als. solcher, als was die Einstellung ihrer Mitglieder und vor allem ihres Raw anlangt. Schul, NsMimchsus. Ibi HsmitWsch mit chassivWM Minjan, Neligionsschule, Jugendyerein Ben Sakai, alles liegt beisammen, gruppiert sich um das RabbinerhaUs, und wieder wird Geographie zürn Symbol:, im Mittelpunkt aller Dinge steht der Raw, und er ist auch wirklich der Zentralpunkt. Seine englischen Predigten — er spricht ohne Ornat, das Tallis über dem Kopf —, seine deutschen Midraschvorträgs am Schabbos nachmittag vedWfen wirf(14 Iw f?!tW läßlichen Gemoro-Schiurim geben dem Bes Hamidrofch seinen Sinn; sein Organisationstalent hat eine vorzügliche Religionsfchule aufgebaut, im Ben Sakai der Jugend eine kräftige Organisation geschaffen, und auch im Minjan der Chassidim, das, wie man Mir sagt, von hervorragenden Lamdonim frequentiert wird, ist sein Wort so entscheidend wie in Schul. Ein Mann von ungeheurer Tatkraft, aufgewachsen in einer Sphäre, die man bei uns im Westen so gern als „Ungarn" diskreditiert, wirkt er als ein Symbol des Agudo- Gedankens, obgleich er der Agudo-Organisation ititffi ttitgeböri. Urtb rticfyi nur ttt feiner enteren Gemeinde, auch im Westen Lonlions, ha, wo bas Judentum unserer Auffassung nur schwach lebt, rufen ihn diejenigen zu Schiurim, zur Inspektion ihrer Talmud Thoras, die kräftige „Hausmannskost" für sich und ihre Kinder als das Gesundeste betrachten. Leider ist durch die Ausdehnung Londons der Aktions-Radius der Adaß Jisroel und ihres Führers nur ein begrenzter und in der Adaß Jisroel selber ist eine kontinuierliche AufroärisenirDtcfl'urtg baburc^ gefjerrtrnij. bag bie iattrösttgsien „Adatzler" vom Norden zum Westen verziehen und wohl noch ihr Geld und dann und wann ihren Rat der Adaß Jisroel geben, aber nicht mehr das, was die Hauptsache ist, die ganze Hingabe der Persönlichkeit, durch die allein eine Schöpfung wie die Adaß Jisroel sich durchsetzen kann. Diese betrübliche Tatsache wird ein wenig ausgeglichen dadurch, daß begüterte Ostjuden vom East nach dem Norden ziehen. Auf diese Weise fließt der Adaß doch immer wieder östliches und frisches Blut zu. Neben dem Raw wir-