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Der Israelit · 1926-07-22 · Heft 30 (22.7.1926) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 30 (22.7.1926)
Date
1926-07-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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2it3liliH92ßi: D e-r I s r-a e I I < UcktergMg bsMM' Wd damit dis Zöit vorbsreitet wurde, in, der eine „A g u d ä s 3'i sr o el" ins Lehen treten konnte.' - ,' Die Gründung des orthodoxen Rab b i n c,r v e r b a n d.e s ,, zu der eine Reihe unvergeßlicher Mitstreiter vor allem Dr. Michael C a h n ihm zur Seite traten,' war vor allem s ein Werk und als lebendiges Gewissen der Orthodoxie wirkte er weiter in all den schweren inneren Krisen, die durch die Kämpfe um den Einheitsgedanken (Einheit des Blutes oder Einheit der Thora?) bis zu dieser Stunde in den mannigfaltigsten: Formen ' heraüfbeschworen wurden. Hier vor allem hat er 'Kelle und Schwert aus der Hand legen müssen, ehe noch dem Blick ein klares Ziel sich zeigt — aber sein Bestes hat er in rückhaltloser Ehrlichkeit auch in diesem Ringen hingegeben. . Auch m den Kämpfen um den Aufbau der „ A g u d a s I i s r o e l " , die er seit Jahren ersehnt und im. Schoße der „Freien Vereinigung" als Aufgabe des Tages bezeichnet hatte! Ihrem rabbinischen Rate hat er bis an sein Lebensende angehört und unvergessen bleibt die jugendliche Frische, mit der er in einer denkwürdigen Sitzung des Rates bei der Kenessi.o ge- $ & U I 5 j ft & i ■[ e tv v « M führte, mit' Der er in entscheidungsschwerem Augenblick für Gerechtigkeit gegenüber einer abwesenden Thoragröße.— Rabb. Kuk — plädierte. Im Busen dieses Mannes lebte — dem Scheine des öffentlichen Auftretens zuwider — die Seele eines Kindes; er war Kind nicht nur seinem Schöpfer gegenüber, wenn er im Gebete vor ihm stand, sondern es war ein bei aller überragenden Geistesgröße, die im Ru. die verwickeltsten talmudischen Probleme erfaßte, ma^an der hervorstechendste Zug seines Wesens. Er blieb aus einem Guß, so wie ihn seine Lehrer mit Thorageist erfüllt und in die Welt gestellt hatten. . So wirkte er erzieherisch ins Weite als P e rs ö n l i ch k e i t; so hatte er gewiß nicht 'unverdient die.seltene rron ber. jüdischen Welt n^iy 'ba sechs Söhne zu schenken, die T>a D‘snD und doch selber Persönlichkeiten von Eigenart sind. Er fühlte dieses Glück und huldigte dankbar seinem Schöpfer. Nur zwei schwerste Schicksalsschläge griffen in furchtbarer Härte in sein Dasein. Den Heimgang der jungen Tochter nach kurzer glücklicher Ehe, seiner einzigen Tochter, die von der Vorsehung . mit überreichen, ungewöhnlichen Geistesgaben gesegnet worden war,, hat er bis an ssin Lobsnsonds nicht vsrtvundon, 11 nb konttle er. nimmer die Gattin seiner Jugend, die -ihm. Gottes prüfendes Geschick nach mehr. als vierzigjähriger Lebenskameradschaft entriß. Er war getroffen bis in die Wurzel seines Daseins. Aber auch da zeigte sich seine klassische Charaktergröße, die man nur zagend andeuten darf. Er hatte oft beklagt, daß in seiner Gemeinde der Weisen Wort, das dem Mann ohne Weib das Menschentum abspricht, noch nicht wieder genügend gewürdigt werde und an manchen Witwer hatte er unter vier Augen sein mild mahnendes Wort gerichtet. Nun galt es, r.abn mia myyaV zu sein- Und er erhob sich, Drmx. gleich, aus der Trauer und erfüllte seine Pflicht mit der Unbefangenheit des gottdienenden Menschen und dankte mit jedem Tage in rührender Liebe — er und seine Kinder — dem wackeren Weibe, das ihm die letzten Jahre seines Lebens erhellte und bis zur letzten Schlummerstunde die Wächterin seines Greisenalters wurde. Wenn diese Worte, die in ihrer dem Augenblicke abgerungenen fragmentarischen Kürze dem Reichtum des großen Lebens, das da abgeschlossen vor uns liegt, gewiß in keiner Weise gerecht werden, in die Hände der Leser gelangen, dann haben die um Zion Trauernden ihr gesenktes Mm vom Doven mokim und dki MW nnrir Ruf des ©otiesfjropfjeten füllt die £>eete mtt neuem Lebenswillen. . > Die lodernden Flammen, die unser Heiligtum einäscherten; werden seinem Wiederaufbau leuchten — rtfj 2'2v wu n.ain N'Nrr So möge das vom Lichte reinsten Thorageistes durchglühte Leben des Heimgegangenen m-p: an dessen Bahre die ganze gesetzestreue Judenheit erschüttert steht, zur Quelle neuen jüdischen Lebenswillens' werden — für seine Gemeinde, für die Gesamtheit der gesetzestreuen Judenheit Deutschlands, für Vmtr» m - irvon lvochenrundschau. Die Münchener Tragödie. Wie aus der Tagespresse bekannt und in der vorigen Nummer zunächst ohne Kommentar ausführlich gemeldet wurde, hat der Bayerische Landtag am 8. Juli einen Antrag des völkischen 5BIotfs 31HTI -er^ofccrti bemgu|o(|e bie 9^c Ablgail uno legte, litfolgebeffen Mefe weite <&txe(&e zurück?) In dem ergreifenden Gebete Myaa ’jyn das in den meisten Gemeinden der Kantor vor «joia an den ü'»' verrichtet, kommt der Passus vor mnx -pby lriin "'y'i- Es ist dieses offenbar eine Anspielung aus N2nk ’^y 1^11 (Hohelied. 2,4). Aber in welchem Zusammenhänge steht dieses nsi T^y ubm mit dem Einleitungsgebete im Allgemeinen und mit dem ßvis-Gebete im Besondern, und wie -ist dieser Passus zu übersetzen? Ich vermute. daß: der erwähnte Passus auf einen Midrasch anspielt, den Tossephat in Äboda Sara 22.fi (s. 0. sM zitiert, ifrrn ist in dieses Falle nicht mit Fahne, sondern mit Sprung (überspringen, überhupfen) zu übersetzen. Der von Tossephat angeführte Midrasch lehrt: Selbst wenn einer die Worte (der Thora) nicht klar und deutlich, genug ausspricht (..wenn et anstatt Ahron, Harön sagt'),. so erfüllt er dennoch seine Pflicht, denn es heißt.- N2N« ’Vy iVm Nun aber lautet eine Stelle im Talmud (Megilla 24 b): Die Einwohner gewiffer Propinzen dürfen nicht als Vorbeter fungieren, weil sie das Hebräische schlecht und falsch aussprechen. Man müßte demnach bei Anstellung eines Vorbeters ganz genau darauf achten, daß er eine gute, fehlerfreie Aussprache habe-. Daher das; einleitende Gebet des Vorbeiers? Selbst wenn er manches Wort, nicht mim UW MMM IM MIM MV MWI so möge E Gebet trotzdem liebevoll ausgenommen werden — unter Berufung dltt naüri M Also ganz im Sinne des zitierten Widrasch. — Bei dieser GelegenWv möchte ich aus einen andern Passus in dem zitieWn. Gebete aufmerksam machen, der aus *) Nach irrmn D2iin- Abteilung tj’BipV* den wenigen Warten rann .m^wni nDKm besteht. Dieser Passus in diesem Zusammenhänge scheint an dieser Stelle vollständig deplaziert zu sein. Da vom Gebete die Rede ist, möge auf eine andere Stelle im.Gebetbüche verwiesen weiden, deren Sinn nicht ganz verständlich ist In der Purimhymne 2pymw» heißt es ... tahr nim wia fm 'iya inv« .12112. Gewöhnlich übersetzt man nya mit meinetwegenetwa: in meinem Namen rc. Der Sinn desselben ist trotzdem unklar. In manchen Gebetausgaben heißt es 'iya h2**an> was so viel, wie .meine Beschützerin" bedeuten sollte. In Wirklichkeit ist unter 'NV2 .Schmuck" zu verstehen (vergl. Ezechiel 16. 11. 12). Die Uebersetzung muß. demnach lauten: .Gesegnet sei Esther in ihrem herrlichen Schmucke' (eine Anspielunq aus die strahlendeKönigskrone auf ihrem Haupte.!**) kleines Feuilleton. (Sabbakruhe und Mietrecht.) Wiener Blättern entnehmen, wir folgenden Streitfall: Der Hausbesitzer Jakob Rabinowitfch verklagte die in seinem Hause etablierte Geschäftsfrau Jetti Epstein, weil sie an Samstagen ihr Geschäft offen hielt. Er "stützte sich .auf eine Berpflichtung, hte ftamiitcfje -.-tn- .-4)tcfem fecfinblit^en ©e=> schasissenie Lern streng reügrosen ^rrüsdefitzer gegenüber vor zwanzig Jahren eingegangen waren. Der Anwalt der beklagten Geschäftsfrau erklärte, daß feine Klientin infolge der' wirtschaftlichen' Verhältnisse dieser bis März laufenden Jahreseingehaltenen Verpflichtung deshalb **) Nach der Monatsschrift v'mn mrin- Nr. 30 Seite 8 Aterung ersucht wird, alsbald gesetzliche Anordnungen zu erlassen, wonach Rinder, Schafe, Ziegen usw. die geschlachtet werden, vor Beginn der Blutentziehung zu b e t ä u b e n sind, außerdem durch gesetzliche Anordnungen sicherzustellen, daß, soweit möglich, die Betäubung des Schlachtviehes statt durch freien Kopfschlag durch mechanisch wirkende Geräte (Schuhbolzen usw.) erfolgen soll. Dieser Antrag hatte bereits im Februar ds. Js. Hm Verfassungsausschuß des Landtages vor- MÄen und war damals durch eine aus der Bayerischen Volkspartei, den Demokraten, Sozialdemokraten' und Kommunisten bestehende Mehrheit abgelehnt worden. Man konnte als sicher annehmen, daß dieselbe Mehrheit auch im Plenum des Landtages den Vorstoßder Schächtgegner, der sich in gleicher Weise gegen die r e l igiöse Treue wie gegen die Gewissensfreiheit der jüdischen Religionsgemeinschaft richtete, in Uebereinstimmung mit ihren Parteiprogrammen zurückweisen werde.; Erstaunt wird die aufhorchende Welt fragen, wie es kommen konnte, daß'diese Hoffnung sich als trügerisch erwies. Die Antwort auf diese Frage schließt leider einen so erschütternden Betuets |iir bie S<^u^Io|ig{eti berr Hubert itrtb |wr Die Labilität des allgemeinen Nechlsgesüyles, sobald es sich um Juden handelt, in sich, daß wir gerade diesen Vorgang — mehr noch als die Tatsache des Schächtverbotes an sich — nicht anders deckst als wahre Golustragödie bezeichnet wüsten. ,viie bayerische Sozialdemokratie ist es, die überraschender Weise den Ausschlag für den antisemitischen Antrag der Völkischen gegeben und untex Desavouierung aller ihrer früheren Beschlüsse, und einer jahrzehntelangen Tradition sowohl im Verfassungsausschuß als im Plenum des Landtages für den Betäubungszwang, d. h. für das Schöchtverbot gestimmt hat. Weshalb? Sie hat es ausgesprochenerweise getan, nicht etwa, weil sie sich nachträglich von der Verfassungsmäßigkeit eines Schächtverbotes und von dem „tierquälerischen" Charükter des Schächtens überzeugt hätte, sondern weil sie durch ihren Beschluß die Gesamtheit der religionstreuen bayerischen Juden für einen der. Partei unerwünschten und nach ihrer Ansicht unberechtigten Zeitungsartikel des Münchener liberalen Rabbiners, Dr. Vae.rwald, bestrafen wollte! Dieser hatte nämlich am Tage vor dem Volksentscheid über die Fürstenabfindung, gedtästgt von der liberalen Fraktion der Münchener nicht mehr nachkomme/weil sie aus den größeren Erlös am Samstag nicht verzichten könne. Uebrigens verstoße eine solche Verpflichtung sowohl gegen die Staatsgrundgesetze wie auch gegen die guten Sitten. Die Klage wurde kostenpflichtig abgewiesen. In der Begründung wird ausgesührt, daß das Begehren des Klägers den Versuch' darstelle, seine Weltanschauung anderen Personen gewaltsam aufzudrängen. Sein Verlangen sei cin Hohn auf jedes Rechtsempfinden und in höchstem Grade antisozial, bedeute auch eine Einschränkung des persönlichen Selbstbestimmungsrechtes und der Gewissensfreiheit. Echtes religiöses Empfinden verlange Duidsamkeit. (Soweit man sich auf Grund der mangelhaften Unterlagen ein Urteil bilden kann, müssen wir sagen, daß diese Gerichtsentscheidung höchst merkwürdig klingt. Es ist nicht einzusehen, warum ein Hausbesitzer in seinen Mietverträgen nicht die Wahrung der äußeren Sabbatruhe in seinem Hause soll bedingen dürfen. Es stand ja im Belieben des Mieters, ob er auf die Bedingung eingehen wollte. Red.) Wochenkalender. vom 24. bis 31. Juli 1888. l vom 13. bis 20. Ab 8388 Samstaa Juli 24 pnnsi 13 1»M na& SoitEag 25 14 in . 8L IS Dienstag 27 16 Mittwoch . 28 17 Donnerstag 29 18 Freitag 30 19 Samstag 31 20

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