Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 29 (15.7.1926)
- Date
- 1926-07-15
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450388-2450417--73313-2530715- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 2 Nr. 6 Der Israelit 15. Sult 1926 Mifött ÜH& n!4)i w&ev bte @% meinschaft zu stellen. Wenn Sie aber dennoch auf Ihrer Ablehnung beharren sollten, so müssen wir die Verantwortung für die dadurch herbeigeführte vollständige Trennung Ihnen überlassen. Demgemäß beantragen wir: „Denjenigen aus der Gemeinde austretenm Mitgliedern. welche sich dem Gemeinde?: Vorstand gegenüber verpflichten, einen näher zu bestimmenden Beitrag zu den Humanitären Anstalten der Gemeinde (Hospital, Friedhof und etwa sonst noch zu schaffende Wohltätigkeitsinstitutionen) unter Stehen, daß die der Thora entfremdeten Teile des Klall — mögen es einzelne Personen oder Kör perschasten sein — das Band nicht weite lockern, daß im Gegenteil dieses Band wieder fester geknüpft wird, sieht die Gemeinde-Ortho doxie eine Pflicht und hofft daher auf den gött lichen Beistand. Die Aufgabs der Gsrnsrnds-Orthodoxrs eine fW ein Aus an Pflichten und ein Plus an Verantwortung au' sich genommen. Hat sie die Kraft, unentwegt die Stimme der Thora zu erheben, kennt sie die Grenzen, die auch bei einem Zusammenarbeiten mit Andersdenkenden dem Thoratreuen gesteckt ■m ist der Voraussetzung zu zahlen, daß diese An- |finöf sie in ihrem Auftreten fest und energisch .. v, —r— d^n erweist sie das Berechtigte ihres Tuns und macht die Kritik verstummen. Die Geschichte der Gemeinde-Orthodoxie zeig freilich, daß sie häufig schwach war und die ihr gesteckten Grenzen nicht einhielt. Das sagt natürlich nichts gegen ihr Prinzip, könnte aber gegen Me Möglichkeit [preisen. M Prinzip Durö) zuführen. Ich halte die Möglichkeit durchaus für gegeben, sonst hätte ich nie die Ideologie der Gemeinde-Orthodoxie vertreten: ich habe die Ursache der Fehler stets nur in der Auswahl der Ver? treter der Gemeinde-Orthodoxie gesehen. Ein Amhaarez, der nur gewählt worden ist, weil er den Sabbat hält und überdies eine angesehene soziale Position einnimmt, kann wahrlich nicht dis Ltttst'ssfttt dstl in lev richtigen Weile vertreten. Solche Persönlichkeiten haben aber häufig das Geschick der Gemeinde-Orthodoxie in der Hand gehalten, weil meist die Vertreter mit jüdischem Wissen und Verständnis für die Interessen des Thora-Judentums nicht das Geschick hatten, wie es das glatte Parkett der Gemeinde- Politik erfordert. Auf diesem Boden ist eine Politik des Entgegenkommens die angenehmste, weil sie Energie und Kämpfe spart, — es gibt aber genug Momente im jüdischen Klall-Leben, in denen ein Entgegenkommen eine Schädigung der Erfordernisse des Thorajudentums bedeutet. Har MM im ..Israelit" nagalt Mit Nacht das Unmögliche eines Gemeindeblattes fest, das abwechselnd Artikel von orthodoxen und von neologen Rabbinen bringt. Ich kenne die Geschichte des Entstehens des Gemeindeblattes der Frankfurter Israelitischen Gemeinde. Der Wunsch nach einem Gemeindeblatt entstammte der linken Seite des Gemeindeparlaments, weil diese ihre jüdisch nninFsssfMtsn Müssen «uf solche Weise mit Dem Geschick Der Gemeinde verbinden wollte. Man benutzt im liberalen Lager solche Palliativmittelchen. Zum Abonnement einer jüdischen stellten und Institutionen auf dem religiösen Standpunkte erhalten bleiben, resp hergeftellt werden, die Mitbenutzung dieser Anstalten und Institutionen in gleicher Weise wie den Mitgliedern zu gestatten und zur Festsetzung der näheren Bestimmungen mit uns in Verbindung zu treten." das bedeutsame schreiben der gionsgesellschaft. Der Vorschlag fand keine Zustimmung. Sei es, daß man sich wirklich an juristischen Bedenken stieß, sei es, daß man die Anhänger S. R. Hirschs grade zu dem Bekenntnis der r e l i g i ö s e n Einheit zwingen wollte, das ihr Führer perhorreszierte. Rabbiner Hirsch hat es immer als eine besondere ^oitjung betrachtet^ da^ seiner Gemeinde aus diese Weise durch die Unbeugsarnkeit der Gegenseite die volle Selbständigkeit auch auf humanitärem und sozialem Gebiete auf gezwungen wurde. Die Gemeinde-Orthodoxie. Von Saly Geis in Tel-Aiviw. *) Der Artikel „Das „Gesetz" in Anführungsstrichen" in Nr. 20 des „Israelit" bietet mir Veranlassung zu einigen Worten über die Gemeinde- Orthodoxie. Wer zwei Jahrzehnte hindurch die Ideologie der Gemeinde-Orthodoxie journalistisch vertreten und it^re jsi ff fl MsiNM M Ausschusses der Israelitischen Gemeinde in Frankfurt studiert hat, der hat wohl ein Recht, sich zu diesem Thema zu äußern. ' Um die Begriffe abzugrenzen, ist es nötig, selbständige und Gemeinde-Orthodoxie nebeneinander zu stellen. Der selbständigen Orthodoxie wird vorgeworfen. daß sie ihre Verpflichtungen gegen den Klall leugne. Tiefer Vorwurf ist psshf Prinzip ist auch die selbständige Orthodoxie sich bewußt, daß sie Pflichten gegen den Klall hat, — ^. doch kann sie diese Pflichten nur dort erfüllen, I Zeitschrift reicht bei der überwiegenden Mehrheit wo sich dieser auf dem Thoragesetz aufbaut. Denn, ^s für die Liberalen in Frage kommenden wo diese Vorbedingung nicht erfüllt ist, glaubt Publikums das Interesse nicht. Die orthodoxen die selbständige Orthodoxie durch eine Beteiligung Vertreter Naftali Fromm und Jacob Wolfs erdas reine, ungetrübte Verhältnis zur Thora und kannten sofort die Situation, da aber ein anderer ihre ungeminderte Weitererfüllung gefährdet zu Orthodoxer, Jacob L. Goitein, sich zu der linken sehen. Dieser Standpunkt hat zur Folge, daß Seite schlug, sogar deren Forderungen noch überdieselbständige Orthodoxie sich der Einflußnahme aus die Organe des nichtthoratreuen Klall begibt. Darin sieht sie eine Tatsache, die sie bedauern. «ntavn Iwm« tte&vigens öteiOen EM Wirkungen auf Einzelne durch die Macht des getraf, und einen ausgedehnten redaktionellen Teil verlangte, so unterlag der rechte Flügel. Er hätte MH für dm ML daß MZ MnieindeMtl mehr als ein ostiZisllsr Vsksnnttnschuttgsättzergerder Gemeinde fein solle, die Kabinettssrage stellen druckten Wortes und durch persönlichen Verkehr müssen. auch dann noch möglich. Für falsch habe ich auch stets die Politik der Der Gemeinde-Orthodoxie wird mit ihrer Frankfurter Gemeinde-Orthodoxen in der Schul- Stellung zum Klall eine Versündigung gegen die frage gehalten. Die Realschule „Philanthropin", Hut der Thora nachgesagt. Jedenfalls bedeutet Un der stets die Liberalen die Bestimmenden die Thora der Gemeinde-Orthodoxie nichts andewaren, hat in der Regel ein Drittel der Geres als der selbständigen Orthodoxie. Der einen meindeausgaben verschlungen. Die Orthodoxie wie der anderen ist die Thora Gottes Offenbegnügte sich mit der Autonomie auf dem Gebiet barung und daher Richtlinie für das Leben des der Synagoge und des Kafchr-ntbrvesens. Dnftitumm linD Dos jüdischen Klall. Wo rm CMZzMz lst^n. bU durch ihre Einnahmen der Gemeinde und wo der mall von dieser Richtlinie abgewichen wenig kosten, ließen es sich aber gefallen, auf dem ist, da soll nach Ansicht der Gemeinde-Orthodoxie Gebiete des Schulwesens als Aschenbrödel behandelt Zu werden. Sie betrachteten es als einen Gewinn, als hundert Jahre nach Gründung des I Philanthropin auch ein konservativer Religions-! unterricht an der Schule eingeführt wurde. Das Lehrerpersonal mit seinen meist radikalen Assi- > milanten, denen Sabbat und Jomim-towim Wochentage sind, und unter denen es Männer der Thoratreue hintreten und die Stimme der Thora erheben. In der Wahrung der Einheit des Klall und in dem Versuch, auf der Wacht zu *) Wir teilen den prinzipiellen Standpunkt des Herrn Verfassers nicht, glauben aber seinen Ausführungen wegen ihrer Objektivität dennoch Raum gewähren zu sollen. gibt, die nicht einmal mehr den Jomkippur respektieren, blieb aber bestehen. Auch der jüngst verstorbene Justizrat Dr. Auerbach, ein Mann von einer großen Allgemeinbildung,, aber ohne die geringste Kenntnis des Judentums — er konnte nicht einmal einen hebräischen Buchstaben lesen — blieb als Syndikus der Schule auch weiter- Kops und Hand des Schulrates. . Solche Gewinne^ tme m Ggchen des Philanthropin zeigen, daß die Führer der Frankfurter Gemeinde-Orthodoxie Nicht auf dem richtigen. Wege waren, daran'hat, aber nicht das Prinzip der Gemeinde-Orthodoxie schuld. , , . Auch mit der Gründung deS Freien Jüdischen Lehrhauses bewies .meines Erachtens die damalige Führung der Frankfurter Gemeinde- Orthodoxie -keine glückliche Hand. Das jüdische Wissen der meisten Teilnehmer ist so gering, daß von einer eigenen Urteilsfähigkeit nicht gesprochen werden kann und es daher durchaus nicht gefahrlos ist, wenn an dem Freien Jüdischen Lehrhaus auch nserait Dozenten lesen. Gerade auf geistigem Gebiete müssen die Grenzen scharf gewahrt werden. Die Bewußtheit dieser Grenzen und ihre Hut sind Vorbedingung, zur Rechtfertigung der Gemeinde-Orthodoxie. Wie anders als durch Klarheit kann sie auf die Elemente wirken, die ihr mit ihren Sympathien zuneigen, doch in der Lebenspraxis das Gesetz der Thora verletzen, soweit das Leben seine VealZächtUNH e^tnerk biest Aanschcnschicht Nicht nach dem uferlosen Indisserentismus hin ich entwickeln zu lasten, sie vielmehr wieder der Thora zu nähern, ist die besondere Aufgabe den Gemeinde-Orthodoxie, und diese Aufgabe kann nur durch kompromißlose Klarheit überall dort,, wo das Wesen des Thora-Judentums berührt wird, erfüllt werden. Mit Kompromissen ist es eine eigene Sache. Ich erinnere mich des verstorbenen Raphael Ettlinger, der den Liberalen in der Gemeindevertretung durch die energische Vertretung seinesorthodoxen Standpunktes nicht angenehm war. HIß Dia äbßyfgufen wtnr, un^r bic* beiden Flügel des Gemeindeparlaments wiedereinmal wegen eines Wahlkompromisses verhandelten, war Vorbedingung der Liberalen, daß, Raphael Ettlinger nicht auf die Liste komme. So geschah es auch. Trotz mancher schwerwiegender Fehler, die die Gemeinde-Orthodoxie gemacht hat. hat sie das- Derdiknst. den Gemeinden ihres Mvksns Zittän dttservatrveren Zug gegeben gu haben. ES MUß anerkannt werden, daß der orthodoxe Flügel in den Großgemeinden Deutschlands in dem letzten Jahrzehnt es gelernt hat, energischer auszutreten. Vielleicht kommt dies auch daher, daß er mehrparlamentarisch geschulte, rednerisch begabte Mitglieder hat als früher. Damals hat es ihm meist, gänzlich an solchen Mitgliedern gefehlt. Die Gemeinde-Orthodoxie, die Brücken nacch links geschlagen hat, hat die doppelte Pflicht, die Verbindung nach rechts zu wahren und jeden: jüdischen Fortschritt iw Kreise der selbständigen DüMiß&agÜ Ntrl prrew&e gtt s«8L nicht, daß man sie bei den Rechten nicht liebt — bei den Linken liebt man sie sicherlich viel weniger! Mit der Rechten hat sie den gleichen Gott und die gleiche Thora; welch große Kluft aber zwischen ihr und der Linken besteht, das zeigte^ mir vor einigen Jahren ein Vorkommnis im Frankfurter jüdischen Gemeindeparlament. Beschwerte sich da ein Führer der Linken, daß es der Parität nicht entspreche, wenn im Gemeindebüro stets solche Beamte angestellt werden, die «uf einen freien Sabdai reflektieren. Md Der orthodoxen Richtung zuzugählen sind. Das freilich eine Auffassung vom Judentum,.mit dersich nicht mehr debattieren läßt. Wäre, wie gesagt, nicht die Zwischenschicht zwischen dem orthodoxen und dem liberalen Lager, wäre es in Wirklichkeit nicht so, daß auch: unetr.den Liberalen nur ein Teil „Käserb'ikkor" ist, dann wäre die Mühe eines Züsgmchmenarbeitens durchaus zwecklos.