Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 29 (15.7.1926)
- Date
- 1926-07-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 29 Geile 3 15 Juli 1^6. Der I s r a .e l i .t . schon hatten sechs oder -sieben der Herren Handgeld von' amerikanischen Klubs genommen und die Verpflichtung unterschrieben, von nun an für amerikanische — nichtjüdische — Vereine tätig zu sein. Das wäre an und für sich nur eine für Futzballenthusiasten bemerkenswerte. AngölögMWl ««11111 NW QcroDc um ms »obkaah" handsln müröe, um eine torporation, von \m man weiß, daß sie als zionistisch gilt. (Wenn auch ihre zionistische Tätigkeit, zumindest was ihre Leistungen für die zionistischen Fonds betrifft, ilt keinem richtigen Verhältnis zur Leistung der zionistischen Parteigänger für dieses Unternehmen steht.) Eine Anzahl von Menschen also,, die ihren Ruhm und ihre wirtschaftliche Position, mannigfache Annehmlichkeiten und die auf bequemste Weise erworbene Kenntnis dreier Erdteile dem Zionismus verdankt, nimmt nach richtiger Landsknechtmanier bei erster Gelegenheit Handgeld und geht nach Amerika. Eine Angelegenheit, die zu denken gibt, wenn man mehr als kritikloser Parteigänger ist, dem es genügt, daß ein paar Menschen in blauweißem Dreß einen Fußball mit Erfolg über eine ebene Fläche treiben. Es fei nichts gegen den Fußballsport gesagt, wenn auch manches gegen gewisse Uebertreibungen angeführt werden könnte, aber wenn man bedenkt, daß es ein Zion gibt, für das Menschen ihre Gesundheit und ihre persönliche Zukunft hingeben, hungern und alle schwersten^ Opfer bringen, zum Teufel, da muß man sich doch fragen, ob es am Platze ist, daß dieses Zion zu einer alle Konkurrenz niederschmettern sollenden Firmenbezeichnung werden darf. Judentum, d. h. Zionismus mit Geschäft zu verzwicken, war stets eine mißliche Angelegenheit, denn stets fand der Geschäftsmann sie in Amerika und der Zionismus hatte das Nachsehen. Als zionistische Verpflichtung und zionistischen Stolz hatte man es betrachtet, diese Fußballer zu jüdischen Renaissancemenschen emporzujubeln und man konnte sich den Zorn offizieller zionistischer Kreise zuziehen, wenn man Hakoah nicht als oberste und überzeugend steAusdrucksform des Zionismus betrachten woll t e, deren Bedeutung für das Judentum beiläufig zwischen dem Wilnaer Gaon und des Baalfchems geheiligter Person liege. Vielleicht hat diese Enttäuschung, welche die Amerikafahrer den österreichischen Zionisten bereiteten, doch auch etwas Gutes. Vielleicht bringt sie eine zionistische Masse zur Besinnung auf die geistigen, auf die jüdischen Inhalte des Zionismus. Dann haben die Dezestioniste'n der „Hakoah" für den Zionismus etwas geleistet. Gehr gut gesagt! Schade nur, daß diese Erkenntnis etwas spät kommt, nachdem weite Kreise der jüdischen Jugend sich an dem Kraftmeiertum der Hakoah-Leute berauscht und vergiftet haben. Bayern und Reich. Von Rabbiner Dr. Zr. Mrener in Aschaffenöurg. Wenn der Verband bayerischer israelitischer Gemeinden mit Zustimmung der bayerischen Myoüoxlö yMlllMt werben ronnleso vkiMs es bloß einer ^tickttett Kenntnis dsr besonderen bayerischen Verhältnisse, um diese Zustimmung oegreiflich zu finden. Die offiziellen Kundgebungen der Staatsregierung über den Begriff der jüdischen Gemeinde, die Stellung des Rabbiners ufw., wie sie in den historischen Dokumenten des Judenedikts und der Ministerialentschließung von 1863 vorliegen, mußten in der bayerischen Orthodoxie ein Gefühl der Sicherheit großziehen, das vcranrm mi in fcsm strlg?n biefes, vom Staate anerkannte und in seinen rrndMonellen Einrichtungen so offensichtlich geförderte Judentum ist u n s e. r Judentum. Und wenn auch diese in der neueren jüdischen Geschichte wohl einzig dastehende staatliche Datronffierung des „ritualmäßigen Fleisches", des „vorschriftsmäßigen Ritualbades" ufrv. nicht verhindern konnte, daß hinter der so romantisch wirkenden Attrappe des offiziell Ritualmäßigen gar manche jüdische Gemeinde in Bayern sich durchaus ritualwidrig entwickelt hat, so war doch das aus der „guten alten Zeit" stammende Vertrauen auf den gesunden Sinn des bayerischen Judentums stark genug, um auch den leisesten Zweifel an der Berechtigung dieses Vertrauens als Vergiftungsversuch mit Frankfurter Separationsbazillen abzulehnen. Dazu kam, daß in Bayern das Bedürfnis orthodoxer Gemeindebildungen erst zu einer Zeit erwachte, als der Kampf um das preußische Austrittsgesetz längst zur Ruhe gekommen war und die Entscheidung des Würzburger Rabbiners S. B. Bamberger, welche das Verbleiben in einer Reformgemeinde nicht absolut verwarf, schon vorlag. Der Urheber dieser Entscheidung hat nicht geahnt, daß sie das Schicksal der bayerischen Orthodoxie besiegeln sollte. Wenn der Verein Ohel Jakob in München seine Einrichtungen „unter der Aufsicht der Gemeinde" verwaltet, wenn die Beamten und Angestellten des Vereins „in d e n Dienst der Gemeinde" treten, wenn die Gemeinde es ist, welche „die für den Verein tätigen Beamten und Angestellten bestellt", wenn der orthodoxe Rabbiner nur gemeinschaftlich mit dem liberalen die Aufsicht über die Küchenführung der Anstalten auszuüben vermag, wenn auch die Nürnberger Adaß „nach wie vor von dem Bestreben beseelt ist, den Frieden und die Einheit der Gemeinde zu bewahren und einer Zersplitterung vorzubeugen" und demgemäß in allen religiösen Fragen, welche nicht ausschließlich die Bedürfnisse der Adaß betreffen, die äußere Vertretung in Gemeinschaft mit der Gemeinde erfolgt und in der Schächtkommission, in der ein Vorstandsmitglied der Gemeinde den ÄVisttz sühnst ftfben öerrr orf^obogert Sftctbbmer auch Der liberale, neben zwei Mitgliedern der Adaß-Verwaltung auch zwei Mitglieder der Gemeindeverwaltung sitzen, so ist es in der Logik der Tatsachen durchaus begründet, daß die bayerische Orthodoxie, die seit Jahr und Tag nur im Geiste der Würzburger Entscheidung zu handeln und zu verhandeln gewohnt war, nicht Nein sagen konnte, als man sich um ihre Zustimmung zur Gründung des Gemeindeverbandes bewarb. I SfiSÜJ w>ie ir, SBo^ern liegen bte 9Ser- Ministe im Reiche. Auch in Bayern haben wir einen Bund gesetzestreuer Gemeinden, der unter anderen löblichen Bestrebungen unlängst eine Schrift über Nähr- und Organpräparate und ihre rituelle Zulässigkeit herausgegeben hat. Er spielt im Rahmen des Ganzen eine ähnliche Rolle wie das Zeremonialgesetz in gewissen Lehrbüchern der israelitischen Religion: beide werden so nebenbei im Anhang mitbehandelt. Dagegen möchte ich auf den H a l b e r stä d t e r Bund das Wort anwenden, mit welchem Dr. Neumeyer im Namen des bayerischen Judentums den preußischen Landesverband begrüßte: Er ist die bedeutsamste Zusammenfassung jüdischen Lebens auf deutschem Boden. Auch der bayerischen Orthodoxie darf es nicht gleichgültig sein, wie der Halberstädter Bund zu Fragen sich einstellt, die das gesamte Judentum des Reiches betreffen. Eine solche Frage ist die geplante Gründung des jüdischen Reichsverbandes. Schon aus Gründen der Solidarität müßte für die bayerische Orthodoxie diese Frage erledigt sein, nachdem es fest steht, daß der Halber st ädter Bund nicht gewillt ist, dem Reichsverbande beizutreten. Oder sollte am Ende die Achduth- und Arewuth-Pslicht nur gegenüber solchen Verbänden gelten, in denen das liberale Judentum das Szepter führt? Schoy, ein kurzer Blick in die von Dr. Neurneyer entworfene Verfassung des Reichsverbandes besagt zur Genüge, wohin die Reise geht. Nicht ein Reichsverband jüdischer Landesorganisationen, wobei schon im Titel korrekt zum Ausdruck käme, daß eben nur eine bestimmte Anzahl von Organisationen durch den Reichsverband sich vertreten lasten wollen, sondern ein jüdischer Reichsverband soll zur Vertretung „der deutschen Juden und ihrer Organisationen" gep/ündet werden. Daß die Achduth- und Arewuty-Pflicht es der bayerischen Orthodoxie verbieten müßte, dieser Behandlung des Halberstädter Bundes als einer quantite negligeadle zuzustimmen, ist ebenso klar, wie es keiner Begründung bedarf, daß die zwei Rabbiner, dis nach dsrn Vorfassungsentwurf der allgemein? 9^abb!nernerbanki in den Rai des NoichLverbandes entsenden soll, eben nur den allgemeinen Rabbinerverband, nicht aber zugleich auch diejenigen mitvertreten können, die dem allgemeinen Rabbinerverbande nicht angehören. die min Gottes Thron auf Erden zu errichten .und für ewige Zeiten zu sichern, durch die nun die ganze Welt zu durchgeistigen und zu den gottgesteckten Zielen emporzuführen, durch die nun Gott und uns den wahren Segen zu erringen, läßt auch aus der nun die Seele schwinden und verwandelt den Segen in herben Fluch. „Lebenselixier ist sie den Redlichen und Geraden, die in rechter Weise um ihren Besitz sich mühen, tödliches Gift denen, die mit unkeuschem Sinn und unreinem Herzen ihr nahen." Land und nun, Staat und Gesetz, Volkstum und Geist wurden uns gegeben, auf daß wir durch sie gesegnet werden, daß wir durch sie alle in uns schlummernden Kräfte zur höchsten Entfaltung bringen und durch die Entfaltung dieser Kräfte den segnen, der Eigner und Schöpfer dieser Kräfte ist. Land und nun eine einzige 0212 Gottes, Gott zu segnen, seinen Willen zu verwirklichen, seinem Geist die Welt und ihre Fülle dienstbar zu machen, seiner Herrschaft den Weg zu bahnen und sein Königtum für die Ewigkeit zu begründen. Und was kein Verstand der Weisen erkannte und kein Auge eines Sehers erspähte, das erblickte Gott. Lange, lange vor dem Eintritt der Katastrophe, als noch die Sonne ungetrübten Glückes dem jüdischen Bolle gll lkUiynn WM, mrTwtf/ Msf ir, Fier, war, da weinte Gatt schon ara naia nns^ denn sah, daß der jüdische Staat einem Baume glich, an dessen Lebensmark ein tötender Holzwurm nagte- Aeußerlich schien der Staat blühend und gesund, aber die Seele fehlte, sie oblagen noch dem Studium der min, aber Land und nun waren ihnen nicht mehr Mittel zu dem einen Zwecke im ipk nuvn pxn by -ppV« 'i nrr 02121 Gott durch das Land zu segnen, isidem sie das Land zu einer mmn 0212 zur Verwirklichung des Thorageistes zu gestalten sich bestrebt hätten und mm2 1212 xb Vnn die Thora diente ihnen nicht mehr dazu, durch die Thora Gott zu segnen, d. h. Gottes Weltenplan der Verwirklichung entgegenzuführen. Und da der jüdische Staat ein Staat ward wie alle anderen Staaten, fo war die Frage psn nrnrr na bv kein Rätsel mehr. Der Untergang war natürlich, der Bestand ein Wunder, das nur möglich war, solange der Segen des Landes auch ein Segen der Thora war. Als die Seele den Staatskörper verließ, da ging der Staat zugrunde. Die Ueppigkeit gab den schlichten Sitten den Todesstoß. Zwist und Hader trennten die bisher durch die nun geeinten Führer des Staates, Hirt und Herde bekriegten einander, der eine Stein der Staatsmühle zerrieb den anderen, bis das ganze Volk in Staub und Schutt versank. Und bei dem Schutt steht die Schechinah und weint und klagt über das Golus, das über die Kinder verhängt werden mußte, weil sie sich von dem Tische des Vaters entfernt haben, oder richtiger, weil sie den Vater von ihren Tischen vertrieben haben. Wir haben die Schechinah ins Golus geschickt, lange, lange bevor wir ins Golus gingen. Wir haben unser Land entfremdet, Gott war nicht Herrscher in Zion und da wir keinen Herrscher hatten, da wir ohne Führer blieben, siegte der Feind. Un|er ®o(us i^i (BoIvls ber Schs-hrrrah, SBir haben Gott heimatlos gemacht auf Arlisn, nur halren ihm feinen Staat und sein Heiligtum entfremdet. Die Schechinah weint und sucht die Kinder. Sollen wir sie vergeblich suchen lassen? Wenn uns nur das Weinen findet und wir Gott eine Stätte in unserem Herzen widmen, wenn wir seine nun zum Segen Gottes werden lasten, dann hat rwwn nHr aufgehört und mmn 0212 gewinnt wieder das Land, durch das wir Gott wieder segnen. --\b |m i!?8 N2ivn psn by i’pVs 'i nrr 112121 Uleines Feuilleton. (Die Anden in Australien). Die jüdische Bevölkerung Australiens zählt nach den Angaben Mr. Symonds, eines guten Kenners Australiens, gegenwärtig mehr als 25000 Seelen und ist gut organisiert. Viele australische Juden nehmen hohe Stellungen in Regierung und Parlament ein und widmen gleichzeitig eine große Arbeit dem jüdischen religiösen Leben im Lande. Es sind nur zu nennen Orwell Philipps, Richter George Cohen und Oberstleutnant A. W. Hyman. Die Synagogen sind „konservativ", das Reformjudentum konnte sich nicht entwickeln. Von Antisemitismus ist in Australien nichts zu spüren. In den Staatsschulen Australiens wird den jüdischen Kindern jüdisch-religiöser Unterricht zuteil. Für jüdische Einwanderer bestehen in Australien Möglichkeiten, insbesondere für Ansiedlung aus dem Lande. Eine Einschränkung gegen jüdische Einwanderung besteht nicht, allein die Regierung bevorzugt im allgemeinen solche Einwanderer, die sich der Landwirtschaft widmen wollen. Ueberhaupt ist in Australien mit seiner Bevölkerung von nur 6 Milttöstö» Mönsltzm noch viel Raum mr neue mw wanderer. (Der Sarg des Metropoliten vor den Stufen des jüdischen Hempets). Das Ableben des hochbetagten Fürsterzbischöss und Metropoliten der Bukowina Dr. Wladimir v. Repta hat auch die Judenschast der Bukowina in große Trauer versetzt. Dr. v. Repta hat während der Jahrzehnte seines Wirkens als Metropolit der Bukowina der Lage der Juden stets großes Verständnis entgegengebracht und sie