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Der Israelit · 1926-07-15 · Heft 29 (15.7.1926) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 29 (15.7.1926)
Date
1926-07-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Der ütiitti! ©eia 2 9u. 29 fierte Anwendung für West europa fand auf die Verbindung von Thorakenntnis und ihrer Pflege mit der Pflege allgemein menfchliöjen Wlffmö. (söjon ist öS, wenn in Dmi-Der Thora zugeergneten jüdrfchen £)au\e au&) die dem Nationalboden der Völker entsprossenen Kulturfrüchte nicht fremd sind. Schön ist es, wenn in Scheems Zellen auch Japhets Blüten gehegt werden. Nur muß das Zelt wirklich Scheems und Eewers Lehrstätte bleiben," nur muß Talmud Thora darin „Hauptfach" sein, das Endziel der ganzen Geistesübung: nur muß die japhetifche „Bildung" Mittel bleiben, nicht Zweck werden. Dann nur hat die Verbindung beider den Segen, Vater Jaakobs, wenn Ephraims Thora voranstehi und Menafchehs Kunst ihr dienend folgt. (Rabb. Ehrentreu, Keren Hathora-Heft 3, S. 10/11.) G. G. (Fortsetzung folgt.) Wochenrundschau. Ein Gemeinde-Konflikt. In dem in der „Bayrischen Gemeindezeitung" vom 8. Juni veröffentlichten Bericht über die Tagung des bayrischen Gemeindeverbandes ist eine Rede wiedergegeben, die der erste Vorsteher der Kultusgemeinde Regensburg, ein Rechtsanwalt Dr. O e t t i n g e r, in der Debatte über die Beamtenordnung gehalten hat und in der er unter Berufung auf die Erfahrungen des Regensburger Kultusvorstandes mit dem kurz vorher Heimgegangenen Gemeinderabbiner Dr. Seligmann Meyer s. A. die Anwendbarkeit des gemeindlichen Disziplinär st rafrechts gegen unbotmäßige Rabbiner forderte. Es sei gleich bemerkt, daß Dr. Oettinger damit keinen Anklang fand, daß die Beamtenordnung des Verbandes vielmehr den Kultusoorständen keine Disziplinargewalt über die Rabbinen zugesteht. Allein das ganze Auftreten des Regensburger Dorfleyers ist von Der fjamtrie uiw Den Verehrern des verdienstvollen Rabbiners mit Recht als eine schwere Entwürdigung seines Andenkens empfunden und durch eine ausführliche, aktenmäßige Darstellung des dem Vorgang zugrunde liegenden Konflikts beantwortet worden. Wer diese Darstellung, die einen durchaus ver- Golus. Zu 2x2 nyrcn* Von Rabbiner Dr. Hermann klein in Berlin. Als der Feind das Heiligtum zerstörte, so erzählen die Weisen, da sprach Gott zu der ihn umgebenden Engelschar, ich will noch einmal hinabsteigen, um zu sehen, was der Feind in meinem Heiligtum getan hat. Und als Gott die furchtbare Verwüstung sah, da begann er zu weinen. Und wenn Gott weint, da weint die ganze Natur mit. Die Sonne wurde von einer Tränenwolke verdüstert, aus der Erde stieg ein Tränenmeer empor, die Stimme der Vögel ließ ein Schluchzen vernehmen und die ganze Welt füllte sich mit unsäglicher Trauer. Aus der Welt war die Freude gewichen, denn sic warv arm um clciill. Mil Dem Heiligtum slWlliw auch ver Frohsinn, denn öle Verwüstung Des Heiligtums bedeutete den Verlust der Stätte, in der Gott seinen Wohnsitz hatte auf Erden und als der Feind die Brandfackel schleuderte, da entfernte sich Gott von der irdischen Welt. Ohne Gott ist aber die Erde ein Tal des Jammers und eine Tiefe des Weinens. Das Weinen Gottes füllt die Welt, nur der Lärm des Marktes und das Getöse des werktägigen Getriebes lassen uns diese unsäglich traurige Stimme überhören, aber der neunte Aw gebietet dem Lärm, dem Markte und dem werktätigen Treiben Einhalt und wir hören das Schluchzen des himmlischen Vaters und wir weinen mit. trauenswürdigen, objektiven Eindruck macht, 8ine ira et studio liest, wird sich eines Gefühles tiefer Beschämung nicht erwehren können. Man WM IS geraDi in Bauern nicht für mög? ltch gehalten, daß die natürliche Achtung vor dem geistigen Führer der Gemeinde, ja sogardie menschliche Rücksicht gegenüber einem schwer kranken, dem Tode nahen Manne so ganz und gar hintangesetzt werden konnte, wie es hier offenbar geschehen ist. Man wollte den kranken Rabbiner zum Rücktritt zwingen und stellte ihm das Ultimatum, sich „binnen e i n e r W o ch e" zu entscheiden, ob er den gesamten Religionsunterricht wieder aufnehmen oder sofort in den Ruhestand treten wolle! Die Quelle des Konfliktes scheint die Sorge Dr. Meyers y'XT um die Sicherung eines g e - setzestreuen Nachfolgers im Rabbinat gewesen zu sein. Man erfährt die interessante Tatsache, daß Dr. Oettinger namens der Kultusverwaltung wenige Monate vor dem Tode Dr. Meyers diesem schriftlich versprach, die Verwaltung werde unbedingt für die Wahl eines Zöglings des Hildesheimerfchen Seminars eintreten, was nicht hinderte, daß der gleiche Kultusvorstsher in öffentlicher Versammlung die Kandidatur eines liberalen Richtlinien-Rabbiners betrieb. Man dm s neugierig sein, welche Stellung die Gemeinde Regensburg selber zu dem wenig ruhmreichen Verhalten ihres ersten Vorstehers einnebmen wird. Ein Reformtempel in Jerusalem. Aus Amerika wird gemeldet, daß die „Central Conference" der amerikanischen Resormrabbiner beschlossen habe, in der heiligen Stadt einen Reformtempel zu errichten. Ob dort ein englisches, arabisches oder neuhebräisches Gebetbuch eingesührt, die Orgelklänge nach europäischen oder transatlantischen Notenvorlagen ertönen und die uralten Gebete um mefsianische Erlösung in solche um ein zionistisches Commonwealth umgewandelt werden sollen, darüber schweigt des Sängers Höflichkeit vorerst. Der ganze Gedanke, so abenteuerlich er auf den ersten Blick erscheint, zeigt jedenfalls erneut das halb unbewußte Sehnen der zwischen Leben und Sterben schwebenden Reform, sich in irgend einer Form das Lebenselixier des Zionismus zunutze gn matfjen, nationale unD MDwiDnelle Reform gn vsrschmslzsn und damit lsbsnsfähig zu machsu. Sicherlich empfindet in Erez Jisroel kein Mensch das Bedürfnis nach einem Orgelgottesdienst — wer dort das „Joch der Gottesherrschaft" abgeschüttelt hat, denkt nicht mehr daran, in Tempeln und Synagogen Erbauung zu suchen, während „Wehe dem Vater, der seine Kinder vertreiben mußte und wehe dem Sohne, der vom Tische des Vaters entfernt wurde," so tönt der Klageruf der Schechinah, in den die ganze Welt einstimmt, und der uns, den unglücklichen Kindern, denen dieser Klageruf gilt, das aus tausend Wunden. blutende Herz zerreißt. „Wehe dem Vater, der seine Kinder vertreiben mußte!" „Vertreiben mußte". Warum mußte?? Diese Frage wurde den Propheten und Weisen vorgelegt und sie fanden kein Antwort, bis Gott selbst das Rätsel löste. -fa'T«) -ni-nn n-nna ima x^>w — vrnn nx D3i» bv n rnx'i Der jüdische Staat lebte, im Namen Gottes und seiner Thora wurden die Staatsgeschäfte geführt; das Sanhedrin hielt seine Sitzungen in der nnan nawi- und im Namen Gottes und seines Gesetzes wurde Recht gesprochen; das Heiligtum stand in ragender Größe und prangender Schönheit auf Zions Berg, geschäftige Priester eilten in den Gott geweihten Hallen umher und brachten Opfer dar nach den Vorschriften Gottes, die Leviten verherrlichten in wunderschönen Liedern den Gott, der Zion und Jeruscholajim zu seiner Stätte erwählt hat, — kein noch so tief blickendes Auge des Weisen und keine mit noch so großer Intuition und mit no® fo reichem AynungsoetMgcn ausgeftattete Seele eines Propheten konnte ahnen, vag sowohl vem Staat als auch dem.Tempel Las Veste fehlt, dasjenige fehlt, was den Staat zum Gottesstaat und den Tempel zum Gottesheiligtum macht, — nämlich — d i e Seele. Gott allein, der tief tief in die Herzen blickt, der allein hinter dem Schein das wahre Sein erkennt, der hinter der Hülle das wahre Wesen erschaut, konnte es verkünden, daß der Staat nicht sein Staat, der Tempel nicht mehr sein Tempel war. Aus dem, Verse n nx na-ai jm nwx naivn pxn bv I'i?i>x wird auch die Pflicht der n’asV minn na-o abgeleitet. Der jüdische Staat und das jüdische Land sollten ihrem ganzen Wesen nach _15. Juli 19& die assimilierten Westeuropäer in Palästina, deren Gesetzes-Entfremdung mit einem gewissen religiösen Bedürfnis , sehr wohl vereinbar ist, sich DrsDer metjr oDer minDer, willig mit Dem romantischen Zauber des urwüchsig astjüdsichen oder orientalischen Synagogenkultus abgefunden haben. Aber hier grade liegt die Gefahr. . Auch die Reform ist sehr wohl r e f o r m f ä h i g. Ein ins Hebräische übersetzter nationaler Reformgottesdienst läßt sich recht wohl denken, und ihm könnten, wir wollen uns darüber nicht täuschen, eines Tages die Herzen weiter Kreise der in den hebräischen Schulen bereits genügend entjudeten Jugend zufliegen. Der Plan der amerikanischen Reformrabviner ist also gar nicht so dumm, wie er aussieht: die Herren wissen ganz genauwas sie wollen — eine palästinensische Jugend, deren national gesättigtes, aber von religiösen-Impulsen geflissentlich freigehaltenes Herz eines Tages doch einmal den eigenen Mangel verspüren könnte, wäre ein dankbares Objekt dieser amerikanisch-jüdischen Reform-Missionare. Denn das stärkere ä st h e t i s ch e Bedürfnis der profan gebildeten Jugend, dem das Gegengewicht des Gesetzesgehorsams fehlt, führt geradewegs ins Lager der Kultusreform. Man soll daher die neue Gefahr, die hier droht, keineswegs unterschätzen. «N22 xV Wir hatten in den letzten Monaten wiederholt Veranlassung, uns gegen die unjüdischen Uebertreibungen des unter zionistisch-nationaler Flagge segelnden Muskeljudentums zu wenden. Insbesondere der in der zionistischen Presse geradezu zum nationalen Heroentum emporgelobte Wiener Fußballklub „ H a k o a h ", der sich in Erez J-s r o e l durch seine souveräne Verachtung aller religiösen Bindungen, in A m e - r i k a durch eine marktschreierische Reklame erster Güte auszeichnete, darf als Ideal-Typus dieser Art neuer Jüdischkeit gelten, die sich zumeist einredet, in ihrer Art „mekadesch baschem" zu sein. Nun ist der ganze „ H a k o a h - -Rummel plötzlich wie ein böser Spuk zerflattert — rascher, als irgend jemand erwarten konnte. Wir können uns darauf beschränken, wörtlich wiederzugeben, was der Wiener Korrespondent der „Jüdischen Rundschau" über das Ereignis schreibt: . ^)i« ^u^bcrckciktrorr der rrJjatoatj^ faie metjx ober toerti* ger eine Eigenexksteng führt, kam jüngst aus einer Wettspielserie aus Amerika zurück. Neben den gesuchten Erfolgen brachte sie sich aber auch ein ganz unerwartetes Geschenk mit: den Keim zu einer rapiden Zersetzung. Denn, kaum in Wien angekommen, kündigte die Mehrzahl der Spieler — bezahlte Angestellte des Vereins — an, daß sie die „Hakoah" zu verlassen gedenke, und etwas anderes sein als die Staaten und Länder her anderen Völker. Nicht um noch ein Volk zu schaffen, um noch einen Staat zu gründen, hat Gott Jisroel aus der Sklaverei geführt, sondern um das Volk zu schaffen, den Staat zu begründen, dessen Existenz eine einzige nana, eine fortlaufende ewigwährende Förderung der gottgewollten und gottgeschassenen Menschheitsziele, wie sie in seiner nnin niedergelegt sind, eine Verwirklichung des göttlichen Weltenplanes, die nur durch die Verwirklichung und Betätigung der nix» möglich ist, sei, denn das bedeutet nana- „Segne Deinen Gott durch das gute Land, das er dir gegeben hat" bedeutet: verwerte das Land für Gott, gestalte es zum Segen Gottes, damit durch das Land Gottes Weltenplan und Gottes Weltenziele ihre Verwirklichung finden, damit durch das Land die Ideen Gottes, Gottes min, Herrscherin werde in deinem Kreise und durch deinen vom Geiste Gottes erfüllten Kreis Gottes Wille die ganze Erde erobere. „Das Land werde zum Segen Gottes" bedeutet, daß in dem Lande Gottes mm herrsche, Gottes Ideen verwirklicht, Gottes Pläne gefördert, göttliche Ziele erstrebt werden: bedeutet, mmn na-a. daß die min in MM Lllilve llllü unnt) Dieses LUND gesegnet mm, vag öle mm alle Institutionen Des öffentlichen und privaten Lebens durchdringe, daß sie die Seele des Staates fei und der ganze Staat nichts anderes als die sichtbare Verkörperung göttlichen Thorageistes. Staat und Land sind nur dann Gottesstaat und Gottesland, wenn durch sie Gott gesegnet, Gottes Thora gesegnet, d. h. verwirklicht wird. Und min selbst wieder nichts anderes als nana, als das Bestreben, Gott zu segnen, Gottes Weltenziel der Verwirklichung entgegen zu führen. Die Beschäftigung mit der min ohne nana, ohne die ausgesprochene Absicht, Gott durch seine mm segnen zu wollen, durch

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