Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 28 (8.7.1926)
- Date
- 1926-07-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 28 Juden in Ungarn" (2. Ausg., S. 144) einfach in ein höhnisches Gelächter ausbricht über jene Behauptung der Anführet der neologen Kongreßpartei, welcher dieselben auch in ihrem an das ungarische Abgeordnetenhaus eingereichten Memorandum Ausdruck verliehen haben, daß nämlich oaZ Mökllwm Mllk „ssMSli";§nm« Tist tirrfch bsmsrkt hisrübsr L. Löw: „Tie mutzrm sagen: U n s e r'Judentum besteht in unserer Gesinnung, und in den Taten, welche aus dieser Gesinnung hervorgehen, auf e t w a i g e D o g - men reflektieren wir nicht, davon abstrahieren wir ganz und gar!" — Und K. 145 schreibt er weiter: „Diese s u b j e k - t i v e Erklärung kann aber das Judentum, d. i. das objektive, nicht unterschreiben, ohne seine reiche dogmatische Literatur zu verleugnen, welche die Wortführer der Dogmenlosigkeit nicht kennen, oder unbeachtet lassen. Samuel David Luzzato, dessen ganzes Leben jüdischen Studien gewidmet war, hat an dem Rabbiner-Kollegium zu Padua ein ganzes Menschenalter hindurch die dogmatische Theologie des Judentums faktisch gelehrt, und Zunz, der erste Kenner der jüdischen Literatur in unserer Zeit, kann es dem Kirchenhistoriker Gfrör nicht verzeihen, daß derselbe behauptet, das Judentum habe keine Dogmengeschichte.*) Wie käme aber das Judentum zu einer Geschichte der Dogmen, wenn es überhaupt keine Dogmen besäße?" Wohl könnte ich diese Aeußerung Löws gegen den die Manen desselben gewiß in höchsten Ehren haltenden Dr. K. ins Treffen führen, will aber loyal sein und dem letzteren einräumen, daß es „Dogmen,, im kirchlichen Sinne im Judentume nicht gibt, aber unverletzbare -Mrnnbprtngipien"- ödöe wis dse vün unstesn gkützön mittslsltsi'lichön Religionsphilosophen geprägte klassische Ausdrück lautet: onp?' d. i. „W u r z e l l e h r e n", von denen wie beim Baume der Stamm, die Aeste, das Laub, all die süßen Früchte, die „Gott und Menschen erfreuen" — wie all diese letzten Endes von den Wurzeln herstammen, so auch bezüglich des Judentums, die ganze Summe der jüdischen Wahrheiten und Lehren, Lebensregeln, Gesetze und gesetzliche Kraft besitzender Gebräuche und Hebungen ableitbar sind und deren Verleugnung der Negierung des ganzen Judentums gleichkommt, also solche v'ip'V hat zweifelsohne auch das Judentum! Und eben in bezug auf diese spricht das größte philosophische Genie des Judentums: Maimonides in seinem Mischnakommentare zu Sanhedrin, fm 's die durchgreifenden Worte aus: *) Nach D. Kauffmann sind Zwischen d. 1.1782 u. 1884 — 161 Bücher erschienen, die sich mit jüd. Dogmen befassen. (Methode des jüdischen Religionsunterrichtes, S. 5.) „Würmer (Fliegen, Raupen), die an den Früchten entstehen, so lange diese noch mit dem Boden verbunden sind, sind von der Tauroh aus verboten." In Chulin SIS gibt Mm <BMfi m rßiifaifl W sm DMst, Ein Kürbis, meinl Samuel, ver murmrg geworben ist, solange er noch am Boden ist, ist von der Tauroh aus verboten. So entscheidet der m^rr»ni2i>,nv2"2) mam nmoK der Schulchan Aruch (Jore Dea 84, 6) und alle anderen Poskim. Wir haben es hierbei also mit einem min tid’s zu tun. Nach dem 8"»i, und so wird allgemein entschieden, genügt es nicht, daß ich den größten Teil des zu verwendenden Gemüses untersuche, und etwa einen kleineren Teil unbelesen lasse, denn auch eine jede Lunge mutz ganz von einem Schauchet untersucht werden, (m v's '->0 v'vO- Der (tb ''v) ms nmn meint — und ein jeder Kundige in allen Ländern kann dies nur bestätigen — datz sämtliche Gemüsearten npina sind, das heitzt, das Vorkommen von Würmern bei ihnen ist kein Zweifel sondern eine Gewißheit. "np'-n sba tiokV' "2'vm 2'vm „Man darf alle Gemüsearten ohne Belesen nicht essen", das Belesen mutz auf gründlichste Weise geschehen. Daher meint der (tra -ra '’o)3"p datz in geschehenem Falle, wenn das Gemüse nicht belesen wurde, dasselbe zu genießen verboten ist. Eine Annahme, vielleicht waren keine Würmer in dem Gemüse, oder vielleicht sind sie vernichtet worden, ist nicht statthaft, weil das Vorhandensein der Würmer eine Gewißheit ist. In p Nsis, ffiüwis. EMn^n. ßAfcufla&H, gang besonders!n filtern, gei>örrlem ©tji wie feigen und Datteln und in vielen anderen Lebensmitteln pflegen Milben tn wärmeren Jahreszeiten, jedoch auch im Winter, besonders, wenn die Speisen in geheizten Räumen stehen, vorzukommen. Die Poskim haben beim _ 3D t x g > x a 1111 miiax-iiann nnmn n^>K aisn paxvwx2V na nw ^'sxi '121 ^22 0121 xin 'na xin yvun sraun nnaanrn niixnn nana hvrasrn p xrni xarr pbn ft vr> ^2X i'xvn '22 vuri xin 'in n*?xa niv' mxV VpVpniBDi ^xnt^’ ■wisa yLipi xnpii np’sn -1221 hbsn p xr nii mr?aa , (Vergl. Ijtamtt auch sra amn ns’ rnj?m rr (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen « Nachrichten. Veutsche» Reich. Einspruch Preußens gegen die Unterstützung der Religionsgemeinfchasten durch das Reich. Berlin, 26. Juni. Der Haushaltsausschuß des Reichstages behandelte heute den Einspruch des Reichsrats gegen den Beschluß des Reichstages, für kulturelle Zwecke der Religionsgemeinschaften eine Million Reichsmark in den Etat 1926 einzufetzen. Ein Vertreter Preußens im Reichsrat erklärte, daß dieses Gebiet Sache der Länder-stei unddeshalb das Reich hierzu keine Beschlüsse fassen dürfe. Ein Vertreter des Reichsministeriums des Innern widersprach dieser Auffassung. Schließlich wurde die Angelegenheit zur weiteren Beratung dem Unterausschuß überwiesen. Erdbeben in INittelmeerländern und Palästina. Berlin, 30. Juni. HM Nachrichten besagen, datz am 28. Juni morgens an verschiedenen Punkten am Mittelländischen Meer starke Beben zu verspüren waren. Auf der Insel Rhodos sollen sogar mehrere Häuser zusammengestürzt sein. Erdbebenschäden werden auch von der Insel Kreta und den anderen griechischen Inseln, sowie aus Aegypten und Alexandrien gemeldet. In Jerusalem wurden fünf leichtere Beben verspürt. Ebenso in Tel- A w i w , Liberias und anderen Orten. In Palästina ist keinerlei Schaden zu verzeichnen. Eine Kundgebung des Zentral-Vereins gegen die alle Vlutfchuldlüge. Berlin, 1. Juli. Eine eindrucksvolle Kundgebung veranstaltete der Zentral-Berein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens am Dienstag abend in den überfüllten Unionfestsälen im Osten Berlins gegen „jene skrupellosen Volksverführer, die die fluchwürdige Lüge des Ritualmordes aus den finstersten Zeiten des Mittelalters heute wieder zu durchsichtigen partei-politischen Zwecken auftauchen lassen." Belesen nach Milben insofern eine Erschwerung getroffen, als nach Finden von drer Milben die betreffende Speise, auch bei weiterem gründlichem Besehen, vollständig verist. vn rmMlM f yiifs stW um "irrm UM" in Der Gewitzheil, daß in allen Teilen derselben Milben vorhanden sind ">v ms m'22 "ms Im Gegensatz hierzu ist bei Gemüsearten auch nach Finden von drei Würmern oder Fliegen ein weiteres Besehen gestattet. Weil die Milben sehr klein und winzig sind, verbreiten sie sich überallhin, so datz ein Besehen einfach unmöglich ist. Aus diesem Grunde verbieten auch verschiedene Poskim, milbige Speisen und Etzwaren selbst an Nochrim zu verkaufen. Die Milben sind nicht so leicht festzustellen und es ist zu befürchten, datz ein Israel die milbigen Speisen wieder kaufen könnte, und dieselben, ohne den Jssur zu erkennen, genieße. (rum 'n rpso v-a '’o i~p jr»)* Viele Leute essen in wärmeren Zeiten gar keine Speisen, die nach Milben besehen werden. müssen. Andere genießen wohl zuhause derartige Etzwaren, nicht aber außerhalb des Hauses. Für den Reisenden und die Kurgäste fällt es sehr schwer, eine derartige Erschwerung auf sich zu nehmen. Aber heilige Pflicht ist cs für einen jeden Jehudi, strengstens darauf zu sehen, daß in dem Hotel, wo man speist, alles genau besehen und belesen wird. Ist das Belesen nicht ganz einwandfrei, so ist es eine selbstverständliche Pflicht, sich von dem Essen derartiger Speisen in dem betreffenden Hotel zurückzuziehen. Mit einer Berufung auf die vorfjartbettc Qlufficfji -. man ferne jiibifcJje . Pflicht nicht xfoH uni) : ganjcr|üüi:. | Wir möchten Hier die Worte des "o"npsn", der auf die Schwere" der Verbote beim Genießen von verbotenen Speisen '/hinweist, anführen. Nebst der schweren Sünde, die der; Jehudi durch Genießen von verbotenen - Hauptreferent, des Abends war Herr Lic^ theol, Ernst Moering aus- Breslau. Er führte aus: Die Breslauer, Bevölkerung ist begreiflicherweise erregt. Eine grausige Mordtat ist in Breslau verübt worden, wie sie kaum je: in der Kriminalgeschichte vorgekommen ist. Der Mörder' ist bedauerlicherweise immer noch nicht gefunden. Da hat: sin Völkisches <Scnfaiions6raii, toext sich etn Iiibischerr Hausdiener cttrimtt yai, das Märchen vorn NiMalmvrv aufleben lasten, Unbegreiflich ist es, daß ein führendes- Organ Schlesiens, die deutschnationale Z-Schlestfche Zeitung", diese Notiz aufgegriffen hat, ohne sie gebührend zurückzuweisen. Auch Journalisten, die ernst genommen werden wollen, haben diesen Gedanken weiter gesponnen^ Hierin erkennt man die Erbärmlichkeit des Judenhasses. Redner weist nach, daß die jüdische Religion schon den Genuß von Tierblut verbietet, wie wahnwitzig wäre das- Gebot, Menschenblut zu rituellen Zwecken zu verwenden. Können denn die Antisemiten so beschränkten Geistes^ sein, um nicht einsehen zu wollen, daß dem Judentum wohl schwerlich irgend ein Nutzen entstehen könnte, wenn irgendwo Christenblut vergossen wird? Aber nichts ist so dumm, daß es nicht geglaubt wird. Moering zitiertedann Bernhard Shaw, der sehr witzig darauf hingewiesen hat, daß die moderne Zeit ebenso leichtgläubig sei wie das Mittelalter, nur daß sich die Leichtgläubigkeit auf andere Dinge richte. Er wies in satirischen Ausführungen auf die Unlogik der Völkischen hin, daß sie beispielsweise verkünden, die Juden arbeiten in 'geheimster-Weise auf den Niedergang Deutschlands hin. Der Referent erklärte in diesem Zusammenhänge, warum er den Antisemitismusbekämpfe. Er tue dies aus Gründen des Glaubens, dev Moral und des Geistes. Nicht endenwollendev Beifall' dankte dem Redner für seine Ausführungen. In der Aussprache ergreift zunächst Herr Pfarrer Warnecke-Potsdam namens der katholischen Kirche und der faifjoltjVfjen £0ltt6iirger bas SSort. Er gi£>i |einem 2T6scheu gegen den religiösen Anttsemilismus, wie er sich in dem Ritualmordgedanken äußert, Ausdruck. Die katholische Kirche sei eine Feindin jeglichen Judenhasses, und das friedliche Zusammenleben zwischen den Deutschen aller Konfessionen sei in diesen Tagen doppelt notwendig zum Aufbau des Vaterlandes. Rabbiner Dr. Salomonfki gibt dem Gedanken Ausdruck, daß die bestialischen Morde der letzten Zeit darauf zurückzuführen sind, daß durch die Grausamkeiten des Krieges die Ehrfurcht vor dem Menschenleben vernichtet worden ist. Die jüdische Religion predige aber auf jeder Seite ihres Schrifttums die Achtung vor dem Menschenleben und sie hat das Wort geprägt: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst." Herv Redakteur Brandt, der Ende der 90er Jahre den Ritualmordprozeß in Könitz als Berichterstatter miterlebt hat, schildert die Hetze, die sich heute geradeso auswirkt wie vor 25 Jahren. Die Versammlung nahm einstimmig eine Entschließung an, in der es zum Schluffe heißt: „Wer an die Möglichkeit eines Ritualmordes glaubt, entehrt sich vor der gesamten Kulturwelt." Speisen auf sich lädt, verunreinigt er auch durch diesen Genuß seine reine Seele. Unreine Speisein machen das Herz und die Nieren des Jehudi unfähig, Worte der AMgril Sffürelj oh tüii sirtz fsi das Heilige sininpf. li"v Y1 1NU). Rabbiner Hirsch weist in seinem Taurohkommentar daraus hin, datz der Ausdruck "fpv" Abscheu nur her verbotenen Speisen und beim Götzendienst vorkommt. "YpV" bezeichnet den sittlichen Ekel. Wenn ein Genutzgegenstand hinsichtlich des verbotenen Genusses desselben "ppE?" genannt wird, so mutz dieser Genuß rm schärfsten konträren' Gegensatz zu der Sittlichkeit stehen, die den Grundcharakter unseres Wesens bilden soll. (Wajikro 11 11.) Hierzu kann man noch bemerken, daß die Tauroh nicht nur beim Genießen bestimmter Tiere den Ausdruck verwendet, sondern auch ber Insekten, Würmern und Fliegen, die in den verschiedenen Gemüsearten Vorkommen, mit den Worten verbietet: „Und jedes Kriechtier, das auf der Erde kriecht, Abscheu ist es, es soll nicht gegessen werden". Ferner: „Machet eure Seelen nicht zum Abscheu durch alles Kriechtier, das kriecht, und macht euch durch sie nicht unrein, ihr werdet durch sie unrein" (11, 41 u. 43). Nach der Gemara (Chullin 67a) beziehen sich diese beiden Verbote auf Insekten, Würmer' und Fliegen in den Gemüsen. Beim Genießen unbelesener Gemüse und anderer Etzwaren macht der Israel seine Neschomo zu einem „Schekez", zu einem „Abscheu" für das jüdische- Heiligkeitsideal.