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Der Israelit · 1926-07-01 · Heft 27 (1.7.1926) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 27 (1.7.1926)
Date
1926-07-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 27 In diesem Sinne bemerkt Lazarus: „Wie der Mensch Licht und Finsternis mit unausweichlicher Notwendigkeit unterscheidet, so unterscheidet er auch zwischen gut und bös; und wie der Vorzug des Lichtes ist ihm auch der des Guten unzweifelhaft. Z. B. eine Grundbedingung des Gesellschastslebens ist die Anerkennung des sittlichen Grundsatzes: was du nicht willst, das man dir tue, füge auch dem anderen nicht zu. Bevor ein Mensch es verkündet und eine Hand es niedergeschrieben hat, haben es die Menschen in ihrem Inneren gelesen und ihr Verhalten danach eingerichtet. Diese drängte sich einem jeden wie von selbst auf als Antwort auf die unvermeidlichen Folgen: bist du allein ein Mensch und kannst du anders leben als in der Gesellschaft von deinesgleichen? bist du nicht auf sie angewiesen und wirst du nicht zu ihnen hingezogen? sind sie nicht alle deine Genossen mit derselben Natur und Daseinsberechtigung ausgestattet, deren du dich selbst erfreust? Die häufigen Vorstöße gegen diesen Grundsatz der Gerechtigkeit werden dadurch verursachtvag Die Menschen gleichsam aus dem eigenen Selbst äuswsnSei'n." Wohl der nächste aber nicht der letzte Grund der Sittlichkeit liegt im Menschen selbst. Wie die Denkmöglichkeit der sittlichen Werturteile und Verpflichtungen durch den Gottesgedanken bedingt ist, so ist der Ursprung des Sittlichen als Gotteswerk zu erklären. Das Ebenbild Gottes ist zu einem gottähnlichen Leben berufen, daher trägt es ein Abbild des göttlichen Lebensgesetzes in sich. Wir denken nicht an die „eingeborenen Ideen", wie Locke sie bekämpft hat, als ob der Mensch ein Wissen in sittlichen Dingen auf die Welt mitbrächte, das ihm vor aller Erfahrung angehörte. Wir meinen damit nur, daß der Mensch die Befähigung und Richtung vituell besitze, um die Begriffe gut und böse, Tugend und Laster usw. zu bilden. ov'i'p inpsn m 2iv ■’snv’ D’pVxD orrvn Und es ist die Erklärung nicht von der Hand zu weisen, daß wir als Geschöpfe Gottes wie Er Gutes und Böses unterscheiden. Diese Befähigung ist das Gewissen. Ein Grundmerkmal des Gewissens ist dessen religiöser Charakter, die Verbindung des sittlichen Bewußtseins mit dem Gottesbewußtsein. Eine Stimme in unserem Innern sagt uns, daß die sittliche Ordnung von einer übermenschlichen Gewalt aufgestellt ward und behütet wird, mithin ein notwendiger Bestandteil der sittlichen Weltordnung ist. Das War „Gewissen" bedeutet am LWMlWjssE öi. airMfamDeg Milwissm des eigenen Äöiffens. Ärn ststllchen Vervuß^eln weiß sich der Mensch als ein Wesen von sittlicher Beschaffenheit und Bestimmung von Gott gewußt,, wird mit dem Erwachen der Vernunft inne daß er den Allwissenden zum Zeugen an seinen Handlungen hat. Sobald Gott als Grund des Weltdaseins erkannt wird, kündet ihn das Gewissen als Urheber und Wächter der sittlichen Weltordnung, als den allwissenden Mitwisser und als den gerechten Richter unseres gesamten Tuns und Lassens: „Man redet Worte ohne allen Sinn," sagt H e r b a r t, „wenn man von Gott spricht, ohne in demselben Augenblicke ihn zu denken, als den Heiligen,, dessen Wille zu seiner Einsicht stimmt, als den Gerechten, der schon in den mosaischen Geboten erkannt wird, als der Vergelter, vor welchem der Sünder sich fürchtet." Die sittliche Erkenntnis kann vorübergehend verdunkelt werden, aber es kann nicht verloren gehen. imnoai lybiuu rw' mp» w In irgend einem verborgenen Winkel wartet es auf die Stunde, wo es im Namen Gottes fein Recht dem Menschen gegenüber geltend macht. Die göttliche Macht und Herkunft des Ge tüissens o[fenkar4 sich am m richtender und vergeltender Tätigkeit. Die zeitliche Bestrafung des Vösen ist. dem menschlichen Auge entzogen, aber sie findet statt durch das rächende Gewissen. Der Stachel des bösen Gewissens verliert infolge eines langen Sündenlebens seine Schärfe, aber es verschwindet nicht. Keinem Mörder ist es gelungen, sich die Ueberzeugung einzureden, es sei erlaubt, zu morden. Und das Schuldbewußtsein dauert solange wie die Erinnerung an sie. „Nicht der Mensch hat dieses Bewußtsein, sondern es hat ihn, es verfolgt den Fliehenden und ergreift den Widerstrebenden." Neue» Strafrechtlehrer haben zwar dem Verbrecher die Gewissensbisse absprechen wollen, aber andere bezeugen, daß bei Verbrechen aller Art wirkliche Reue mit schweren Gewissensqualen Vorkommen. Wenn es aber auch unglückselige Menschen geben sollte, denen es gelungen ist, die Stimme des Gewissens zu ersticken, was würde hieraus folgen? Wer gesunde Augen und Ohren hat, den beurteilt man doch nicht nach dem Blinden und dem Tauben. Eine lasterhafte Gesinnung macht das Gewissen krank. Das Gewissen wird sich in alle Ewigkeit nicht aus der Natur allein erklären lassen. Nicht von unten kommt es her, sondern von oben. Je tiefer sein Wesen und Inhalt erforscht wird, desto offenkundiger scheitert der Versuch, es rein menschlich 211 völltM. D8W kr»8 ttiÄ überrasche^ au4) Vertreter her unabhängigen Moralwissenschuft schließlich bei der religiösen Erklärung Anleihen machen. So schreibt P a u l s e n : „Nach meiner Ueberzeügung wird die Zeit nie kommen, wo die Menschheit überhaupt aufhören wird, das was sie selbst als Sittlichkeit und Heiligkeit aus. sich hervorbringt, als abgeleitet aus dem Wesen Gottes oder der Natur des Allwirklichen zu empfinden. Wie sollte es in die Herzen der Menschen kommen, wenn es nicht in der Natur der Dinge selbst seinen tiefsten und letzten Grund hätte?" Die Sittengesetze sind nicht zufällige Verordnungen einer Willkür, sondern in der Natur der Dinge, in der Natur des Menschen zunächst gegründet. Sie stammen also vom Schöpfer und Ordner unserer Natur, sind nur denkbar als Willensinhalt des höchsten Wesens, das sich uns ins Herz gelegt, d. i. die Anlage sie zu erkennen und den Antrieb, sie anzuwenden, unserer Seele eingepflanzt hat. iwinn zwi ahiv "m- Korrespondenzen « ßacbricbten. Deutf<f?cs Reich. Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser E. V. Hamburg. Frankfurt a. M., 25. Juni. Am 20. Juni fand in Homburg v. d. Höhe die Mitgliederversammlung des Vereins zur Förderung ritueller Speisehäuser statt. Zunächst hielt Oberrabbiner Dr. Carlebach -Altona einen fast einstündigen Vortrag über die Bedeutung der Speisegesetze im allgemeinen und wies in diesem Zusammenhang auf die notwendige Förderung des Vereins hin. Mit einem warmen Appell an die jüdische Oeffentlichkeit, den Verein zu unterstützen, schloß er seine, mit vielem Beifall aufgenommenen interessanten Ausführungen, die von dem Vorsitzenden, Herrn I. Löwenthal-Eschwege, unterstrichen wurden. Von den anwesenden Rabbinern begrüßte der Ortsrabbiner Dr. W r e s ch n e r namens der beiden Rabbinerverbände und seiner Gemeinde die Tagung. Herr Rabbiner Dr. Hoffmann-Frankfurt begrüßte im Aufträge der Achduth die Versammlung. Sodann gelangte der Geschäfts- und Finanzbericht zur Verlesung. Die Mitgliederzahl ist auf zirka 2500 gewachsen. 58 Speisehäuser sind neu ausgenommen worden, so daß jetzt insgesamt etwa 200 inländische und 70 ausländische Speisehäuser im SSereinsregifter geführt toerben. ®er eriöäl)«! ferner l>ie ^u|annnenar-f>e{± mit bert sowie mit dem Wirteverband und hofft, daß durch die Förderung des gemeinsamen Zieles ein gutes Einvernehmen geschaffen wird. Es wird aus der Versammlung stimmig erfolgt die Ablehnung.) Wenn der Leitartikler des Wochenblattes so deduziert hätte, hätte ich ihm folgen können. Aber der Herr versteht die Gründe der liberalen Ablehnung nicht. Aus Gründen der Weltanschauung? Ja, gibt es. denn überhaupt Unterschiede in den Weltanschauungen des konservativen (d. h. thoratreuen) und liberalen Judentums? Doch lassen wir Herrn Dr. Schlesinger selbst reden: „Es gibt vielleicht einen Unterschied in der Weltanschauung zwischen Zionisten und Antizionisten (hört, hört!), aber sicherlich nicht zwischen liberalen und konservativen Juden, der Unterschied zwischen ihnen ist nicht qualitativer, sondern quantitativer Natur." Das steht im Jüdischen Wochenblatt vom 11. Juni d. Js. Nun Herr Dr. Simon, Konstrukteur von Bündnissen und Verschwörungen aus Zeitungsinseraten und Notizen, was hätten Sie wohl gesagt, wenn so eine Ansicht im „Israelit" oder in der „Jüdischen Presse" vertreten worden wäre? Wie hätte sich da die Schale Ihres Zornes ausgeleert auf die bösen Gesetzestreuen, die gemeinsam mit den Neologen sich zum Kampfe gegen die armen Zionisten zusammengetan haben! Sehen Sie, wir wilden Aussee'er (die wir den „Scholaum b'mraumow", den Frieden von den Bergen lieben) sind doch bessere Menschen, wir folgern höchstens aus dem freimütigen Bekenntnis des konservativen Fraktionsführers, daß die in Ihren Kreisen betriebene Politik eine arge Verwirrung in Ihren eigenen Reihen anzurichten beginnt. Aber man Iz# 8M SMWWjMK. M Din DWll llkE Dal W geistigen FUWp m AHSM Dk. SWWM gökllö darüber belehren werben, baß zwischen dem Bekenntnis zum Naaße wenischma und dem Konglomerat von wissenschaftlichen Brocken und den unzähligen Zugeständnissen an Bequemlichkeit und Zeitmoden, das sich liberales Judentum nennt, eine gewaltige Kluft gähnt. — Aber auch davon bin ich überzeugt, daß der Eindruck der Anbiederung an die Liberalen, die Herr Dr. Schlesinger unternimmt, scheinbar, um der Sache der Schule zu nützen, bei den konsequenten Liberalen nicht gerade sehr günstig war; diese Herren kennen genau die Unterschiede zwischen dem, Sinaijudentum und ihrer Weltanschauung (wie immer diese auch schattiert ist), und wenn etwas auf sie Eindruck macht, so ist es nicht die Verleugnung, sondern die aufrechte und ehrliche Betonung unserer Sonderanschauungen und Sonderansprüche. Aber vielleicht ist das Unwahrscheinliche wahr, Herr Dr. Schlesinger glaubt wirklich das, was er schreibt, ja, dann müßte man ihm den Rat erteilen, den der alte Kaiser Franz Josef einem futuristischen Maler gab, der die Wiesen blau und den Himmel grün malte, und dies damit begründete, er sehe die Dinge nun mal so: Ja, lieber Freund, dann hätten Sie halt kein Maler werden dürfen!-," Aber ich merke, ich gerate in Dinge hinein, die mich garnichts angehen, wie die internen Angelegenheiten der Breslauer Konservativen, die Besetzung ihrer Fraktionsämter. Schuld daran ist nur der fürchterliche Regen der letzten Tage. Zu meiner Freude und sicher auch der Leser sehe ich, daß draußen die Dunstwolken um die Berge sich zu lösen beginnen, das deutet auf besseres Wetter für morgen und auf eine herrliche Tour nach dem Loser oder vielleicht nach dem Wunder der Vorzeit, den „Tagen von ehedem", den Eishöhlen im Dachstein uitb batrtti hoffentlich auf ein Ende meines jtoangsr;; c; Qt SS j t ]? >;< o IauflSÄtt in Sie II Ir S Sieben ber ®aQCS‘= poftitf. NViv oder NVii Wi oder?? Die beiden obigen Frauennamen kommen in Familienaufzeichnungen in beiden Schreibweisen vor und ich richte an unsere verehrten r\"T\ die Bitte, mir zur zweifelsfreien Feststellung der richtigen Schreibweise verhelfen zu wollen, wofür im Voraus 2""' Nach den Darlegungen eines hochgeschätzten rrn komme der erstere Namen vom italienischen Tosca (die Blonde), deshalb fei nvlv die richtige Schreibweise. welche durch unsere süddeutsche Sprechweise in avr, verdorben wurde. Eine andere mir gegebene Meinung leitet den Namen von einem slawischen Worte ab. welches „Seele" bedeutet und die Schreibweise nwn als die richtige begründet. Allerdings sei dieser Frauenname mehr in nichtjüdischen Kreisen zu finden. und Sri kommen auf m28» und in 71121112 in gleicher Weise vor. Leopold Mosbacher. (Aas erste jüdische Wuseum in Amerika). Dr. Adolf Aco hat vor kurzem in Deutschland jüdische Kunstgegenstände und Antiauitäten für 102 000 Dollar atwetaiin. W m ©himim m mm fsspssjb&- Mm in LMMrrsü m VNMruns mü der Bereinigten jüdischen Kochschule bilden werden. Das Gebäude des Museums wird in kurzer Zeit fertiggestellt sein. m

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