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Der Israelit · 1926-07-01 · Heft 27 (1.7.1926) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 27 (1.7.1926)
Date
1926-07-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 27 Seite S I.Iuli 1926 _. Angesichts dieses neuerlichen Zeugnisses der vorurteilslosen Wissenschaft für die geradezu wunderbare Weisheit der nv'rnv rma, die so ihrerseits in überwältigender Weife für die Göttlichkeit unserer Lehre Zeugnis ablegt, erscheint der Kampf der Schächtgegner in ganz besonderem Lichte. Es ist der Kampf des Vorurteils gegen die Wahrheit, des Menschenhasses gegen die alle Kreatur in tiefstem Erbarmen umfassende, auf die Wesenheit der Dinge gegründete Humanität des Gottesgesetzes. Die Judenmission an heiliger Stätte. Die aus Seelabgerichtstö Juden- Mission, die gern im Trüben fischt, fai wie palästinensische Blätter meiden, zur Zeit ganz besonders auf die Armenviertel in Jerusalem abgesehen. Mit Aushängeschildern und Plakaten, mit Vorträgen, ja sogar mit Arrangierung „jüdischer" Gottesdienste, mit Klubs und Unterstützungsheimen, mit Schulen und Spitälern arbeitet sie auf ihr Ziel los und leider nicht ohne Erfolg. Nach dem Berichte eines gut Eingeweihten sind es Dutzende von älteren und jüngeren Frauen, insbesondere aus der orientalischen Kolonie, die, von Unterstützungen und Geschenken angelockt, die Missionshäuser besuchen. Einen beliebten Köder bilden die Nähnachmittage. Der Stoff wird von der Mission gestellt, muß aber im Missionshaus von den Frauen und Mädchen verarbeitet werden, wobei tüchtige Missionäre dafür sorgen, daß „gute Reden sie begleiten, damit die Arbeit munter fortfließe", wohlerklärlich Agitationsreden für das Christentum. Die Mission unterhält eine große Bibliothek und gut geleitete englische Sprachkurse, bei denen als Lektüre das Neue Testament und Missionsliteratur benutzt werben. Am Mbbm wkr-m im mahnen ge- MiM ZusommmNinfio neDen outer Demirumg Missionsbelehrungen geboten. In einem Abendkurse der Mission im Zentrum der Stadt fand der Berichterstatter 60 Mädchen im Alter von sechs dis sechzehn Jahren, aus sephardischen wie aschkenasischen Familien. Die Lehrerin erzählte ihnen, wie sie selbst den Weg vom Judentum in die „Religion des Heiles" gesunden habe. 300 bis 400 jüdische Kinder befinden sich schätzungsweise in der Fürsorge der Mission, abgesehen von den unzähligen Kindern, die halb- oder ganztägig in den Missionsschulen Unterricht erhalten. Von den Erfolgen der Mission zeugen die großen Gebäude, die sie nacheinander in verschiedenen Stadtteilen errichtet. Es war zu erwarten, daß mit der Ueberhandnahme des englischen Einflusses aus Palästina auch die Judenmission, die im großen und ganzen > Uleines Feuilleton. Bad Aussee (Salzkammerguk). . Singet nicht immer von Menschen, Singet von Tälern und Bergen Mumm. ©reinen unö Bternen, Wenn äs Euch singst! YMt:- Und Euer Singen wird Beten. Dieser schöne Vers/ den ich hier in einer Vergzeitung fand, könnte einem hier als Geleitwort dienen. Alles Niedere, Erdenhafte kommt zum Schweigen, dünkt einem unbedeutend angesichts der Schönheit der Schöpfungen des großen Weltenmeisters. Wem drängte sich nicht spontan die Huldigung des Eigners von Himmel und Erde auf die Lippen, wenn er aus schmalem Waldpfad heraustretend vor sich den dunkelgrünen See ausgebreitet sieht, umrahmt von den gewaltigen Gipfeln, aus deren Mitte sich der mit ewigem Schnee bedeckte Dachstein halb lockend, halb drohend heraushebt. — Und wirklich, ich hatte mir vorgenommen, hier nur der Natur zu leben, hatte weder Zeitungen noch Bücher mitgenommen. Die Offenbarungen der Thauro und die Offenbarungen der herrlichen Weltfchöpfung sollten meine einzige Lektüre sein. Nach dem Lernen des Morgens in die Berge, mittags am traulichen Familientisch unseres Gastgebers nebst der guten österreichischen Kost auch ein paar gute Wärtel (unser Wirt ist ein ehemaliger Jeschiwabochur und hat seitdem scheinbar nichts verlernt) entgegennehmen. Und es hätte auch so friedlich bleiben können, denn der einzige Gast außer uns, d'r „Funklwnar" einer niederösterreichischen Reformgemeinde, verspürt gleich mir keine Lust zu politischen Der I s rae 1 l t englischer Provenienz ist, dort den Kopf erheben wird, wobei nicht zu übersehen ist, daß auch früher schon die Mission es recht gut verstanden hatte, die Armut und soziale Gedrücktheit der palästinensischen Juden auszunützen. Dieser neuen von der Autorität des Siegerstaates getragenen Missionswelle hat man unseres Erachtens in Palästina bei der Neuorientierung zu wenig Rechnung getragen. Wir wollen es nicht den Zionisten ankreiden, daß die Treiber der Mission sich zumeist ihnen an die Rockschöße hängen und sich in ihren Plakaten und Aushängeschildern, wie der Berichterstatter konstatiert, mit Vorliebe als „zionistisch" ausgeben. Das geschieht selbstverständlich ©Ijne .Quivm unb SOßtUett be v lsßtsren. Äbor zweifellos erwüchse daraus den teilenden giomft!- schen Kreisen die Aufgabe, entschiedener von diesem unerwünschten Anhang abzurücken, die Massen zu warnen und auch aktiver als bisher in den Kampf gegen diese Zerstörer des neuen wie des alten Jischuw zu treten. Wir wollen aber diese Aufgabe nicht im Spiegel der Parteipolitik sehen, nicht in den Rahmen eines Parteiprogrammes zwängen. Es ist Aufgabe aller Juden Palästinas und auch außerhalb Palästinas, die es mit ihrem Judentum ernst und heilig meinen, mit Aufbietung aller Kraft gegen diesen Krebsschaden auf heiligem Boden vorzugehen. Hier werden natürlich Worte wenig fruchten. Mit lebendigen Taten muß gegen die Verführung angekämpft werden, mit gut jüdischen Schulen, mit einer ausgedehnten Waisenfürsorge, mit der Schaffung von gleich gut geleiteten Spitälern und Bildungsmöglichkeiten. Es sind nicht geistige Nöte, keine Fragen des Denkens und Glaubens, sondern zumeist wirtschaftliche Not, Hunger und Verwahrlosung, die die jüdischen Seelen in die Netze der Mission treiben, Lüycr muß ihr mit kinkr nMgsdehnteu s©- Zialm FmsvM Die Waffe ans Der Hann gerissen werden. Es ist dies eine heilige Aufgabe sowohl des alten wie des neuen Jischuw. haben deshalb ein besonderes Interesse daran, daß die Gewerkschaftsbünde das Auswanderungsproblem lösen helfen. Bisher war die Einwanderungspolitik der Gewerkschaften nicht im Einklang mit den Prinzipien internationaler Arbeitersolidarität. Die amerikanischen Gewerkschaften verhalten sich der Einwanderung gegenüber feindselig, das Gleiche gilt von der Arbeiterschaft Australiens, die die Einwanderungspolitik dieses Landes beeinflußt. Angehörigen bestimmter Staaten, so u. a. Palästinensern, ist die Einwanderung untersagt. Auch in Europa haben die Gewerkschaften gegen die freie Einwanderung gewirkt. Das Emigrationsdirektorium unterbreitet dem K©nar-sß eine Anzahl von ßsllön hörvorzuheben sind: Der Kongreß möge energisch gegen alle Verfolgungen und Ausnahmegesetze auftreten, weil durch Verfolgungen und Rechtlosigkeit die Auswanderung künstlich gesteigert wird. Der Kongreß möge für absolute Freiheit der Wanderung eintreten; Beschränkungen sollen nur gemäß den Resolutionen des Berliner Kongresses der internationalen Gewerkschaften vom Jahre 1919 zulässig sein. Die Praxis einiger Emigrationsländer wie Polen und Rumänien, die Auswanderern einer nationalen Minderheit die Bürgerrechte nehmen, sobald sie das Land verlassen haben, soll abgeschafft werden. Dem Einwanderer sollen überall leichtere Bedingungen für Naturalisation gewährt werden. „Poale Zion" und „Bund" haben eigene Memoranden eingereicht, was nur zur Verwirrung der Lage führen kann. Kann es in der Frage der Auswanderung nach Partei und politischer Einstellung differierende Meinungen geben? Was hier das Emigrationsdirektorium tn jetner Denkschrift jum üfusbrucf bringt, ist das. tufl§ wir für unstr? Minimum von durch religiöse Ethik und Zivilisation verbürgtem Rechte verlangen. Weltwanderung und Judenwanderung. Am 22. Juni begann in London die Tagung des Weltwanderungskongresses, der von dem Internationalen Gewerkschaftsbund und der Zweiten sozialistischen Internationale einberufen wurde und an dem insgesamt 23 Länder vertreten sind. Unter anderen jüdischen Organisationen hat auch die jüdische Emigrationsgesellschaft dem Kongresse ein Memorandum unterbreitet, worin u. a. ausgeführt wird: Der Prozeß der jüdischen Wanderung ist gleichzeitig ein Prozeß der Zuführung der Massen zu produktiver Arbeit; die Juden imi1™- II IMMMIP— IMIM1IIIW ""firi IIIII IT |I I NIIIIIMWI Ziele der jüdischen Ethik. Von Rabbiner Dr. Kermann Klein in Merlin. (Schluß.) Nun erübrigt sich noch, das Gewissen zu begründen. Es kann im Menschen nichts werden, was nicht in seiner Natur als Grundlage vorhanden .ist. Wir können das sittlich Gute nicht verwirklichen ohne Anlage und Neigung zu ihm. Ist der Mensch zum sittlich Guten berufen, so muß die sittliche Anlage zum Grundbestände seines Wesens gehören. Der nächste Grund des Sittlichen liegt also in der menschlichen Ncstur. Debatten, sondern sehnt die Ankunft von einigen weiteren Gästen herbei, weil dann der versprochene Rost- Rindsbraten, der für uns drei nicht rentiert, in Erscheinung treten soll. Da kam die schlimme Periode des Vipi-m mr>, früh Regen und spät Regen und die Verzweiflung trieb mich, ein paar Zeitungen unseres Gastgebers nach Haus zu nehmen. Zufällig waren es zwei Nummern derselben Zeitschrift, des „Jüdischen Wochenblattes". die eine etwas älteren Datums, die andere, die raötfl NUMNM. oom 11. D. Mg. lMlMeiWfl um m beide Nummern gelesen uns Mörschs mir sgitögm Den Kopf wegen der unlösbaren Widersprüche, die ich in ihnen fand. Da lese ich in der Mai-Nummer, daß die deutsche Trennungsorthodoxie ein Schuß- und Trntzbündnis mit dem Liberalismus gegen Gemeindeorthodorie und Zionismus geschloffen hat. Ich bin ganz entrüstet ob solcher Schändlichkeit und beschließe, sofort nach Frankfurt und Wien um Aufklärung zu schreiben, da folgt weiter unten die Begründung für jene schwere Anschuldigung; ich lese sie zweimal, dreimal, ja haben die ewigen Regenfluten mein Denken fortgespült oder sind mir Uneingeweihtem vielleicht die verborgenen Zusammenhänge in der Journalistik nicht klar: also daraus, daß kürzlich die orthodoxe Wiener jüdische Presse eine Notiz aus irgend einem Orte in der Slowakei gebracht hat, wonach die dortige Chewra Kadischa den Ausschluß von Zionisten beschlossen bat (gewiß eine wtohne Anspruch auf allgemeine Billigung, und daß am gleichen Tage in 'einer in Berlin erscheinenden reformierten Zeitung ein Inserat stand, das eine Mischehe anbabnen möchte, schließt der Redakteur des „Jüdischen Wochenblattes, das Zustandekommen einer orthodor-liberalen Einheitsfront gegen das von ihm herausgegebene, Verzeihung, vertretene konservativ-nationale Einheitssudentum! Ich bin kein Politiker und kein Hellsseher, vielleicht hat das Wochenblatt recht, erst vorgestern hat mir unser Hauswirt verkündet, wenn der Loser (das Wahrzeichen Aussees) von einem blauen Dunst umgeben ist, werde es drei Tage regnen, und er hat recht behalten, ich gebe es zu, vom blauen Dunst, ob er sich in den Höhen der Berge oder in den Tiefen der Zeitungsspalten findet, verstehe ich wenig. Also ich schüttelte resigniert den Kops und wandte mich der neuesten Nummer des Wochenblattes zu: Der Kampf um die Jüdische Schule, von Dr. Josef Schlel r n g c r fSrcüiaiij Nun, dnZ roirB gkwig mmWm s;m, AllerDingg Breslau, Die JDealgemelaDe aller Ekayettskonservativen, da dürste es eigentlich keinen Kampf um die Jüdische Schule geben; aber dennoch steht zu lesen, daß die beantragte Subvention der dort seit mehreren Jahren aus Privamitteln unterhaltenen Schule von der liberalen Mehrheit sowohl des Vorstandes wie der Gemeindevertretung abgelehnt worden ist. Der Grund für die Ablehnung: Eine jüdische Schule und gar erst eine solche, die auf dem Boden des überlieferten Judentums steht, widerspricht der liberalen Weltanschauung. — Nun die Haltung der Breslauer Liberalen kann man zur Not verstehen. Bleibt nur die Frage offen, ob in einer Einheitsgemeinde nach Breslauer Muster in der Tat die Be-! lange des gesetzestreuen Judentums so trefflich gewahrt 'werden können, wie dies von den unentwegten Verteidigern dieses Systems behauptet wird. (Für den nachdenklich Betrachtenden kommt noch die Erwägung hin- 'zu: was würde es den Herren liberalen Gemeindoverjtretern in emmes schaden, wenn andere Leute ihre Kinder 'jüdisch erziehen. Weder in ihren geschäftlichen noch in , ihren sonstigen Interessen würden sie davon berührt I werden. Und jeder für sich ist auch gar kein solcher Feind der jüdischen Schule, aber da sitzen in der Fraktion ein oder zwei ehrgeizige Leute und plötzlich erkennt man, daß die Jüdische Schule die heiligsten Güter des Liberalismus — vielleicht das Amhaareztum — bedroht und ein-

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