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Der Israelit · 1926-06-24 · Heft 26 (24.6.1926) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 26 (24.6.1926)
Date
1926-06-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seile 6a Nr. 26 meinden das Judentum verflacht .und. seiner jüdischem Ideale, seines lebendigen Inhaltes beraubt wird, röie an hl. Sabbat- und Festtagen Einzelne reisen, kaufen und verkaufen, wie Speise- und Ehegesetze mit Füßen getreten werden, wie das jüdische Heim zerstört, jüdische Eigenart verwischt wird, wie Gleichgültigkeit und Interesselosigkeit der Jugend zunehmen, jüdisches Wissen, jüdische Lehre und jüdisches Leben verfallen! Noch bedauerlicher ist es, wenn solche Unjüdischkeit noch veranlaßt und noch weiter verbreitet wird. Fühlt Ihr es nicht, Ihr Väter und Mütter, daß Ihr durch solche Sabbatentweihung Euch ins eigene Fleisch schneidet! Merkt Ihr nicht, daß Ihr durch solche unjüdische Veranstaltungen die Jugend, dem Judentum entfremdet? Der Sabbat ist ein Bundeszeichen zwischen Gott und Israel auf ewig. Ihr zerreißt es; nehmt den Sabbat- und Festtagen ihre Heiligkeit und Weihe! Ist das. der Erfolg des Aufrufes der bayerischen Rabbiner, die zu jüdischem Leben, zur Schamhaftigkeit und jüdischer Zucht, mahnend ausgefordert, die gegen würdelose Kleidung, gegen Unsitte und Unmoral ihre Stimme erhoben? Genügen da nicht die Sonntage zu solchen Ausflügen und Vergnügungen, Muß gerade der Sabbat das Opfer sein, der ohnedies Entweihung in Fülle zu erdulden hat! Und nun kommt man noch aus Augsburg, aus der Hochburg des liberalen Judentums, um den unaufhaltsamen Verfallsprozeß der Jüdifchkeit noch zu beschleunigen, den winzigen Rest jüdischen Gemeindelebens auf dem Lande ganz zu ersticken! Wahrlich, besser ist es, ihr liberalen Geister, ihr feiert Eure Jahrtage und Feste in Eurer Hochburg, auf daß nicht alle jüdischen Gemeinden. Tn in ein Leichenfeld verwandelt werden. Das verhüte der Allherr! , . Buttenwiesen, am 6. Juni 1926. , . D e r Jl s r ot e und Freunden den herzlichsten Lank aus. Darauf berichtete Herr Adolf Schwärz über die jetzige, den Vorjahren gegenüber wesentlich ungünstigere finanzielle Lage des Vereins, die befürchten laste, daß durch die Erweiterungsbauten und den Betrieb in dieser Saison die disponiblen Barmittel aufgezehrt würden. Reiche Zuwendungen seien nötig, wenn die Anstalt auch in den kommenden Jahren ihren Betrieb aufrecht erhalten wolle. Die Begrüßungen eröffnete der um die humanitären Institutionen der Stadt sehr verdiente Bürgermeister Herr Dr. Pollwein. Ihm folgte im Namen des Badkommissariats Herr Vezirksamtmann Dr. C o n - rath. Herr Bezirksarzt Obermedizinalrat Dr. Maar übermittelte Glückwünsche als Vertreter der evangelischen Kinderheilanstalt und des ärztlichen Bezirksvereins. Es sprachen ferner Herr Generaldirektor Binder im Aufträge der Großloge U. O. B. B. für Deutschland, Herr Oberregierungsrat Schulhöfer -Würzburg, Herr Rabbiner Dr. Schüftan -Efurt im Namen der Erfurt-Loge und der dortigen Organisationen, für den Landesverband bayerischer israelitischer Gemeinden Herr Rechtsanwalt. Dr. Silberschmidt -Bad Kissingen, Herr Rabbiner. Dr. L.ö w e n t h a l -Berlin im Austrage des „Zentral-Wohlfahrtsausschustes . deutscher Juden". Herr Schwabacher übermittelte hierauf die Wünsche der Franken-Loge und der jüdischen. Gemeinde in Würzburg, Herr Architek Albert Meyer die Wünsche der Äaimonides- und Jakob Herz-Loge in Nürnberg. Herr Sanitätsrat Dr. Münz sprach im Namen der Vorstandschast den Redner den innigsten Dank aus. Außerdem liefen zahlreiche Glückwünschdepeschen aus allen Teilen des Landes ein. Möge nun das gemeinnützige, edle Werk, das vielen Tausenden armer und kranker Kinder eine Qüelle des Heiss, und Segens ist,in aller Zukunft wachsen Und blühen! Ein Sabbatverehrer. Vermischtes. Berlin, 18. Juni. Wie der Lehrer Abraham in Memmelsdorf der C. V.-Zeitung mitteilt, ist der jüdische Friedhof von Memmelsdorf von unbekannt gebliebenen Tätern geschändet worden. Insbesondere sind vier Grabsteine zertrümmert worden. Bei der Staatsanwaltschaft wurde ANgkigk krstNtttt. Lik MWk GkNMilVk W M vik m* greifung Der Täter eine Belohnung gestellt. Siegburg, 18. Juni. Die min naVn man unserer Gemeinde konnte am Dienstag abend, den 16. Juni, ein selten schönes Fest begehen. Der naoa ovo ward im Hause eines Mitgliedes, des Herrn Max Heli mit seinem man 112m 'verbunden und so gestaltete sich der Abend unter den überaus reichlich gebotenen Genüssen zu einem herrlichen Feste. Alle Mitglieder waren pünktlich und zahlreich erschienen. Zunächst wurde unter Leitung unseres Lehrers Seelig dienava zu Ende geführt und nach einem Gesamtüberblick über a'bpvZ und über das Gelernte hielt Herr Lehrer Seelig eine eindrucksvolle Festrede. Darauf setzte eine solche gemütliche Stimmung ein, daß alle Teilnehmer weit über die Mitternachtsstunde zusammenblieben. Möge die nun r\nbi) man weiter zum Segen der Gemeinde blühen. Köln, 17. Juni- Vom Hilfsausschuß für jüdische Durchwanderer, Köln, Glockengasse 7, wird uns geschrieben: „Seit einiger Zeit erhalten wir von verschiedenen Städten die Mitteilung, daß ein Mann mit einem Schreiben der „Arbeitsgemeinschaft Jüdischer Hilfsäusschuß und Lew Tow" Geldbeträge sammelt. Wir bitten davon Kenntnis zu nehmen, daß diese Arbeitsgemeinschaft, die nur in Köln bestand, seit zwei Jahren aufgelöst ist. Außerdem hat sie niemals derartige Empfehlungsschreiben ausgegeben. Es handelt sich um einen Schwindler, der mit gefälschtem Schreiben eine ausgedehnte Sammeltätigkeit ausübt. Alle Stellen, bei denen ein solches Schreiben vorgezeigt wird, bitten wir, diese dem Schwindler abzunehmen und das weitere zu veranlassen. Für entsprechende sofortige Nachricht sind wir dankbar." Prag, 22. Juni. Präsident Masaryk besuchte am 27. Mai den alten jüdischen Friedhof und das jüdische Museum in Prag. Der Vorstand der Chewra Kadischa, Herr David Lieben richtete im Sitzungssaal der heiligen Beerdigungsbrüderschaft warme Begrüßungswote an den Präsidenten. Nationalrat Dr. Stein übernahm die Führung. Sodann besuchte der Präsident das jüdische Museum, eine Schöpfung des Professors Dr. Hugo Lieben, unter dessen Führung und Erklärungen er lange Zeit verweilte. Er war über die Fülle der seltenen Sehenslnükdigketten sichtlich erstaunt und erfreut unk bt-Mä Wössssäi? Dt». Lisbstt ssssnübsv IN bereiten Worten zürn Ausdrui^. Wien, 20. Juni. In dem von Alfred von Baldaß, Verlag Ludwig Vidor, herausgegebenen Führer durch die Stadt Wien werden auf Seite 57 orthodoxe Restaurants unter Aufsicht des Adaß Jisroel aufgezählt. Diese Mitteilung ist völlig falsch. Zur Verhütung von Irreführungen wird bekannt gegeben, daß von den dort aufgezählten Restaurants kein einziges der Aufsicht des Rabbinates der Adaß Jisroel untersteht. Jerusalem, 18. Juni. Sir Herbert Samuel, der 'rühere Oberkommissar für Palästina, hat der Adath- Jeschurun-Synagoge in einem Schreiben mitgeteilt, daß Lady Samuel und er der Synagoge ein Sepher Thora (Gesetzesrolle) spenden. frankfurter Berichte. Prof. Adolf Weyl V'xt Tage und Nächte bangten wir um das kostbare Leben Prof. Weyls. Wie sich der Sabbat neigte, schien eine Besserung einzutreten und wir durften wieder hoffen. Aber Tump nnua ’xra:, am Ausgang des Ruhetages rang sich die Seele des hochverehrten Lehrers und prächtigen Menschen zu den Gotteshöhen empor, aus der sie in einem Leben segensvollen Wirkens ihre Nahrung und ihren Antrieb erhielt. 24. Juni 1926 j Kleinen, er war der Lehrer schlechthin, dem das Lehren Herzensbedürfnis und Lebensinhalt war. Die hiesigen Vereine und insbesondere der Mekor C häj i m boten ihm das Forum, und seine hier entfaltete segensreiche Tätigkeit war von der gleichen Dauer, von der gleichen Intensität, wie die Lehrtätigkeit im Hauptberufe. Ob es galt, in Schiurim in kleinerem Kreise zu lehren, oder, wie früher im Rahmen des Nachleth Zewi, mit großen wissenschaftlichen Vorträgen den Vereinsfesten den Glanzpunkt zu sichern, immer fand man bei Prof. Weyl die gleiche Bereitschaft, die gleiche Arbeitsfreude. Nicht in Menge schaarten sich die Hörer um seine Schiurim, es war ein kleinerer Kreis, der aber treu und fest zu ihm hielt, weil alles, was er gab, aus dem Jungborn der tiefen warmen Menschlichkeit entsprang, und sich so die enge, feste Brücke vom Spender zum Empfänger von selbst bildete. Aus den „Sprüchen der Väter" lehrte er in den letzten Jahren, und sein Charakter, seine Wesensart ist im „Perek" genau bezeichnet. Ein ivrrv mb -na ns’tj -naa, eine Zisterne, aus der kein Tropfen verloren geht, war sein eisernes Gedächtnis, in dem alles Erlebte und Erlernte aufgespeichert war, klar und greifsicher bis in die kleinsten Einzelheiten,«nn ma bv ama yh mit guter Tinte auf neuem Papier. Dort reihten sich Zahlen an Zahlen und Daten an Daten, Strich an Strich zu einem Gesa m t b i l d e jüdischer Weltanschauung, das lebensgroß und lebenswahr sich erhob aus all seinem Lehren und Wirken. Ein Gelehrter von starkem Forscherdrange, wußte Weyl halt zu machen, wo er die Grenzen des Gegebenen erreicht wußte. Es gab für ihn keine „vvraussetzungslose" Wissenschaft, erste und letzte Voraussetzung blieben bei allem Suchen und Forschen Thora und Tradition, die ihm das-Maß. aller, Dinge maren. /i’H»»’» .M* vH» . i’Tipn >x. Aus dem Bewußtsein unserer Armut, unserer Kleinheit, aus dem Bewußtsein der natürlichen Begrenztheit unseres Könnens und. Erkennens sprudelt der echte wahre Wissensquell, aus dem wir anderen spenden. Wie schöpfte er aus diesem Quell, mit welcher Liebe, mit welcher Freude am Spenden, am Lehren und Belehren. Einen Aufsatz wollte er schreiben über den „Lehrzwang im Judentum", indes alle Welt von Lern zwang, von Schulpflicht spricht, anknüpfend an Josua den Gamla, der nicht nur Schulen errichtete, sondern die Lehrer und Gelehrten' zum Lehren zwang. Der Artikel blieb ungeschrieben, aber den Z w ll n 0 3 u l e o r t n; Tpurte er in sich unö solche ihm vis zuletzt. Nach Tovvot mp rQ Dielt er seinen letzten Perek-Vortrag in der Frauensynagoge der Klaus und erklärte den Weisensatz ima ov 15 lassa r>axn Und er ahnte nicht, daß dieser Tag ihm schon so greifbar nahe war. Allein über der Gelehrsamkeit und der gesegneten Lehrtätigkeit darf der Mensch Weyl nicht vergessen werden, der Freund, der, wie kaum ein zweiter, es ver-. landen hat, mit unerschöpflicher Liebe, mit. einem Einfühlungsvermögen ohne gleichen sich in die Lage anderer zu versetzen, teil zu haben an ihrem Wohl und Weh, die Sache anderer vollkommen zu der seinigen zu machen. Die wenigsten Einheimischen ahnen, was Professor Weyl und sein Haus denen geworden und gewesen ist, die vor Jahren fremd herkamen und sich scheu und schüchtern erst im Gelände zu orientieren hatten. Wann konnte man „Professors" besuchen, ohne dort Freunde zu finden, die gekommen waren, sich Rat zu holen oder ihr Herz äuszuschütten dem väterlichen Freunde, der mit seinem offenen Wesen, seiner ruhigen abgeklärten Art volles Vertändnis hatte für all das, was sie bedrückte oder beglückte. Zn diesem Hause, in dem. auch eine edle. Gattin mit wahrer Engelsgüte waltet und Kinder in ntnato nanx großgezogen würden, fanden junge Menschen in wolkengetrübter Kindheit soviel Sonne, Licht und Liebe, daß ihr fernerer Lebensweg davon bedingt wurde. Dankbar werden wir des edlen Menschen, und des edlen Lehrers gedenken, der als Mensch lehrend und als Lehrer menschlich gewirkt hak, der, wenn auch ein Siebenziger, zu früh von uns ging,, geschmückt mit den drei Kronen anai naan rna .nun an» aiv Dtp- * -i- Bad kissingen, 1. Juni. Am 30. Mai fand in der festlich geschmückten Kinderheilstätte die Stiftungsfeier des 25jährigen Bestehens des Vereins statt. Außer zahlreichen Gästen aus der Nähe und der Ferne hatten sich zu derselben alle Vertreter der Behörden von Bad Kissingen eingesunven, evenso Mreter Der MoWge 11. D. B. B., Vertreter Des LanDesverbanDes bayerischer israel. Gemeinden, der Israel. Kultusgemeinde Bad Kissingen, die Zentral-Wohlfahrtsstelle deutscher Juden in Berlin u. v. m. Die Feier nahm einen überaus würdigen und weihevollen Verlauf. Nach einem Gesang der Kinder der Anstalt, einem Dankgebet, .verfaßt von Herrn Lehrer Steinberger, hielt Herr Badearzt und Sanitätsrat Dr. P. Münz, seit Bestehen der Anstalt leitender Arzt im Nebenamt, die Festrede, welche im Drucke erschienen ist. In derselben gab er zunächst eine klare übersichtliche Darstellung über die Entstehung und Bedeutung des Kinderheilstättenwesens in Deutschland und die Entstehungsgeschichte der Kinderheilstätte zu Bad Kissingen, die 1901 gegründet, seitdem unermeßlichen Segen gestiftet hat. In diesem Jahre wurde unter bewährter Leitung von Herrn Architekt Meyer-Nürnberg und Herrn Baumeister Wedler-Bad Kissingen ein größerer, wohlgelungener Neubau errichtet, durch den es jetzt möglich ist, im Laufe der Saison 400 Kindern Aufnahme zu gewähren. Insgesamt wurden seit Bestehen der Anstalt 4300 Kinder aus ganz Deutschland ausgenommen. Am Schlüsse der Festrede sprach er allen Gönnern Professor Adolf Weyl *>«37. Prof. Adolf Weyl kam vor 35 Jahren, bereits ein bedeutender »an malm und auf allen Gebieten der profanen Wissenschaften zu Hause, hierher an die Realschule der Israelitischen Religionsgesellschast und hat in nahezu vier Jahrzehnten Menschen naanlo nrnn!>, im Geiste des großen Rabbiners, im Geiste des eigenen Vaters und der großen Ahnen, die zu den d'!>it» gehörten, herangebildet. Prof. Adolf Weyl war nicht allein Lehrer der Dem Leichengeleite folgte am Montag vormittag eine auch für Frankfurter Verhältnisse ungewöhnlich große Menge, die dann die Friedhofshalle der Israelitischen Religionsgesellschaft bis auf den letzten Platz füllte. Es Mi Mist im N«M8N ö« GkMkiiiDk Herr NllMMMI' assessor Gerson Posen einen Wonnen HespeD auf Den P»is' nan. ©oöamt sprach Herr Direktor D. Fink den Dank der Schule, des Lehrerkollegiums und der Schülerschaft in ehrenden Worten aus, worauf Herr Redakteur S. Schachnowitz als Freund der Familie in herzlicher Weise vom Menschen Weyl sprach, ihm den letzten Freundesgruß entbot und zugleich den Dank des Mekor C h a j i m und des Brüher ihm angeschlossenen „Nachlath Zwi" für die reiche Lehrtätigkeit des verstorbenen Dozenten innerhalb dieser Vereine aussprach. mann Alfred Rosenfelder n"v> Ein erschütternd tragisches Geschick riß einen jungen blühenden Menschen aus unserer Mitte. Frohgemut fuhr Alfred Rosenfelder am Montag abend in den Wald hinaus, um sich nach vollbrachter Tagesarbeit..noch ein Ruhestündchen zu gönnen und schon nach wenigen Stünden sollte er, schwer verunglückt, im Städtischen Krankenhause zur ewigen Ruhe hinüberschlummern. So lähmend wirkte Dienstag morgen diese Kunde, daß man. es heute noch nicht wahrhaben möchte.

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