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Der Israelit · 1926-06-24 · Heft 26 (24.6.1926) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 26 (24.6.1926)
Date
1926-06-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. : 6 Seite p 21 ‘Siffli 1928 _._ hett trtrterett totrifdjofiü^ien Fragen jutoenbett. ©s ctttwmelw sich eine lebhafte Dwlussion über vle Methoden der sozialen Hilfe, die keinen philantropischen Charakter tragen darf. Es müssen Kreditanstalten gegründet werden, die gegen entsprechende Sicherungen die nötigen Mittel für Unternehmungen gewähren. Wenn nicht jetzt kräftig vorgebaut wird, werde später die gesteigerte Not weit mehr Kraft und Mittel absorbieren. Es wurden zuletzt zwei Kommissionen gewählt, die eine zur Ausarbeitung eines Planes für die rationelle Hilfe, die andere für Prüfung der Mittel zur Linderung der Gegewartsnot. Rabbi Kaffowski in Jerusalem hat dieser Tage die von ihm bearbeitete bekannte Konkordanz der Mischna und des Talmuds zu Ende geführt. Die Pekidim und Amarkalim (Deutsch Holländische Palästina-Verwaltung) haben die Drucklegung dieses bedeutsamen jüdisch wissenschaftlichen Werkes mit Hilfe der von Professor Ginzburg in New-Pork gemachten Spende er-, möglicht. Zweihundert Mieter aus der Altstadt Jerusalems wandten sich an den Stadtgouverneur S t o r r s mit einer Bittschrift, die auf die schwere Notlage der Mieter hinweist. Die Abschaffung des Wohnungsgesetzes vom letzten Januar hat dazu geführt, daß die Hausbesitzer Mietforderungen stellten, die weit über die Kraft der armen Hausbewohner gehen. Dazu kommen noch die M i t t e l s - männer, die sich zu einer wahren Plage ausgebildet haben. Es sind Leute, die von den Hausbesitzern ganze Wohnungskomplexe mieten, um sie dann weiter an die einzelnen Bewohner gegen wesentlich erhöhte Mietpreise, zuweilen gegen das doppelte des von ihnen gezahlten Betrages, weiter zu vermieten. Auf Proteste oder Weigerung wird mit der Ausweisung gedroht, und fß M »UH Mz sHrtz Llif &U Der Gouverneur wird dringend gebeten, einzugreifen, ein humanes Gesetz, das dem Hausbesitzer und dem Mieter in gleicher Weise dient, zu erlassen, und vor allem das Unwesen der Mittelsmänner abzuschaffen. Personalien. Landau (Pfalz), 14. Juni. Unsere. Gemeinde hatte am 3. Juni einen schweren Verlust zu beklagen. Valentin Wolf sel. Angedenkens weilt nicht mehr unter uns. Im gesegneten Alter von nahezu achtundachtzig Jahren ist er zu seinen Vätern heimgegangen. Dieser Mann war ein Jude vom alten Schlage. Die Tradition war verbindlich für ihn vom Anfang seines selbständigen Denkens bis zu seinem Tode, dessen Herannahen er lange vorher ahnte. Sein Leben beruhte auf den drei Säulen Thauro, Awaudo und Gemiluß-Chassodim. Mit vieler Sorge erfüllte ihn' die heutige Halb- und Unbildung unserer jüdischen Jugend. Der immer mehr nachlassende Synagogenbesuch schmerzte ihn tief. Sein Wirken fand seinen Höhepunkt in seiner vielseitigen Mitarbeit an Wohltätigkeitsbestrebungen. Möge das Sechuß dieses edlen Mannes seinen zahlreichen Kindern, Enkeln und Urenkeln beistehen! Hemsbach, 21. Juni. Am 27. Juni d. I. feiert das Ehepaar Joseph Metzger und Frau Lina geb. Oppenheimer aus Hemsbach a. d. Bergstraße, wohnhaft in Weisenau bei Mainz ihre goldene Hochzeit. Das Jubelpaar erfreut sich voller körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische im Lebensalter von 80 bzw. 71 Jahren. Briefkasten. Eine Lehrerin in H—bg. Das Problem liegt tiefer und rechtfertigt wohl eine fachliche Aussprache. Aus alle Fälle kann das nicht so. wie Sie es tun, mit einer Handbewegung unter dem Gesichtspunkte der „Polonifierung" abgemacht werden. Die Berufung aus S. R. H. schien uns sehr am Platze. Ernst Sulzberger. Wiesbaden. Mk. 3 für SL QTt. b. 4Öeircgegangen- 3R. B. irr R. 1®U «TT gegeben perf>wc^t R. H. in E. Eine vom Staate anerkannte Lungenheilstätte für Männer, die rituell geführt wird, gibt es in Deutschland leider nicht. N. N. in N. Wir nehmen davon Notiz, daß Neckarbischossheim kein kleines Dorf ist, sondern eine Stadt mit Amtsgericht, Notariat ufw. Möge sich das der Verfasser des betreffenden Artikels zu Herzen nehmen! S. M. in Frankfurt. Wir werden den ersten Punkt Ihres Schreibens von kompetenter Stelle prüfen lasten. Die anderen Anschuldigungen müssen erst genau untersucht werden, bevor sie in aller Oeffentlichkeit erhoben werden können. Wir müssen uns auch die Angabe Ihrer näheren Adresse erbitten. D. L! Marienbad. Wir nehmen Ihre Mitteilung zur Kenntnis, daß der »Belzer" Rebbe nicht nach Bad-Nauheim geht, sondern nach Marienb a d und dort bereits im »Hotel National", wie alljährlich. seine Räume bestellt hat. Die Mitteilung Der Israeli, ist uns non beut|c^en ^-wunben bes Rebbe gegangen. . HZ. in Saar brück en. nsy im Satze 1 i wird nicht mit Asche, sondern mit »Brandstaub" übersetzt, oder mit ,Erdenstaub". Siehe auch „Könige" II, Kap. 23. Satz 4 und andere Stellen, wo durch Verbrennen erzeugter ^taub mit nsy ' bezeichnet wird. Familiennachrichten. Barmizwo: Ludwig, Sohn des Herrn Julius Friedmann, Stuttgart, Dobelstratze 5. 'q. Sprechsaal. Eine jüdische Volksschule.*) An den Verlag des „Israelit" Frankfurt a. M. Am Sonntag, 9. cr. fand in der hies. Rheinlandloge eine Achduth-Versammlung statt, in welcher Herr Rabbiner Dr. Horowitz über das Thema: „Die Forderungen des Tages" sprach. Bei der Diskussion wurden die Kölner Verhältnisse berührt, insbesondere aber die Schulrage, die dadurch akut ist, als eine Klärung herbeigeführt werden soll, wie einerseits die Schulen in der St. Apernstr. in ihrer Existenz durch finanzielle Schwierigkeiten nicht gestört werden sollen, andererseits ob nicht das Vorhandensein der städt. isr. Volksschule die Uebungsschule des Lehrerseminars überflüssig macht. Gegen die Städt. isr. Volksschule führte ich Klagen, die Sie aus der beigefügten Korrespondenz ersehen können. Ich bitte Sie, die Korrespondenz in Ihrem gesch. Blatt veröffentlichen zu wollen, da die hies. jüdische Presse (zionistisch und liberal) die Aufnahme verweigert. Köln, 12. Mai 1926. Hochachtungsvoll Dr. Erich Simons. Einschreiben! Köln, den 10. Mai 1926. m\ AW MINM Köln, Schwalbengaffe. Sie haben in der Achduth-Versammlung von gestern abend öffentlich erklärt, Sie seien in der Lage, zu beweisen, daß ein Lehrer der jüdischen Volksschule Lützowstrahe in der Pause ein Schinkenbutterbrötchen gegessen habe. Wir ersuchen Sie, den Namen des Lehrers anzugeben und den Beweis für Ihre Behauptung zu führen. Wir ermächtigen Herrn Konrektor Louis Jacobi, den derzeitigen Schulleiter, Ihre schriftlichen oder mündlichen Erklärungen im Amtszimmer der Schule Lützowstraße (Sprechstunde täglich 11—12) oder in der Wohnung Humboldtstraße 42, 3. entgegenzunehmen. Ihre Erklärung erwarten wir bis spätestens Donnerstag, den 13. ds. Mts. mittags 12 Uhr und behalten uns alle weiteren Schritte in dieser Angelegenheit vor. Das Lehrerkollegium der Städt. isr. Volksschule Köln. Louis Jacoby, Konrektor. Therese Heckscher. Abr. Reinhardt. Paula Loch. Dr. Siegfried Braun Regina Frenkel. Eugen Jacobi. Therese Freimark. L. Grünebaum. Cilli Marx. * * * Dr. med. Dr. phil. Erich- Simons/ Facharzt für innere Krankheiten und Nervenleiden. Rld. 5350. K ö l n, den 11. Mai 1926. Schwalbengaffe 6 An das Lehrerkollegium der städt. israelit. Volksschule z. Hd. des Herrn Konrektor Louis Jakobi, Köln Humboldfftr. 42, 3. Ihr Geehrtes vom 10. ds. gelangte heute morgen in meinen Besitz und soll sofort beantwortet werden, nachdem die Angelegenheit von größtem öffentlichen Interesse lst; handelt es sich doch um nicht mehr und nicht weniger als um die städtische israelitische Volksschule, der viele Eltern zwangsweise ihre Kinder anvertrauen müssen. Ich sage deshalb zwangsweise, weil der Geist der Schule, tou %i m UM UsUl. mit Don MzMu vieler Ellern imvereindak ist. Jwmsr-h!» muh gestehen, daß mich die Entrüstung in der Achduth-Versammlung anwesender Mitglieder Ihres Kollegiums über meine von diesen als verleumderisch bezeichnete Behauptung, als auch die in Ihrem Schreiben vom 10. Mai cr. zum Ausdruck gebrachte Erkenntnis, einzelne Mitglieder Ihres Kollegiums eines schweren Vergehens bezichtigt zu haben, äußerst angenehm berührte. Gehen Sie doch damit alle, selbst einzelne Herren und Damen des Kollegiums, die sich öffentlich als liberale Juden bezeichnen und betätigen, mit mir darin einig, daß der jüdische Lehrer m Wort und Tat einwandfrei auf dem Boden der am Sinai empfangenen Gotteslehre stehen muß, die nicht durch Menschenhand zu reformieren ist, selbst wenn sogen. Rabbinen in verlogener Weise die Befugnisse der Weisen als Genehmigung zur Reform deuten. Ich nehme Ihre Entrüstung und Ihr Schreiben als einen von Ihnen gemachten Anfang, den Geist der Schule und ihrer Lehrer so zu gestalten, wie Sie es scheinbar selbst für unbedingt nötig erachten. Ich betone nochmals, daß Ihre *) Wegen Raummangels seit Monaten zurückgestellt. Entrü^tnn^ mir war wni> i|ij ’rtf'rV hMsist UM, WVS LNist sitz bLMÜhLll wollen, den Geist der Gesetzesübertretung bald aus der Schule auszuschalten. Leider können Sie hier wohl wenig auf die Hilfe der sogen. Gemeindeorthodoxie rechnen, die gerade hier an dieser Stelle den Hebel ansetzen konnte, um ihre Existenzberechtigung zu beweisen. Denn dieser Gemeindeorthodoxie ist es länger als mir bekannt, daß der Geist der Schule als unjüdisch zu bezeichnen ist. Aber den fehlenden Mut zur Wahrheit verbirgt man mit der Geste der Liebe und des Friedens, selbst wenn tausende Eltern unter Seelenqualen ihre Kinder in eine jüdische Schule schicken müssen, die keine ist. Ihr Schreiben ist ein schönes Omen, daß Sie sich selbst befreien wollen und werden. Ganz wird Ihnen aber dieses erst gelingen, wenn Sie sich in der Hand eines Führers wissen, der weder nach links noch nach rechts vom göttlichen Gesetz abweicht. Ich danke Ihnen für die Gelegenheit, die Sie mir aufs Neue geben, Ihnen aufklärend zur Seite stehen zu können. Gewiß werden Sie nicht der Ueberzeugung sein, daß Sie einwandfreie jüdische Lehrer seien, aber die Gewohnheit macht stumpf, so daß es eines Anreizes von außen bedarf, auf seine Fehler aufmerksam zu werden. Wenn ich nun gerade die Achduth-Versammlung zu meinem Hinweis benutzte, so wollte ich damit vor allen Dingen beweisen, daß die Achduth, die ehemalige Gemeindeorthodoxie, geradezu ihre Existenzberechtigung verleugnet hat, sonst hätte ein Gemeinderabbiner, Achduth-Führer und Schuldeputationsmitglied nicht in bekannter „Vogel- Strauß-Politik" behaupten können, in der Schule Lützowstrahe würden jüdische Kinder zu Juden erzogen. Soviel psychologische Erfahrung besitzt wohl jeder, auch wenn er kein Pädagoge ist, daß, wenn selbst die Lehrer dem Kinde die Lehre Gottes vortragen, sich aber in ihrer Lebensbetätigung in krassen Gegensatz zu dieser Lehre stellen, eine derartige Erziehung die übelsten Erfolge zeitigen muß. Mit Friedenswille läßt sich dieses unverantwortliche Laifser faire nicht entschuldigen. Ich wollte insbesondere beweisen, wie wenig die sogen, orthodoxen Belange durch die Gemeindeorthodoxie gesichert sind. Ich glaube aber, daß mit meiner ©rrtljiillimg, bie Ceirtc (Sniljilttung t|t, l<s> auJ| jel^r nieten |ogen. ilkerafen Ureljen einen großen Gefallen erwiesen habe. Denn ich verfüge als Schulmann über eine große Erfahrung, daß selbst liberalste Juden ihre Kinder religiös erzogen wissen wollen. Wenn ich nun dazu übergehe, Ihnen die Namen der Lehrer und den Beweis meiner Behauptung zu nennen, so kann ich nicht umhin, Ihnen einzelne Mitglieder Ihres Kollegiums zu nennen, die sich eines weit schlimmeren Vergehens als Schweinefleisch zu essen, schuldig machen, die nämlich sogar öffentlich den Sabbat entweihen, was man doch gerade als Lehrer am allerwenigsten tun sollte und nötig hat. Alle Rabbiner werden Ihnen bezeugen, daß ein liberales Judentum nicht mehr und nicht weniger als ein leugnendes Judentum ist, ein Judentum, das die Verbindlichkeit und den Ensigkeitswert der Sinaitischen Gesetze leugnet; nur daß es sich noch als Judentum bezeichnet, ist das, was dem liberalen Judentum vom Judentum übrig geblieben ist. Mag man sich nun im Leben stellen wie man will, ein solches Judentum gehört nicht in eine jüdische Schule, am allerwenigsten darf es den Kindern praktisch vorgeführt werden. Verehrtes Kollegium, seien Sie glücklich, daß endlich einer den Mut zur Wahrheit fand. Gewiß, ein jeder kehre vor seiner Türe, aber die Schule gehört der Gesamtheit, die nicht ein Recht, sondern die bisher vernachlässigte Pflicht hat, über den Geist der Schule zu wachen. Um das öffentliche Interesse zu wahren, übergebe ich die Korrespondenz der Presse; die von Ihnen gewünschten Angaben finden Sie handschriftlich beigeschlossen. Mit vorzüglicher Hochachtung! Dr. Dr. Simons. Sabbakentweihung. Man schreibt uns aus Bayern: Was unser kleiner Ort noch nie geschaut, ein Schauspiel, das unsere jüdische Gemeinde noch nie gesehen, wurde diesen Sabbat uns geboten. Am Sabbat Abend 8 Uhr kam mit wehender Fahne eine Truppe von 12—15 Mädchen und Jungen ins Dorf marschiert, der „jüdische" Jugendbund aus Augsburg. Sabbat nachmittag waren sie dort abgereist, unterwegs ausgestiegen, um dann zu Fuß mit Sack und Pack am hl. Sabbattage ins Dorf sirrsuAishsn. cts mir yu|ammen ob biejes nwnli^rr^ ob dieser Sabbatschändung! Und wer gab Veranlassung zu diesem in unserer Gemeinde einzig dastehenden Vorkommnis? Eine Frau, eine Witwe, war vor wenigen Tagen aus Augsburg hierhergekommen, um den Jahrzeitstag ihres Mannes zu begehen. Der Geist der Pietät lebte noch in ihrem Herzen, und so besuchte sie den Gottesdienst und das Grab ihres Gatten an seinem Todestage. Und die Nachfeier? Die Witwe glaubte es ihrer 19jährigen Tochter schuldig zu fein, deren Augsburger Kameraden hier einen fröhlichen Tag bereiten zu müssen. Und das mußte ein Sabbat sein! Und wie merkwürdig der Sabbat ein Sabbat, dessen Wochenabschnitt uns ein so abschreckendes Beispiel in der Erzählung von dem D’sy v\vpn dem Sabbatentweiher bietet, der in der Wüste am Sabbat Holz aufgesammelt. Und was sagt uns da die heilige Schrift? „Gott sprach zu Moses: „Der Mann soll getötet werden; die ganze Gemeinde soll ihn. steinigen außerhalb des Lagers!" Ist es für jedes echtjüdische Herz tief schmerzlich und bedauerlich, wie in den jüdischen Stadt- und Landge-

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