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Der Israelit · 1926-06-24 · Heft 26 (24.6.1926) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 26 (24.6.1926)
Date
1926-06-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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©eite 5a Sir. 26 Vriks S«§ KLSkM. $ra!au, 15. Sum. Unter den 104 Ratmännern — sie werden in der nächsten Plenarsitzung auch den Präsidenten des Krakauer Gemeinderates zu wählen haben — befinden sich 23 Juden. Die meisten von ihnen stehen dem Judentum vollkommen fern. Das Mandat des Herrn Mosche S ch m e l k e s wurde annulliert, weil er sich zur Zeit der Wahlen im Auslande befand. Es sind aber Bestrebungen im Gange, ihn wieder in seine Rechte und sein Amt einzusetzen. Die Aguda zeigt hier starkes Leben und sammelt die Orthodoxie zur kräftigen positiven und Abwehrarbeit. An Hand der großen Jeschiwa „Beth Meir" konnte nun durch die Munifizenz des Rabbi Mejer R a p p a port eine große Bibliothek eröffnet werden. ttarnSnUn. Die jüdische Virilstimme im rumänischen Senat. B u k a r e st, 17. Juni. Der heutige Ministerrat beschäftigte sich mit der Frage der Vertretung der verschiedenen Religionsgemeinschaften im Senat und beschloß, bezüglich der Kacholiken beim Papst anzufragen, als Vertreter der Muselmanen denjenigen zum Senator zu ernennen, den der Muselmanische Kongreß bezeichnen wird und als jüdischen Senator denjenigen anzusehen, den der Kongreß der jüdischen Kultusgemeinden namhaft machen wird.?vt Ufas mmiM smanpmw MM Zwangssonnlagsruhe. Kowno, 9. Juni. Zum litauischen Staatspräsidenten wurde der bekannte Demokrat Dr. Grinius mit 64 von 84 abgegebenen Stimmen gewählt. Die Abgeordneten der nationalen Minderheiten, darunter die jüdischen, stimmten geschlossen für Dr. Grinius. Am 8. Juni abends empfing der neue Staatspräsident die Vertreter der Presse. Bei dieser Gelegenheit erklärte er, daß die Forderungen der nationalen Minderheiten in Litauen befriedigt werden würden, unter ihnen auch die gerechten jüdischen Forderungen. Das Sonntagsruhegesetz müsse so abgeändert werden, daß die wirtschaftlichen und religiösen Interessen der Juden nicht leiden. (ITA.) Eröffnung des ersten jüdischen Kulturrats in Estland. Reval, 7. Juni. Gestern trat hier der auf Grund des Gesetzes über die jüdische Autonomie in Estland gewählte erste jüdische Kulturrat zu einer Session zusammen. Neben den 27 Mitgliedern des Kulturrats fanden sich Vertreter der jüdischen Organisationen, der nationalen Minderheiten, der Außenminister Estlands und andere Negierungsmitglieder ein. Herr Dr. Klampus eröffnete die Session mit einer Ansprache, in der er der Regierung Estlands den Dank für die Autonomie aussprach. Außenminister Pros. Pip begrüßte den Kulturrat im Namen der Regierung, dann sprachen die Vertreter der nationalen Minderheiten und de jüdischen Organisationen. In der Abendsitzung wurde beschlossen. die ertoorfeenen autonomen wtftvmg von Mischer Erziehung unv Kultur auszunutzen. Zu Präsidenten wurde Advokat Gurewitsch, zum Vizepräsidenten der Vorsitzende des Bjalik-Vereins Ragowsky gewählt. Sehrveiz. Für die jüdischen Flüchtlinge in Deutschland. Basel, 14. Juni. Gegenwärtig weilen in der Schweiz der Präsident des Verbandes der russischen Juden in Deutschland, Herr Staatsrat Dr. Jacob Teitel und der Leiter des juristischen Büros, Herr Dr. Goldenweiser. Herr Dr. Teitel wird beim Internationalen Arbeitsamt in Genf zu Gunsten der in Deutschland weilenden jüdischen Emigranten aus Rußland intervenieren. In Basel hatte Herr Dr. Teitel eine Zusammenkunft mit dem Vorsitzenden des Jüdischen Gemeindeverbandes und Vorstandsmitglied der Alliance D e r I s r a e l \ i DsrgMk, Herrn gulian mm*. -Serr Dr.. leite! wurds ötNgKladött, während einer Sitzung des Äemeindeverbcmdes über die Lage der jüdischen Emigranten zu referieren. Obwohl die Schweizer Judenschaft für mehrere jüdische Flüchtlinge aus dem Osten bereits zu sorgen hat, wurde Herrn Dr. Teitel versprochen, daß alles getan werden wird, um die Rot der 20 000 jüdischen Emigranten in Deutschland lindern zu Helsen. Die Abordnung des Waad leumi in Genf. Berlin, 18. Juni. Ein Telegramm aus Genf besagt: Die Delegation des Waad leumi erhielt auf ihr Ansuchen, von der Mandatskommission gehört zu werden, einen offiziellen abschlägigen Bescheid. Der Brief der Mandatskommission ist ganz kurz und sachlich gehalten, es heißt darin, daß die Mandatskommission dem Wunsche der Delegation, angehört zu werden, nicht entsprechen kann. Die Delegation hat mit einem solchen Bescheid gerechnet, da er der bisherigen Praxis entspricht. Einwanderung von Juden nach Frankreich. Paris, 10. Juni. Die Hauptdirektion der Jewish Colonisation Association (JCA) teilt mit: Das jüdische Komitee für Emigrantenschutz in Paris wurde oft gebeten, zu Gunsten solcher jüdischer Emigranten zu intervenieren, die mit Durchreise-Visen nach Frankreich kamen, jetzt aber hier dauernd verbleiben wollen. Das Komitee warnt alle jene jüdischen Emigranten, die zu ständigem Aufenthalt nach Frankreich kornrnsn rvollen. DQBO?, MS GiifillSifS aus oon lurg|r{|ilgen ober Durchreise-Visen zu vollziehen. Der Einwanderer muß sich vorher ein Visum verschaffen, das auf ein Jahr oder auf unbegrenzte Zeit lautet. Solche Vifen werden durch die französischen Konsulate im Ausland jenen Emigranten gegeben, die vom französischen Arbeitsministerium vidierte Arbeitsverträge besitzen. Solche Visen erhalten auch Frauen und Kinder, die zu ihren Gatten bzw. Eltern kommen, ebenso Studenten, denen aber das Recht nicht zusteht, sich einem Berufe zu widmen. Die französische Behörde geht sehr strenge gegen Personen vor, die diese Vorschriften übertreten. Ausländer, die nach Frankreich mit Durchreise-Visum kommen, dann hier verbleiben wollen, werden durch die Polizei an die Grenze gebracht. Das Komitee hält es für feine Pflicht, mitzuteilen, daß es auf keinen Fall in der Lage ist, jenen Emigranten zu helfen, die auf Legale Weife in Frankreich wohnen. Jede Uebertretung oer Einreise- und Wohnvorschriften wird mit Geldstrafe, Gefängnis und Landesverweisung geahndet. Rabbinerkonferenz in Frankreich. Paris, 15. Juni. Heute begann in Paris die Jahreskonferenz des französischen Rabbinerverbandes. Die zu behandelnden Hauptprogrammpunkte sind: 1. Die Stellung des Rabbineroerbandes und der jüdischen Gemeinden in Frankreich zu der Lage und den Problemen der Juden im Auslande. 2. Hochzeitszeremoniell. 3. Wiederkehr jüdischer Renegaten zum Judentum. Am Abend fand ein Bankett zu Ehren des Oberrabbiners von Frankreich, Israel Levi, der seinen 70. Geburtstag begeht, statt. GememvewaWn. Antwerpen, 14. Juni. Sonntag, den 13. Juni nnn /rm 'a fanden hier in der Kehilla „Machfike Hadaß" Gemeindewahlen statt. Es handelte sich um die Wahl von sieben neuen Vorstandsmitgliedern. Der Wahlkamps ging darum, ob die Machfike Hadaß in der Zukunft w-ie bisher tätig sein ollte, d. h., nur die jüdisch-religiösen und kulturellen Interessen zu fördern hätte und sich politisch neutral verhalten solltej oder eine allgemein weltliche Gemeinde werde, um so späterhin ins politische Leben hineingezerrt zu werden. Zwei Wahllisten standen sich gegenüber: 1. die der vereinigten Orthodoxie, die den ersten Standpunkt vertrat, 2. die der Oppsition, welche den zweiten Standpunkt verteidigte. Die Wahlkampagne war von beiden Seiten stark organisiert und wurde von beiden Parteien den Wählern anempfohlen,„en bloc" für die eine oder andere Liste zu wählen. Von zirka 729 Mit- __ 24: Juni 1926 ßfiS&SPH ill* Hallos ieielftgi-ert jic^ ftii? 600 Wähler an der Wahl. Die orthodoxe Liste siegte mit einer überwältigenden Mehrheit. Die gültigen Wahlzettel ergaben folgende Resultate: Für die Kandidaten der vereinigten Orthodoxie 389 bis 450 Stimmen, für die Kandidaten der Opposition 150 bis 175 Stimmen. Die Stimmzettel, worauf „ en bloc" gestimmt wurde, ergaben für die Liste der Orthodoxie mehr als 350, für die Liste der Opposition zirka 150. Serajevo, 13. Juni. Am 1. Tämus fand in Serajevo die Grundsteinlegung des neuen fephardifchen Tempels statt. An dem Fest beteiligten sich die ganze Stadt ohne Unterschied der Konfession. Die Regierung hatte mittels Sonderzug mehrere Minister aus Belgrad delegiert. Nach einer eindrucksvollen Rede des fephardifchen Oberrabbiners Dr. Loewy und der la'nnv nmi sprachen Justizminister Srskic, darauf Generalfeldmarschall Smilianic (der Sieger im Balkankrieg) im Namen des Königs. Beide Redner betonten in warmen Worten ihre und der Regierung Hochachtung für die Juden als Menschen und Patrioten; dann sprach der Gemeindepräsident Arram Meier Altharaz. Die Feier wurde begleitet von der Regimentskapelle des Serajevoer Armeekorps und einem jüdischen Gesangverein, der verschiedene Kapitel Tehillim vortrug. Anwesend waren alle offiziellen Persönlichkeiten wie Oberrabbiner Dr. Alcalay, Verkehrsminister Jorauovic, Kultusminister Trifunovic, Staatssekretär Dr. Audric, aschkenas. Oberrabbiner Dr. Wessel, das ganze Konfularkorps. Handslskanunsr. nsirschisbsns Nobbonirn. Ml EoiMchkeit, Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden. Die Beteiligung des Publikums war enorm und dürfte 10 000 überschritten haben. Nachmittags feierte die Jugend und abends war offizielles Bankett, an welchem alle Minister und alle Behörden teilnahmen. Der Anlaß bewies aufs neue das herzliche Einvernehmen der verschiedenen Konfessionen und das Bemühen der Regierung, volle, nicht nur papierene, Gleichberechtigung zu gewähren. Faszistischer Antisemitismus in Tunis. Tunis, 10. Juni. Im Gegensatz zu den freundschaftlichen Erklärungen, die Mussolini während seines jüngsten Aufenthaltes in Tripolis gegenüber der dortigen jüdischen Bevölkerung gegeben hat, führt die faszistische Presse einen scharfen Kampf gegen die Juden von Tunis, die beschuldigt werden, Freimaurer und Antifaszisten zu sein. Diese Kampagne spiegelt sich in der faszistischen Presse von Tunis wieder, von der besonders die Tageszeitung „Unione" eine direkte antisemitische Propaganda betreibt. In der Wirklichkeit verhalten sich die Juden von Tunis gegenüber der faszistifchen Propaganda neutral. Zum Protest gegen die Judenhetze haben neun jüdische Mitglieder der italienischen Handelskammer von Tunis, unter ihnen der Präsident, der diese Stellung seit 15 Jahren innehat, sowie sechs nichtjüdische Mitglieder diese Mitgliedschaft niedergelegt. In einer Erklärung heißt es, alle italienischen Juden in Tunis seien loyale italienische Bürger und haben sich im Kriege tapfer für Italien geschlagen. Viele tunesische Juden erlitten den Heldentod oder schwere Verwundungen, viele andere erhielten Tapferkeitsauszeichnungen. Der neue Präsident der italienischen Handels- Sammer, Stgrtor (Satoatoxre GTarlo, unb bezr 5präjlöerit <3?meinüe von Lunis mannten sich an Ne Negierung in Rom und ersuchten diese, ihre Aufmerksamkeit der in Tunis betriebenen antijüdischen Hetze zuzuwenden. (ITA.) Brief aus Palästina. Jerusalem, 1. Juni. Die letzte Sitzung des „Waad haleumi" fand in dev Aula des Gymnasiums zu Tel-Awiw statt, wobei sich die Genfer Delegation verabschiedete. Es wurden Reden gehalten vom Vorsitzenden Dr. Thon, sowie vom Chachanv Usiel und den anderen Mitgliedern der Delegation. Auf der Tagesordnung der Verhandlung stand „Abhilfe gegen die Arbeitslosigkeit", über die Herr Sprinzak referierte. Der Waad Haleumi, der mit der Entsendung der Delegation nach Genf ein reiches Kapitel der Außenpolitik abschließe, möchte sich nun mit größerer Intensität:

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