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Der Israelit · 1926-06-24 · Heft 26 (24.6.1926) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 26 (24.6.1926)
Date
1926-06-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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0hL 28 & AI Mi IM Sammlung glaubt, daß der Sinn des I. F. V. durch die Gründung möglichst vieler Ortsgruppen erfüllt wird. Die Ortsgruppen haben insbesondere die Ausgaben, die religiösen, erzieherischen und kulturellen Aufgaben für die Familie, und für das öffentliche Leben zu verwirklichen. Am Nachmittag fand ein Vortrag von Frau Dr. Rothenberger -Gießen über „Die Hygiene der Juden" statt. Es schloß sich eine Besichtigung der Ausstellung besonders der Jüdischen Abteilung an, die bei allen Teilnehmern viel Beifall erregte. Aufgaben des gesetzestreuen Judentums. (Schlußbericht zur Freiburger Tagung.) Karlsruhe, 13. Juni. Es mag hin und wieder scheinen, als nehme die Erörterung von Angelegenheiten des südwestlichen, des badischen Judentums einen verhältnismäßig großen Raum ein in einer Zeitung, die für ganz Deutschland bestimmt ist. Aber wir glauben, es ist nur der Name des Landes, der den einen oder anderen stört. Laßt „Baden" weg, und es wird sich gleich zeigen, daß eine Reihe von Aufgaben und Problemen, die auch die Redner der öffentlichen Kundgebung in Freiburg behandelt haben, sich — leider —nicht auf gelb-rote Grenzpfähle beschränken lassen. Oder gilt es nur für Baden, daß altehrwürdige Rabbinate nur mit größter Schwierigkeit erhalten werden können? Galt es nur für Baden, daß — wie Herr Konf. Rabb. Dr. Unna -Mannheim in seinem Referat vor aller Öffentlichkeit ausführte — in der Zentralbehörde einst nur repräsentative Stellung und nicht jüdisches Wissen und jüdische Lebensführung den Ausschlag für die Äirtgüedfkhafl af>gal>? @tfi es nur für üßaiven, daß Religionsunterricht in Städten von Lehrern erteilt wird, die den Sabbat entweihen? Und ist überall sonst in Deutschland die jüdische Gemeinde dem Rabbinat angeschlossen, das ihren Anschauungen entspricht? Mit erfrischender Deutlichkeit hat Rabbiner Dr. Unna darauf hingewiesen, daß in Baden die Freiheit der Gemeinden in bezug auf Rabbinatszugehörigkeit noch nicht gesichert ist. Wenn wir erwähnen, daß die nv'nv-Verhältnisse da und dort viel zu wünschen übrig lassen, wenn wir darauf Hinweisen, daß — teilweise infolge der Kombination nv'nv und Religionsunterricht — dieser letztere in den kleinen Filialgemeinden vielfach ganz unzulänglich ist, wenn wir es sagen, daß Dinge wie die Einführung des Klassenbuchs im Religionsunterricht und das Prüfungswesen trotz jahrelanger Hinweise noch nicht vom Oberrat den Notwendigkeiten entsprechend geregelt sind, wenn wir an die verfallenden nxip», die „poßlen" Thorarollen, die. sterbenden Minjonim, die längst verschwundenen Schiurim, die, nicht mehr gebrauchten Seforim, an all das und noch vieles andere, tausend Mal gesagte, denken, dann ist Dr. Unnas Mahnung nur zu berechtigt, dem „Verein zur Wahrung" in Baden eine starke Gefolgschaft zu sichern, die ihn materiell > und ideell befähigt, seine Ziele zu erreichen. Es war nach den prinzipiellen, bedeutungsvollen Ausführungen des Herrn Rabbiners recht interessant, aus dem Munde des erfahrenen Syn. Abg. R. A. K a s s e w i tz -Freiburg viele Einzelheiten über die praktische Arbeit unserer Vertreter in der Synode zu vernehmen. Und wenn im Verlauf Der Tagung manche Wunsche IN negug aus llnlcmchisrvesen auf dem Lande geäußert wurden, so dürste N. A. Kassewitz mit Recht darauf Hinweisen, daß die Vorbedingung für eine' freudige Tätigkeit der Lehrer, ihre materielle Sicherung und ihre berechtigten Gehaltsbestrebungen gerade von ihm und der gesetzestreuen Gruppe der Synode immer mit hohem Ernst behandelt, erstrebt und schließlich auch in verhältnismäßig befriedigender Weise durchgesetzt worden sei. Auch diese Angelegenheit und ihre würdige Regelung wird man wohl mit Recht im Zusammenhang mit anderen Lehrerfragen als eine wichtige Aufgabe gesetzestreuer Organisationen und aller Verbände Deutschland bezeichnen dürfen. Die öffentliche Kundgebung in Freiburg, in der wir fast alle Rabbiner und viele Lehrer Badens sowie viele Gemeindevorsteher und Synagogenräte der umliegenden Landgemeinden sahen, erhielt ihren würdigen Abschluß durch die Ausführungen, die Herr Dr. S. L e v i -Mannheim über das Thema: „Der Einzelne und die Gesamtheit" machte. Wir möchten wünschen, daß seine Worte auch in weiteren Kreisen gelesen werden könnten. Groß seien die religiösen und ethischen Gefahren, so sagte er, die dem drohen, der für eine und in einer Gesamtheit, einem i>io kämpft. Die politischen Methoden, die wir leider allzu gut anderen abgelauscht haben, verderben den Charppr ^»rae r i * f räkter, nwvbia 'urtb yin parV gefährden unsere §ache, und der Führerstolz, der die Lenker großer Massen befälltbedroht die Uneigennützigkeit unseres Handelns, macht die Sache des Ws zu einer des '»»-112W. Trotz dieser Gefahren ruft uns die Arbeit für die Gesamtheit. Denn die drei Säulen unserer jüdischen Welt citm mWm, nmy» min würden wanken, wenn sie nicht durch ein Vnp, eine ins eine nis gestützt würden, niiv kann auch zwar i’n-a gelernt werden, aber die Regel soll es nicht sein, ja darf es nicht sein, wenn man die Möglichkeit hat, mit anderen zu lernen n-o bv a.i'rup bv 2"in 122 12 orarpp (Brochaus 63a). Dagegen ist die schönste Aufmunterung zugerufen denen, die „zu zehnt sitzen und lernen": vn'2'2 nros?* Wir müssen für Wo und in Wo schaffen, wenn es zum Guten ist. Dürfen wir überzeugt sein von der Lebensmöglichkeit des Wo, der '’o»? Ja, die b"tn sagen es: sie muß bestehen, wenn sie v'vv avb gegründet ist. Meinen wir es alle so wird die Zeit nicht fern sein, in der wir die höchste Einheit bilden werden, die uns verheißen: Wir werden sein ein n-om naVn». Wir nehmen von Freiburg, wo unsere dortigen Freunde uns gastlich ausgenommen haben und uns auch technisch die Arbeit leicht gemacht haben, eine große Freude mit: das Bewußtsein, wieder einmal — im Sinne der Worte Dr. Levis — als Einzelne vereint gewesen zu sein mit der Gesamtheit. Gleichviel ob in der Generalversammlung 50, in der öffentlichen Versammlung 200 waren, immer ging das Empfinden der Gemeinsamkeit, in Fühlen und Wollen, in Pflichten, Ausgaben und wartenden Arbeiten durch uns. Die letzten Jahre, MögsjaW uns NaOkriWjahrö. Ullm auch In unseren Kreisen die Zusammenarbeit gelockert. Manches Uli barunter. Vielleicht wurde Wichtiges versäumt. Die Fülle der dringlichen Aufgaben bindet uns in dem Augenblick, da wir die Stätte gemeinsamen Beratens verlassen, um ans Werk zu gehen. Wenn wir uns r\"\ wieder zusammenfinden nach neu abgelaufener Arbeitsperiode, möge die Fülle der Freude über Errichtetes und Geschaffenes groß fein: im Einzelnen, im „Verein zur Wahrung der Interessen des gesetzestreuen Judentums in Baden", in der Gesamtheit. Die Breslauer Polizei gegen die völkische Ritualmordhehe. Breslau, 14. Juni. Die völkische „Schlesische Volksstimme" war es, die im Zusammenhang mit dem bestialischen Mord an den beiden Kindern der Witwe Fehse die Legende von einem jüdischen Ritualmord in Umlauf brachte und die Bevölkerung aufforderte, die Urheber des Mordes bei den Juden zu suchen. Die Zeitungen verzeichnen mit Genugtuung, daß das sofortige Dementi der Breslauer Polizei dem Ritualmordgerücht jede Grundlage nimmt, und sprechen die Erwartung aus, daß gegen das völkische Hetzblatt strafrechtlich vyrgegangen werden wird. Schächtvprbot in Bayern? München, 23. Juni. (Telegr.) Der Verfassungsausschuß des Landtags nahm einen Antrag auf Einführung, des Betäubungszwangs für ad^ttiere an. Die SOle^r^eti bejianb aus den SRecfps- Parteien, Den Sozialdemokraten und einigen Mitgliedern der Bayrischen Volkspartei. Ein Wendepunkt? Warschau, 8. Juni. Aus vertrauenswürdiger Quelle wird mitgeteilt, daß der Ministerpräsident Prof. Bartel, der nach seiner formellen Demission vom Staatspräsidenten Moscicki neuerdings mit der Bildung der Regierung betraut worden ist, ein Regierungsprogramm ausgearbeitet hat, in welchem die Forderungen der nationalen Minderheiten in einer Weife berücksichtigt werden, daß man von einem Wendepunkt in der Politik Polens mit Bezug auf die Minderheiten sprechen könne. Ukrainer und Weißrussen sollen „territoriale Autonomie" erhalten, d. h. Selbstverwaltung in jenen Gebieten, in denen sie in kompakten Massen wohnen. Die Juden sollen vollkommene bürgerliche Gleichberechtigung erhalten; alle noch aus den Zarenzeiten in Geltung gebliebenen antijüdischen Beschränkungen sollen abgeschafft werden. Auch sollen die Angelegenheiten des jüdischen Schulwesens in Polen und die Frage der jüdischen Gemeinden in den östlichen Randgebieten und in Galizien in mm dsn Juden günstigen Sinne ihre Erledigung finden. Zum Unter st aatssekretär der Finanzen bei der polnischen Regierung wurde Dr. Flaum, ein junger jüdischer Finanzmann, ernannt. Dr. Flaum ist nicht Mitglied des Parlaments und hat bis jetzt auch keinerlei Beziehungen zum Klub der jüdischen Deputierten und Senatoren unterhalten, wie er überhaupt bis jetzt dem politischen Leben fernstand. Die Aguda und die hebräische Sprache. Warschau, 17. Juni. Auf einer jüngsthin abgehaltenen außerordentlichen Sitzung des Warschauer Kehillorates kam es zu einer prinzipiellen Auseinandersetzung über die Verhandlungssprache in der Gemeindeverwaltung. Die Mehrheit der Kommilsion zur Ausarbeitung des Regulativs (Aguda, Zionisten und Misrachi), ist für die Gleichstellung von Jiddisch und Hebräisch bei den Verhandlungen, was der Referent der Kommission, Herr Dr. G o t t l i e b , auch betonte. Es meldeten sich sofort Vertreter des Bundes, der Poale Zion und P r i l u tz k i für die Volkisten, die alle besonders gegen die hebräische Sprache Sturm liefen. Sie erhielten aber die gebührende Antwort von den Gemeinderäten I. M. L e w i n und A. S. F r i e d m a n n. Herr I. M. L e w i n sagte u. a.: „Wenn die anderen mit Prinzipien kommen, für die sie einen Kampf auf Leben und Tod ankündigen, so halten wir an einem Prinzip fest: Die Kehilloh hat für uns einen religiösen Charakter, Thora und Emuna sind die Quintejjenj des jübtjdjen nationalen Gebens. SBas die Frage Jiddisch oder Hebräisch betrifft, so unterliegt cs keinem Zweifel, daß uns die jiddische- Sprache, in der Millionen reden, lieb und teuer ist. Aber wir machen keinen Kult aus der Sprache, auch nicht aus der hebräischen. Weder die jiddische noch hebräische Sprache kann die Eigenart des jüdischen Volkes erhalten, wenn man diesen Schalen den Inhalt nimmt. Assimilation kann sowohl in jiddischer wie in hebräischer Sprache getrieben werden. In der Kehilloh muß die hebräische Sprache das gleiche Recht wie die jiddische genießen. Die Poale Zion. sind im Schoße der Zonisten entstanden. Man hatte sie allezeit bloß nsit Sprache, Land und abstraktem Nationalismus abgespeist, so kommt es, daß sie heute mit glühendem Haß auch gegen die heilige Sprache auftreten. Der Vertreter der Poale Zion hatte begeisterte Worte für Sowjet- Rußland, das ein Dorado für die Juden sei. Wir wissen aber, daß seit der spanischen Inquisition in keinem Land die jüdische Religion mehr verfolgt wurde als heute in Rußland. Durch die russische Erziehung zum Jiddischismus wird die Zukunft des Volkes nicht gesichert. Zurück zur Quelle, wo Hebräisch und Jiddisch zusammenlaufen, zur Thora, dann ist die Sprachenfrage gelöst." (Großer Beifall.) In ähnlicher Weise sprach sich Gemeinderat A. S. Friedmann aus: „Wir arbeiten für die Erhaltung der hebräischen Sprache in unseren Schulen, aber so, daß sie nicht eine bloße Form bleibt. Jiddisch ist uns aber als ein Schutzmittel gegen die Assimilation ebenfalls teuer. Der Kampf gegen Hebräisch kann nur als der alte Kulturkampf des Amhaaraztum gegen die ist der Haß gegen die Sprache der Thora und gegen diese selbst." Nach weiteren lebhaften Auseinandersetzungen wird das Regulativ bis auf einige Punkte, die noch einmal der Kommission überwiesen werden, mit großer Stimmenmehrheit angenommen. Brief aus Lodz. Lodz, 13. Juni. Als ein Erfolg der Agudavertretung in der Kehillah darf gebucht werden, daß mit großer Stimmenmehrheit der Beschluß gefaßt worden ist, Institutionen, deren religiöser Charakter nicht über allen Zweifel erhaben ist, von Gemeindewegen nicht zu subventionieren. Infolge von Unstimmigkeiten konnten bis jetzt die zwei hier bestehenden Vereine zum Schutze des Sabbat nicht zusammen arbeiten. In Agudakreisen sind nun ernste Bemühungen im Gange, die Zusammenarbeit wieder herzustellen. In Geiers Rajon ist eine neue Beth Jakow-Schule eröffnet worden, die vortrefflich arbeitet. Es gab viele Schwierigkeiten zu überwinden, aber die Aufgabe, die der Schule gerade in diesem Viertel harrt, rechtfertigt die Arbeit vollauf.

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