Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 26 (24.6.1926)
- Date
- 1926-06-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Serie 4 Nr. 26 Der 8 » r a e I it kiä Al-t Mättkhäit tttckß er sich von Kern künden lassen, der es wissen kann. So kennt auch Gott allein unser wahres Wesen und klärt uns über uns selbst auf, damit wir dann aus freier Entschließung das unserem Wesen Gemäße üben und betätigen können. Die religiöse Betrachtung allein kann uns die Grundtatsachen des sittlichen Bewußtseins erklären. Auch die Leugner müssen zum Weltgrunde ihre Zuflucht nehmen, um das Siitengefetz als unbedingte Vorschrift für ein allgemeines Geschehen zu begreifen. Die sittlichen Werturteile erklären sich durch die vorherbestimmte unzertrennliche Beziehung des sittlich Guten oder Schlechten zum unbedingt notwendigen Endziele; das sittlich Gute ist der unumgänglich notwendige Weg, das sittlich Schlechte das einzige Hindernis zur Verwirklichung des obersten Endzweckes und zur Erreichung des höchsten Endzieles.' Der gleiche Zusammenhang läßt uns den eigenartigen Charakter des Sittengesetzes oder Pflichtgebotes begreifen. Er tritt unserem Willen mit einem unbedingten und unerbittlichen: Du sollst! entgegen. Das Sollen drückt, wie Kant bemerkt, eine Art von Notwendigkeit und Verknüpfung mit Gründen aus, die in der ganzen Welt sonst nicht vorkommt. Es ist die Gebundenheit in der Freiheit und die Freiheit m der Gebundenheit. Zm Gegensatz zum Naturgesetze verursacht das Sittengesetz keine Zwangshandlungen, sondern es ist ein Freiheitsgesetz; es bindet den Willen, ohne ihm Gewalt anzutun. Es wendet sich an ihn durch verttüttsitgö fevUmMa 6^v dmH Zü^ckvörstelltitigen, die ihn bewegen, aber nicht unbedingt fortreißen. Die Wirkung des Sittengesetzes ist die Verpflichtung. Diese ist weder ein blinder Naturtrieb, noch ein eingebildetes Nötigungsgefühl, sondern eine sittliche Gebundenheit d. i. die erkannte Notwendigkeit, dem Sittengesetz unter allen Umständen zu gehorchen. Der Ankündigung desselben folgt die sofortige Erkenntnis, daß man verpflichtet fei, sich ihm ohne Widerrede zu unterwerfen. Man mag es verletzen, verachten, verspotten oder gar verneinen, es weicht nicht vom Platze. Man kann sich von der Pflicht lossagen, aber nicht losmachen. Wie ist sie zu begründen? Der Einsicht, daß eine Handlung oder Unterlassung als Mittel zur Erreichung eines entbehrlichen Zweckes oder eines endlichen Gutes, z. V. des Wohlstandes, der Gesundheit, einer Stellung und dergl. erforderlich sei, folgt nicht ein unerbittliches Sollen. Denn der Zweck und das Gut sind nicht unbedingt notwendig und daher kann auch das Mittel nicht notwendiger fein, als wofür es dienen soll. Die Verpflichtung als u n b e d i n g t geforderte und zu leistende Handlung, bleibt unverstanden, solange sie nicht vor dem Auge unseres Geistes in eine notwendige und unlösbare (Joliumenle der znarunde gegangenen Ghinesifch- Jüdischen Kolonie Kai-Kung-Aoo.) In der Ausstellung der New-Vorker Volksbibliothek sind jetzt zum ersten Male Dokumente der verloren gegangenen WDtfajen Slemuna tu (IDina, KlU-MiWMo. MMltch zu sehen. Die Kollektion, die Eigentum der vereinigten jüdischen Hochschulen in Cincinnati ist, enthält Gebetbücher, Thora-Rollen, Manuskripte und Grabsteine aus Kai-Fung-Foo. dieser schon sagenhaft gewordenen jüdisch-chinesischen Siedlung, die etwa 950 v. Ehr. entstanden sein soll. lieber den Ursprung dieser Siedlung weiß man nichts Genaues, allein aus dem Umstand, daß in den Schriften der Kai-Fung-Foo-Juden Elemente des Altperstschen vorhanden sind, schließt man, daß diese Juden über Persien und Turkestan nach China gekommen waren. Alte chinesische Schriften aus der vorchristlichen Zeit nehmen Bezug aus diese jüdische Siedlung. Die Dokumente der Kolonie wurden von der Londoner Gesellschaft für Verbreitung des Christentums unter den Juden aus China gebracht. Im Jahre 18:0 fanden Mitglieder der Missionsgesellschaft in der Synagoge von Kai-Fung-Foo zwölf Thorarollen und 63 Manuskripte, die jetzt Eigentum des Hebrew Union College sind. Das College erwarb auch die Holzlade, in der die Thorarollen in Kai-Fung-Foo ausbewahrt wurden. Gegenwärtig bestehen von dieser jüdischen Siedlung nichts mehr als einige Grabsteine. ÄeArehung tritt gu einem Zwecke, ßer um j e b e « P r eis zu erstreben ist, oder zu einem Gute, das über alles zu lieben ist. Die göttliche Offenbarung allein zeigt uns jenen Zweck und dieses Gut, dem Gott zugetan ist/dem daher auch jeder geschaffene Wille zustreben soll. Die Unbedingtheit der Pflicht beruht darauf, daß Gott der oberste Weltzweck auch als der oberste Zweck und Wertmesser alles freien menschlichen Handelns zu gelten hat. Durch das Pflichtgebot wird unser Wille vor die Wahl gestellt, entweder durch dessen Beobachtung mit dem unbedingt erstrebenswerten Endzweck und Ziel, und dem höchsten Wesen und Gute in Einklang zu bleiben, oder im Falle des Zuwiderhandelns sich mit ihm zu entzweien. Die Erkenntnis dieser unvermeidlichen Lage ist das Pflichtbewußtsein und die Empfindung derselben das Pflichtgefühl. Unsere Vernunft sagt uns, da es Gott gefiel, uns als freipersönliche Wesen zu wollen, konnte er es nicht unterlassen, uns seinen zwecksetzenden Willen zum Lebensgesetz zu geben. Daher hat er uns einen Endzweck gesetzt, der dem Adel unserer Natur entspricht. Die Verherrlichung seiner selbst: awn izmp. Desgleichen hat er uns ein Endziel bestimmt, das wiederum der Würde unseres Geistes angemessen ist: die Verähnlichung und Vereinigung mit sich selbst: :atos /rimjm . Seinen bevorzugten Ebenbildern hat er daher ein Glückseligkeitsstreben gegeben, dem sie folgen müssen, ein Freiheitsgesetz, dem sie gehorchen sollen, auf daß sie durch den Besitz des höchsten Gutes 'Tasma.rviTn1?, Gott zu schauen, sein 86efen gu erkennen, allseitig vollend et mtb beglückt werden, um auf diese Weise die größtmögliche Tauglichkeit für die Verherrlichung des Weltschöpfers zu gewinnen. Weiterhin stellt uns das folgerichtige Denken vor, wer das Sittengesetz Übertritt, frevelt gegen den obersten Weltzweck alles Geschaffenen, empört sich gegen den göttlichen Weltordner, verfehlt also sein Endziel, verscherzt sein höchstes Gut. Wir streben jedoch durch unser sittlich gutes Wollen und Wirken nach Gott nicht als dem Mittel, sondern dem Grund und Begriff der Glückseligkeit. Die Anschauung Gottes nnnb HDsmn oder die Vereinigung mit tym nn nipm, durch die wir allseitig vollendet und vollkommen leglückt und so zu seiner Verherrlichung möglichst befähigt werden vVN «n,ist unser eigentiches Endziel. Daß unser Streben nach der Glückeligkeit sittlich gut und pflichtgemäß ist, hat also einen letzten Grund darin, daß sie mit dem höchsten Endzweck, mit Gott, selbst, innerlich verknüpft ist. (Schluß folgt.) . Korrespondenzen ßacbriebten. Die Rilualmordhehe geht weiter. Berlin, 18. Juni. Ungeachtet der amtlichen Erklärung des Breslauer Polizeipräsidenten Kleiböhmer, daß zwischen dem bestialischen Mord an den Kindern der Witwe Fehse und dem Selbstmord des offenbar geistesverwirrten jüdischen Arbeiters Haase keinerlei Zusammenhang besteht, weil alle zeitlichen und räumlichen Umstände gegen einen solchen Zusammenhang sprechen, wird von der völkischen Hetzpresse immer wieder den Lesern suggeriert, daß Haase in jüdischem Aufträge und zu rituellen Zwecken den Mord' verübte und dann freiwillig oder unfreiwillig in den Tod ging. Das Blatt des wegen Anstiftung zum Fememord in Untersuchung stehenden Landtagsabgeordneten Mulle, das Berliner „Deutsche Tageblatt", wirft der Breslauer Kriminalpolizei vor, daß sie bisher wenig zur Klärung der Angelegenheit getan hat und daß „die mysteriöse Persönlichkeit des jüdischen Hausdieners Haafe und sein gewaltsamer Tod in Dunkel gehüllt bleiben." Haase, setzt das antisemitische Blatt fort, war streng orthodox und zeigte Spuren krankhaft.überspannter 24. Juni 1926 zromstisH-reügioser Hrrtslerottg- Zeitung^ stellt sfstz, daß die Bevölkerung Breslaus sehr erregt, sei. darüber,, daß es der Polizeipräsident Kleiböhmer ablehnt, sich näher: mit dem Fall Haase zu befassen, und schreibt: „Es macht doch einen mehr als merkwürdigen Eindruck, wenn die- Polizei in einer solchen Mordsache eine beinahe passive: Haltung einnimmt, wenn ein jüdischer Schlächterssohn verdächtigt wird. Auffallend ist vor allem der plötzliche Selbstmord Haases. Hat er sich wirklich selber entleiht, oder ist'er auch gewaltsam üms Leben gekommen, damit: ihm der Mund auf ewig verschlossen seiend (wie es im, Talmud heißt) durch Entdeckung der Tat „dem - jüdischen. Namen keine Unehre geschieht". Bei allen Verbrechen, bei denen der begründete Verdacht eines Ritualmordes vorlag (Könitz, Tanten, Sturz,. Tisza-Esler) ist der Täter nie entdeckt worden, weil die: Polizei immer „Hemmungen" verspürte, wenn sich der Verdacht gegen die Juden verdichtete. Soll es nun auch, in Breslau so gehen?" Demgegenüber fährt die demokratische Presse fort, eine strenge Untersuchung gegen. die Urheber und Verbreiter der Ritualmordlegende zu forderndamit sie der gerechten. Strafe zugeführt werden können. Noch sind die Hersteller und Verbreiter jenes geheim mit einer Handpresse gedruckten Flugblattes nicht festgestellt, das den Titeltrug: „Der Kindesmord ein Ritualmord". Zunächst hat: ein kleines völkisches Wochenblättchen, die „Schlesische- Volksstimme", diese vollkommen sinnlose Flugblatt abgedruckt. Dann aber hat sich, die größte rechtsstehende Tageszeitung Schlesiens, die „Schlesische Zeitung", dazu: hergegeben, den Inhalt, des Flugblatts ihren Lesern bekannt zu geben und daran eine Mahnung an die Polizei, zu irtupfert, her <Sad)<? N«chgUg?h?N. Die zehnte Delegiertentagung des Indischen Frauenbundes Düsseldorf. Düsseldorf., 10. Juni. Die 10. Delegiertentagung des Jüdischen Frauenbundes Berlin fand anläßlich der großen Ausstellung, innerhalb der Düsseldorfer Frauenwöche im Anschluß an die Tagung der Zentralwohlfahrsstelle Berlin vom 8. bis 10. Juni statt. Eine stattliche Anzahl von Teilnehmern hatte sich aus. ganz Deutschland eingefunden, um dieser Tagung beizuwohnen. An der Veranstaltung des Vortragsabendsvon Herrn Rabbiner Dr. B a e ck über „den geistigen Gehalt in der Wohlfahrtspflege" (am 6. Juni) hatte sich der I. F. B. beteiligt; seine eigentliche Tagung wurde durch einen Begrüßungsabend in den Räumen der.Gesellschaft „Verein" eröffnet. Unter den zahlreichen auswärtigen: und hiesigen Gästen befanden sich Vertreter der Stadt, des Stadtverbandes und der Gemeinde, des Rabbiner- und Jugendverbandes und des Bundes deutscher Frauenvereine, die die Wünsche ihrer Organisation für die Tagung überbrachten. Frau Beigeordnete Dr. T o r - h o r st begrüßte die Versammlung im Namen des Oberbürgermeisters der Stadt Düsseldorf und sprach in warmen Worten von der sozialen Arbeit der Juden, die bereits von alters her durch ihre Gesetzgebung dieselbe anerkannten. Frau Bergel-Gronemann-Berlin sprach über den Wert der Neutralität für einen Bund, der seine Arbeit den verschiedensten Richtungen zur Verfügung. ietien müßte. Die Arbeitssitzungen, die von der ersten Vorsitzenden des I. F. B., Frau Brenner -Berlin, geleitet wurden, behandelten in großen Zügen in ihren Referaten die Hauptarbeitsberichte der dem Jüdischen Frauenbünde angeschlossenen ^Verbände. Frau Anna L e v y -Stettin berichtete, wie jüdische Frauenvereine schon in alter Zeit bestanden haben, deren Hauptaufgabe immer der Fürsorgearbeit gewidmet waren. Die Arbeit hat sich, den Zeitverhältnissen entsprechend, immer mehr vergrößert und verfeinert und heute sind fast alle Vereine dem jüdischen Frauenbund angegliedert, der wiederum dem Deutschen Frauenbund angeschlossen ist, und Beziehungen zu den jüdischen Frauenverbänden in anderen Ländern - pflegt. Als zweite Rednerin behandelte Frau Levy-Salz- Berlin die Arbeiten des Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina und betonte es als eine Kulturaufgabe, dem neuentstehenden Lande feine Hilfe zu verleihen. Frau Schwarz-Berlin berichtete über'die Arbeit der Schwesternlogen. Frau B i a l -Breslau galrdann ein Referat über die Arbeit in den Ortsgruppen und Verbänden des Jüdischen Frauenbundes. Es wurde eine Resolution beschlossen, in der die notwendige Verbindungaller Einzelorganisationen ausgesprochen wird. . Die Per---