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Der Israelit · 1926-06-24 · Heft 26 (24.6.1926) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 26 (24.6.1926)
Date
1926-06-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Der Israelit Nr. 26 Seite 3 24. Juni 1926____ jüdische Siedlungen im Entstehen begriffen sind, sind damit abgeschnitten. Es wird von großem Interesse sein, festzustellen, wie die Zionisten, die sich als Jewish Agency, d. h. als Sachwalterin der Gesamtjudenheit in Palästina betrachten, hier sich verhalten werden. Hier müssen insbesondere diejenigen liberalen Juden die Augen aufhalten, die dem Keren Hajeßod nahestehen und für ihn eintreten. Wir verfolgen diese Entwicklung mit Spannung und sie wird für die Einstellung des Gesamtliberalismus zu der Frage der Siedlungen in Palästina von ausschlaggebender Bedeutung sein." Die Tatsache, daß sogar ein heute doch stark zionistenfeindliches und palästinagegnerisches Blatt wie der Moniteur des deutschen Reformjudentums ein deutliches Gefühl für die Entscheidungsschwere des großen religiöfenKampfesauf dem Boden des Gotteslandes verrät, dürfte manchem unserer eigenen Gssirrnungsgsnosssn zu denken geben, der den ßer „Ägudäs QiJWiF WAltllkgÜMsation in die politische Arena des heiligen Landes für übertrieben oder gar für eine Beeinträchtigung anderer religiöser ^2-Aufgaben halten möchte. Ritualrnordhetze in Breslau. „Und ist es auch Tollheit, so hat es doch Methode". Nach Tanten und Könitz Breslau, eine Trilogie der Ritualmordhetze, mit der sich die deutschen Antisemiten schon blicken lassen können. Wie tief schätzen doch bereits die Herren von der antisemitischen Fakultät das Kulturniveau der Masse ein, daß sie ihr mit solchen Märchen kommen dürfen, wie sehr müssen doch bereits alle Mittel versagt haben, der „jüdische Dolchstoß", die „Weisen von Zion", die „jüdische IJteDDlutiDir, Dal sie nun m Den llllkslkn ständen ihres Arsenale Mifsn müssen, 3Wn Ritualmordmärchen. Schlesien hat mancherlei in den Nachkriegsjahren erlebt und erlitten, ein großer Teil gutdeutschen Bodens in der Provinz ging an Polen über. Die deutsche Bevölkerung konnte bei dem Kampfe um das Deutschtum das deutsche Kulturplus ausspielen. Die Juden haben in manchen Abstimmungsbezirken den Ausschlag für Deutschland gegeben, weil sie nach ihrer ganzen politischen und kulturellen Einstellung zu den Deutschen zählten. Nun haben die Drahtzieher der deutschvölkischen Hetze den Ehrgeiz, die Antisemiten jenseits der Grenze zu übertrumpfen, mit einer Ritualmordhetze. So weit sind sie drüben in Polen noch nicht. Dort arbeitet man mit Boykott, mit wirtschaftlichen und politischen Pressionen. Auf den Gedanken, mit Vlutmärchen die Instinkte der Massen gegen die Juden zu wecken, ist man noch nicht gekommen. Ließe der Haß den Hetzern klare Ueberlegung, sie würden sich ein bißchen ihres durch das Bethaus und durch das Wohnhaus. Dann steht Israel als ein großes Ganze da und geht sichern Schrittes seiner großen Zukunft entgegen. lUetnes Feuilleton. Talmudisches zum politischen und Weltenleben. Don Rabbiner Dr. Aetir Kanter, Zrvittau (Mähren). Wie die Tagespreise berichtete, überreichte der Bürgermeister von Tripolis, Hosuna Pascha, dem italienischen Ministerpräsidenten Mussolini bei dessen vor kurzer Zeit erfolgten Landung in Tripolis ein herrliches Schreibzeug aus massivem Gold und ein reich geschmücktes arabisches Schwert. Dieses Geschenk, so erklärte Bürgermeister Hasuna Pascha in seiner sehr schwungvollen Ansprache an Mussolini, sei ein Symbol; denn wenige Leute verstehen es, die Feder und zugleich das Schwert zu handhaben. Der Talmud (AbodaZara17b) ist darüber ganz anderer Ansicht. Sein Grundsatz lautet: ' .*ns)t3 x!? 'ü"v 'v"v xV x-wv 'xi Feder und Schwert haben nichts Gemeinsames und geradezu die schroffsten Gegensätze. Der Stratege ist kein Schriftsteller und der Schriftsteller — soll nicht mit dem Säbel rasseln. Wer beides fein will, ist sicherlich keines von beiden (rm'h '»2 xn XD'^? xn 'Xi> Allerdings bemerkt dazu ein Kommentator (xwEnn») unter Berufung auf den Aruch, daß Feder und Schwert sich zuweilen doch vereinigen — zur Geisel Werkes schämen. Aber deutsche Ehre wiegt in diesen Kreisen nicht so hoch, um ihr eine Chance für eine neue Hetzwelle zu opfern. Ueber die Einzelheiten sind unsere Leser aus dem Nachrichtenteil genügend orientiert. Man hat immer gehört, daß die Polizei all den blöden Nachrichten mit entschiedener Energie entgegentrete. Nach den letzten Mitteilungen der „Breslauer, jüdischen Zeitung" scheint dieses neuerdings nicht mehr der Fall zu sein. In der Pressekonferenz des Polizeipräsidiums und in einem Teile der Tagespresse wird offen von der Möglichkeit eines Ritualmordes gesprochen. Selbst die demokratische „Breslauer Zeitung" macht die Diskussion über die Frage „Ritualmord oder Lustmord?" lustig mit, ohne mit einem Wort auf das Ungeheuerliche solcher tausendfach widerlegter un|tnniger Stnj^ulbtgungen IjmguiMetfeit. ©öS Ganze ist so plump angelegt, daß man doch sagen muß, die Treiber von Tissa Ehlar und Xanten haben ihre Sache weit besser verstanden. Man hat ermordete Kinder gefunden und später an anderer Stelle die Leiche eines Mannes, der offenbar Selbstmord begangen hatte. Der Mann war Jude. Also muß er es getan haben, und zwar aus religiösen Motiven. Und das wunderlichste dabei: Es gibt Menschen im deutschen Vaterlande, die auf so etwas herein fallen, sodaß eine Art Abwehrkampagne nötig wird. Man kann nicht ohne tiefe Scham das Wort zur Abwehr in diesem Falle ergreifen. Daß Uebersälle von solchen Kulturunterständen aus im Lande von Kant und Goethe unternommen werden könnten, hätte man trotz allem und allem nicht für möaltcf) qsholtsn. Ziele der jüdischen Ethik. Don Rabbiner Dr. Kermann Klein in ZSerkin. III. Man wende nun nicht ein, daß das höchste Gut niemanden schließlich entgehen könne, da ein jeder durch einen unwiderstehlich wirkenden Naturtrieb auf dasselbe eingestellt sei und es daher wenigstens mittelbar anhaltend erstrebe. Wenn der blinde Wille zur Glückseligkeit uns sicher zu unserem Endziele hinführte, so bedürften wir keiner anderen Richtschnur. Er läßt uns allerdings erkennen, daß wir für das unendliche Gut bestimmt sind, zwingt uns aber nicht, es als unser höchstes Gut anzuerkennen und allzeit über alles zu lieben. Er gestattet uns vielmehr eine Genußfreiheit, die ihre Schranken nur an der Grenze unserer Genußfähigkeit findet. Obwohl wir genötigt sind, stets unsere Glückseligkeit im allgemeinen zu erstreben, und daher einen Gegenstand für die Menschheit. Ob dies im Falle Mussolini zutrifft und ob Bürgermeister Hasuna Pascha von Tripolis gerade diese Stelle im Auge hatte, als er Mussolini Feder und Schwert überreichte, entzieht riaturgerrrät; meiner Beurteilung. Ebenfalls vor einigen Tagen berichtete die „Bohemia" von einem „sonderbaren" Fall, der sich in Spindelmühle ereignet hatte. Am 2. März d. F. ist auf dem Wege von Spindelmühle nach der Schneekoppe ein gewisser Herr Erich Müller aus Berlin tot aufgefunden worden, und zwar infolge Erfrierung. Dabei ereignete sich folgender Grenz- Zwischenfall: Der Leichnam lag halb auf reichsdeutfchem. halb auf tschechoslavischem Gebiet, der übrige Körper auf deutschem Gebiete. Der Leichnam auf der Grenze führte nun zu einer grenzenlosen Verwirrung der beiderseitigen Behörden. Die tschechische Bezirkshauptmannschaft wollte die standesamtliche Urkunde nicht ausstellen, weil der Tote größtenteils auf reichsdeutschem Gebiete gestorben ist. Die deutschen Standesbeamten hingegen wiesen darauf hin, daß der Tote nicht in ihrem Bezirke gestorben sei, weil sein Kopf sich auf tschechischem Boden befunden habe. Tagelang gingen die Verhandlungen hin und her, bis sich die Liegnitzer Polizei des Toten erbarmte und am vierten Tage nach dem Tode die Bestattung der Leiche gestattete. Die .Bohemia" der diese Notiz entnommen ist, bemerkt dazu: Dieser Fall zeigt von Neuem, wie erfindungsreich zuweilen die Wirklichkeit ist, viel erfindungsreicher als die größten Dichter und die bissigsten Satiriker. Kennern des Talmuds bietet dieser »Fall" nichts Neues. Dieser »Fall" ist in der zweiten Mischnah nur unter der Voraussetzung zu begehren vermögen, daß er irgendwie ein Gut für uns fei, so sind wir doch frei in der Wahl des Glückfeligkeitsgutes. Wir besitzen während des Erdenlebens diese Freiheit auch dem höchsten Gute gegenüber, das wir nur dann aus Nötigung unausgesetzt über alles lieben würden, wenn es uns vergönnt wäre, seine Schönheit und Herrlichkeit mit voller Klarheit von Angesicht zu Angesicht zu schauen. Hienieden aber erkennen wir es höchst unvollkommen, sehen es nur m'xn nrxw X'n^psoxn wie im trüben Spiegel oder Bilde. Der vernunftbegabte Geist, der von Natur dazu befähigt und berufen ist, sich selbst Ziele zu setzen, konnte nicht ausschließlich auf das Naturgesetz des blinden Strebens nach Glückseligkeit angewiesen bleiben, da er ja berufen ist, an der Verwirklichung des göttlichen S^ettptanej? mitgwerrbexten^ itrtb Daher eine Ergänzung Dieses Strebens Durch ein Sittengesetz erhalten. Der Glückseligkeitstrieb hascht ohne Wahl nach dem ersten besten Gute, das sich ihm darbietet und empfiehlt, unbekümmert darum, ob es dem vernünftigen Geiste geziemt oder nicht, ob es ihm auf dem Wege zum Endziel förderlich oder hinderlich ist. Hätte der wandelbare Wille keine andere Richtschnur als ihn, so stände es ihm frei, jeder Augenblicksbegierde zu folgen, den Augenblicksgütern nachzujagen und über ihnen den obersten Daseinszweck zu vergessen, das höchste Gut zu verlieren und somit die vollkommene Glückseligkeit zu verscherzen. Eine solche unbeschränkte regellose Freiheit wäre unverträglich mit der vom Schöpfer gewollten Natur und Endbestimmung des Menschen. Wer das ■3iet |e^t, barf bert SBegioctfer triefet oergeffen, tuer den Zweck will, muh auch die Mittel wollen. & fr Erdenschöpfer hätte nicht liebevoll an seinen Geschöpfen gehandelt, wenn er ihnen den Trieb und die Bestimmung zum höchsten Glücke ins Herz gelegt hätte, ohne sie mit der notwendigen Richtschnur zu versehen. Der Schöpfer allein kennt seinen höchsten Weltzweck, der mit ihm gleichgesetzt werden muß, denn er selbst und seine Verherrlichung sind höchster Weltzweck, an dieser Verherrlichung zu arbeiten, sie zu fördern, ist höchster Daseinszweck der Menschen, diesen Zweck zu erreichen, oberstes Gut und höchste Glückseligkeit. Die Mittel hierzu kennt nur Gott, der allein sich kennt, und wir sind auf seine Richtschnur angewiesen, wollen wir das gesteckte Ziel erreichen. Damit fällt auch der Vorwurf der „Fremdgefetzlichkeit", der „Oeteronomie", der der religiösen Ethik gemacht wird, fort. Handelt ein Kranker, der sich vom Arzte über die Natur seiner Krankheit belehren läßt, unter dem Druck eines fremden Willens, wenn er gesund zu werden strebt? Aber des neunten Abschnittes des Traktats Sota (babyl. Talmud Sota 43 b) enthalten. Nach derselben Mischna wäre die tschechoslovakische Regierung zur Bestattung der Lerche verpflichtet und nicht die reichsdeutsche Polizei. Dion kann notiirlieH nicht »erlangen, Kotz iüte D-Wei äuch l&t TäliiiUk KMMchz. aus diesem „Aal!^ kann man ersehen, daß im 5almub tatsächlich alles enthalten ist. (Hin Veteran der Deutschen iValästina-Korfchung gestorben). Aus Haifa in Palästina trifft verspätet die Nachricht ein, daß dort Baurat Gottlieb Schumacher in hohem Greisenalter gestorben ist. Baurat Schumacher, der seit länger als einem Menschenalter in Haifa gelebt hat, hat sich um die deutschen Templerkolonien Palästinas sehr verdient gemacht, ebenso um den deutschen Verein zur Erforschung Palästinas in Leipzig, dem auch viele jüdische gelehrte Gesellschaften angeschlossen sind und der hervorragende jüdische Gelehrte zu seinen Mitarbeitern zählt. Schumacher leistete Hervorragendes in der Topographie Palästinas und Syriens und in der Beschreibung des Lebens der Einwohner. Für den Paleftine Exploration Fund leistete er die ersten Landes- und sonstigen wichtigen topographischen Aufnahmen nebst beschreibendem Text. 1886 aber stand Schumacher schon in Beziehungen zum Deutschen Palästinaverein, der seinerseits 1884 begonnen hat, eine Vermessung und kartographische Aufnahme des gesamten Ostjordanlandes vorzunehmen. Das bedeutendste Werk, das er geschaffen hatte, ist die Verarbeitung des Riesenmaterials seiner Landesvermessung, die er zum weitaus größten Teil im Auftrag des Deutschen Paläsiinaverems von 1885 bis 1924 ausgeführt hat.

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