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Der Israelit · 1926-06-24 · Heft 26 (24.6.1926) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 26 (24.6.1926)
Date
1926-06-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Serie 2 9(1. 26 Der 3 0 * a e *i i Und ebenso tüchtig wie bei der Arbeit sind sie auch, wenn es gilt, das große Schulzimmer mit Liedern zu erfüllen und mit Reigen zu beleben. Alle Jomim Tauwim werden besungen, und sehnsuchtsvolle Lieder erklingen dem heiligen Land, das den Kindern in schimmernder Ferne als Ideal vor Augen steht. Das Verhältnis der Kinder zueinander ist von schwesterlicher Zuneigung; Verträglichkeit, Hilfsbereitschaft und uneigennützige Freude an den Erfolgen der andern erfüllen das Haus, und heiter und lebensfroh eilen sie durch ihre kleine Welt; die Vergnügungen der großen Stadt sind ihnen fremd, und sie tragen auch kein Verlangen nach ihnen; Bücher sind die Freude ihrer Mußestunden, und ein Spaziergang in die herrlichen Alleen Warschaus gilt ihnen als schönste Abwechslung. Während der Fahrt nach B i a l y st o k, an den schönen und tiefen Waldungen vorbei, in welchen die Kinder des Warschauer Hauses in Kräftigung unö Tryvlung W funden, geht mein Sinnen zu ihnen zurück: nichts besseres kann ich ihnen wünschen, als daß ihr Leben sich immer so friedlich gestalte wie in dem großen Familienkreise, der zu Unrecht den Namen eines Waisenhauses führt.- Eine Vereinigung der Eindrücke von Kalifch und Warschau bildet die Waisenanstalt in Bialystok. Sie ist vor neun Jahren unter Mitwirkung der Besatzungsbehörde geschaffen worden und in zwei Häusern, die durch einen großen Hof verbunden sind, untergebracht. Siebzig Kinder, zur Hälfte Knaben und zur Hälfte Mädchen, darunter acht Säuglinge in einer besonderen Abteilung, sind hier vereinigt. Die Schöpfung und die Erhaltung dieses bedeutsamen Hilfswerks ist der Initiative einer edlen Frau zu danken, die in den Tagen firrc£)i£>ctrfier 9QS«t|ertnof ben Svriegstuciijen fonks gu Hilfe gerufen und gemeinsam mit ihm dieses Haus „Esras Jesaumim" errichtet hat. Hundertvierzig Insassen hat das Haus schon insgesamt beherbergt. Viele haben die schützenden Mauern im Lauf der Jahre verlassen; Verwandte in Amerika erinnerten sich ihrer, und auch nach Erez Jisroel sind einige übersiedelt; ihre Treue zum Bialystoker Haus ist die gleiche geblieben. — Die Anstalt verfügt über helle Zimmer und große Schlafsäle, und eine Synagoge versammelt unter Leitung eines Melamed die Knaben morgens und abends zu der gemeinsamen Tefilloh. Im Stall stehen zwei Kühe, die die Kinder, und insbesondere die kleinen, reichlich mit Milch versorgen. Ein kleines Haus im Hofe ist als Jsolier-Raum für ansteckende Krankheiten vorgesehen. Bei meinem Besuch stand es erfreulicherweise leer, wie überhaupt der Gesundheitszustand in den Waisenhäusern glücklicherweise ein sehr günstiger ist. Me und wodurch soll Israel einig sein? Betrachtung zu p*?2 'D* Von Professor Dr. A. Sulzbach V'st- Das Privathaus, die eigentliche Seele des jüdischnationalen, wie jüdisch-sozialen Lebens findet seine Stütze in dem Lehrhause und seinen Matzstab in dem Bethause. Die Lehren, die in dem Lehrhause verbreitet werden, zeichnen und bestimmen das Privathaus und finden wieder ihren öffentlichen Ausdruck in dem Bethause. Aber das eigentliche praktische religiöse Band wird in dem Privathause befestigt. Hier, hier soll sich der Jude zeigen. Hier wird es erkannt, wie weit das Judentum Wurzel gefatzt hat, und hier wird es erkannt, ob das Juden- *) Zur ersten Jahrzeit von Professor Dr. Sulzbach am 10. Tamus (22. Juni 1926) bringen wir aus einem Vortrage Sulzbachs, den er 1860 in einem Würzburger jüdischen Studentenvereine hielt, einige Teile, die zeigen, wie damals schon der Zweiundzwanzigjährige die Wege der agadischen Forschung und Auslegung suchte und dem Gebiete entgegenstrebte, das er später so meisterlich beherrschte. Die erwachsenen Knaben und Mädchen erlernen — wie in Kalifch und Warschau — die mannigfachsten Handwerke. Das Haus enthält eine Tischlerwerkstatt, in welcher acht Knaben unter Leitung eines Meisters zu tüchtigen Gesellen herangebildet werden. Eine Ausstellung von Arbeiten der Knaben und Mädchen gibt den Besuchern der Anstalt ein getreues Bild der vielfachen Fertigkeiten, die sich die Kinder erworben haben. Die gesamte Hausarbeit ist von einer Leiterin, die seit Jahren in hingebungsvoller Liebe ihres Amtes waltet, in mustergültiger Weise geregelt, und jedes Kind hat seinen Pflichtenkreis, den es mit Ernst und Eifer ausfüllt. Wie in Warschau vereinigen auch hier die erwachsenen Mädchen mit emsigem Fleiß liebenswerte, weibliche Vorzüge: sie sind zuvorkommend, dankbar, anspruchslos und von vorbildlicher Bescheidenheit. Gemeinsame Vorträge vereinigen Knaben und Mädchen und fördern in ihren Herzen die Llevc gu Lhauro uno Mizwaus. Insgesamt ein Bild freundlichen, glücklichen Lebens, um so glücklicher, wenn man weih, welch unsagbar traurigen Verhältnissen diese Kinder entstammen. Die Geschichte des Bialystoker Waisenhauses entrollt Bilder von Kriegs- und Nachkriegselend, vor welchem wir unwillkürlich die Augen schließen. — Und diese Kinder erfreuen den Gast mit Liedern und Reigen, und ihre Augen leuchten in wiedererwachter Lebensfreude.- Von Bialystok führt mich der Zug über Warschau und Kalifch zurück in die Heimat. Die kleinen Tücher winken; durch die Nacht leuchten freundliche Sterne, und aus dem Rollen der Räder glaube ich immer wieder die lieben Worte zu hören, die reine Kinderlippen mir zum Abschied entboten hatten. Wochenrundschau. Genf und Jerusalem. Die zionistische Presse sucht durch eine Fülle von Nachrichten über die Tätigkeit und die Erlebnisse der Waad leumi-Delegation in Genf dem Sensationsbedürfnis ihres Publikums Rechnung zu tragen. Sogar das Erscheinen der Delegation im Büro des Völkerbundes wurde zum Gegenstand einer besonderen Meldung gemacht. In Wirklichkeit dürfte sich das Auftreten der drei palästinensischen Herren neben der durch ihren tum Wurzel gefaßt hat. Wie ist ein Band mit dem Bethause zu gründen, wenn das Privathaus ihm nicht entspricht? Wenn das Privathaus von wahrhaft jüdischem Geist beseelt ist, wenn der Jude sich in seiner Behausung so wie im Lehrhause und Bethause zeigt, dann umschlingt ein Band ganz Israel, dann bilden alle Juden der Welt eine Brüdergemeinde, n?enn PMgtgÜÜS Sill «mM-ischer durchzieht, dann puu rrn \rm& V122 Win, denn, was soll Bet-, was soll Lehrhaus? Eine Zerstückelung und Zerrissenheit hat sich in Israel gezeigt, kann das ein Band sein, können sich da die Juden als Brüder begegnen, wo ein Jude bei dem Andern in dessen Hause sich so benehmen muß, als ob er das Haus eines Nichljuden betritt? Ja. wo oft nur um Streit zu verhüten, der Eine vom Andern sich entfernt halten muß? Nein, da herrscht nicht die Einigkeit, da herrscht Zerrissenheit. Schließt nur" Eure Schulen und Eure Bet- Häuser. — wo nicht jüdischer Sinn im Hause wohnt, sind diese nur ein überflüssiger Luxus. In jedem einzelnen Juden muß es zu erkennen sein, selbst wenn er auch in einem andern Lande wohne, mutz es zu erkennen sein, daß er Jude sei, in seiner Kindererziehung, in seiner Stellung zu seinen Nebenmenschen, solches heiligt den göttlichen Namen. Eine herrliche Stelle unserer Weisen belehrt uns darüber, wie wichtig die religiöse Kindererziehung sei. 188 1^82 21712.1 ,1^8 .11171 112 72 18^8.1 ^2 ^"2'1 f 12 '12^1 1'12^ D7lSni.11 1881V '1'V 118 .172,2 211N2 T>p^8 '1 ’ID^ 711817 1V8 DT» *]’801 (Kidduschin 30 a). ..Nabbi Jehoschuah ben Leoi sagte: Jeder der seinen Enkel Thora lehrt, dem rechnet es die Schrift an, als ob er sie selbst am Berge Sinai empfangen, Präsidenten vertretenen Jewish Agency als eine höchst überflüssige Geste erweisen, soweit die politischen und wirtschaftlichen, in dem Memorandum der Zionistischen Organisation ausreichend behandelten Fragen in Betracht kommen. Wahrscheinlich ist es der Waad leumi-Delegation in der Tat weder um diese Fragen noch um das heute gewiß nicht mehr sehr brennende Problem der palästinensischen Schutzpolizei zu tun, sondern vielmehr um den Kampf gegen §ie verhaßte „A g udasJisroe l", zu deren Befehdung man sogar einen leibhaftigen Näbbiner, den sefardischen Oberrabbiner Usiel aus Jaffa, kommandiert hat. Was der „Waad leümi" erstrebt, ist der absolute Gemeindezwang ohne jede Rücksicht auf Forderungen der Gewissensfreiheit, die Versagung jedes Austrittsrechtes, es fei denn,unter völligem Austritt aus dem Judentum. Die Orthovorie. Die in WDeniniilWin Düngen Den. historischen Charakter des jüdischen Volkes gegen die zionistische Assimilation an die p8,i "ii verteidigt, soll — das wagen diese übermütigen Parteipolitiker in einem offiziellen Schriftstück zu schreiben und zu drücken — soll sich als ^28 881' 4»81V'als „ausgeschieden aus der Gesamtheit I i s r o e l s" bezeichnen! Daß mit diesem Wahnwitz, der die historische Wahrheit und das elementarste sittliche Empfinden verhöhnt, weder in London, rioch in Genf durchzudringen ist, das wissen die Herren sicherlich ganz gut. Sie scheuen sich' dennoch nicht, damit aufzutreten, weil sie durch die Ueberspannung des Bogens nach der Seite des gemeindepolitischen Absolutismus wenigstens die völlige, die öffentlich-rechtliche Gleichstellung der mn öst MllööMigiDscn Bollm gemeinve veiMDern wollen. Um diese Gleichstellung geht jetzt der Kampf, der aber unseres Erachtens zunächst nicht in Genf, sondern vielmehr in Jerusalem und London eine vorläufige Entscheidung finden wird. Ein unerwarteter Bundesgenosse ist in dem Ringen um die palästinensische Gemeindeverfassung den Zionisten in der Berliner Jüdisch- Liberalen Zeitung erstanden: unerwartet, weil die in unserem Leitartikel in Nr. 24 entwickelten Gedankengänge den meisten deutschen Zeitungslesern noch nicht vertraut genug sind. Die „Jüdisch-liberale Zeitung" schreibt: „Es kann auch den Juden außerhalb Palästinas nicht gleichgültig sein, ob, wie es die Orthodoxen erstreben, der streng konservative Charakter der Gemeinde in Palästina gesetzlich festgelegt wird. Unübersehbare Möglichkeiten für die religiöse Entwicklung in dem Lande, in dem zum erstenmal seit Jahrhunderten wieder autonome denn so heißt es, du sollst sie kund tun deinen Söhnen und Enkeln; und dabei steht, der Tag, an dem du vor dem Ewigen, deinem Gotte am Sinai gestanden". In der Kindererziehung erkennt man die Festigkeit, die der Vater im Glauben hat. er selbst tut Etwas oft aus Gewohnheit, aus Liebe, oder auch aus eigener Furcht, wenn aber sogar bis zu feinem Mksl, Ditz ms Dritte samiltoiQlieD DiraD Der (BlauBe wurzelt. Dann zeugt es fm ihn. mit welcher Energie er dem Wort Gottes anhängt, und daher auch das Wort unserer Weisen, daß die Garantie für die Nimmerentweichung des jüdischen Geistes aus seiner Familie gegeben sei, wenn Vater, Sohn und Enkel sich der Thora befleißigen. Es kann also gewiß nicht geleugnet werden, welch ein wichtiges Gebot für das Judentum die jüdische Kindererziehung sei, wo der Vater sich im Kind abspiegelt und die alte und neue Zeit, wie die Gegenwart ein harmonisches Ganzes bildet. Und wiederum wird es Niemand leugnen, daß das Verhalten zu seinen Nebenmenschen, wie das jüdische Gesetz es vorschreibt, das Judentum mächtig hebt, wenn in dem Einzelnen das Ganze und das Ganze sich im Einzelnen zeigt. Das n *j*n2 NvV ]2 ]lj78tt7f daß das redliche Benehmen Schimeon ben Schetachs einem Jsmaeliten Worte entlockte, >811,Ti prmta *p2, daß, durch die Ehrlichkeit der jüdischen Alten bewogen, ein Heide ausrusen mußte: „Gelobt der Gott der Juden", das sind Heiligungen des göttlichen Namens und des Judentums, die mit Allem in der Welt nicht aufzuwiegen find. So also soll die Einigkeit und Einheit Israels sich zeigen, sie zeige sich durch das Lehrhaus,

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