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Der Israelit · 1926-06-17 · Heft 25 (17.6.1926) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 25 (17.6.1926)
Date
1926-06-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 25 Seile 5 17. Juni 1926 D' e r 3 » rar l i t für Am ML 40 Pfg liefern wir einen eleganten Kneifer mit Glasern/ Double ohne Fassung/ der eigens für Nase und G esichtsbildung hergerichtet wird. Es ist nicht mehr nötig, daß Sie sich mit schlechtpassenden Gläsern, falsch und schief sitzenden Kneifern behelfen, die Augen dadurch vernachlässigen und schädigen. Besprechen Sie sich mit unseren Fachleuten ohne Kaufverpflichtung, wir beraten Sie gut und bedienen Sie «ehr preiswert Lieferung für alle Kassen. Orthozentrische Kneifer-Gesellschaft, Opernplatz- Für die Reise Feldstecher, Operngläser von 20.— Mk. an. Schutzbrillen und Kneifer in allen Farben lMespMsnreli * nicnnumn. Der Verfaffungsentrilurf für den Reichsverband sertiggestellt. Berlin, 8. Juni. Der lögliedrige Ausschuß, der von den Vertretern der Landesverbände in der Sitzung vom 25. April d. I. zwecks Ausarbeitung eines Entwurfes der Verfassung des Reichsverbandes der deutschen Juden eingesetzt wurde,- hielt am 6. d. Mts. in Berlin eine Sitzung ab. Den Beratungen lag ein von Herrn Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer- München vorgelegter Entwurf zu Grunde, der mit einer Reihe von Aenderungen die Billigung des Ausschusses fand. Der Entwurf der Verfassung, deren Inkrafttreten für den 1. Januar 1927 in Aussicht genommen ist, wird Mitte Juli durch die Vertreter der Landesverbände endgültig festgesetzt werden. Fromme antisemitische Wünsche in der Deutschvölkischen Freiheitspartei. Berlin, 9. Juni. Bei der gestrigen Abstimmung im Preußischen Landtag zum Haushalt der Seehandlung wurde namentlich abgestimmt über den Antrag der Deutschvölkischen, der von den Deutschnationalen unterstützt wird und eine Anroeijun^ ctrt bie <Seef,anh£u«g fötfböti, dstl NStl) dSM 1. April 1914 zugewanverten Oftjuöen jegZI4e-n Kredit zu versagen. Der Antrag wurde abgelehnt. Für denselben stimmten außer den Deutschvölkischen und Deutschnationalen auch die Wirtschastspartei. Der Vorstoß gegen das Schächten. D a r m st a d t, 9. Juni. In der heutigen Plenarsitzung der Volkskammer im Freistaat Hessen gelangte der A n t i s ch ä ch t a n t r a g des Abg. Werner oder im Antisemitendeutsch der Antrag auf Einsetzung einer Kommission zur Herbeiführung einer „humanen"' Schlachtmethode zur Beratung. Der Antrag wurde mit erdrückender Mehrheit abgelehnt. Der Kampf um die Jüdische Schule. (Bon unserem Korrespondenten). Breslau, 13. Juni. Eine der ersten. amtlichen Handlungen nach dem Zusammentritt der neugewählten Gemeinde-Körperschaften war die Stellungnahme zu der beantragten laufenden Unterstützung der seit sechs Jahren unter größtem Zuspruch gegründeten und im blühenden Aufbau begriffenen Höheren Jüdischen Schule. Der Gemeindevorstand in seiner waschecht liberalen Zusammensetzung lehnte jegliche Unterstützung ab. Hierauf wurde eine Sitzung der Gemeindevertretung zur Beratung über eine Interpellation der Konservativen und Zionisten über die Schulfrage einberufen. Diese Repräsentantensitzung, die am 3. Juni stattfand, verlief außerordentlich erregt. Der Vorstand lieh durch Geheimrat Goldfeld erklären, daß er die Schule von vorneherein für unerwünscht erklärt habe, und daß er nach wie vor jede Unterstützung einer konfessionellen Schule, insbesondere einer konfessionellen höheren Schule, die ins Ghetto zurückführe, verweigere. Die von der Gemeinde unterhaltenen Religionsschulen gäben den Eltern jeder religiösen Richtung GelimWit ttjrcn MMM VW 8MMW?N iimngi?"*" unterricht" erteilen zu lassen. Dem Vorstand traten von den Konservativen die Herren Martin Fränkel und Dr. Schlesinger, von den Zionisten Herr Rechtsanwalt Dr. Jacobson und Frau Dr. Rabin entgegen. Sie verwiesen auf die geradezu vernichtenden Ergebnisse der von den Liberalen geschaffenen Religionsschulen, die den größten Teil ihrer Zöglinge der mehr oder Minder völligen Entjudung im Leben preisgäben. Nur eine intensive mit gründlicher Quellenkenntnis und gründlichem Wissen auf dem Gebiete der hebräischen Sprache verbundene Erziehung im jüdischen Milieu könne gefestigte jüdische Charaktere schaffen. Alle Beredsamkeit der Vertreter der beiden nichtliberalen Parteien war fruchtlos. Die Anträge auf Subventionierung der Schule wurden durch die liberale Mehrheit geschlossen niedergestimmt. Die in weitesten Kreisen der Gemeinde MWM MMliz Ms mus des Vorstandes, der auf diese Weise die Grundlagen der von ihm doch sonst so hoch gehaltenen Einheitsgemeinde untergräbt, ist unbeschreiblich groß. Obgleich die Schule sich in außerordentlich schwieriger Finanzlage befindet, wird gerade das Verhalten des liberalen Gemeindevorstandes die Opfersreudigkeit aller positiv gerichteten Kreise zweifellos aufstacheln und der Schule zu Gute kommen lassen. Dabei wird das Bündnis zwischen den Zionisten, die vorläufig den religiös-konservativen Charakter der Schule sestzuhalten wünschen, und zwischen der Gemeindeorthodoxie fürs erste zweifellos standhalten. Auf die Dauer sind natürlich Gegensätze unvermeidlich. Düsseldorfer Tagung der Zenkralwohlsahrkssielle der deutschen Juden. Düsseldorf, 11. Juni. Vom 6. bis 8. Juni 1926 fand in Düsseldorf die Tagung der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden statt. Die Tagung, die aus allen Gegenden Deutschlands zahlreich besucht war, wurde am Sonntag abend durch den Vorsitzenden der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Herrn Eugen C a s p a r y, eröffnet. Herr Cafpary wies in kurzen Worten auf die Bedeutung des Judentums im Rheinland für das deutsche Judentum hin und auf den Wert der allgemeinen und insbssi-iibsr^ fcer jübifcf><m HygisNS-Aussi slluttg. tUßlrfjß den äußeren Anlaß zur Veranstaltung der Tagung In Düsseldorf gebildet hat. Es folgten Begrüßungsansprachen, darauf Vortrag von Herrn Rabbiner Dr. B a e ck über das Thema: „Der geistige Gehalt in der jüdischen Wohlfahrtspflege", der bei den vielen Hunderten von Teilnehmern große Beachtung fand. Am Montag vormittag sprach Herr Ministerialrat Dr. Witelshöfer über „Grundlagen der staatlichen Wirtschaftsfürsorge", mit besonderer Betonung der für die jüdische Wohlfahrtspflege in Frage kommenden Punkte (Erwerbslosenfürsorge, Ausländerfürsorge), während der Korreferent, Herr Rechtsanwalt Dr. Georg Baum, die Hauptgebiete der Sozialpolitik (Durchwandererfüvforge, Arbeitsnachweiswesen, Berufsberatung) von großen allgemeinen Gesichtspunkten aus zur Darstellung brachte. Daran schloß sich der Vortrag des Herrn Dr. Felix Theilhaber über „Jüdische Bevölkerungsfragen", der in erster Linie die sozial-hygienische Fürsorge im Interesse der Gesunderhaltung der jüdischen Bevölkerung eingehend begründete. „Ueber jüdische Jugendnot und Jugendhilse" sprachen sodann Herr Obermagistratsrat Dr. Friedrich O l l e n d o r f und Fräulein Ottenheimer. Während Herr Dr. Ollendorf die Grundlinien für einen systematischen Ausbau der jüdischen Jugendwohlfahrt in Deutschland aufzeichnete und an der Hand von Beispielen anschaulich machte, be-r leuchtete Fräulein Ottenheimer die besonderen Bedürfnisse einzelner Kategorien von Jugendlichen, insbesondere der Schulentlassenen. Der Nachmittag brachte unter sachkundiger Führung des Herrn Rabbiners Dr. Eschelbach er die Besichtigung der Ausstellung „Hygiene der Juden" und nach einigen einleitenden Worten des Herrn Paul Frank die Vorführung des jüdischen Wohlfahrtsfilms. Der Dienstag Vormittag war der Erörterung der Hauptarbeitsgebiete der Zentralwohlfahrtsstelle in den Arbeitsgemeinschaften, der jüdischen Gefährdetenfürsorge und 3?Wt>eyfWTP|e|wrjorge geroibmet. 2in bcn SBemtungen nahmen nicht nur Die engeren Mitarbeiter der Arbeitsgemeinschaften, sondern fast alle bei den Tagungen anwesenden Gäste aus dem Reiche teil. Ueber den wichtigen Punkt der „Fürsorge für jugendliche Psychopathen" sprach Herr Lehrer S a w a d y , Frau Paula Ollen darf sprach über „Gefängnisfürsorge". Den beiden Themen schloß sich eine lebhafte Diskussion an, in welcher wertvolle Ergänzungen, insbesondere durch Herrn Rabbiner Dr. H o r o v i tz-Frankfurt a. M. und Frau Caro -Köln zu den beiden Themen, insbesondere aber zu dem Thema „Gesängnisfürsorge", gemacht wurden. In der Arbeitsgemeinschaft der Tuberkulosenfürsorge referierten Herr Dr. Samson über „Neuzeitliche Maßnahmen der Tuberkulosebekämpfung und Fürsorge", Fräulein Frieda W e i n r e i ch über „Stand der Maßnahmen zur Bekämpfung der Tuberkulsss unter den Juden in Deutschland". Zum Schluß sprach Frau Brenner üLer Ö3F jüdischen Tuberkulosefürsorge". Am Nachmittag fand eine Kundgebung des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände statt, bei welcher Herr Georg L u b i n s k i über „Das soziale Programm der jüdischen Jugend" sprach. ritancn. Das ganze Judenstädtchen Galant abgebrannt. K o w n o, 11. Juni. Der Brand in S a l a n t hat besonders die jüdischen Viertel der Stadt in einen Aschenhaufen verwandelt. Von 200 jüdischen Häusern sind nur 11 vom Brande verschont geblieben. Sämtliche Geschäftsläden samt den Waren fielen dem Brande zum Opfer. Die große Synagoge und das mehr als 130 Jahre alte Beth Hamidrasch sind vollständig niedergebrannt. Der 25jährige Jude Burkowitsch kam in den Flammen um. Die Lage der Juden von Salant ist verzweifelt. Die Bewohner kampieren im Freien. Der Schaden wird auf fünf Millionen Lit (500000 Dollar) geschäht; kaum ein Fünftel der Habe war versichert. Aus den benachbarten jüdischen Städtchen wird den Opfern erste Hilfe geleistet, Lebensmittel und Kleider werden herangebracht. Ein Slppsll an dis Juden Litauens wurde erlassen. Sa?a*l I4ertergte eiüö sHö M. hWM-MlMf! dige jüdische Gemeinde, die in der ganzen jüdischen Welt wegen ihrer großen Gelehrten berühmt war. * ck , ck Weiter meldet uns ein Privatbrief: Salant, die alte Stadt der Gaonim und Zadikim, he.ute noch bewohnt von vielen Hunderten jüdischer Familien, wurde in zwei Stunden in einen rauchenden Trümmerhaufen verwandelt. Woher das Feuer kam, ist nicht festgestellt. 190 jüdische Häuser sind eingeäschert, und da jedes Haus von zwei bis drei Familien bewohnt war, liegen viele Hunderte, Frauen, Greise und Kinder, ohne Brot und Obdach aus der Straße. Nicht ein Faden konnte gerettet werden, so plötzlich kam die Katastrophe. Feuerversicherung kannte man hier kaum. Industrie und großen Handel hat die Stadt nie gehabt, sie liegt weit ab von der Bahn, und die jüdischen Händler und Geschäftsleute lebten von ihren Kramläden, die nur an den zwei Markttagen in der Woche, Dienstag und Freitag, Käufer aus der Landbevölkerung sahen. Reich war diese Stadt im Telscher Kreis von jeher und ist sie heute noch nur an Thora und an Thoragelehrten. Es dürfte kaum einen Juden in Salant geben, der nicht in ni'n?» und «nt» bewandert wäre. Viele aber beherrschen Talmud und Dezisoren, obwohl sie tagsüber ihren Geschäften nachgehen. Die Männer, die Salant hervorgebracht hat, oder die in Salant den Rabbiner-Sitz einnahmen, sind weltberühmt. Man denke an den Gaon Rabbi Zwi Hirsch B r a u d e, genannt Rabbi „Hirschele Salanter". Rabbi Israel Salanter hatte seine erste Jugend in dieser Stadt zugebracht und heiratete dort. Die Stadt hat ihm nicht nur den Namen, sondern auch das geistige Gepräge gegeben. Aus Salant stammte auch Rabbi Samuel Wochenkalender. *»«»*** 1». Ws S6- 1926. / own T. &fcs 14. B688 Samstag Jun. 19 npn 7 non 'a pa Sonntag 20 8 Montag 21 9 Dienstag 22 10 rnapais nnwi -sn Mittwoch 23 11 Donnerstag 24 12 Freitag 25 13 Samstag 26 P** 14 'i 'n pia

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