Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1926)
- Date
- 1926-06-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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DexJsrsellL 17. Juni 1928 Seite S Nr. 25 Galant, Oberrabbiner in Jerusalem, ebenso Rabbi Hillel Galanter, genannt auch Rabbi „Hillel Sklower" und Rabbi Meier Atlas, später Rabbiner in Gchaulen. Der vor kurzem in Palästina verstorbene Gaon Rabbi B u r st e i n hatte, bevor er nach Tauroggen kam, den Rabbinersitz in Galant inne, sodann Mordchai Eisig R a b i n o w i tz, der Rabbiner in Memel war. Zurzeit hat Galant keinen Rabbiner, da mit Rücksicht auf die Fülle von Thoragelehrsamkeit unter den Laienmitgliedern sich nur ein ganz Großer dort halten könnte und die Gemeinde zu arm ist, einen solchen würdig auszuhalten. Geistig verwaist ist die Gemeinde nicht, denn es fehlt nicht an Männern, die in gegebenen Fällen rabbinische Funktionen ausüben. Ein Gchochet, namens Rabbi Benjamin Löw, genießt den Ruf, ganz Babli und Ieruschalmi forme alle vier Teile des Schul. chan ölru<^ mit Anhängen gu beherrschen. Die an Thora so reiche und an materiellen Gütern arme Stadt hat nun ihr Letztes verloren. Auch die Bet- und Lehrhäuser sind abgebrannt. Die Not ist unbeschreiblich. Es ist heilige Pflicht aller, doppelte Pflicht aller Thoratreuen, helfend einzugreifen. Rascheste Hilfe tut not. Amerika. ' Abschiedsbankelt für Dr. S. Ehrmann in New-Hork. New-Pork, 1. Juni. Mehr als 200 führende Persönlichkeiten der jüdischen Orthodoxie in Amerika waren bei dem Abschiedsbankett anwesend, das zu Ehren des Präsidenten des Palästina- Büros der Agudas Jisroel, Dr. G. E h r m a n n -Frankfurt a. M. gegeben worden ist. Herr Dr. Ehrmann kehrt nach einem sechsmonatigen Aufenthalt in den Vereinigten Staaten, wo er in der Organisation der Agudas Jisroel und des Palästinafonds der Aguda sehr erfolgreich tätig war, nach Deutschland zurück. Ansprachen hielten Richter Otto A. Rosalsky, Rabbi Dr. Leo Jung, Rabbi Herbert S. G o l d st e i n , Rabbi R i o k i n d und Herr Samuel B e t t e l h e i m , ferner die ebenfalls als Gäste in Amerika weilenden Rabbi Jecheskel L i p f ch i tz und Rabbi Meir Don P l o tz k i. In der letzten Sitzung des amerikanischen Zentralrats der Agudas Jisroel wurde Herr William Fishmann zum Präsidenten der amerikanischen Aguda gewählt. Es wurde beschlossen, die erste Zentralkonferenz der Agudas Visroel Fsiök LMM ist MWklWl! aöW hllllm. Personalien. Hamburg, 15. Juni. Am 1. Tamus beging Rabbiner Dr. Selig Bamberger das Jubiläum seiner 25jährigen Wirksamkeit als Rabbiner an der „Vereinigten alten und neuen Klaus" zu Hamburg. Verbietet auch die Bescheidenheit des Jubilars, die Veranstaltung größerer Feierlichkeiten, so mutz an dieser Stelle dieses Datums gedacht werden, ist Rabb. Dr. Bamberger doch alle die Jahre seiner hiesigen. Wirksamkeit nichts anderes, wollte er doch nichts anderes fein als selber ein „Organ für das orthodore Judentum". Enkel des „Würzburger Raw", Sohn des „Sennheimer Raw", ist in ihm lebendig das ganze große Erbe der Bambergers. Ein Lamdon großen Formats, ein ernster Wissenschaftler, ein Meister der Rede, ein vollendeter Charakter so steht er im Kreise der deutschen Rabbonim, eine Verkörperung jenes Bildes vom 3pv dti v'n „Im Zelt" — im Beis Hamidrosch sitzt er ununterbrochen, immer! Lernend, lehrend! Zahlreiche Schüler, die gum Teil heute angesehene Rabbinate bekleiden, zum Teil im Dienste des bbo für mwn pun arbeiten, danken ihm ihr Bestes: neben dem Wissen die Festigkeit ihres Wesens; sie verehren in ihm den Mann, dessen sprichwörtliche Gewissenhaftigkeit und Pünktlichkeit, dessen beispiellose Pflichttreue, dessen gehämmerte Frömmigkeit ihnen Vorbild und Mahnung wurde. Sie danken ihm die Liebe zu^rriv' p«/ das Verständnis der jüdischen Geschichte, die er, Schüler und Freund des v'2 vuin riimi und Förderer des Geographen Goldhaar, ihren Herzen nahebrachte. Bezeichnend für Bamberger ist, daß er, der mit selbständigen Fruchten seines eigenen reichen und reifen Geistes die Welt erfreuen könnte, sich stets darauf beschränkt hat, die Worte unserer Großen den jüdischen Massen zugängig zu machen. Dieser seiner Art verdanken wir, neben vielen andern trefflichen Uebersetzungen — Nim tfbsn niTna ,w»in seine mustergültigen Uebertragungen von zur min und nom HSM JVVia». ihr Derbanten Ml JW IfÜÖ3?(8ÖUHä &eÄ TOp.Don Bistz?? jiijjj Qie}erungeti er\&j\eneti finb. Einen Wunsch hegen seine zahlreichen Schüler, Verehrer und Freunde: daß Rabbiner Dr. Bamberger noch ungezählte Jahre im Kreise unserer ri^mp, in seiner Klaus, in seiner Familie wirken möge, in Gesundheit und Rüstigkeit, getreu seiner Devise merp nivvn mnn> Bremen, 1. Juni. Moses Schragenheim, Ehrenmitglied und Senior unserer Gemeinde, schied am 7. Mai aus dem Leben. Die Trauerkundgebung am Grabe gab Zeugnis davon, welch' hoher Achtung und Liebe sich der Verstorbene bei Juden und Nichtjuden erfreute. Herr Rabbiner Dr. Aber verglich den Toten mit den Fromisten, deren Wille für Gott zu wirken selbst den Todesengel zu verscheuchen wußte. Noch am Morgen seines Todestages hatte sich Moses Schragenheim die Tefillin auflegen lassen, und obgleich er fast gänzlich erblindet und stark am Gehen behindert war, meisterte er das Leben dennoch und war bis zum letzten Momente im Dienste der -Allgemeinheit tätig. Namens der Gemeindeverwaltung schilderte der erste Vorsteher die umfassende Lebensarbeit des Verblichenen, ehrende Nachrufe widmeten ferner dem Verstorbenen die Chewra Kadischa und die Kaiser-Friedrich-Loge U. O. B. B. Fast alle Institutionen der Gemeinde hat Moses Schragenheim mit geschaffen. Drei Jahrzehnte lang gehörte er dem Repräsentantenkollegium der Gemeinde . an. In der letzten Sitzung des Gemeinderats widmete der Vorsitzende, Herr Max M a r k r e i ch . dem Verstorbenen «illkll cyrcnven Mlyrus, ln dem er MoorM. mas Schragenheim für me Gemeinde und ihre Institutionen wahrend der ganzen Dauer seiner Mitgliedschaft, die im Jahre 1873 ihren Anfang nahm, geleistet hat. Daraufhin nahm Gemeinderat Dr. Hes das Wort und wies vor allem auf die Verdienste hin, die der Verstorbene sich um die Mikwoh erworben hat. Persönliche Opfer nicht scheuend, hatte Schragenheim anfangs in seinem Hause eine Mikwoh errichtet und sie den Gemeindemitgliedern zur Verfügung gestellt. Später gründete er einen Verein, der für diesen Zweck ein eigenes Haus erwarb. Seine Bemühungen, die Verwaltung der Mikwoh in die Hände der Gemeinde zu legen, hatten erst nach 50 Jahren Erfolg. Zur Zeit wird an einer würdigen Instandsetzung der Mikwoh gearbeitet. Für Vorstand und Gemeinderat müsse es eine heilige Pflicht sein, diese Arbeiten zu beschleunigen, um die Mikwoh gleichsam zu einem Denkmal der Erinnerung an Moses Schragenheim zu gestalten. Herr Vorsteher Max Wallheimer stellte dann den Antrag, für den teuren Verstorbenen das Ehrenbegräbnis zu bewilligen. Beide Anträge wurden debattenlos genehmigt, und damit dem großen Verdienst, das sich Moses Schragenheim V"xr um das gesetzestreue Judentum erworben hat, dauernder Ausdruck verliehen. n'oxjn Vermischtes. Berlin, 15. Juni. Wie uns mitgeteilt wird, wird der „B e l z e r Rebbe" dieser Tage hier eintreffen und 's nsir hier weilen. Er wird hier Aerzte konsultieren und wahrscheinlich dann für mehrere Wochen Aufenthalt in Bad Nauheim nehmen. Hamburg, 10. Juni. Die von dem verstorbenen Distriktsrabbiner S. Meyer in Regensburg herausgegebene „Laubhütte", später „Deutsch-Israelitische Zeitung", erscheint seit Beginn dieses Monats in Hamburg, Büi Hill?, Siini. 3as Sonaiorium (§m j er ^>eil« quelle m (8a{j Ems, bas B?gMN KrlkgkS Nicht mehr in Betrieb war, wird für minderbemittelte jüdische Patienten vom 16. Juni wieder eröffnet. Anmeldungen an Herrn Bezirksrabbiner Dr. Weingarten oder Sanitätsrat Dr. Nehab. Sprechsaal. n’ön^ Ich mache hiermit darauf aufmerksam, daß der von der Firma Hengstenberg in Eßlingen a. N. unter der Marke „Gutso" für nvs verkaufte Senf nicht mehr den Anforderungen des Jvntra entspricht, da die Fabrikation nicht mehr meiner Aufsicht untersteht. Rabb.' Dr. Bamberger, Stuttgart. Briefkasten. H. L. in Cr. Für Nachrufe wird kein Honorar lhlt. Bat-Ami. Wer Mahnrufe erhebt, mutz sie mit seinem Naruen decken. I. L. in G. 13. Marcheschwan Schabbos *]*?. L. G. in Würzburg. Betrag für Abonnement eingegangen. Familiennachrichten. G,'e bürten: Eine Tochter, Hugo I. Cahn und Frau, Mainz. Frankfurter Berichte. Ioseph (Zvtancfev b'-Ai-Cii^ern KMHklNZt Tötl DöDlll MIMM M »ön 3*,}^ Erlanger n"V, der den Seinen vor Jahresfrist leider allzufrüh entrissen wurde, eingehend gewürdigt, und dabei betont, wieviel nicht nur seine Familie, sondern auch ein großer Freundeskreis und der bbs, insbesondere die schweizerische Agudas Jisroel an ihm verloren haben.. Anläßlich der ersten Jahrzeit gab Oberrabbiner Kraus in Bajarmare eine Schrift nov )n3T heaus, die außer einer Biographie des Verewigten einige halachifche Entischeidungen bringt, besonders medizinischen Inhalts. Ferner erhielt eine ns'«?' in Acs den Namen «jov n’3 In Frankfurt a. M. wurde von Freunden des Ver- Joseph Erlanger storbenen im Verein Mekor Chnjim, dem er schon langeals Mitglied angehört hatte, eine Jahrzeitslernstiftung errichtet. s"n. Hermann Levi bv^ Zwei Jahre hat Hermann Levi, den wir am letzten Freitag unter einer trotz strömenden Regens ungewöhnlich großen Beteiligung zur letzten Rühe geleiteten, mit schwerer Krankheit gerungen, die ihn vor der Zeit zur Untätigkeit verurteilte. Und verhältnismäßig erst spät, schon fast fünfzigjährig, war er aus der bescheidenen Umhegung seines von jüdischer Pflichttreue erfüllten Einzel- und Familienlebens in den Ehrendienst der Gesamtheit getreten. Aber in diesen anderthalb Jahrzehnten erfolgreichen Wirkens hat er sich die Liebe und die dankbare Anerkennung aller derer errungen, die mit ihm zusammen an dem schweren Joch der Gemeinschaftsarbeit in den Zeiten krisenhafter Wirrnis tragen durften. Gerade die Schwierigkeit der Aufgabe reizte ihn. Was er an Scharfblick, Erfahrung und Menschenkenntnis in einem Geben MirlMMiMtcr geschMWx AMik sich ^rnarLern t«. Der KMllll zu möihM, schien ttzrn Pflicht rrn!> Beglückung, weil in dieser Kehilla sein geistiges Wesen wurzelte. So trat er denn, alle Bescheidenheit und natürliche Scheu überwindend, mit scharfer Kritik an dem 'der Zeitentwicklung nicht mehr entsprechenden Finanzsystem der Gemeinde in die Oeffentlichkeit der Gemeindeversammlung und gab den Anstoß zu einer Umgestaltung btefes- Systems, für die er dann auch die dauernde Mitverantwortung in der weit schwierigeren Kleinarbeit der Ausführung in voller Hingabe seiner Kräfte übernahm. An den Arbeiten der Satzungskommission, die die neue Institution des Gemeinderates schuf, hat er an führender- Stelle teilgenommen und alsdann bis zu seiner Erkrankung im Gemeinderat selber mit Energie und Konzilianz, zielbewußter Vertretung des eigenen Standpunktes, undbescheidener Unterordnung unter abweichende Anschauungen, als . Mitglied und stellvertretender Vor- 'itzender gewirkt. Schmerzlich vermißte man, als die Krankheit ihn herausriß, feine manchmal, aus herben Worten hervorschimmernde tiefe Güte und Menschenliebe, seinen unerschütterlichen Rechtssinn und sein unerschrockenes Eintreten für die Gesamtinteressen in den Beratungen des Gemeinderates und in aufrichtiger Trauer steht nun der weite Kreis seiner Freunde, steht die ganze Gemeinschaft, der er diente, an seiner Bahre. Süll und bescheiden, wie er lebte, ist er, ohne daß ein lautes Wort des Nachrufs ertönen durfte, dahingegangen, aber sein Andenken als wackerer Jehudi, als wahrhafter mivrra im »mxa pou? wird lebendig bleiben und seiner Gattin, seinen Kindern Besitztum und Vorbild bleiben.. Daniel Aug. Worms rry Tiefe Trauer löste im Kreise der jüdischen Gemeinschaft der Heimgang von Daniel A. Worms aus, der am vergangenen Mittwoch im nahen Homburg, wo er Genesung von seinen Leiden suchte, hinübergeschlummert ist in die Welt der Ewigkeit. Mit seinem Hinscheiden hat ein charakteristisches Stück Frankfurter jüdischer Geschichte fernen Abfc^lrist 1»; früifier Sngerii»' Jj«* «j fjjß MySflkZ ÖHttttflt. bem in Frankfurt immer mächtig pulsierenden jüdischen Gemeinleben zugewandt, das sich noch steigerte, als ihn nach dem Rücktritt des Gemeinde-Aktuars Herrmann der Gemeinde-Vorstand vor vier Dezennien zum Nachfolger wählte. In dieser Stellung hatte er, dank'dem reichhaltigen Gemeinde-Archiv, Gelegenheit, seine Kenntnisse in der jüdischen Geschichte Frankfurts zu erweitern,, und es gab in unserer Vaterstadt wohl, kaum eine Persönlichkeit, die in der Geschichte jüdischer Familieu mehr Bescheid wußte wie er.