Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1926-06-17 · Heft 25 (17.6.1926) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 25 (17.6.1926)
Date
1926-06-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2450388-2450413--73235-2530633
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

©eite 4 Slr. 25 Der 8»caciit weisen? Und wenn man ihm selbst den Lehrstuhl genommen hätte, und der ganze, von der Kraft des Judenhasses getriebene Parteiapparat wäre dabei nicht in Bewegung gesetzt worden, wer hätte im jüdischen oder liberalen Kreise sich da eingemischt; wem wäre es eingefallen, aus dieser Geschichte von der Schuld und Sühne eines Professors eine jüdische Frage zu machen? Darum war es aber den hannoverischen Studenten und ihren Kommilitionen und älteren Hintermännern im Reiche gar nicht zu tun. Lessing sollte zunächst auf dem Katheder DietDin llM Dort lllü 3uäa bzspiutt und niedergeschrieen werden, er sollte aus dem Wege zur und von der Universität beschimpft und getreten werden, weil man dem Mob das schöne Schauspiel bieten wollte, wie man in einem mißliebigen Menschen Juden und Judentum symbolisch beschimpft und niederboxt. Fünfhundert Studenten, getragen von tausend unsichtbaren Freunden im Reiche, gegen einen. Sie werden es nicht schwer haben gegen den eiüen. Gegen Recht und Wahrheit und die Religion, die die Forderungen von Recht und Wahrheit durch die Jahrtausende bis zur letzten Erfüllung trägt, und die in Lessing ihren Vertreter nicht sieht, wird der akademische Pöbel auch mit Hilfe des Straßenmobs nichts auszurichten vermögen. Kam die man w>Melhode verbessert werden? Von A. Mannheimer in Deltelbach. mim Halten wir uns vor Äugen: das Lernen im sni»n rv»2 ist Massenlernen, der Unterricht Massenunterricht. Die Kernfrage lautet: „Wie kommt nun der Einzelne am besten zu seinem Ziele? Kann die Individualisierung überhaupt ausgeschaltet werden? Soll der Einzelne in der Masse untergehen? Gewiß nicht! 's bv isri^ yi2n 121*7« Das fühlt man schließlich instinktiv in jedem TTBna. Man bildet Jahrgänge, hat auch Helfer („Bester") angestellt, verwendet den im* Bochur. Sind das nicht schon rühmenswerte methodische Maßnahmen? Zugegeben! Sie beschäftigen uns hier nicht, vielmehr nur insoweit, als wir eine ruhigere Ausgestaltung der Lernform für gedeihlicher halten. Wo und wann zeigt sich nun die lärmende Lernart am meisten? »Autonomie" zum Gegenstände hat, geht in eine Apotheose aus den Zionismus aus, dessen Errungenschaft es war, den Gegensatz zwischen nationaler Autonomie und bürgerlicher Freiheit beseitigt zu haben- Unbeschadet der individuellen Emanzipation dürfe sich die nationale Gemeinschaft in einer nationalen Autonomie finden. — Das ist höchstens die Ansicht Einzelner, die auf eine ganz bestimmte Parteiideologie eingestellt find, aber keineswegs die Äuffafluna all derer, denen dieses universelle jüdische Buch das Wissen um die jüdischen Dinge vermitteln möchte. Das stärkste Stück in diesem Probeband, das uns das Ganze zu einem Buche radikalsten rm'» macht und zuversichtlich hoffen läßt, datz die wenigen Namen von gutem jüdischen Klange auf der Mitarbeiterliste nunmehr erschrocken ihre Hand von dem Werke zurückziehen werden, ist die Abhandlung über die Stammväter aus Seite 12. Der Verfasser kann es nicht unterlassen, die drei Methoden der Bibelkritik bei der Erfassung der Stammvätergeschichte anzuführen. von denen die erste, die mythologische, all die Bibelberichte in den Bereich der Götterlegenden, wie sie alle Völker batten, verweise. Dl? NMMlvlMlW MM dem ein vorgkschjchlljcher Mythos, und all dies von den Kanaanitern übernommen nach dem Einzug in Palästina. Das Ganze könnte auch symbolisch für das Leben der Völker, denen die geschilderten Personen voranschreiten, gedacht sein. Es gäbe auch eine legendäre Methode, die in den Erzählungen, Märchen nnd Legenden ohne bestimmte Absicht sieht. Der Verfasser ist so gnädig, auf keine dieser Methoden allein sich festzulegen, aber es ist für ihn kein Zweifel, datz die vermittelnde Methode, die ein Kompromiß der verschiedenen Anfichten her- Trägt der Rebbe vor, so herrscht im allgemeinen eine entsprechende Ruhe. Man kennt die elementarste Regel: die Stimme des Einzelnen fetzt sich nicht durch gegen die Menge. Findet ein Verhör statt, dann kommt der einzelne Prüfling an die Reihe; auch da verstummt jeder Lärm. Die größte Unruhe herrscht im allgemeinen, wenn die Schüler sich den Lernstoff einüben, sich einprägen, sozusagen ihre Hausaufgabe erledigen. Das soll in gründlicher Art geschehen. Es ist ganz richtig, daß der Bochur Inhalt und Form sich zugleich einprägt, daß er ein St nngonaes nnb IteLl unb ein 3Slatt K1732 frei vorträgt. Was man da im wn»n m hört, ist oft ein förmliches Referat, wenn dieser Ausdruck uns bester liegt. Der N2'V'-Vochur steht sozusagen über dem Stoff, verfügt frei über ihn, doziert eine viertel, eine halbe Stunde oder noch länger, wie ein Professor auf dem Katheder. Sein Selbstgefühl wächst; nicht lange, und er hält schon vor einem auserlesenen Publikum eine nmi- Wenn aber der zünftige Gelehrte im stillen Studierzimmer „bedeutende Zirkel" entwirft, so muß der i»"N2-Junge im Lernsaal mit so vielen zusammen diese Geistesarbeit vollbringen. Der im- Bochur ist oft nicht zu beneiden. Kann das wirklich nicht erleichtert, nicht verbessert werden? Kann ein Massenlernen, eine Massenvorbereitung, eine gleichzeitige Einprägung des Lernstoffes nicht stattfinden in der Art, daß der Lärm auf ein s ch w a ch e s M i n i m u m sich reduziert? Wir bejahen die Frage ganz entschieden und geben folgende speziellen methodischen Anweisungen. Des Lehrers Arbeit sei derart gründlich, daß Wiederholung und Einprägung dem Schüler leicht fällt. Darum: 1. Nimm dir eine Stoffauswahl, ein Teilziel m?msF g¥öDcrcn Mime. 2. Bei der Durchnahme kommen nach den Begabteren stets die Schwächeren zu Wort. 3. Scharf artikulierte Aussprache benütze die natürliche Aufnahmefähigkeit des Ohres für geistige Anregung und Befruchtung. 4. Kreuz- und Querfragen zerpflücken den Stoff und bringen Leben in den Unterrichtsgang. 5. Nie dehne den Unterricht in einer Materie zur Ermüdung aus. Denke stets an die Wohltat der Abwechslung. 6. Benütze den Selbsttätigkeitstrieb des Schülers, besonders wenn sich Gelegenheit zu graphischen Darstellungen bietet. Ein Punkt, eine Notiz an die Tafel geschrieben durch Schülerhand, belebt oft die ganze Klasse. stellt, das Richttge tteffe, und er fchlietzt mit ein paar anerkennenden Worten für den »poetischen Gehalt" der Vätergeschichte. Wir haben nach diesen Proben von der Eschkol- Enzyklopädie nichts zu erwarten, sie zeigen deutlich, wes Geistes-Kind sie ist, und es gilt von. ihr nb rm 8122V» 8122 8^tf- Jüdisch.empfindende Kreise sollten sich hüten, demWerkEinganginihreHäuserzugestatten. (Der «ngarische Ztarhenan). Im Sanatorium Gutenbrunn in Baden bei Wien verstarb vor kurzem nach längerem Leiden der Begründer der demokratischen Bewegung in Ungarn und deren hervorragendster Führer, gewesener Iustizminister und Geh. Rat Wilhelm V a zso nyi. Vazsonyi's politische Laufbahn begann 1885, als er sich an die Spitze der um die demokratischen und nattonalen Ideale kämpfenden Hochschuljugend stellte. Später etablierte er sich als Rechtsanwalt. Unter feiner Führung entstand im Budapester Rathause die Demokratenpartei, die in wenigen Jahren die Mehrheit in der Budapester Stadtverttetung errang. Sein ganzes Leben lang kämpfte Dazsonyi für die Reinheit des öffent- Iidjen fiebcns. Gegen ffinbe dss Frieses, als fiel» MM Kail ßntfSlBl, ein Wahlrecht zu geben, wurde Dazsonyi zum Jufttzminister ernannt und sollte die Kodifizierung des allgemeinen Wahlrechtes durchfuhren. Er war der erste jüdische Minister Ungarns. Als er gegen die Intrigen des Adels nicht auskam, demissionierte'er. Nach dem Zusammenbruch war sein ganzes Sinnen daraus gerichtet, das Land möglichst rasch in geordnete Zustände zurückzusühren. Er kämpfte mit beispiellosem Mut gegen die Zersetzungserscheinung des sogenannten Rassenschützlertums und war dessen gefährlichster Gegner. Er wurde auch von den rechts- 17 Juni 1920 7. Nie schließe eine Stunde, eine Lektion ohne Wiederholung. Eine solche finde womöglich am Ende jeder Woche statt, spätestens am Ende eines Monats. 8. Alle Redewendungen, die im Laufe der Zeit beim Lernen den Charakter von termiiü teLbnici annahmen, finden in der einmal festen Prägung ihre Verwendung, da im Leben und in der unterrichtlichen Heranbildung aller Berufe und Stände die technischen Bezeichnungen und Redewendungen ifjy? mmiö)s MtMllllg unD MAMilg erwiesen fyabm. Wir glauben in Vorstehendem den didaktischen Weg gezeigt zu haben, der eine Verbesserung der bisherigen Methode iM Vii»,i r>'2 darstellt. Wir wünschen und erstreben damit eine Erhöhung der Leistungsfähigkeit des »"12 oder der N2'V' von ganzem Herzen, buiV' 'ppinb '2b, eine Erhöhung der Anziehungskraft jener uns allen teuren Pflanzstätten altjüdischen Thorageistes und Thorawiffens. Wir übersehen auch eines nicht: Jeder Rabbi gibt seinem Kreise durch seine Persönlichkeit ein besonderes Gepräge, seine Methode erhält eine subjektive Färbung. Diese Erscheinung ist auch anderswo allbekannt; man findet sie in der einfachsten Dorfschule bis hinauf in die Hörsäle der Wissenschaft, in kaufmännischen Betrieben wie in technischen Lehranstalten. Studenten wechseln oft ihren Studienort, um an dieser oder jener Universität diesen oder jenen Professor zu hören. Lehrlinge hört man verschiedene Werturteile abgeben über verschiedene Meister, die sie gehabt. Menschen sind eben keine Maschinen, sie lassen sich durch noch so sorgfältig durchgearbeitete Vorschriften und Paragraphen nicht über einen Leist schlagen. Auch der Jeschiwabochur erlaubt sich Unterschiede zu konstatieren 2»^«, bem -rraftj yn 953 smtn MM utld Des andern, genau so, wie einstens der Rebbe auch Verschiedenheiten im pädagogischen Geschick seiner v'221 entdeckte. Suggestiv übertragen sich sogar reine Aeußerlichkeiten des Meisters auf den Zögling. „Und wie er sich räuspert usw." Der Subjektivismus kann und soll nie ausgeschaltet werden. Er findet aber seine Schranken in den als vernünftig anzuerkennenden Unterrichtsregeln und methodischen Forderungen. Und diesen zu ihrem Rechte zu verhelfen ist der Zweck unserer Darlegungen. radikalen Parteien mit tödlichem Hatz verfolgt. Erst vor wenigen Wochen wurde er in Budapest auf dem Wege zum Parlament von zwei Rafsenschützlern angefallen und durch Stockhiebe nicht unerheblich verletzt. Außerdem wurden Revolverschüsse gegen ihn abgeseuert, die aber nicht trafen. Er suchte später in Baden bei Wien Heilung von seinen Leiden, um den Kampf gegen den antisemitischen Kurs in Ungarn mit frischen Kräften ausnehmen zu können. (Der Archäologe Irof. Hrfali tödlich verunglückt). Prof. Pater Gaudenzio Orfali, Mitglied des Franziskaner-Ordens, ist auf seiner Fahrt von Capernaum nach Beirut, wo er an dem Archäologen-Kongreß teilnehmen wollte, im Auto tödlich verunglückt. Pros. Orfali. Archäologe von Ruf, war Mitglied des Antiquitäten-Departcments der Palästina-Regierung und Rektor des Jerusalemer Archäologen- Jnstituts der Franziskaner. Im vorigen Jahre organisierte er den Palästina-Pavillon auf der katholischen Missionsausstellung in Rom. Er war ein aufrichtiger Freund und Förderer der jüdischen Arbeit in Palästina. Gelegentlich der MMonsaus-. xn fffiigns ft m Einem MVMw mit dem Jta-Vrrtrrter, vlltz PlllaslMa nur Mit jüdischem Kapital, jüdischer Arbeit und jüdischem Geist ausgebaut werden könne. In diesem Sinne faßte er auch ein für den Papst bestimmtes Memorandum ab, das er persönlich überreichte. Bei dieser Gelegenheit bewies der Papst ein positives Interesse für die jüdische Aufbauarbeit in Palästina. — In Capernaum hielt sich Pater Orfali auf, um die jetzt vor sich gehenden Restaurationsarbeiten an der berühmten jüdischen Synagoge aus dem 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr. zu beaufstchttgen. Das Terrain der Synagoge gehört dem Franziskanerorden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.