Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1926)
- Date
- 1926-06-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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SkM 0 Nr. 2* Der Tsr « klil gegengesandt. Es war «in kalter Tag, and ein Mitglied der Abordnung, der Führer der Kiewer Zionisten, Ingenieur Sirkin, erkältete sich und starb nach wenigen Tagen. Es ist schwer zu sagen, setzte Grusenberg fort, ob Petljura persönlich die Pogrome gefördert hat. Es fehlen hierfür triftige Beweise. Grusenberg bezeichnet vom moralischen Standpunkt aus «Petljura zweifellos als den Verantwortlichen für die -unmenschlichen Metzeleien unter den Juden. Schwarzbarths Tat jedoch kann er nicht gutheißen, da ein Racheakt wider die Gesittung ist. SttglanN Dr. James JX. Rosenberg und Dr. Bernhard Kahn über Rußland. Berlin, 31. Mai. Dr .James N. Rosenberg aus Newyork, erster Vizepräsident des American-Iewifh Joint Distribution Committee, und Dr. Bernhard Kahn, der Direktor des Europawerks des Joint, sind soeben aus Rußland, wo sie in einem mehrwöchigen Aufenthalt die Lage oer jüdischen Bevölkerung in den Städten und den Fortgang des Siedlungswerkes auf dem Lande eingehend studierten, nach Berlin gurückgekehrt. Herr Dr. James N. Rosenberg schilderte Pressevertretern in sehr instruktiven Ausführungen feine Eindrücke in Rußland und den Fortgang des jüdischen Aufbauwerks in diesem Lande. Die Mitteilungen wurden durch Herrn Dr. Bernhard Kahn an Hand von Landkarten ergänzt. Sehr schwere Eindrücke empfängt man. va&nn man in Nutzend ÖQS iiänomttye löe&ert studiert, Der einzige Lichtblick ist gegenwärtig das auf dem Lande vor sich gehende Siedlungswerk. In Moskau, Odessa, Simforopol, Cherson usw. sprachen wir mit vielen Hunderten Repräsentanten des jüdischen «Lebens in Rußland, sowie mit sehr zahlreichen jüdischen Siedlern, endlich auch mit führenden Männern der Regierung. Alle sprachen mit großem Enthusiasmus über das Werk des Agro-Joint und wünschten als eine Sache von erster Wichtigkeit in Rußland eine «Fortsetzung und Erweiterung dieses Werkes. Da die frühere zarische Regierung das jüdische Element in Ansiedlungsrayons gusammenpferchte und es der primitivsten Rechte beraubte, wurde ein Kleinhändlertum gezüchtet, für das im jetzigen Rußland kein Platz mehr ist. Mehr als eine Million Juden wurde so zu den deklassierten geworfen. Sie besitzen kein Stimmrecht, müssen der Wohltaten des Erziehungswesens, der Krankenhäuser und Heime, usw. entbehren, die nur für Arbeiter und Bauern bestimmt sind. Die einzige Rettung für diese Million Juden besteht darin, sie aus Deklassierten in Klassierte umzuwandeln, d. h. sie produktiver Arbeit zuzusühren. Die Bewegung unter den jüdischen Massen zu produktiver Arbeit, insbesondere zum Ackerbau, ist elementar. Ohne daß irgendeine Propaganda betrieben wird, kommen diese Menschen und tragest ^ch ist btß fitflött der £>teblungsanroärter ein. Die Negierung unterstützt sehr diese Bewegung. Sie stellte in diesem Jahre unentgeltlich Land zur Ver- Wns, Tat das man nch Mkpat mehr als 12 Millionen Dollar hätte gahlen müssen. Sie gab 500 000 SJinrfjen non 4>er S>crilf)Trxicn ©c^roar^en HStbe^ JffJTfF ™ ZBvftv von 200 000 Dollar Md endlich eine Million Dollar an langfristigen Krediten zwecks Anschaffung von Maschinen. Wir besuchten in der Ukraine 50 mit Hilfe des Agro-Joint in den Jahren 1924, 1925 und 1926 eingerichtete Kolonien; alle waren in bestem Zustande. Viele Kolonisten wohnten schon in gut und zweckmäßig erbauten und eingerichteten Häusern, viele Siedler müssen noch in Baracken wohnen, mehrere hundert Häuser sind erst im Bau. Die neuen Siedler gehen mutig ans Werk und legen Entschlossenheit und Ausdauer an den Tag. Die Ernte in diesem Jahre war über alle Maßen gut. Dank der schweigenden Energie und der unübertroffenen Sachkenntnis von Dr. Joseph Rosen wurden bisher durch Joint und Agro-Joint 7000 jüdische Familien aus dem Lande angesiedelt. 2000 Familien wurden mit Hilfe des russischen Ort im Gebiet von Odessa und mit Hilfe des Joint, in Weißrußland angesiedelt. Joint unterstützte 2000 Chalizim, denen von der Regierung Land gewährt wurde. 500 Familien siedelten wir in den alten jüdischen Kolonien an. Insgesamt wurden von uns 500 000 Juden unterstützt, zum großen Teil solche, die von selbst ihre Ansiedlung aus dem Lande bewerkstelligen. In den alten jüdischen Kolonien in der Ukraine und in Weißrußland unterstützten wir etwa 13 000 Familien, ferner 2000 jüdische Tabakpslanzer in Podolien, insgesamt 75 000 Seelen. Aber auch nichtjüdische Bauern in der Ukraine und in Weißrußland erhielten und erhalten noch heute Unterstützungen vom Joint in Form leihweiser Ueberlassung von Maschinen und Traktoren, sowie in Form von Geldvorschüssen. So haben bisher 75 000 nichtjüdische Nachbarn der jüdischen Siedler Unterstützungen vom Joint erhalten. Die Ausgaben des Agro-Joint betragen 1700 000 Dollar. In den Moskauer Besprechungen übernahm Komzet die Finanzierung von weiteren 1200 Häusern. In einem Jahre sind etwa 100 neue Dörfer errichtet worden. Herr Dr. Bernhard Kahn war ungeheuer erstaunt, in einer Gegend im Cherson-Distrikt 15 neue jüdische Dörfer zu finden, wo er bei einem vorjährigen Besuch noch keines vorgefunden hatte. tftanfveicli. Die Verteidigung Schwarzbarths. Paris, 31. Mai. Hier hat sich ein Komitee gebildet, welches die Organisierung der Verteidigung für Scholom Schwarzbarth, der den ukrainischen früheren Attaman Petljura erschoß, übernommen hat. Der bekannte Pariser Rechtsanwalt Henri T o r r e s hat sich bereit erklärt, Schwarzbarth zu verteidigen. Die Untersuchung führen der Präfekt des Odeon-Bezirkes Mollard und der Friedensrichter Eentil. Paris, 3. Juni. In Paris ist ein Komitee in Bildung begriffen, welches, aus Nichtjuden bestehend, die Aufgabe haben wird, zur Unterstützung der Verteidigung von Schwarzbarth die Materialien über die ukrainischen Pogrome zu sammeln. Wie es heißt, hat sich Herr Rakowsky, der sowjetrussische Botschafter in Paris und frühere Präsident der Sowjetukraine, erboten, dem Gericht die in seinem Besitz befindlichen Materialien über die Ereignisse in der Ukraine zur Verfügung zu stellen. Es verlautet ferner, daß bas Gericht eine Untersuchungskommission nach der Ukraine entsenden wird, um an Ort und Stelle Material über 'die Pogrome zu sammeln. Die Sammlung und Sichtung der Materialien wird wohl allein mindestens 12 Monate in Anspruch nehmen. Es ist deshalb wahrscheinlich, baß der Prozeß gegen Schwarzbarth erst im Jahre 1927 stattfinden wird. Der Mord an Petljura brachte in Erinnerung, daß noch andere Pogromsührer und Pogromanstifter, so u. a. General Denikin, Schkuro und Bulak-Bal a ch o w i 1 s ch , jetzt in Frankreich als politische Emigranten leben. In Pariser Zeitungen erheben Juristen, und zwar nichtjüdische, die Frage, ob Leute, die für die Hinmetzelung von Frauen, Greisen und Kindern die Bemtworluiig ttflflen,’ auf 6d)U| als „Es Emigranten überhaupt Anspruch «erheben können. England- Der Kampf des Lhief-Rabbi gegen den rwerlllismm. London, 28. Mai. Chies-Rabbi Dr. Hertz führt seit etwa einem halben Jahr einen mit bemerkenswerter Konsequenz und Energie fortgesetzten Kamps gegen das im Aufstieg begriffene liberale Judentum, wie es Claude Montefiore und der neuerdings nach London gekommene amerikanische Prediger, Dr. Joel Blau, repräsentieren. Bereits am Chanuka hielt der Chief-Rabbi zwei Predigten, in denen er mit der ihm eigenen Beredsamkeit, dabei aber doch in recht nüchterner -Art und Weise und an Hand zahlreicher Quellen-Nachweise das wahre Wesen des Reformjudentums aufzeigte und die Konsequenzen entwickelte, zu denen der Liberalismus führt. Die Predigten sind jetzt unter dem Namen: „Dbe New Paths, Wither do they lead?“ bei der Orford University Preß in Buchform erschienen. Sie haben bei ihrem Erscheinen in der Presse starkes Aufsehen erregt und selbstverständlich zu «heftigen Erwiderungen der angegriffenen liberalen Geistlichen geführt. Dies hat Dr. Hertz jedoch nicht «daran gehindert, seine Kampagne jetzt durch weitere Predigten fortzusetzen, die er unter dem Namen: „Affirmations of Judaism" („Positive jüdische Lehren") ebenfalls in der Presse veröffentlichte. Die am Schewuoth-Feste gehaltene Predigt beschäftigte sich eingehend mit der wissenschaftlichen Unterlage des Liberakis- _V_10 Juni 1026 mus, der Bibelkritik, und gibt ein anschauliches Bild von, den Lehren und der Fortentwicklung der Wellhauseistschen Schule. Man kann verschied-':-,;c Meinung darüber sein, ob eine so detaillierte l'.l.t.-einandersetzung mit der äußersten Negation aus die Kanzel einer Synagoge paßt, ob nicht vielmehr aus diese Weise die Stätte der Erhebung und religiösen Verinnerlichung einigermaßen entweiht wird. Anerkennung verdient jedoch unter allen Umständen der Mut und die wissenschaftliche Gründlichkeit, mit der der Chief-Rabbi bei dieser rmn nrnbr. gearbeitet hat. Dafür werden ihm auch diejenigen orthodoren Kreise, die in Dr. Hertz sonst nicht ihren Führer erblicken und an seiner oft sehr tompromißfreundlichen. Haltung vieles auszusetzen «haben, Dank wissen. Die Konferenz des liberalen Judentums in London. London, 4. Juni. Bekanntlich wird in London zwischen 10. und 12. Juki eine Internationale Konferenz der liberalen jüdischen Gemeinschaften im Gebäude der Londoner liberalen Synagoge stattfinden. Wie das Organisationskomitea mitteilt, werden der Konferenz Vertreter des liberalen Judentums in den Vereinigten Staaten, Deutschlands Frankreich, Oesterreich, Indien und England, sowie in anderen Ländern beiwohnen. Man hofft aus die An- Wesenheit von etwa 40 liberalen Rabbinern. Großes- Interesse für die Konferenz bezeugen die Zentralkonserenz: der amerikanischen Rabbiner, «dis Unixm Ser amcxitani^dj- IfiDtltn ÄDnsi'yittönen, Ue Födesupivn der Tempelschwesterfchaften in Amerika, «die Vereinigung der liberalen Rabbiner und die «Vereinigung für liberales Judentum in Deutschland, sowie die Liberale Union in Frankreich. ouef aus pamfnna. Einbürgerung - Kultur und Erziehuna — Zwischenfall — Krisis und Auswanderung — Aufhebung der Baumwollzölle. Jerusalem, 31. Mai. „Doar Hajom" klagt in einem längeren Artikel über die schwache Beteiligung des jüdischen Elementes an der Erwerbung des palästinensischen Bürgerrechtes. In Tel- Awiw, der jüdischen Stadt, haben sich knapp 600 Personen in die Einbürgerungslisten eingetragen. Das Blatt spricht die Zionistische Leitung nicht frei von Schuld an dieser Erscheinung, da sie nicht für Erleichterung der Bedingungen gesorgt hätte. Nach dem neuen Gesetz gehen alle früheren ottomanischen Bürger — das hieße die halbe Million der mohammedanischen und christlichen Araber — automatisch in das palästinensische Staatsbürgerlum Über, dem mir, nach dem bisherigen Gang der Dinge bemessen, 5000 oder 6000, wenn es hoch kommt, 10 000 Seelen werden gegenüberstellen können. Was daram folgt, ergibt [i(f) « W M mtrb BOtlt Blotle dick unterstrichen. Im sogenannten Zwanziger Komitee hielt Ussischkin ein beachtenswertes Referat Mr Exäiejutigsfuötn in PMin°. & bit 3io. nistijche Leitung an, daß sie nicht allein Kulturrntsrssssrr syg-M ÜUÖ) Ml Ulte IMiWUrti JLr VvlköMlkUI, )11I EkMhttttg ilttb Unterricht in den Schulen keinen Sinn noch Verständnis hätte. Man merke überall in den leitenden Kreisen eine Abneigung gegen den „Lurus von Mittel- und höheren Schulen". Das Tech-- nikum in Haifa muß mit Anstrengung aller Kraft um seine Existenz kämpfen; er kritisiert im ferneren auch die abgekühlten Beziehungen der Leitung zur Universität.. Die ganze Arbeit Müsse einer gründlichen Revision unterzogen werden, am meisten die auf dem Gebiete der Erziehung. Man benötige seines Erachtens drei Fonds,, die sich mit gleichen Rechten gegenüber stehen, einen für den Bodenkaus, einen anderen für den Aufbau und einen, dritten für die jüdische Kultur in Palästina und kn der Diaspora. Die Befürchtung «der gegenseitigen Konkurrenz, hält er für grundlos. Wo die Gebefreudigkeit da ist,, ■genüge sie für alle Fonds und wo sie gesunken ist, vegetiere auch der eine. Wenn außerhalb der Fonds oft unnötigerweise soviel für organisatorische Zwecke gesammelt wird, so «brauche man auch die Gründung einesdritten Fonds nicht gu scheuen. Der Kongreß müsse diesen Kultursond schaffen und damit das Erziehungsbudget, aus dem Bereiche des Keren Hajefsod bringen. — Ob eine Trennung der Kultur von dem Keren Hajessod dazu führen sollte, - daß diese Kultur jüdischere Bahnen ein-- schlägt, davon hat «Ussischkin nichts verlauten lassen. Das Schrvaausfsst Srcrchte tto ^Jerujalem 11 f st