Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1926-06-10 · Heft 24 (10.6.1926) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 24 (10.6.1926)
Date
1926-06-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2450388-2450412--73214-2530611
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

oeite er Qitodli 10 1926 Jugendzeit für mpö' ,wa und mm auch dem Grundsatz des Fortschreitens vom Leichten zum Schweren entsprochen ist. Trotzdem wird im Rahmen dieser Stoffabgrenzungen noch viel gegen diese Regel gefehlt. Diesem Umstande verdankte das methodische Werk -pYran sein Entstehen. Unseres Erachtens legte es den Finger auf eine offene Wunde. Man gab und gibt sich dem — sagen wir — mitunter ehrgeizigen Gedanken hin, wenn die Schüler das Schwerere erfassen, können sie das Leichte sicher. In dem Ziele O’Yabnn nx rm1?' treibt man eine Geistesgymnastik, die das rechte und vernünftige Maß gänzlich vermissen läßt. Der paix *iot> und Yir>j? erhoben dagegen vor langer Zeit ihre Stimme. Sie darf auch in der Gegenwart gehört werden. Es existiert tatsächlich kein Traktat, in dem man nicht leichtere Partien von schwereren unterscheiden und scheiden könnte. Die Schulung junger Geister beginnt Dann stots am Seiäjtmn. Und feflsft dss Leichtere muß leicht gemacht werden. Man bedenke: Beim Lernen vollzieht sich die Geistestätigkeit nach zwei Richtungen: Erfassung des Inhalts und Uebersetzen. Da gebe man stets zuerst den Inhalt in deutscher (oder Jargon) Sprache. Es kann ja ohnehin nicht in hebräischer Sprache erfolgen. Alsdann folge das Lernen aus der mm, der Mischna. Es bildet dann nur eine übersetzungstechnische U e b u n g. Bei komplizierteren Gedankenentwicklungen müßte der Gang erst recht eingehalten werden ^Durch Beachtung vorstehender Regel wird man die Lust am Lernen heben, nicht untergraben. Das Gefühl der Freude am Wissen, an Wahrheit, wohnt jedem Menschen inne, selbst dem kleinen Kinde. Es empfindet Freude am Empfange von Wahrheit, Freude am Suchen der Wahrheit. Kann der Schüler dem Unterrichte ..nicht folgen", so beschleicht ihn ein deprimierendes Gefühl. Es tritt Langweile ein, nach Herbart „die größte Sünde des Unterrichts". Man hüte sich daher vor dem Vielerlei, das den Geist verwirrt. So warnt de,x Talmud: „Wenn du einen Schüler siehst, der den Stoff nicht bewältigen kann, so ist die ungeordnete, verwirrende Lehrweise daran schuld." ('n rrawO Wenden wir uns nun einem anderen Punkte zu, vielleicht dem heikelsten. Man glaubte und glaubt nämlich, daß lärmendes Durcheinander imb oI>ren£)eiättJ)enbe Unruhe gu bert unbebing|e|T Postulalcn des WTtan IN2 gehören. Soll doch Die Kenntnis der Thora erworben werden: bisbs2' ll'NSV stXN durch Hören des Ohres, durch geordnete mündliche Wiedergabe, durch Disputieren der Schüler. (Pirke Abot 6.) Wird doch im Jore Dea Paragraph 146 gemahnt, Wert gelegt. Das Buch selbst ist bekannt und kommt bei der großen Armut an jüdischer Jugendliteratur einem dringenden Bedürfnis nach- Wir werden daraus noch einmal zurückkommen. Das Buch ist vom Verlage zu beziehen zum Preise von Mk. 1.25 das Heft, in einem elegantem Halbleinband Mk. 3.60. Familiennachrichten. Barmizwo: Emil. Sohn des Herrn Mar Mauer. Wllrzvura. manzManMasse 1 seimut Sohn des Serm Solomon Eschwege und Frau Jda geb. Nathansen, Hamburg, Rappstr. 13. npn 's- G eburtstag: Am 14. Juni begeht Frau Jos. Geismar Wwe., geb/ Diefenbronner, in Bad Neuenahr ihren 70. Geburtstag. Wochenkalender. vom 12. bis 18- Juni 1888.1 vom 30. Eiwan bis 7. Tamus 6688 Samstag Sun. 12 nip 30 p'v '3 rr p*is snn twn rr Sonntag 13 1 nnn DIN V813 '3 Montag 14 2 Dienstag 15 3 Mittwoch 16 4 Donnerstag 17 5 Freitag 18 6 Samstag 19 von 7 n 3 pifl rrn D”j?na iiivbr, nsrnra ibip srawan bs „wer seine Stirttme ertönen läßt beim Thorastudium, hat dauernden Gewinn davon, mij?n ^nx N2w' xin mnnn wn^n, wer hingegen „leise liest, wird das Gelernte bald vergessen." Sicher wird kein Pädagoge der Welt die Wahrheit und volle Berechtigung dieser methodischen Grundsätze bestreiten wollen. Gehören sie doch tatsächlich zu den allseits Und jederzeit änerkannten Unterrichtsregeln! Das schließt jedoch nicht aus, daß auch das bestgedachte Mittel im Laufe der Zeit mißbraucht werden kann, sich zu einer Enartung auswächst. Haben doch dieselben Weisen, welche obige Grundgedanken aussprachen, auch das Wort geprägt: 'VvNVQ xb 'bp '->n, Gleichzeitig können zwei Stimmen nicht verstanden werden. Hier ist wieder einmal die breite, sichere Straße der Natur betreten, gegen die man nicht ohne Schaden zu nehmen sündigt. Es ist nur ein schrvacher Ein- WAlld, ÜSihü tttdh darauf hinrverfeu zoo(Uef baß unsere Weisen unter Umständen den öffentlichen Vortrag auch zu zweien gestattet haben, wenn es sich um Texte handelt, deren Inhalt bei der Volksmenge besonderem und liebevollem Interesse begegnet, wie nnvx n^rna, denn inV na’am 'i"X imnrr ’arr». Die Parallele zum „Lernen" hier zu ziehen ist verfehlt: der Vergleich hinkt. Erstens haben die Weisen nur ausnahmsweise jene Konzession gemacht. Sodann ist Megillohören noch lange keine so intensive Geistestätigkeit wie das eigentliche Thorastudium, das Lernen im wa m*ran Es sagt sich ja leicht: Für den Lernbeflissenen existiert der Lärm nicht, der Nachbar ist für ihn nicht da. Man wird doch am Ende nicht gar beweisen wollen, daß das bunte Stimmengewirr förderlich ist für Begreifen und Einprägen des Stoffes! Wir sagen durchaus nichts gegen den bekannten Lern-si^« Im Grunde genommen ist er nichts anderes a l s d i e Betonung beim deutschen Lernen auch, nach Komma, Punkt, Fragezeichen, Ausrufezeichen usw. Er trägt nur seine eigene Färbung. Der Lern-siii ist sogar ein sehr wertvolles, ja notwendiges mnemotechnisches Hilfsmittel, gibt der spröden Materie Leben, Inhalt und Zusammenhang; denn die Folianten des Talmud kennen weder Komma, noch Strichpunkt, weder Fragezeichen noch andere Interpunktionen. Wie regellos sind die Worte aneinander gereiht. Erst der Nigusl hmlcht Ggstgkst Willst Leven uiw Zusammenhang ein. Unv Rabbi Jochanan meint: mm xVa rawn na’yj X^a mij?n d'vLVm v'2iv x1? mpin vnb ■»nx m *rmx awsn DH2 1'N' xb' Wer liest ohne liebliche Stimme und lernt ohne „Gesang", auf den scheint der Vers gemünzt: „Ich gab ihnen Satzungen, die ihnen nicht gut erscheinen und Rechte, bei denen sie nicht aufleben." Und wenn die innere Erregung sich aufs Aeußere fortpflanzt, nicht nur Kopf und Stimme in Bewegung sind, sondern auch der Arm, die Hand, der Daumen mithelfen, so sehen wir solche Mimik ja auch täglich im Leben, sie sind unerläßliche Forderungen beim Schauspieler, um abstrakte Gedanken gleichsam konkret zu fassen, dramatisch zu beleben. Und der Lernende möchte doch auch aus sich heraustreten, die lebhaft sprudelnden G^ddtiken, das bernegte Gefühl brüpgt Aeußerung. Wir flehen hier vor einer Naturnotwendigkeit, die man nicht vergewaltigen darf. Der Kampf gegen eine Tradition ist aber um so schwerer, je älter und verbreiteter jene ist. Und dennoch, dennoch! Es ist jüdischer Geist, jüdisches Streben, jüdische Liebe, welche den noch besseren Weg suchen möchten, den rmp *p> Dieses Suchen, man darf dies ganz allgemein aussprechen, brachte uns die große Poßkim-Literatur. Man fand es für lebensnotwendig, dem Volke fertige Bausteine zu bieten, die man nicht mehr zu bearbeiten braucht mit dem Hammer des Pilpuls. Ganz ähnlich hier, wo man eine Verbesserung der überlauten Lernweise erstrebt, keinesfalls eine Beseitigung des lauten Lernens. (Schluß folgt.) llomspontlenren « Nachrichten. Äeietz. Rordostdeutfcher Rabbinerverband. Königsberg, 26. Mai. Am 13. Mai fand in Königsberg eine Konferenz: des Nordostdeutschen Rabbinerverbandes unter dem Vorsitze von Rabbiner Dr. Jakobovits- Königsberg statt. Die Beratungen galten ausschließliche den religiösen Angelegenheiten Ostpreußens. Die Absicht des Synagogenverbandes, der Anregung des Rabbinerverbandes gu folgen und Schachtnuje Tür Die Mi Aml BeTinöliüjen (Böjüöjtor oinziu riäjtQtt, Wurde freudig Dress Kurse sollen zweimal jährlich stattsinden und auch die Frage des Schächtschutzes behandeln. Von einigen anderen Verbesserungen hinsichtlich der Schechita Wurde gern Kenntnis genommen. Der Bildung son Bezirk srabbinaten, wie sie der allgemeine Rabbineroerband auf seiner letzten Tagung in Hannover gewünscht hat, wurde grundsätzlich, zugestimmt. Die immer Wiederholte Forderung der Rabbiner betreffs Teilnahme an den Sitzungen des Vorstandes soll nach den Beschlüssen des Allgemeinen Rabbinerverbandes durch gesetzliche Regelung erstrebt werden. Es wird daher zur Zeit von jeder Einzelaktion abgesehen.. Tagung des Vereins der Leiter und Leiterinnen jüdischer Erziehungsanstalten Deutschlands. Düsseldorf, 28. Mai. Der Verein der Leiter und Leiterinnen jüdischer Erziehungsanstalten Deutschlands tagte dm 26. Mai 1926 in Düsseldorf in den gastlichen Räumen der Düsseldorf- Loge. Aus allen Teilen Deutschlands waren die Mitglieder zu ihrer 3. Jahresversammlung in der Aus- 'tellungsstadt zusammengekommen. Der 'Vorsitzende, Direktor P e r i tz -Königsberg begrüßte die Vertreter der Behörden und Vereine. Herr FeIfenthal, Vorstand der Synagogengemeinde Düsseldorf begrüßte die Vertteter der Anstalten im Namen seiner Gemeinde und der Zenttalwohlfahrtsstelle Berlin. Nach weiteren Begrüßungen kam ein Referat des Herrn Hofrat Dr. Oppenheimer-München über: „Die 'Gesundheitspflege in unfsrstt Sixrc^ ^>crrn Dr. ^üsMerf mit losrtüollen Ergänzungen zur Milefnng. Die wichtigsten gesundheitlichen Probleme des Anstaltslebens wurden eingehend -erörtert, so Abhärtung, Hautpflege, Atmung und Lüftung, Kost, Sport, geschlechtliche Verirrungen, Bettnässen, 'skrofulöse Erscheinungen und dergleichen. Direktor Silb erb erg-Ahlem sprach über: „Das Arbeitsprinzip in der Erziehung". Die Konferenz schloß abends mit einer gemütlichen Versammlung. Die Tagung der Gefetzestreuen Badens. Freiburg, 7. Juni. Es schien vielen ein Wagnis zu sein, in einem Land wie Baden, wo für Tagungen die Orte Mittelbadens am gelegensten scheinen, die Vertreter aus dem ganzen Lande nach Freiburg gu berufen. Es darf mit Freude sestgestellt werden: sie kamen von überall her. Von Mannheim und Umgebung, von Mosbach, vom kleinen Dorf NMübWüsshsim. vsn väiii 0&e±L»£, von ber «schwerer -Grenze, jo, es fehlte nicht der Gesinnungsgenosse aus Württemberg und auch Basel war vertreten. Rabbiner und Lehrer, Oberräte und Synodalabgeordnete, Vertreter von Stadt und Land, sie alle nahmen teil an der Tagung, bewußt der großen und schweren Ausgabe, die hier wie überall den Verttetern des gesetzestreuen Judentums erwächst: n»i»w der zu sein. Nachdem am Vorabend der Vorstand des „Vereins zur Wahrung der Interessen des gesetzestreuen Judentums in Baden" — „Verein zur Wahrung" (V. z. W.), so nennt man ihn in Baden ja schon längst, — zu Vorbesprechungen gusammengetreten war, und erst gegen Mitternacht seine Beratungen unterbrochen hatte, begann am 3. Juni vorm. 10 Uhr die 'Generalversammlung unter dem Vorsitze von Eduard Bauer, Mannheim. Waren die Erössnungsworte und der Tätigkeitsbericht des Vorsitzenden, der Rechenschaftsbericht (Jeselsohn, Neäarbischofsheim) und der Bericht des Arbeitsausschusses

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.