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Der Israelit · 1926-06-03 · Heft 23 (3.6.1926) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 23 (3.6.1926)
Date
1926-06-03
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 2 Nr. 23__ die Aufmerksamkeit auf ein anderes Gebiet, auf den Viehzehnt (Ende Bekhorot), wo der Verzehntende mit dem Stabe das zehnte, neunte und elfte Tier berührt hat und nun trotz der irrtümlichen Berührung all diese Tiere zum Zehnten gehören. Also bleibt es doch bei der irrtümlichen Weihung. Wie aber, werfen die Hilleliten ein, wenn er das achte oder zwölfte Tier berührt? Da bleibt die Weihung doch ungültig. Für tvivb tznpn liegt hier kein Beweis vor, es ist 1WM JWH. (Dieser dritten Mischna geht ein Satz noch voraus, wonach der Chacham bei der Anfrage das Gelöbnis als gültig erklärt, nur braucht der Nasir nicht die Zeit seines Nasirats zu verlängern, die verflossenen Tage werden ihm. angerechnet. Da diese Erwähnung nötig ist, so muß hier eine Verfehlung vorliegen, die nur nicht bestraft wird. Dies nur nebenher.) Dieser mischnische Aufbau ist so planvoll und einheitlich, daß es schwer halten würde, ihn zu zerreißen. Alle Bestandteile sind zur Halacha notwendig, und der Nasirfall soll den Ausschlag geben. Also gehört die Mischna nach Nasir. Daß hier auch Weihegelübde Vorkommen, beruht auf dem Zusammenhang Nedarim-Nasir (s. die Anfangsmischnas beider Traktate, s. Maim. hilchot Nedarim 11, 2, wo der Zusammenhang Nedarim- Nasir-Erakhin dargetan wird, nur daß Maim. nach feiner Art die Gebiete gesondert behandelt). Hier liegt keine Veranlassung vor, über die Aneinanderreihung zu staunen. Wer das will, der sehe sich Reihen wie Pea III6—8, Therumoth II3 usw. oder gar Megilla I4b—11 114—6 oder Traktate wie Chagiga und Sotah an, wo scheinbar alle Voraussetzungen unserer Ordnung außer Acht gelassen sind, dem eifrigen Erforscher dagegen all' die Rätsel sich ohne Künstlichkeit lösen. (S. unser „Ueber den Zusammenhang, die Quellen und die Entstehung der Mischna".) Bisher hat sich alles glatt erklären lassen, da wir nur den Peschat der Mischnafassung im Auge hatten. Die Hauptschwierigkeiten liegen hier, woraus m. E. noch nicht hingewiesen worden ist, in der G e m a r a. Dort wird die Ansicht der Schammaiiten auf Temurah gegründet, wo die Thora selbst bei einer absichtlichen Verfehlung beide Tiere als heilig erklärt, um wieviel mehr ist hier die nur irrtümliche Weihung gültig. Die Hilleliten fechten aber den Vergleich an. Bei Temurah war doch der Anfang, die erste Weihung richtig: in unseren Fällen ist.sie aber von vorn- DiTiin MM. HBörauf soll JiW lla Die (Suiüglßü 9?. lstüsiü sich bet 6tattb= Punkt. Cr meint, das Gelübde wäre s o abgelegt worden, daß, welcher Stier auch zuerst herauskommt, als heilig gilt; was nach Veth Hillel nur nicht deutlich und ausdrücklich ausgesprochen worden ist. Allerlei Bücher. Allerlei Bücher sind bei mir zu Besuch eingetrosfen, wohlbeleibte und schlanke, prunkvoll und dürftig gekleidete, manche mit heiterem, andere mit elegisch gefaltetem Gesicht. Versuchen wir, sie gelassen und würdig zu empfangen. — Stattlich und gut angezogen marschiert an der Spitze: Weis, Empörung oder Herodes und H i I I e I. i) Zugegeben: manches bleibt auf der Oberfläche des Geschehens, anstatt in die Tiefen und Untiefen der Seele einzudringen. Zugegeben auch: Herodes ist nicht organisch aus einem Keimpunkt herausgewachsen, sondern blättert und splittert. Aber was will das bedeuten gegenüber dem zarten Duft, der die sanfte Dulderin Mariamne umspielt, gegenüber dem nach langsamem Anschwellen fortreißenden Fluß der Erzählung und vor allem im Vergleich zu der überwältigend erhabenen Gestalt Hillels? Da ist eine Szene, die zum Schönsten gehört, was uns je begegnet ist. Sie baut sich auf dem bekannten talmudischen Bericht auf, nach dem Hillel einen 'ungestüm wißbegierigen Heiden, stehenden Fußes mit einem Saje in HTÜt Vf? g?llW?ll H?" fttzrs kinführtr, HMcls ubcrlcgcnc, abgeklärte Weisheit. i) Die Empörung oder Herodes und Hillel. Historischer Roman, aus der Zeit. Herodes I. von Dr. I. M. Weis. Aus dem Englischen frei übersetzt von E. Schmerle r. Frankfurt a. M. Sänger L Friedberg. Der 3 s raelit__ Rach Rawa aus. Barnisch. hat sichja dann aber der Mischnabegriff „irrtümttche Weihung" ins Kegenteil, in eine absichtsvolle umgewandelt? Machen denn aber die Schammaiiten diese Schwächung ihres Grundsatzes mit? Rach den Erörterungen des Beth Hillel ist doch das Gegenteil anzunehmen. Antwort: Die Hilleliten haben sich über die Ansichten der Schammaiiten getäuscht, diese an sich hätten wohl einen Unterschied gemacht zwischen einem vollen Widerspruch zwischen SIMM wtö WMesnrmel ober einem limrtanDe, wo be! zureichender Absicht nur der Ausdruck zweideutig und mangelhaft herausgekommen ist. Erst in weiteren Mischnas, wie in der zweitnächsten, wo trotz entgegengesetzter Aeußerungen alle Personen als Nasiräer beansprucht werden, stellt sich das unbedingte tvwb iznpn der Schammaiiten heraus, nicht aus den iinw iin-Sätzen. Diese Gemara sieht bisher und auch weiterhin (wir verweisen nur auf das Weitere) danach aus, als wenn sie der einfachen Mischna durchaus einen ihrem Wortlaut entgegengesetzten Sinn unterschieben wollte, und selbst mit dem Mittel der Umwandlung des Wortlautes! Dieser Anschein verliert, sich jedoch sofort, wie man in den Jeruschalmi blickt, und zwar Nasir V hal. 1 und Therumoth III hal. 9, wo nämlich auf Therumoth Mischna III8 hingewiesen wird: „Wer die Absicht hat, Therumah abzuheben und nennt statt dessen Maasser und umgekehrt; wer ein Ganzopfer weihen will und nennt ein Freudenopfer und umgekehrt: wer geloben will, nicht mehr in ein bestimmtes Haus zu gehen, und nennt ein anderes; wer vom Gute irgend Jemandes keinen Genuß haben will und nennt einen Andern — dessen Worte sind ungültig, bis Wort und Sinn gleich sind." Da haben wir eine Mischna, die sich wie ein Keil in die bisherigen Ansichten hineinschiebt. Nach R. Jeremia streiten Therumoth und Nasir gegeneinander, da hier myüEnpn gilt. Nach R. Jose hatte er in Nasir die Absicht, richtig zu geben, sich nur im Ausdruck geirrt. Da ist nach Beth Schammai das Gelübde gültig, nicht aber bei vollem Widerspruch Zwischen Absicht und Ausdruck. Daß Beth Schammai das auch zugeben muß, liegt in dem Streit über -stnsw xsi» und ■p*?a. also ist die midraschische Erörterungsmöglichkeit für die Schulen da, die jedenfalls an dies gebunden sind! Was hier der Jeruschalmi bietet, wird, wie öfters, im Babli stillschweigend vorausgesetzt, Darum die Anstrengungen, dem Grundsätze der (smmmaiim Die äußarftu mmnm m nshmsn; barum Me Ansicht, Beth Schcrmmcü hätten has Beispiel aus Bekhorot mit dem Viehzehnt nicht ernst gemeint, nur hingeworfen, denn beim Nasirfall könne von niNv snpn keine Rede sein, da das Gelübde ja aufgehoben, also gar nicht wirksam geworden ist. Die Schemaata ist also nicht aus feine milde, duldsame Ruhe, das unerschütterliche Bewußtsein von Gottes waltender und währender Güte in allen Lebenslagen verschmelzen sich zu einer harmonischen und fugenlosen Einheit. Auch sonst sind bunte Figuren die Menge auf dem Canevas eingestickt — von bester menschlicher und schlimmster untermenschlicher Art. Da ist der unerschrockene Wahrheitsager Simon, der mit dem höfisch umbuhlten und umkrochenen Herodes Puppenspiel treibt, die fein und mannigfach abgestuften Träger der Rütli-vulgo Volksratszene, die verschlagene und vertierte Salome nebst ihren Kumpanen: kurzum, alles in allem ist es für Erwachsene ein Buch trefflichsten und anziehendsten Gepräges. * Ein berühmtes Literaturdenkmal hat Dr. K. Schul te-Kemminghausen mit Annette von Dro st e^s„ Judenbuche "2) neu ausgegraben. Eine Novelle von spröder,. rauher, fast herber Art und von einsamer, heute vielleicht ein wenig starr und versteint anmutender Größe. Ein Menschenschicksal, kurz und mit kargen Worten dargestellt, durch Veröffentlichung der Entwürfe und Skizzen in neues, deutsames Licht gerückt, aus dem Milieu meisterlich entwickelt und von der Verstrickung von Schuld und Sühne redend. Das Stoffliche bfttült tfi tit IjöSenr tnfereffanl. CEtn SBauctnSurj^e erschlagt jum Setl aus!>er gertngjt^äijigen ÄnsöHäuUUg 2) D i e Judenbuche. Von Annette von D r o st e - H ü I s h o f f. Mit sämtlichen jüngst wieder aufgesundenen Vorarbeiten der Dichterin und einer Handschristenprobe herausgegeben von Dr. K. Schulte- Kemminghausen. Verlag von Fr: Wilh. RuhfusDortmund. i 3. Juni 1926 willkürlichen Aufstellungen herausgekommen, vielmehr haben die Amoräer mit ihrem weiten Umblicke sich bemüht, den für die Halacha notwendigen Ausgleich zwischen den scheinbar sich widersprechenden Quellen herzustellen. Für uns gilt vor Allem d'van »in rm»* Wo uns das nicht gelingt, liegt es nicht am Talmud, vielmehr xin pi im X*?— aber ds»! Sin Wkg zum Lulmud. Jechsskiet 5joer§ani geht nun auf dein Wege, den er seinen Schülern zum Talmud gebahnt hat, einen kräftigen Schritt weiter. Sein methodisches Lehrbuch für den Talmud-Unterricht hat eine zweite Auflage erfahren (Selbstverlag. Frankfurt a. M., Wittelsbacher Allee 76), die in den erweiterten Teilen genau zeigt, wo dieser bewährte Talmudpädagoge hinaus will. Der Kardinalfehler im Talmud unterricht des Westens liegt im Mangel am Repetieren. In. der Schule des Ostens spielt das „Chafsern" die Hauptrolle, es ist der Weiterbau auf dem Gründe, der mit der Durchnahme des Stoffes auf der Jeschiwo gelegt wurde. Es gilt dort für den Schüler, das, was er von den Lehrern ererbt hat, sich zu erwerben, um es zu besitzen. Hier im Westen, wo der Kinder Geist und Sinn und Zeit von den profanen Disziplinen mehr als ausgefüllt sind und der Gemorounterricht auf nur knappe Stunden in der Woche bemessen sein kann, beschränkt sich — mit Ausnahme der wenigen großen Jeschiwaus —, der Unterricht auf das, was dem Schüler vom Lehrer vermittelt wird. Liverhant will durch methodisches Vorgehen diesen Mangel beheben. In der neuen Auflage sehen wir das Bestreben, den bereits durchgeknommenen Stoff in anderer schwererer Form zu wiederholen. Auf den punktierten Tert folgt, wie auf eine höhere Lage übergehend, der unpunktierte, aus die kurzen lakonischen Grundsätze der ersten Teile der weitere kompliziertere Aufbau. Der Schüler begrüßt das Altvertraute und bekommt doch damit wiederum etwas Neues zu Gesicht. Wir wissen nicht, ob dieses Verfahren das alte Chafsern ganz ersetzt, aber ein Weg eröffnet sich hier auf alle Fälle, den der Talmudlehrer, besonders an Schulen, wo der Talmudunterricht in den Lehrplan eingereiht ist, öetreten soll. Für Jeschiwaus, auch für die Untergruppen derselben bleibt, nach Ansicht und Erfahrung des Schreibers dieses, nach wie vor das beste methodische Lehrbuch die Gemoro s e l b st. -tz. Ferdinand Lassalle. Eine Buchbesprechung?) Keine Einzelerscheinung war das Leben und Sterben dieses genialen, ehrgeizigen Mannes, und die unheilvolle Verknüpfung, das Chaos seiner Wege war kein Zufall. Es konnte nicht anders werden. Es war. Schiffbruch an den Klippen der Zeit, ein Scheitern an Eitelkeit und Ueberhebung einer von allerlei glanzvollen Torheiten, von wahllosem Drang nach Assimilation, Gleichheit und Gleichmacherei verblendeten Epoche. Der Mäßstab für Sein und Werden war aus den Augen raren; nor lauter mumm Der „JDiiit erlannre man nitOt mehr Den großen WalD menidjliöjer Klsinhstl. Zu den Kämpfern und Schwärmern trat Üassalle, der Sohn des jüdischen Breslauer Kaufmanns. Er *) Lassalles letzte Tage. Nach den Originalbriefen und Dokumenten des Nachlasses herausgegebvn von Ina Britschgi-Schimmer. (Axel Juncker Verlag Berlin.) seines Heimatlandes, zu größerem Teil aus verletztem Ehrgeiz einen unschuldigen Juden. Man wird des Mörders nicht habhaft. Die Juden des Ortes kaufen dem Gutsherrn die Buche, unter der die Tötung stattfand, zu ewigem Besitze ab und hauen in sie die Worte ein: .'imen nun ->VS2 *p mb» mn aipan iivvn ns Nach 28 Jahren erfüllt sich sein Verhängnis genau in der vorgezeichneten Weise, an der Buche erhängt sich der zuvor weit in der fernen Welt Herumgetriebene, er, der einem anderen gewaltsam den Lebensfaden abgeschnitten hat. Der Bericht, der kein Phantasiegebilde eines Dichters, sondern ein historisch beglaubigter Vorgang ist, schließt mit den Worten: „Dies hat sich nach allen Hauptumständen wirklich so begeben im September des Jahres 1788. Die hebräische Schrift an dem Baume heißt: „Wenn du dich diesem Orte nahest, so wird es dir ergehen, wie du mir getan hast." Bekräftigt wird seine Wahrheit noch durch eine in der Form und auch in der mangelnden Sympathie für Juden — viel ungeschlachtere Erzählung des Onkels der Droste, A. Freiherrn von Haxthausen, der „nach einem Auszug aus den Akten", ganz bestimmt aber nach dem Bericht von „vielen hundert Leuten in der Gegend, wo der Unglückliche lebte", gearbeitet hat. MDnngle Smmlunam M um Dis DkM-Mfchung höchbötbieulsu Herausgebers erläutern die Verschiedenheiten der Entwürfe fein und verschweigen auch die retardierenden und geheimnisvoll verschleiernden Momente der Endfassung nicht. * Zwei Ausländer in vortrefflichen Uebersetzungen: Schalom Asch und Schalom Alechem. Dev

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