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Der Israelit · 1926-06-03 · Heft 23 (3.6.1926) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 23 (3.6.1926)
Date
1926-06-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 23 Seite 5 8. Juni 1926 Der Israelit Punkt etwa.', solcher . Hebung des TiöVn *pi im WYran rv»3 entgegen? Dürfen wir die moderntechnische Fortbildung der Veranschaulichung im Unterrichte nicht auch für das „Lernen" in Dienst stellen? Die große Schultafel läßt sich im gesamten „Lernen" mit bestem Erfolge und zwar stündlich verwenden. Es sei an die graphische Darstellung gegensätzlicher Lehrmeinungen im Talmud gedacht, an Skizzierungen von vielem, bei dem räumliche, zeitliche und körperliche Vorstellungen eine Rolle spielen, zahlen- und ziffernmäßige Ausdrücke und Berechnungen überall. Das gesprochene Wort, der mündliche Vortrag findet unmittelbar und bequem seinen schriftlichen Niederschlag. Wie uns die Mischna in Rosch-Haschono mitteilt, hatte jm auf einer Tafel in seinem Obergemach Abbildungen der Mondphasen, um den Laien unter den Zeugen für zu Hilfe zu kommen: maix n'X", nwn« In neueren Mischna-Ausgaben finden sich starnrnballinartigs Llirfstsllungsn dsr Wsrrvandtiiie irrt er|iert Seife *>ort n'ixsa“' trt Betracht kommen. Ueberall leistet da die Schultafel die besten Dienste. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen « ßacbrlcbten. Nei-etz. Die Reichsversicherungsanstalt und die rituell lebenden Angestellten. Frankfurt a. M., 27. Mai. Aus dem Büro der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" wird uns geschrieben: „Verschiedene Anstagen, die in der letzten Zeit an uns gelangten, haben uns veranlaßt, bei der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte erneut im Interesse der rituell lebenden jüdischen Angestellten zu intervenieren. Die Reichsversicherungsanstalt hat uns «erklärt, daß sie in allen Fällen, in denen die Möglichkeit hierfür vorliegt, rituell teBenbe SM/rtgefiell-ie Ttac^ folgert Aurörlett *ttt Denen lituslls ‘stmifpftgfnljfft «st- - *>« Regel erwachsen hieraus?eine Echwierigkeilen. Eine Ausnahme besteht in Fällen offener Tuberkulose, insbesondere für männliche Angestellte, weil für solche Kranke irgendwelche Privatunterbringung und Selbstverpflegung nicht in Betracht kommt und es leider eine vom Staate anerkannte, rituell geführte «Tuberkulose-Heilstätte nicht gibt. . Jedenfalls machen wir darauf aufmerksam, daß Angestellte, denen im Falle einer Erkrankung die schematische Aufforderung zugeht, sich nach irgend einem nicht rituellen . Sanatorium zu begeben, verpflichtet sind, der Reichsversicherungsanstalt ihre Wünsche hinsichtlich ritueller Verpflegung mitzuteilen." Proteste gegen die jüdischen Gemeindewahten in Berlin. Berlin, 28. Mai. Der „Jüdisch-liberalen Zeitung" wurde aus dem Polizeipräsidium auf Anfrage mitgeteilt, daß dort gegen die Gültigkeit der Wahlen zur Repräsentantenversammlung 8 Proteste eingegangen sind. Die Zeitung rechnet damit, daß die Wahl für ungültig erklärt wird. Unter den Protesten befinden sich, wie wir erfahren, solche von der Wahlleitung der liberalen Partei und vom Verband nationaldeutscher Juden. Befreiung der Schulkinder vom Sabblllschutbcsuch ln Hessen. Darmstadt, 28. Mai. Auf Grund einer Mitteilung des Hess. Landesamtes für das Bildungswesen vom 21. Mai 1926 sind nun auch in Hessen israelitische Kinder vom Schulbesuch an den Samstagen gu befreien, falls die Erziehungsberechtigten entsprechenden Antrag bei der Leitung der betr. «(höheren oder Volks-) Schule stellen. Für '.den Ersatz des ausfallenden Unterrichts ist in irgendeiner Weise zu sorgen. Da der Ersatzunterricht der Genehmigung unterliegt, empfiehlt es sich, mit der Schulleitung zu beraten, ob ein solcher notwendig ist und in welcher Weise. Hessischer Landesverband gesetzestreuer Gemeinden. Darmstadt, 30. Mai. Hessische gesetzestreue Gemeinden, die glauben, ein dringliches Anrecht auf eine Subvention zu haben, werden gebeten, ein entsprechendes Gesuch an den hessischen Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden, Darmstadt, Rabbinat 2, zu richten. Die Hamburger Jeschiwah. H a mb u r g , 26. Mai.. Das Kuratorium der Jeschiwah in Hamburg erstattet anläßlich der Wiederkehr des 5jährigen Gründungstages der Jeschiwah Bericht über die Tätigkeit der Jeschiwah in den «letzten zwei Jahren. Es wird mit einem Gefühl der Genugtuung und des tiefsten Dankes gegen Gstt konstatiert, dah dieses jüngste Institut in!rt ber s^roerslert Zell itt-s ßetett gerufen, t>öm ersten Tag an mit Sorgen kämpfend, die Krast der Selbsterhaltung bewies, sich durchzusetzen, und Früchte zu tragen vermochte, ein Beweis auch der Liebe und Opferwilligkeil Hamburgs für die Thora und ihre Verbreitung. Wie aus dem Bericht ersichtlich, ist trotz der Ungunst der allgemeinen Lage der Unterricht andauernd sortgeführt worden mit günstigen Erfolgen für die Schüler, dank der wohlwollenden Unterstützung, deren sich die ' Jeschiwah seitens der hiesigen Deutsch-Israelitischen Gemeinde, des Deutsch-Israelitischen Synagogen-Verbandes, der Talmud-Thora-Realschule und verschiedener Gönner zu erfreuen hatte, auch dank der bereitwilligen Unterstützung, die ihr eine große Anzahl hiesiger Baale-Batim durch regelmäßige Beiträge und Spenden in Geld und Büchern zuteil werden lie„en. Auch seitens des Landesdirektoriums des Keren Hatorah «erhielt die Anstalt zeitweilig eine Subvention. Bei genügender finanzieller Sicherheit könnten noch weit mehr Schüler unterrichtet werden. Es bedarf aber dazu natürlich «laufend größerer Mittel, besonders, da die Jeschiwah gerne Schüler aus Deutschland aufnehmen will, deren Eltern nicht imstande sind, die gesamten Unkosten des Aufenthaltes in Hamburg allein zu bestreiten. Angestrebt wird, mit Hilfe der Freunde und Gönner, durch Miete vder Kauf eines geeigneten Lernlokales die bisher an verschiedenen Stellen stattsind enden Unterrichtsstunden zu vereinigen. Personalien. Köln, 30. Mai. «Im 57. Jahre ihres Lebens starb am 27. Jjar Frau tRofalie Walter. Der Tag ihres Todes ist Sinnbild «ihres ganzen Lebens geworden. Wie sie 6 Wochen von dem min pT bis zum min p» pr gezählt hat und in der siebenten Woche die Ruhe fand, so war ihr ganzes Walten hienieden ein Streben, «Irdisches mit Himmlischem gu vermählen, das Geschöpfliche zu beseelen mit «dem Odem jenes Unsichtbaren, von dem die Seele stammt, und zu dem sie zurückkehrt. In vorbildlichem Familienleben entfaltete sie zunächst die regen, immer wachen Kräfte ihres Geistes und ihres Herzens, und als sie mit dem gleichgesinnten Gatten erkannte, daß eine jüdische Erziehung, wie sie den Ellern vorschwebte, in einer Großstadt sich besser ermöglichen lasse, zog die Familie nach Köln und gründete hier ein Haus, das stets geöffnet war der Tauroh, stets aber auch Armen und Sorgenbeladenen. Hier wurden Räume dem öffentlichen Limud Hathauro zur Verfügung gestellt, hier wurde der Jugend ohne Ansehen der Person und der Familie die Möglichkeit gegeben, gesellig sich zusammenzufinden und in fremder Großstadt am jüdischen Familientisch einen Ersatz gu finden für das ferne Elternhaus. Aber nicht nur als Mutter des Hauses bewährte sich die Heimgegangene, auch verstand sie es, Schwester zu sein ihren «Geschwistern, Schwester zu sein ihren Mitschwestern. Sie scheute sich nicht, hilfsbereit überall selbst einzugreifen, sie ermutigte mit stets heiterer Miene, mit stets freudigem Gemüte die, die mit der Schwere ihres Lebens allein sich nicht auseinanderzusetzen wußten, und ihr Nat mar begehrt in manchen Gremien, Was E aber fcU f MfU ZjMä tljüH MlHI WSI, bas tst bie Farm, in ber sie als "Tochter sich betöies. Wenn auch allen Jehudim Elternehre einen der Grundpfeiler des Judentums bedeutet, so ist die Art der Elternverehrung verschieden. Wie Frau Walter als Mutter und später als glückliche Großmutter selbst Tochterpslichten übte, wie sie den Lebensabend ihrer Mutter in ihrem Hause verschönte, das war das beste Vorbild für ihre Kinder, bot aber auch einem großen Kreis der Freunde sichtbares, stündlich geübtes Kiddusch Haschem. Als daher die Abschiedsstunde herannahte, und die Rabbiner im Namen «der Gemeinde und im Namen einer fast unübersehbaren Anzahl von Freunden Abschied nahmen, da gab es wohl niemanden, der sich der Schwere des Augenblicks nicht. «bewußt wurde, und dem die Bedeutung jenes Wortes nicht klar wurde: b» msrcn tiw l>a vm n’M p’am psio rrapn nt« ms. Nun ist nach sechswöchentlicher m'so ihr m» gekommen und mit ihm das nnutt rraa na» xa. So wird uns allen die Heimgegangene fehlen, vergessen aber wird niemand die reine Persönlichkeit, deren Gegenwart Licht, Freude und Jüdischkeit. überallhin verbreitete. Vermischtes. Düsseldorf, 28. Mai. Die Einladung zur Tagung der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden am 6. bis 8. Juni 1926 in Düsseldorf ist ergangen. Die Tagesordnung sieht u. a. vor Vorträge von Herrn Rabbiner Dr. Baeck-Berlin: „Der geistige Gehalt in der jüdischen Wohlfahrtspflege", über „Die Fürsorge für wirtschaftlich Notleidende"; (Referenten: Ministerialrat Dr. Wittelshöfer- Berlin, Preußisches Ministerium für Volkswohlfahrt; Rechtsanwalt Dr. Georg Baum, Dozent an der Handelshochschule'Berlin), über „Jüdsche Jugendnot und Jugend- Hilfe". Referenten: Obermagistratsrat Dr. Ollendorf, Städtisches Jugendamt Berlin u. a., über „Jüdische Beoölkerungsfragen" (Referent: Dr. Felix A. Theilhaber, Berlin.) Am DtenstüQ natomtttao s uor nnoct in Der Aula Der LuiseiMule, Dastwilslraße, eine Kunvgevung des Reichsaüsfchusfes der jüdischen Jugendverbände statt. Sprechsaal. Zur Gründung der Gemeindeverbände im Freistaale Hessen. Nr. 21 des „Israelit" enthielt eine Notiz über den am 2. .Mai in Mainz gegründeten Landesverband der israelitischen Religionsgemeinden im Volksstaat Hessen, welche in mancher Hinsicht der Berichtigung bedarf. Vor allem sei darauf hingewiesen, daß das Firmenschild, welches obiger Verband sich gegeben, geeignet ist, irreführend zu wirken. Er datiert feine Gründung vom 2. Mai dieses Jahres. Vor diesem Tage bestand aber bereits in Hessen ein Verband gesetzestreuer Religionsgemeinden, aus welcher Tatsache sogar der dritte der wia nprnrr in der Hagada den Schluß zu ziehen imstande ist, daß der Mainzer Landesverband im Interesse, der historischen Tatsächlichkeit das „der" in seinem Namen hätte streichen müssen. Doch gönnen wir den Herren, die am 2. Mai sich zur Verbandsgründung versammelt hatten, das billige Vergnügen des volltönenden Namens ihres Sprößlings. Wenn es jedoch in besagter Notiz heißt, daß der Landeslehrerverband, die Vereinigung aller hessischen Lehrer, sich zur Förderung des Verbandes bekannt und auf seinen Boden gestellt hat, so sei dem mit aller Entschiedenheit entgegengehalten, daß der Landeslehrerverband nicht die Vereinigung aller hessischen Lehrer ist. Es gibt immerhin noch eine Anzahl jüdischer Lehrer in Hessen, die dem Landeslehrerverein nicht angehören, da sie sich mit seiner Tendenz, Verbandspolitik 4 tout prix zu treiben, nidjt identifizieren können, lleferigens hat am 18. WM i» DsMtsdt siNL aus allsn KMsn d» WgvrnK 6iar?enl,urg gut besuchte üehrernersammlung sich ohne Einschränkung einstimmig für den gesetzestreuen Gemeindeverband erklärt. An dieser Versammlung nahm auch — erschrecken Sie nicht, meine Herren vom Landeslehrerverein — eine namhafte Anzahl von Mitgliedern des Landeslehrervereins teil. In Kreisen der Mainzer Verbandsgründer selbst schien man anfangs geneigt, einen Verband nach bayerischem Muster erstehen zu lassen, um auch gesetzestreuen Wortführern und den hinter ihnen tehenden Gemeinden den Weg zu einem gemeinsamen, die gesamte hessische Judenheit umfassenden Verbände nicht zu verbauen. Es waren in dieser Richtung schon Verhandlungen mit gesetzestreuen Herren im Gange, die jedoch von liberaler. Seite abgebrochen wurden. Nach Mainz gerichtete Zuschriften, die aus gemeinsame Beratungen zielten, wurden bis heute keiner Beantwortung gewürdigt. Daß die Mainzer Herren sich zu solchem Vorgehen entschieden, ist wohl auf die Agitation seitens gewisser Lehrerkreise zurückzuführen, durch welche man geglaubt hat, die noch fernstehenden gesetzestreuen Gemeinden isolieren zu können. Dem gesetzestreuen Verband, dem außer den Religionsgesellschaften eine beträchtliche Anzahl von Mittel- und Kleingemeinden angehört, ist es unterdessen gelungen, sich zu konsolidieren. Es tehen ihm bereits Mittel zu einer ersprießlichen Wirksamkeit zur Verfügung. So ist zur Deckung dringlichster Bedürfnisse und Unterstützung notleidender Kleingemeinden eine namhafte Summe zu sofortiger Verwendung vorhanden. Ebenso wurde von seiten hessischer Regierungsstellen die bestimmte Zusage gegeben, daß bei Gewährung eines Staatszuschusses der gesetzestreue Ge- MöinDövManD IN DSkWöN Wöisö DölMsWigt wllrDö. wis dsr Mainzse Bsrbsnd. Wenn auch sine Anzahl gsetzestreuer Gemeinden sich dem Mainzer Verband angelchlossen hat, so ist derselbe doch als ein l i b e r a l e r Verband zu bezeichnen, denn in ihm dominieren die liberalen Großgemeinden. Der Oberrat setzt sich zum weitaus größten Teile aus Großgemeinden zusammen und gnädiglich hat man drei Vertretern von Kleingemeinden Aufnahme gewährt. Die Frage, ob diese liberalen Herren wirklich den Willen haben werden, die Interessen der ihrem Verbände angehörenden gesetzestreuen Gemeinden sine ira et. stückig zu fördern, ist bis auf weiteres mit einem großen Fragezeichen zu versehen. Jedenfalls dürfte

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