Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 23 (3.6.1926)
- Date
- 1926-06-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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yt 3 Juni 1928 Der Israelit Sette 4 Nr. 23 Fülle von Einzelheiten die Methoden der das talmudische Schrifttum zu ihren haßerfüllten Angriffen auf Juden und Judentum mißbrauchenden antisemitischen „Wissenschaft" darstellt. Trotz der Leistungen Pros. Hossmanns und Hirsch Hildesheimers auf den hier in Betracht kommenden Gebieten der Apologetik fei noch sehr vieles zu leisten. Redner verweist auf einen Brief Kühnes an Pros. Hofsmann aus dem Jahre 1886, in dem eine huldigende Anerkennung der Aufklärungsarbeit des letzteren enthalten ist. Neben der wissenschaftlichen Aufgabe, die Ehre der jüdischen Lehre zu wahren, darf die praktische Abwehrarbeit, z. B. in der Schechita-Frage nicht vernachlässigt werden. Die Ausführungen des Redners werden in der Debatte' durch Bemerkungen Dr. Steins, Dr. de Haas (Antrag auf Anlegung eines apologetischen Archivs u. a.) ergänzt. Rabbiner Horowitz, Frankfurt a. M., fordert Eintritt in die interkonfessionelle Vereinigung zur Hebung der Sittlichkeit. Im Schlußwort antwortete der Referent «auf bte tri ber 'Debatte gttiage getretenen Anerkannt n?ird fevnetr «in Eingreifen der Rabbinervereinigung gegenüber der Verletzung des nwix; Rabbiner Dr. Münz kündigt ein entsprechendes Werk an. Zu den Referaten Unna-Böndi wird folgende Resolution angenommen: Im Anschlüsse an die von Unna-Mannheim nnd Bondi-Mainz über „Zusammenarbeit der Thoratreuen und ihre Grenzen" erstatteten Referate gibt die „Vereinigung traditionell-gesetzestreuer Rabbiner" der Ueberzeugung Ausdruck, daß die beiden, innerhalb des gesetzestreuen Judentums bestehenden Richtungen von der gleichen Liebe zu der überlieferten Lehre erfüllt sind, die sie mit dem gleichen Eifer zu verbreiten sich bemühen. Die „Vereinigung" fordert die gesehestreuen Kreise ,dje Verbände und die Presse auf, durch eine sachliche, von gegenseitiger Würdigung getragene Behandlung der verschiedenen Standpunkte, eine friedliche Zusammenarbeit aller Gesetzestreuen zu fördern. Rabbiner Sudes?Altona, bittet im Namen des Hamburger Speisevereins um größere Strenge bei der Beurteilung der anzustellenden Schochtim, die oft in keiner Weise einwandfrei seien. Unverheirateten Schochtim müßten von vornherein Bedingungen gestellt werden,- die später die Befolgung dernip'iL-Gesetze durch die Ehebas non ber SKvitit tuegen jeiner SJeid^alttgieitj erpljö:pjenber Darstellung b<?r rr«tf«chrn, sowie seiner OöseMoität, allgemein als epochal vewertet wird. Auch fein neuestes Werk soll dieselben Vorzüge aufweisen. Das Handwörterbuch widmet auch den jüdischen Angelegenheiten einen breiten Raum. (Die Lage der Bergjuden im Kaukasus.) Im Zusammenhang mit der gegenwärtig in Ealtschik, Kaukasus, stattfindenden Konferenz der kaukasischen Vergjuden bringen die Moskauer Zeitungen die folgenden Mitteilungen über diesen eigenartigen jüdischen Stamm: Im Ganzen zählt man im Nordkaukasus etwa 10.000 Bergjuden. In früheren Jahren beschäftigten sich diese mit Tabakpflanzung, Obstzucht, teilweise mit Wein- und Viehzucht. Durch die Verfolgungen seitens der zarischen Beamten und später unter der Herrschaft des Generals Denikin wurden sie gezwungen, diese ihre Beschäftigungen aufzugeben. Ihre Dörfer wurden verwüstet, in größeren und kleineren Gruppen zerstreuten sie sich über den gesamten Kaukasus. Gegenwärtig obliegen sie einzig und allein dem Handwerk, als ungelernte Handwerker verdienen sie jedoch nicht genug zum Lebensunterhalt, 90 °/o von ihnen leben in bitterster Armut. Besonders unerträglich ist die Lage der Frauen, unter denen die Epilepsie stark verbreitet ist. Unter den Bergjuden besteht ein starker Drang, zur Erdarbeit zurückzukehren. Es besteht der Plan, sie im Saalsk-Gebiet anzusiedeln. lVochenkcrlender. Mm Br Sw 12i Juni 1820. / vom 23.-00. MwM 0000 I 'n pis vinn prns» Samstag Tun. 5 1^ ni-v 23 ]V>0 Mauled Donnerstag abds. 10 Uhr 30 Min. Sonntag 6 24 Nontag 7 25 Dienstag 8 26 Mittwoch 9 27 Donnerstag 10 28 |t3p Ql» Freitag 11 29 Samstag 12 mp 30 rinn '2 rt pns VNN tPim 's frauen gewährleisten. In ähnlichem Sinne sprechen Rabbiner Jakobovits-Königsberg und Hoffmann-Breslau. Ein Antrag Levy-de-Haas auf gemeinderechtliche Besserstellung des Rabbinerstandes, wird zur Resolution erhoben; ebenso ein Antrag, der verlangt, daß wichtige apologetische und halachische Gelegenheitsschriften gesammelt, gefördert und verbreitet werden sollen. Ein Antrag Blum- Emden auf Herausgabe von Richtlinien für die Beaufsichtigung d e r H o t e! s, wird dahin beantwortet, daß eine einschlägige Arbeit des Hamburger Vereins demnächst der Rabbinervereinigung zur Prüfung zugehen werde. Herr Rabbiner Jakobovits weist auf Uebelstände bei der Vornahme von Trauungen durch unkundige Personen hin, wodurch die schwersten crnivrr entstehen könnten. Die Lehrerseminare sollten ihren Absolventen die Vornahme von ftvrnp verbieten. Herr Rabbiner de Haas schlägt vor, sich in der Angelegenheit mit dem SSorftanbe bes gefetjesirenen QeljrcrbunbeG tn üSerhindnng gw setzen. Rabbiner Horovitz, Frankfurt a. M., mahnt zur Vorsicht auf diesem Gebiete. Gefordert müsse werden, daß Lehrer nur mit rabbinischer Zustimmung trauen, trotzdem müßten die Seminare ihre Schüler die wichtigsten in Betracht kommenden Dinim lehren. Rabb. Dr. Unna-Mannheim fordert die Mitwirkung der Presse zur Abstellung der Uebelstände. Aus den Aeußerungen von Kahn-Mergentheim, Hoffmann-Frankfurt a. M., Bleichrode und Munk-Berlin, geht hervor, daß in der Tat schwerste Uebelstände auf dem behandelten Gebiete vorliegen, die ein entschiedeneres Eingreifen erforderten. Ein Antrag Wassermann- Darmstadt, die Herstellung des Mehles für Mazzoth zu zentralisieren, wird der halachischen Kommission überwiesen. Anregungen der Herren Rabbiner Neuwirth und Feldmann, Leipzig und Munk-Berlin beziehen sich auf Schaatnes, bwi '">21. Belesen der Gemüse in Haushaltungen. Ein Antrag Ansbacher-Wiesbaden auf regelmäßige Veröffentlichungen der halachischen Kommission wird angenommen. Ein Werbebrief des Keren Hathora löst eine etwas erregte Aguda-Debatte aus, an der sich die Herren Dr. Bondi, Dr. Cohn-Breslau Dr. Pinchas Kohn-Wien, Oberrabbiner Carlebach- Qfltona, 9Q7i.inf=93erIin unb Dr. Äletn-SXlümberg bcMligcn. Eine Resolution über die dem jwiü widersprechenden Kleidermoden wird zur redaktionellen Bearbeitung einer Kommission überwiesen. Sie wurde später in folgender Form angenommen: „Die Vereinigung traditionell-gesetzestreuer Rabbiner erachtet es als ihre heilige Pflicht, die gesamte jüdische Oeffentlichkeit gegen die immer mehr um sich greifende Würdelosigkeit der Kleidersitten aufzurufen. Schamhaftigkeit im Wesen wie im Auftreten bildet nach 'der Thora das Kennzeichen unserer Frauen und Töchter. In Tracht und Gewandung sollen wir Züchtigkeit und Keuschheit als vornehmstes Adelszeichen Israels bekunden. Alle denkenden und hochgesinnten jüdischen Fraauen find verpflichtet, durch Beispiel und Aufklärung den 'Entartungen der Mode entgegenzutreten, um das von Vätern und Müttern überlieferte Ideal jüdischer Sittenreinheit unserer Gemeinschaft zu erhalten." Die Wahlen ergeben die Wiederwahl des bisherigen Vorstandes. Die halachische Kommission wird sich selbst ergänzen. An Stelle des auscheidenden Rabbiner Dr. Wolf-Köln wird Dr. AwerföllisBsrlm BoroefÄlsflen, fsimsi? Dv. Mmv Munk. In bte apologetische Kommission werden gewählt die Herren: Altmann-Trier, Freimann- Posen, Kaatz-Hindenburg, Löwenthal, Munk und Wohlgemuth-Berlin, Una-Mannheim. Für nicht seminaristische Religionslehrer sollen rabbinische Prüfungs-Kommissionen der Vereinigung eingesetzt werden, die in verschiedenen Gegenden domizilieren sollen. Mit Dankesworten an alle Teilnehmer schließt der Vorsitzende in später Abendstunde die Tagung. Kann die ttmön wi-Melhode verbessert werden? Von A. Mannheimer in Dektelbach. (Fdrtsetzung.) Alles, klare und sichere Erkennen entspringt aus der Anschauung. „Nichts ist im Geiste, was nicht vorher in den Sinnen war", lautet ein bekannter didaktischer Grundsatz. Nicht umsonst hat uns der Allgütige mit Gesicht, Gehör usw. begnadet. Alle fünf Sinnentore sollen der Erkenntnis geöffnet werden. Unter den 48 Regeln, nach welchen min-Kenntnisse erworben werden, sind auch Hinweise auf die Anschaulichkeit in verschiedener Form enthalten. Als dem großen Mosche die Weihe der Neumondtage' geboten wurde, erschrak er ob der schweren Aufgabe. Da zeigte ihm der Schöpfer in einer milden Frühlingsnacht die schmale Sichel des sich erneuernden Mondlichtes, ttnpi N8"> htd* (Midrasch.) Und wiederum ermm M0M M n aalt Den llllwmm Beucotor für die Stiftshütte aus einem Klumpen Gold zu hämmern. Da zeigte ihm der Herr dessen Feuerbild auf des Berges Höhe. Das sind doch Werturteile der rrrm - selbst über Anschauung bzw. Veranschaulichung. David begnügt sich nicht, seinem Sohne Salomo den Vau des Tempels ans Herz zu legen, er übergibt ihm nebst Rohstoffen auch Zeichnungen des Tempels, seiner Einrichtung, seiner Geräte. Nun hat es unsere Religion als echte wm min durchaus viel mit konkreten Dingen zu tun: mit Tieren, Pflanzen, Wohnräumen, Straßen, Feldern, Weinbergen, Ackerbaugeräten, Handwerkszeugen, Haushaltungsgegenständen, Maßen, Gewichten, Farben und Formen. Das lockt und zwingt doch geradezu zur Veranschaulichung. Außer den dürftigen Skizzen in d^d und nsio sowie der von Maimonides stammenden Grundrißzeichnung des Tempelheiligtums zum Traktat nnv haben wir . soviel wie nichts aufzuweisen. Man überläßt dem Schüler den beschwerlichen Weg, räumliche und körperliche Vorstellungen sich in seiner Phantasie erst zu bilden. Trafen wir doch schon m'W- Bachurim, die behufs Ausbildung zu Schochtim fleißig nrr'">2 nirmv niD^n studierten, ohne je eine Lunge gesehen, geschweige in der Hand gehabt zu haben. Heißt das nicht das Pferd beim Schwange llllfgaumenr Solche UngmmrlWMm VÜVftSN Um -Sch Nicht Die jetzt im Bau begriffene Lubliner Welt-soll ja modern ausgestattet werden: elektrisches Licht, Wasserleitung, Laderäume, freundlich helle Schlafzimmer, die allen hygienischen Anforderungen der Neuzeit gerecht werden, die besten Ausgaben der Lern-Seforim usw. Alles schön und gut! Wir glauben aber auch,- daß dort die Schultafel nebst Kreide (in verschiedenen Farben) nebst Schwamm einziehen wird, für jeden einzelnen Lehrsaal; daß man Landkarten von Palästina dort sieht; daß man vielleicht Modelle besitzt von den Brettern und ernx des pwa; vom nata und der rnii»' mindestens aber große Abbildungen zum Klaffen- und Massenunterricht; daß man auf großen Tabellen ein Anschauungsmaterial bietet für die verschiedenen iwnm füv isn und 'i2v in j'2Vis? und zwar direkt berechnet für einzelne Partien dieser xrnov; Tabellen für die niii"iv-Formen in v'^2' durch Farbenkontraste wirksam alles belebt und hervorgehoben; Miniatur-Anfertigungen der ,111,12 ''m, mindestens aber deren bildliche Darstellung für Klassenunterricht; Abbildungen von Münzen, Maßen und Gewichten mindestens in ihrem MMiworWUils iiißmanöfi?^) Msn äMsbä einmal den Gegensatz des Erfolges von zwei Klaffen, deren eine mit Unterstützung solcher Hilfsmittel arbeitet, die andere ohne Anschauungsmittel. Hier die Hälfte der Zeit, die Hälfte der Kraft, der doppelte und sichere Erfolg; dort die doppelte Zeit, die doppelte Kraft, zweifelhafter und kurzdauernder Erfolg. Steht vom altjüdischen Stand- *) Die Neuausgabe des ns? von Rabb. Feldmann hat darin (2. Teil) einen höchst begrüßenswerten. ^Anfang gemacht, wie wir gerne konstatieren.