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Der Israelit · 1926-06-03 · Heft 23 (3.6.1926) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 23 (3.6.1926)
Date
1926-06-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 23 3. Juui 1926 sieben, mit nur drei Mandaten in den neuen Landtag zur Wahrung seiner Interessen einzieht. Die von der Orthodoxie gewiß nicht leichten Herzens der Gegenseite dargebotene Bruderhand zur vereinigten Wahlliste wurde schnorre gniüllgetvikskn, Du wenigstens mm man fernerhin von ven „orchodoxen Störenfrieden" oder, wie man sich gar in letzterer Zeit wenig geschmackvoll ausdrückte, vom „orthodoxen Dolchstoß" zur Zerstörung der Einheitsfront nicht mehr sprechen können. Der Erfolg dieses Mißerfolges — auch Mißerfolg kann Erfolge nach der Richtung einer Erfahrungsbereicherung zeitigen —, kann nur den Gesetzestreuen Litauens zu gute kommen. Mit ihren 18 000 Stimmen konnte die Orthodoxie nach dem eigenen Wahlmodus in Litauen kein Mandat erreichen. Aber wenn man bedenkt, welch jungen Datums die Politisierung der orthodoxen Massen ist, und wie wenig es ihr bis jetzt gelingen konnte, das ganze Beth Hamidrasch-Milieu zu erfassen, so muß man die „Achtzehntausend" mit mindestens 3 oder 4 multiplizieren, um ein Bild über die Reserven im Hintergründe zu erhalten. Gelingt es, auch diese mobil zu machen und zu bewegen, ihre innere jüdische Gesinnung in der Form des Wahlzettels zum Ausdruck zu bringen, so kann sich die Orthodoxie bei der nächsten Gelegenheit die Verständigungsversuche mit den anderen Parteien, wo eine Gegenliebe nicht zu erhoffen ist, füglich ersparen und ihre Sache mit eigener Hilfe in lSlchökhött KkiklgöN. Die drei Mandate, die in der laufenden Legislaturperiode im litauischen Landtag das Judentum vertreten, sind nicht aus der Liebe und dem Vertrauen der Wähler hervorgegangen, sondern aus dem rein negativen Bestreben, den Gesetzestreuen die Führung aus der Hand zu spielen. Aus Negativem kommt aber selten etwas Positives heraus, und so wird die Enttäuschung bei den Wählern nicht lange auf sich warten lassen. Die „Achtzehntäusend" der vereinigten Orthodoxie sollen aber dieser ein Ansporn sein, auf dem betretenen Wege zur Bildung und zum Ausbau der religiösen Gemeinde weiter kräftig auszuschreiten. Hinter diesen offensichtlichen Kämpfern für die jüdische Sache stehen viele Tausende, die in Tat und Gesinnung zu uns gehören und die verläßlichsten Träger der jüdischen Sache sind, die in der R e l i g i o n s g e m e i n d e in Litauen ihren sichtbaren Ausdruck findet. Haß und Verbrechen. In Budapest wurden Führer des weißen Terrors, die Spitzen der auf die Judenausrottung Leber d'tq iwnp« Zu -j1? rftt? 's- Von Rabbiner Dr. Hermann Klein in Berlin. Ein sichtbarer Schmerzausdruck bei dem Verlust eines teuren Angehörigen kst nach der Vorschrift der Weisen die nr*ip> d. i. das Einreitzen des Gewandes. Es soll nach der allgemeinen Auffassung durch dieses Einreitzen des Gewandes die Trauer zum äußeren Ausdruck gelangen. Der von aufrichtiger Trauer erfüllte Mensch vernachlässigt seine äußere Erscheinung. Vielleicht dürfte folgender Gedankengang dieser Vorschrift eine tiefere Bedeutung verleihen. In unserem dieswöchentlichen Thoraabschnitt wird uns n’irx mxa verkündet, damit wir die ir>xnt sehen und aller Gebote Gottes eingedenk bleiben a2'2'ym«i 0222^'in« iivms^i, damit „wir nicht unserem Herzen und unserem Auge folgen." Auge und Herz sind Makler der Sünde, das Auge sieht und das Herz gelüstet, sagen unsere Weisen, und wenn hier die Reihenfolge umgekehrt ist und zuerst 0222^ 'in« und dann erst v2'i's 'in«i heißt, so folgern unsere Weisen mit Recht, daß hier unter dem 0222^ 'in« der prinzipielle Abfall, nu»n» zu verstehen ist. Der von Gott und seinem Gesetz Abgesallene wartet nicht aus die Gelegenheit zur Sünde, er ist nicht Opfer des um- Auges, ftgpxrg ft MM M MIegeils D e r I s r a e l i t hmarbeitenden „Erwachenden Ungarn" wegen Fälschung von französischen Banknoten zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteilt. In B e r - l in hat man Putschistennester ausgehoben und Umsturzpläne aufgedeckt, auf denen die Austreibung in Durren und MWsgnshlNk ihres 33er mögens mit ein Postulat Des neu erstrebten Me=* gimes bilden. Im Preußischen Landtag wurde am 21. Mai sestgestellt, daß die Führer der Deutschvölkischen W u l l e und Kuba bei den Fememorden ihre Hand mit im Spiele hatten. Das sind Dinge, die in keiner direkten Beziehung zu einander stehen und sich dennoch in einem gewissen kausalen Zusammenhang befinden. Die Internationale des Hasses findet da und dort ihre eigenen Ausdrucksformen, wird aber allerorts von der gleichen Giftquelle gespeist und zu verbrecherischen Taten getrieben, bis zu dem Tag, da der Krug bricht und das Schicksal sich erfüllt. Wer, wie die Herren um Windischgrätz, glaubt, seinem Lande mit Haß und Hetze zu dienen, der schrickt auch vor gemeinen Verbrechen wie Notenfälschung nicht zurück, der steht jenseits von Gut und Bös und findet im Paragraphengehege der Verfassungen und Gesetzbüchern keinen Platz für seine Lebensaufgabe. Es bleibt doch für die Dauer zu langweilig, bloß gegen die wehrlosen Juden zu hetzen, sie zu terrorisieren, und so kommt man eines Tages an den Unrechten, der sich nicht, gleich den Juden, als Freibeute für die Spekulationen ehrenwerter Patrioten herzugeben gesonnen ist. und das Schicksal schreitet schnell. Man hat auch in Deutschland auf der Seite, wo die extremsten Rechten sitzen, so lange die Räder der Maschine mit der Kraft des Judenhasses treiben lassen und man hat so lange dazu geschwiegen, bis man eines Tages das wahre Gesicht und das wahre Ziel der Treiber sah. Der Antisemitismus in Wort und Tat war ja nur ein billiges Sprungbrett zu einer Höhe, von der herab alles, was die neue Republik geschaffen hat, mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden sollte. Und zur Judenhetze gesellt sich als Mittel auch der Fememord. Ob sich auch hier schon Schicksal erfüllt, ob die Putschisten und Mordanstifter in Berlin ihrer gerechten Strafe zugeführt werden oder nicht, ist nicht von Belang. Wesentlich ist die Frage, ob nun den Gutgläubigen endlich die Augen aufgehen über das wahre Treiben hinter der Kulisse des Radauantisemitsmus. Haß ist Verbrechen und es gehört zu seinem Fluche, daß er fortzeugend neue Verbrechen gebären muß. Der verbrecherische Judenhaß hat dort Urkundenfälschung, hier Fememord und Landesverrat geboren. AU m (sünDe Md fein sündhästsL L«z Uff w Auge aus dasjenige, -was fein Herz gelüstet. Diese Warnung, nicht unserem Herzen und unseren Augen zu folgen, knüpfte Gott an unser Gewand, weil, nach einem liefen Worte Rabbiner S. R. Hirsch das erste Gewand dem ersten Menschenpaar nach jener ersten Verirrung geworden, kn welcher es seiner Sinnlichkeit folgend dasjenige für „eine Lust der Augen und erstrebungswürdig für den Verstand erachtete, was Gott ihm verboten hatte, sin m«n '21 i>2«rk fyn 210 '2 nv«n snni V2«m maa npm b'svnb pyn iarui a'ryi>- Die Frau sah, daß der Baum gut zur Speise und eine Lust für die Augen und köstlich für die Betrachtung sei, da nahm sie von seiner Frucht und atz. Da heißt es sofort ivyi num nVy iiawi an bbts? '2 isn’i rnän anV» da erkannten sie, daß sie'nackt waren; da flochten sie Feigenblätter und machten sich Schürzen. ' Das erste Kleid entstand also, weil die ersten Menschen ihren Augen und ihren Herzen folgten und sich über das Gebot ihres Gottes hinwegsetzten.' Darum soll uns das Kleid für alle Zeiten die Mahnung zurufen: s^i annns B’jir ans urm aa’j'y ’insi 2222*? nn« vnnn „Folget nicht euren Herzen und euren Augen, damit ihr mir nicht untreu werdet!" Die Uebertretung des ersten göttlichen Gebotes brachte den Tod. man ma uaa *^2« ai'2 '2- Die Nichtachtung des göttlichen Verbotes verhängte den Tod über alle Nachkommen des ersten Menschenpaares., Das Kleid mit seiner steten und eindringlichen Mahnung, „nicht unserem Auge und unserem Herzen zu folgen" soll die Menschheit zu. Gott als dem Schöpfer und Gesetzgeber hinsühren, soll sie lehren, das Wort Gottes höher zu achten als alle Wünsche des 'schwachen Herzens und des nur auf das Aeuhers gerichteten Auges. Hub *»<»«« Dq§ ÄleiD feine Wrstinmmuä erfüllt uni» i»L Mensen Die Tagung der kradikionell'geseheskreuen rrabbiuer-VersiuigNNg in H?ipzigr -0 e! pgrg , §7. Die Hauptversammlung des traditionellen Rabbinerverbandes prägte den Straßen des jüdischen Leipzig durch die zahlreichen als Ordnev und Führer fungierenden, mit Abzeichen versehenen Talmudschüler ihre Eigenart auf. Nach einem gemeinsamen Mittagessen wurde am Dienstag nachmittag die Begrüßungssitzung durch einen Gesang des Synagogenchores eingeleitet, woraus der Vorsitzende des Verbandes, Herr Rabbiner Dr. B 0 n d i -Mainz, die erschienenen Kollegen mit warmen Worten begrüßte und der seit der letzten Tagung Heimgegangenen Mitglieder des Verbandes gedachte. Alsdann folgte die Begrüßung durch den orthodoxen Rabbiner- Leipzigs, Herrn Rabbiner Dr. C a r l e b a ch , die Leipziger Agudas Jisroel Jugendgruppe (durch Herrn Dr. Hallemann) sowie die Leipziger „Vereinigung jüdischer Akademike r". Die Reihe der Referate wurde durch Herrn Rabbiner Dr. Schlesin.ger - Halberstadt mit einem fesselnden Vortrag über rr'Mv 'rf eröffnet. Redner erörterte den talmudischen Begriff von 8'^v als V1221 T>rp V122 D’M und legte alsdann im einzelnen die Stellung in n^s-LsnViTkMamnilUlif'Ki!nnünnima Dar. In Der Abendsitzung erstattete der Schriftführer, Herr Rabbiner Dr. Munk -Berlin, den Geschäftsbericht. Die Mitgliederzahl ist seit 1922 von 80 aus 101 gestiegen. Der Verband hat auf den mannigfachsten Gebieten (Schlichtung, von Streitfragen, halachische Kommission, apologetische Kommission) segensreich gewirkt. Hern Dr. Meier Munk berichtet über die Arbeit der Lebensmittel-Kommission, der Apotheker, Chemiker und Aerzte angehören und die ihre Ergebnisse der halachischen Kommission zur Entscheidung vorgelegt hat. Angekündigt wird eine Abhandlung des Herrn Dr. Münz über die rituelle Eignung der gebräuchlichsten chemischen Präparate. Für die halachische Kommission referierte Herr Rabbiner Dr. Schlesinger- Halberstadt. Er verbreitete sich über manche von der.Kommission entschiedenen aktuellen Anfragen, z. B. betr. Radio, Aufnahme von G e r i m, Verpflichtungen aus entwerteten Stiftungsk a p i t a l i e n, sowie Räumung von Friedhöfen, die durch Unterspülung gefährdet sind. Hierauf erhielt Herr Rabbiner Dr. U n a - Mannheim das Wort zu seinem Referat über: sich zur vollen Rückkehr g« Gott durHgearbeitet hat, soll nach dem Morte des Propheten Jesajas man »ba nxtf der Tod für immer vernichtet werden. Dann wird Gott wieder anina bz anra nana „Schutz gegen Regensturm und Schatten vor Sonnenglut" fein, denn das Kleid hat dann feine Mission erfüllt und die Menschheit gelehrt den Tod zu überwinden. Solange aber der Tod noch, nicht vernichtet ist und noch Opfer unter der Menschheit fordert, hat das Kleid seine Mission nicht erfüllt, und darum sollen wir bei jedem eintretenden Todesfälle das Kleid zerreißen, als Zeichen dafür, daß wir die Mahnung des Kleides, die uns lehren soll, den Tod zu besiegen, nicht beherzigt haben und daß wir an dem Tode^ der uns teuren Wesen nicht ganz ohne Schuld sind. Das zerrissene Kleid soll noch eindringlicher als das unversehrte uns an den geschichtlichen Ursprung des Kleides mahnen und uns die Wahrheit vermitteln, daß nur die Beherzigung der Mahnworte des Kleides den Tod überwindet und die Menschheit von der Schmach des Todes erlöst, i'v' iay nanm. (Aus meinem hebr. Werke ni-m ay naan»). Zwei Fragen. Don Rabbiner Dr. Zielt* Kanter, Zrvittau (Mähren).. Meine drei Fragen in Nr. 18 des .Israelit" brachten mir — zwei neue Fragen ein. deren Beantwortung. wie mir scheint, nicht so leicht und einfach ist. Diese zwei Fragen wurden an mich von einem Talmudkenner in Polen gerichtet; ich lege sie hiermit den geehrten Lesern dieses Wochenblattes mit dem höflichen Ersuchen um gefällige Beantwortung vor. Beide Fragen betreffen zwei Stellen i« w« sHrrn mrmiwlM MDimb rinn Klärung DcDiiiTcn.

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