Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 23 (3.6.1926)
- Date
- 1926-06-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Frankfurt a. M, den 3. Juni 1928 21. Siwan 5686 Nr. 23 67. Jahrgang. Oer Israeli?! Ein Centralorgan für das orthodoxe Jodentnm |[fl| _M 111 Begründet von Dr. Lebmann in Mainz. 111 J Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Januar 1924: Deutschland 1 Goldmark monatlich: Ausland: Vierteljahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; Frankreich 15 Fr.; Belgien 15 Fr.: Holland 2 fl.; Italien 20 Lire; Jugoslawien 55 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien 200 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowaket 25 Kronen; Ungarn 50000 Kronen'; Dänemark 6 Kronen; Norwegen 5 Kronen; Schweden 3.50 Kronen. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag.. Inserate 40 Goldpf. für die stebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 30Pf. 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Zum Attentat auf Petljura in Paris. ^rr ^3«ris wurde citij1 betebiejier ©irctjje Syrrr- ]on Petljura, Der Dctamitc Kofakönhauptmann und einstmalige Hetmann der Ukraine, non den Revolverschüssen eines russisch-jüdischen Uhrmachers namens Schwarzbarth zur Strecke gebracht, und aus dunklem Hintergründe tritt wieder der Name hervor, der ein blutiges Kapitel in der Nachkriegsgeschichte der ukrainischen Judenheit einleitet. Wir wollen die Tat des jüdischen Uhrmachers in keiner Weise billigen. Nationale Racheakte mit der Waffe widersprechen und widerstreben so sehr dem jüdischen Gefühl, daß kein Wort der Rechtfertigung für die Rächerhand hier am Platze wäre. Man muß aber in diesem Falle von dem Menschen Schwarzbarth absehen und nur vom Schicksale sprechen, vom göttlichen Strafgerichte, das sich des unglücklichen Uhrmachers als Werkzeugs bediente. Wenn Petljura in den letzten Stunden auf dem Wege zum Spital noch denkfähig war, so hat er an die ungezählten Tausende gedacht, die auf seinen Befehl oder mit seiner stillschweigenden Billigung unter den schauervollsten Martern in den zwei Jahren nach der russischen Revolution in der Ukraine verbluteten; und was hatte man ihnen anders vorzuwerfen, als daß sie Juden waren? * . j Petljura und Denikin rangen um den Chmiel- ► mizki-Preis. C h m ielnitzki ist. der. Name des Kosakengenerals, der um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts im Kampfe gegen die Polen die jüdische Bevölkerung in all den von ihm eroberten Gebieten der Ukraine, Podoliens und Polens ausrottete und dem in der jüdischen Geschichte mit Fasttagen und Klagegebeten ein Denkmal fum*? 'ptyv gesetzt ist. Was die obengenannten Kosakengeneräle in den Jahren 1918—1920 im Lande Chmielnizkis vollbrachten, stellt die Heldentaten ihres großen Urahns m den Schatten. Petljura wie Denikin — übrigens Todfeinde, von denen der eine den anderen aus dem Sattel zu heben stMZ— kSKM8K UM? AUWM88 gllSk MlM-< reste des zerbrochenen Zarismus gegen öie Bolschewisten, wie man damals sagte, mit moralischer Unterstützung Polens und anderer Randstaaten. Der Weg nach Moskau war aber zu weit, zu . aussichtslos und zu gefährlich, so begnügte man sich in der Hauptsache mit dem billigen Feldzuge nach der Ukraine, gegen die wehrlosen Juden. Die Heere oder Horden wurden genährt mit jüdischem Gut und Blut. Jüdisches Leben und jüdisches Eigentum waren überall in der Ukraine freigegeben. Es ereignete sich zuweilen, daß eine jüdische Ortschaft in kurzem Zeiträume dreimal heimgesu^t der den Juden unerschwingliche Kontributionen auferlegte, weil sie angeblich zu den Bolschewisten hielten, dann von Denikin, der blutige Rechenschaft forderte für die Unterstützung Petljuras, dann wieder von Petljura, und so fort und so fort, an unzähligen Stellen bis zur völligen Vernichtung. Ein Wiener Blatt schreibt über diese Vorgänge: „Der Mann, welcher Petljura niedermachte, konnte mit dieser Tat die 60 000 jüdischen Opfer nicht zum Leben erwecken. Aber die Er-' innerung an eine der schmachvollsten Episoden jüdischen Martyriums hat er lebendig gemacht. Man denkt an die Blüte jüdischer Jugend, die wie räudiges Vieh ins Wasser gejagt oder in Ställe gesperrt und verbrannt wurde; an die bärtigen Männer, welche im Angesicht der Folterknechte ihr Grab schaufeln mußten; an jenen Vater, der seine ganze Habe dafür gab, daß sein Sohn nicht zu Tode gefoltert, sondern „bloß erschossen" wurde; an den Rabbiner, der einen Zettel mit seinen Personalien im Stiefelschaft verbarg, damit, wenn man seine wahrscheinlich zerfetzte Leiche fände, an diesem Zettel erkenntlich sei, wer hier verstümmelt in seinem Blute liegt; an die Musikkapelle von Proskurow, die täglich um die Mittagsstunde einen fröhlichen Marsch intonierte, als Zeichen, daß jetzt, wieder eine Judengasse abgeschlachtet werden könne. An das Kind des glücklich entflohenen ukrainischen jüdischen Arztes, das hier in Wien, als wir den Vater im Hotel, besuchten,-um Nachrichten über die Vorgänge einzuholen, aufschrie: „Schießen, nur nicht hargenen! (zu Tode martern)." — Soweit das Wiener Blatt. Wer in diesen Jahren von den Juden der Ukraine dem Schwerte entrinnen' konnte, durfte sich glücklich preisen. Schwarzbarth war, wie man hört, das einzige Glied einer hingemetzelten Famim, n® na® -franfreiß) retten ^nsÄgüches Weh im jungen Hergen, finster und schwer beladen mit Len grausigsten Erlebnissen und Erinnerungen, sieht er nun auf dem Boulevard der Lichtstadt den Bluthund, den Mörder seiner Eltern und Geschwister, den Schlächter seines Volkes, tagein tagaus in Frieden und Ehren daherwandeln. Er hetzt sogar jetzt noch in der Verbannung. Im Kopfe des unglücklichen jungen Menschen steigt der Rachewahn immer mehr und mehr und ringt nach Entspannung, und eines Tages geht, er weiß selber nicht wie, der Revolver los. Man muß das verstehen, msrru such Ws DsrstOM naß) längs n i ß) 133 g n zeihe »bedeutet. „Mein ist Rache und Vergeltung Dpj Schwarzbarth wird einer jungen Generation angehört haben, der der religiöse Halt durch andere Schlagworte ersetzt werden soll. Sie versagten in der Stunde der Entscheidung und er wurde haltlos, wie der abgedrückte Revolver. Der Rächer, den keiner beauftragt hat, tritt in den Hintergrund. Dem Kosakenführer ist die Schuld zum Schicksal geworden. Wir sehen darin die Erfüllung des erst vor kurzem in unseren Gotteshäusern verkündeten i'mrh bp:) und das mahnende Zeichen einer höheren Vorsehung. Freude jedoch zu bekunden und gar in ein Lied der Heldenverehrung zu verfallen, wie es bereits manche Blätter tun, dazu liegt wahrlich kein Anlaß vor. Es ist dieses zu vermeiden, und zwar nicht allein nach dem rein sittlichen Postulat des nvwn hx ■p'nx H1222' sondern schon aus praktischen Erwägungen, nicht zuletzt aus dem Grunde, daß nicht irgendwo die Meinung entstehe, Blutrache sei eine jüdische Sache. Im Gegenteil nehmen wir den Fall zum Anlaß einer Mahnung an die Jugend, daß st ab pm* Die^ Opfer Petljuras haben Martyrium erlitten wegen ihres Judentums. Das Martyrium, das Schwarzbarth mit der Rachewaffe freiwillig auf sich genommen hat, ist von neuer, ganz und gar u n j ü d i s ch e r Art. aba jswn1? Mb im w» iran bvwochenrundschau. NM dm KkjMrahkrr in Kjmm? „Zerschneidet das. Kind, dnß eö weder llftr noch dir fei!" Mit dieser Parole der falschen Mutter gingen die Zionisten in Litauen an die Wahlurne und erreichten es wirklich, daß das litauische Judentum in einer Zeit des schweren Ringens um sein politisches Recht vier ihm zustehende Mandate e i n b ü ß t e, also statt mit