Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1926)
- Date
- 1926-05-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 4 Nr. 22 und Bejahung des Weltzweckes bestimme. Sie muhte für vernunftbegabte, der Ueberlegung und Selbstbestimmung fähige Wesen eine sittliche Ordnung oder ein Sittengesetz sein, ein Gesetz, das den Willen verpflichtet, d. h. bindet, ohne ihn zu zwingen. Daher ist der weltordnende Wille Gottes die oberste Sittenrichtschnur und die von ihm stammende Weltordnung ist das sittliche Ur- und Grundgesetz für alle zum freien Handeln befähigten Geschöpfe. Dem göttlichen Willen zu gehorchen, ist die strengste Forderung der Gerechtigkeit, die auch ohne Lohnäussicht zu erfüllen wäre. Das Leben des Urbildes ist die ein für allemal gegebene unantastbare Regel für das Verhalten des Ebenbildes, dVX/ so erklärt auch der Religionsphilosoph unserer Zeit, Rabbiner S. R. Hirsch „Gott gleich kann der Mensch nicht werden, aber ähnlich soll er ihm fein, soll nichts Gott Widersprechendes in sich und bei sich dulden, unpnn, das Hinanstreben zur Gottesheiligkeit ist feine Bestimmung." Der menschliche Wille wird nur dadurch sittlich gut, daß er in freier Selbstentscheidung den i n s i ch guten Willen sich gleichförmig macht. Die höchste sittliche Vollkommenheit aber ist das lauterste, entschiedenste und beharrlichste Wollen des Guten, eignet mithin jenem WMkll, ökk «nmMklösr mW unwanüeWar auf Den rvuküWsn Gsgsnflanö sllss Wsllsns görichtet ober in seiner ganzen Betätigung von-, der ungeteilten und reinsten Liebe zum unendlichen Guten getragen und durchdrungen ist. Das unendliche Gute aber ist der Schöpfer selbst. Daher besteht das höchste sittliche Gut in jener Hochschätzung und Liebe, die Gott notwendig sich selbst als dem Urgrund und Inbegriff aller Güte schuldet und erweist. '•>»*,* rp rrap D’rm Kö’m ’Kn 7?« lautet ein Wort des mir* Diese Liebe ist uneigennützig, da sie nicht eigenen Nutzen, sondern das Glück der Geschöpfe sucht. Daher besteht die sittliche Vollkommenheit des menschlichen Willens in der Liebe zu Gott und ihr unvergleichlicher Wert beruht auf ihrer Beziehung zu ihm, dem höchsten Gute, sie ist das unumgängliche Mittel, ihm zu gefallen. Der göttliche Wiste nicht als bloßer Macht- oder Herrscherwille, söüdern innerlich bestimmt und geordnet durch die wesenhafte Weisheit und Heiligkeit, ist die unveränderliche Richtschnur des sittlich Guten, der ewige Urgrund aller sittlichen Wertbestimmung, Gesetzgebung und Verpflichtung. Das Grundgesetz unseres sittlichen Verhaltens also lautet auf Gottesdienst. Dieser bildet den Kern und die Krone unserer sittlichen Lebensaufgabe. In ihm laufen zuletzt alle sittlich guten, Haus an einen Katholiken namens Topolansky über/ der das Erewzeichen beseitigen wollte. Damals hat der Landesrabbiner Mordechai Beneth selbst bei Topolansky deshalb interveniert und ihm versprochen, wenn Topolansky das altehrwürdige Zeichen bestehen lasse, werde er einen Segen über das Haus sprechen, der es gegen Feuer schützen solle. Tatsächlich verstand sich Topolansky dazu, das Zeichen an seiner Stelle, zu lassen. Früher war das Haus mit Stroh gedeckt, jetzt hat es hölzerne LeveMng, trotzdem sind schon vier BraMMtroMn oorrwergegangen, Venen zahlreiche Hauser m Ser Nachbarschaft zum Opfer fielen, von denen aber dieses Haus stets verschont blieb. Gewiß ein eigenartiges Zusammentreffen, das naturgemäß viel erörtert wird." (Neue sensationelle Ausgrabungen in Jerusalem.) Prof. Bade, der bekannte Alttestamentler und Archäologe, hat bekanntlich im Februar d. I. der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt, daß' er die- "ulte. B«,- sestigung der Höhe Mizpah ausgegraben und zu einem großen Teil freigelegt habe und dcrtz er hofft, bald die alte Zitadelle der Kanaaniten und den phönizischen Tempel sreizulegen. In einem Gespräch mit dem Vertreter der palästinensischen Telegraphen-Agentur berichtet nun Bade über seine neueren Entdeckungen. Vor kurzem gelang es ihm, eine alte Stadtmauer von ungeheurem Ausmaße freizulegen. Die Mauer ist etwa 5 Meter dick und wurde, wie Prof. Bade meint, lange vor der Okkupation durch die Juden, im Bronce-Zeitalter, errichtet. Die Front der Mauer ist aus Zyklopen-Steinen konstruiert, eine Bauart der Bronce-Zeit, für die bis jetzt in Palästina kein Beispiel besteht. Innerhalb der Mauer entdeckte man sieben Hohlräume von etwa 6 Fuß Tiefe, die als Kornkammern dienten. Auch entdeckte man zwei leere Grüfte, in welchen etwa 100 Krüge und andereis Tongeschirr lagen, die aus der Zeit 2000 v. d. ü. Ztr. stammen. Es wurde auch eine Kalkstein-Zisterne ausgegraben. Prof. Bade glaubt, dies sei die Stelle, wo Jschmael den Körper des von ihm erschlagenen Gedaljah zur Zeit Nebukadnezars verborgen hat. Der -»rselt«__ menschenwürdigen Zwecke zusammen. Und die Gottesliebe istder Beweggrund, in den schließlich alle edlen Antriebe und Gesinnungen münden. Da unser freies Handeln nur dann geordnet ist, wenn es im Einklänge mit der göttlichen Zweckordnung geschieht, so darf keine Handlung oder Absicht den höchsten Endzweck ausschließen oder ihm zuwider sein. Es ist aber nicht erforderlich, daß jede Handlung unmittelbar und ausdrücklich d. i. mit bewußter Erkenntnis und Absicht oder gar mit wissenschaftlicher Einsicht auf Gott bezogen werde, aus krassem Gehorsam, aus Ehrfurcht oder Liebe gegen ihn geschehe. Unser Handeln ist ihm schon wohlgefällig, wenn es mittelbar auf ihn gerichtet ist, d. i., wenn seine Verherrlichung in den nächsten Zwecken unseres Wollens und Wirkens mitangestrebt wird. Freilich ist eine solche Entschließung des obersten Zweckes durch Erkenntnis desselben bedingt. Wer in seinem Tun und Lassen die rechte Ordnung beobachtet, wird allemal von der stillen Absicht geleitet, jenen heiligsten Willen, der hinter ihm steht, zu erfüllen, wie ein Wanderer, der einmal den richtigen Weg eingeschlagen hat, mit jedem Schritt dem Endziel zustrebt, wenn er auch sein Augenmerk nur auf das nächste Ziel richtet. Es ist v\eU £etc£)i bas ©röj^ie, wenn ltrtjere 9B5et|etx x»ort uns behaupten: «wM sono' die Gesamtemstellung des Menschen und die. fortwährende bewußte Betätigung des gottgewollten Guten verleihen auch dem einfachen Handeln, auch der profanen Tat den Charakter des nvvh« Vgl. 'n D"a»*i nwrgu dem Verse rann na^ni. (Fortsetzung folgt.) Sann die «man v'2-Methode verbessert werden? Von A. Mannheimer in Dettelbach. Ich greise in ein Wespennest/, wenn ich wage, als Westler von einer Verbesserung der Methode des Lehrhauses zu sprechen, wie es im Osten noch blüht. Es ist dort eine echte und rechte Volkshochschule, die alle Stände und Altersstufen umfaßt und erfaßt: das unschuldige Kind, den heranreisenden Knaben und Jüngling, den schwer ringenden Familienvater, den ernsten und lebensmüden Greis. Sie alle finden sich dort zusammen im dem gemeinsamen Bewußtsein und Streben, zu „lernen" und. zu „lernen". Zwanglos geht es hier her, jeder sieht im andern, den lieben, mitsterbenden Bruder und nichts als diesen/ Traulich wird jedem die Stätte, unbekümmert um Jahreszeit und Tagesstunde, eine behagliche Wärme durchflutet. stets die Räume. Jüdische Menschen bewegen sich dort, jüdische Hände sind tätig, jüdische Herzen pochen laut, jüdische Stimmen schlagen in buntem Gemisch an unser Ohr, jüdische Blicke und Mienen werden vielsagend getauscht. Hier wird „Lernen" zu einem Gebet und die nhgll zum Lernen, dis Grenzlinie Mint me-.! rückt und verwischt und der Weisen Mahnung ist am Platze: 'rinb nbrm pt - *nrfr min pn Das dem ununterbrochenen Lernen dienende ma .«man übertrifft an nwnp die Synagoge. Es gibt in nxin keinen geweihteren Ort als ersteres. Ihm gegenüber verliert das große, stattlich zausgebaute und eingerichtete nv^an n'a.seinen Anreiz: der man ma-Jude fühlt sich bei Chorgesang und Predigt nicht sehr behaglich. In der Synagoge wird ja nicht „gelernt!" Im Lehrhaus ist das warme Gefühl mindestens ebenso stark in Funktion wie der forschende Verstand, vielleicht ist ersteres immer das Primäre, d. h. Ausgangspunkt und Endziel in rein ethischem Sinne. Wo solchermaßen liebendes Empfinden das Ganze beherrscht, ist es kaum zu verwundern, daß die fromme Sage hier bereits ihre zarten Schleier gewoben. Ein ganzer Kranz von legendären Erzählungen schlingt sich um das viivn n»a östlicher Lande und hat sich tief im jüdischen Volksempfinden verankert.- Stellen wir nun die gewichtige Frage: Haben wir im Westen dem etwas Gleichwertiges oder Aehnliches an die Seite zu setzen? Leider müssen wir die Frage mit einem Nein beantworten. Die erfreulichen Erscheinungen des Wiedererwachens jüdischen^Denkens, Fühlens, Forschens, das . seinen Niederschlag in orthodoxen —besonders agudistifchen — Jugendverenigungen, in akademischen Verbänden, einzelnen na'V'-Gründungen findet, , können unser Urteil nicht abändern. Wiv sind es immer noch gefühlsmäßig gewohnt, den Kern und Mittelpunkt jüdischen Thorageistes undintensivster Thoraforschung im Osten zu sehen/ wenngleich auch dort politisches Weltgeschehen und wirtschaftlicher Druck seit Jahrzehnten umwälzend gewirkt. Umsomehr vielleicht erfüllt gerade den Westjuden die Sorge um die zukünftige Gestaltung und Erhaltung des «man n’a> eine Sorge, die ja eigentlich den weiten Aufgabenkreis des Keren Hathora umfaßt. Unsere Frage ist nur ein Ausschnitt aus dem großen Fragenkomplex des üi’p minn und gewiß nicht der unwichtigste und untergeordnetste. Heiligernster Wille und innigste Liebe und Treue zur Thora führen uns die Feder. Das Recht, eine Besserung der Lernmethode im ViiQ.i ma in beratende Erwägung zu ziehen,, kann ernstlich nicht bestritten werden. Wir betreten hier uralte Wege, da zu keiner Zeit das LMkilWMttn LchrmktWk ohf Nutze ram. Cs ist ja in vor mm stlvst schön vökauke^t. Der Satz: 'iai *]naipa va ma*n *paV onajtfT ist an sich eine methodische Anweisung, gibt die Lehrart an, (vrniVi) den Lehrenden (Vater), das Objekt der Erziehung (^^a^) und die Zeit des Unterrichtes hAi p'aa *jnatpa) Im zweiten Abschnitt ist das ormun in omn^i variiert und kündet bedeutsam eine andere Lehrart. DinwtP von — Zahn läßt uns an eine durch scharfes Sinnen erlangte Gesetzeskunde denken und umfaßt die Aufgabe, das Gesetz zuerst in kurzen, präzis gefaßten Sätzen sich einzuprägen und sie dann, zu erläutern. Letzteres wäre arnaVi; es ist also umfassender. (S. Hirsch z. St.) Das ^npn-Gebot, die Pflicht nach Abschluß einer Schemitto-Periode auch Frauen und unmündige Kinder zum „Hören" mitzubringen, zeigt die Weitherzigkeit im jüdischen Volksunterricht. Niemals ruhte die Frage, welches die trefflichste Stoffauswahl fei, die günstigste Lehrsorm, die vorteilhafteste Zeiteinteilung und das idealste Lehrziel. Zu jedem; der, genannten vier Momente lassen sich so zahlreiche Belege bringen, daß deren Anführung weit: den Rahmen dieser Arbeit überschreiten wurde/ So kann es auch nicht verübelt werden, westn über , den natoi *]Yt im Ostest manches gesagt wird, was zur Hebung des uns allen hochheiligen nun-Unterrichts uns geeignet erscheint. Hat doch selbst ein Mose einst die wohlmeinenden praktischen Ratschläge eines Jitro entgegen genommen und verwertet! .. Nach zwei Richtungen haben sich unsere Vorschläge zu bewegen: nach dem Was und Wie. Nach chrsrn inneren SBefen fjängen £>etbe ju|ommen, b. h. nnd Fonn bleiben naturgemäß nicht ohne gegenseitige Wirkung aufeinander. Wenden wir uns zunächst dem Stoffe zu. Im Hinblick auf das MVvh Tia*?1? den idealsten Zweck des Lernens, die religiöse Praxis vorzubereiten, sind uns die großen Richtlinien gegeben, wie wir den gewaltigen Sfoff bemeistern, bewältigen, -einteilen' könnten. '' 'cnrr dV$V rrnrna .,i2vsa vto -rnpaa 'V»nw Stets nehme man im Hinblick auf den Lernstoff eine Dreiteilung seiner Lebenszeit vor: ein Drittel seiner Tage widme man dem Bibelstudium, ein Drittel dem Erforschen der Mischna und ein Drittel der Beschäftigung mit dem Talmud. Die niarr 'pis raten uns speziell, mit 5 Jahren das Kind mit der Bibel bekannt zu machen, zu 10 Jahren überzugehen zur Mischna und im 15. Lebensjahre das Talmudstudium zu beginnen. Diese Stoffeinteilung wird wohl als Norm zu gelten haben, wenn auch je nach örtlichen Verhältnisse^ und persönlicher Eigenart des Zöglings Verschiebungen innerhalb des gezeichneten Rahmensstattfinden können und stattfinden werden. Das" ma des Ostens hat sich oft dem Vorwürfeausgesetzt, den naturgemäßen Gang verlassen ztr