Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 21 (18.5.1926)
- Date
- 1926-05-18
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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Seile 2 Nr. 11 13. Mai 1826 aßsMDßn. irapt Tarp. Daß Dißfßß fnparß Gerät Gottes in altem Glanze strahlt — um eurer selbst willen, die ihr in dieser verwilderten Zeit nur deshalb in Treue steht vor eurem Gott, weil eure Seelen verwurzelt sind in Seinem Gesetz, traget Sorge, daß sie, die in diesem Gesetz forschen, leben können, würdig und ohne drückende Not des Tages; um eurer Kinder willen, die ihr dem Mischen Volk erhalten wollt, und die ihr ihm fsyöMli MM, Kinn W stk LWk8 lkkllkn lasset und in den Lehrern der Thora die Führer unseres Volkes verehren lehrt, traget Sorge, daß immer fleißiger, ausdauernder, zielstrebiger gelernt werden kann; um unseres ganzen Volkes willen, das, in Parteien zerteilt, sich bekämpft und nur in der Thora sich selbst und die Brüder wiederfinden kann, lasset den Ruf des K e r e n H a - thora nicht ungehört an euch Vorbeigehen, lasset ihn stärksten Widerhall bei euch finden, so Mtynl ihr jüdische Liebe, so fördert ihr echte Brüderlichkeit, so dient ihr dem Höchsten, der Wahrheit; tv>x viwpi N1NX1 xa’m xrp’Tix Lern- und Gemeinschafkspflicht. Als der Poniwiescher Raw am 24. August 1920 bei der Preßburger Agudo-Konferenz gefragt wurde, ob er mit einer Agudo-Delegation nach Amerika reisen wolle, hat er lächelnd geantwortet, dann würde er ja ein kompletter Amhoorez. Ein kompletter; denn ein wenig zum Amhoorez, so scheint er gedacht zu haben, habe ihn schllll DiC NM UN0 m NWNllgW WllltUNM zeit in Preßburg werden lassen. Ehrlich kann bezeugt werden, daß die anderen Konferenzteilnehmer die Befürchtung nicht teilten. Der Poniwiescher Raw hat für die Gesamtheit seit jener, seiner ersten, noch manch eine Auslandsreise unternommen; und noch immer wollen seine ihm allenthalben innig zugetanen Freunde und Verehrer niA glauben, daß er komplett oder ein Spürchen zun Amhoorez geworden wäre. Vielmehr sind sie davon durchdrungen, daß, wie unser Vater Jakob nach Schechems Stadt, auch der teure Mann abv „komplett" in und mit seiner Thora nach Poniwiesch heimgekehrt ist, um, so hoffen viele, bald und oft wieder und lange noch Din mm m uns m nßDmon. Trotz des \)utnort]lt\<$)en (Bmjcfylags ist die Befürchtung des Poniwiescher Raw lehrreich: und daß er, notgedrungen, nicht die Konsequenzen zog, st ebenso lehrreich. Darum leite die kleine Episode diese Besprechung ein: D’öDn ’Tötoi bv I'bin nrnp ib'LX (Mass. Suckoh 215) Aus Raschi zu I. 33, 18 (nach Mass. Schabbos 33b) ist ersichtlich, daß das Reisen dem Thorawissen abträglich ist. Es ist überhaupt ein anderes, im Lehrhause unabgelenkt zu weilen, und es ist sin onbetes, uniertöegs ju effen, ftc^> um SBeruj urtb Gesamtheitsrmliegen zu sorgen, in Versammlungen zu hören und zu sprechen und sich zwischendurch die Zeit und Muße zum Thoralernen zu suchen. Die Pflicht und das Recht zur Thoraforschung hat ein jeder Jude. Es dürfte eigentlich keine Akademikerzunft und keinen Laienteil in Israel geben: Das ganze Volk soll „akademisch gebildet", eben das Molk der Thora sein, die als König in Jeschurun jeden Volksgenossen vom fünften Le- Der iJstpent _Blätter Dßnßjaljrß an in IW j)allßn ruft. WH ißDnmn im Handelshafen mit weltumspannender Berufsarbeit ist dieses königlichen Dienstes keineswegs ledig, auch dann nicht, wenn Jisiochor für ihn mit lernbeflissen sein sollte. Darum hat der Chassam Soser, anfänglich zu einigem Befremden der ungarischen Nabbinen seiner Zeit, eine Jeschiwah für fünfhundert dem „Baalebattim-Stand" bestimmte Jünger mietet. Wohl entstiegen seiner Hochschule im Jahre auch zehn große erleuchtete mmmn, K8A N8W Mi eine gute millkiim zum Raw nur einen Großen, der in Preßburg studiert hatte. Doch vierhundertneunzig andere Hörer seiner Lehranstalt entließ der Chassam Soser im Jahre als Gelehrte für die Berufe des praktischen Lebens. Einst traf er in Wien, so wird erzählt, einen solchen Großkaufmann seiner Gemeinde und fragte ihn, wie er es auf der Reise mit dem Lernen halte. Die Zeit dazu fehle oft, war die Antwort, weil im Großstadtgetriebe die Geschäfte den ganzen Tag beanspruchen bis in den späten Abend. Eine Stunde früher aufstehen, eine Stunde später schlafen gehen, verordnete der Meister, und in den beiden Stunden auch in Wien täglich lernen! mW CB DD0 MlMlMH (MM MD Mt D Dir üblichen Deutung) im Schma-Abschnitt über das Thoralernen: „Wenn du auf der Reife bist M3H31 fvn, dann lerne beim Niederlegen und Aufstehen Es kann nicht jeder ein Poniwiescher Raw werden, es darf keiner ein Amhoorez sein. Es kann nicht jeder achtzehn von vierundzwanzig Tagesstunden Thora forschen, es darf keiner weniger als zwei Stunden täglich dafür bestimmen. Nur einen Zeitunterschied für das Lernen gibt ss MsSM Zisstchzv ml E^ßnlun ml Um gemäß nur einen Gradunterschied für das Wissen. Ist aber Sebulun in seinen zwei Tagesstunden seinem geistigen Volksberuf mit Kopf und Herz in heißem Vemühn so ganz hingegeben, wie Jissochor in dessen achtzehn, dann wiegt auf der Wage des Heiligtums beider Leistung gleich, dann gibt jeder von ihnen die vollwertigen zehn Geroh seines halben Schekels als 'nb navin. Die Lernpflicht obliegt jedem Juden. Es hat zwar Jisiochor nicht nur für sich, sondern auch mit für Sebulun Geistesarbeit zu tun. Doch es hat auch Sebulun, so seltsam das Wort auf den ersten Blick sich ausnehmen mag, es hat auch Sebulun für Stffocäjor mti 3« lernen- ©in 9laiurge|e^ ber jüdischen Nation, Arcwusi ist es genannt (Musi. Sotah 37a), duldet keinen Individualismus in dem Sinne, daß ein einzelner etwa auf höchster Höhe von Wissen und Frömmigkeit nun wähnen könnte, seine überragende Größe sei eine Vollleistung und habe.als solche unverkürzbaren Wertanspruch. Nein, er irrt. Mehr als einen halben Schekel k a n n er gar nicht leisten. Für die andere Hälfte ist er auf seine Volksgenossen angewiesen, und diese wiederum sind es auf ihn. Ein Ganzes leistet der Einzeljude nie. Seine Frömmigkeit wäre keine Gottesfurcht, wenn er nur für sich und nw «n sich «Milktk, Lik «chlgkyn rsglichen Slum den angespanntester Denkarbeit wären keinen halben Schekel wert, wenn Jisiochor nur für sich und nicht auch mit für seine Brüder wirkte. Erst „wenn du die Gesamtsumme der Söhne Israels aufnimmst", die Gesamtsumme ihrer „Berufenen", die Gesamtsumme ihrer „Erhebung" zu Gott, erst dann fft in der Untersuchungsstätte des Volksgenius auf der Goldwage des Arewus der Edelgehalt des Einzelnen an Leistung für die Gesamtheit und damit für Gott und damit für sich fßlDßr MsißWar. Wsk Dann ngMjH zvM sich nicht nur, ob der eine nicht zu wenig, sondern auch, ob der andere nicht zu viel seiner Zeit an die thorageistige Nationalarbeit gewendet hat. Ein Zuwenig ist jedem wahrscheinlich. Ein Zuviel ist schwerer vorstellbar. Fast jeder, der an seinem Lebensende die Lebensrechnung abschließt, wird bei dem Abschnitt Thora-Erforschung einen Fehlbetrag vorsiOm. Diese Lütke kam sich daraus ergeben, daß vie! Zeit an Zerstreuungen, Nichtsm gns «nnßße VksMtMng aancnDct murDi. So wird es meist sein. Es entsteht vielfach der Fehlbetrag auch dadurch, daß beim Lernen die Gedanken nicht gesammelt und auf den Stoff zusammengezogen waren; dann entspricht der Gehalt auf der Goldwage nicht dem darauf gewendeten Zeitumfang. Es ist nicht nur nötig, „der Thora Zeiten zu bestimmen", sondern diese Zeitabschnitte müssen unverkürzt mit angespannter Aufmerksamkeit ausgenützt werden zur größtmöglichen Mehrung des geistigen Nationalvermögens. Hier hakt der Emwand ein, der gegen die Einsetzung der Persönlichkeit für die Gemeinschaft laut wird; Das „Lernen" leidet unter der Klal- Tätigkeit. Es ist etwas daran, zweifellos. Als M? MM xlMttW im Lsski MWcn (IV. 11, 27) und Iehoschua das unrecht fand, empfahl er seinem, unserm Lehrer, den beiden dadurch Einhalt zu tun, daß er ihnen Gesamtheits- Pflichten auferlege (Masi. Sanhedrin 63a). In der Tat ist kaum etwas so aufreibend, wie die Hingabe an die Erfordernisse der Gemeinschaft. Was man dabei schlucken und kämpfend abwehren muß, steht im starken Gegensatz zu den Wonneu des Genusses vor aufgeschlagenem Talmüdband. Köstlich fein begründen dies Tosiaphos (a. a. D., kW MMMMM auf DßH! MlM) DiM Anführung des Satzes: Die Gottesgegenwart verweilt nicht bei schmerzlicher Sorge, sondern bei der Freude. Ja, es ist schon so: der Dienst für das Ganze ist nicht frei von Verdruß und Sorge. — Dennoch darf sich ihm niemand entziehen. Das Gesetz von der Gesamthastung (Arewus) der Juden für einander erfaßt einen jeden. Keiner ist dafür zu groß, keiner ist dafür zu klein. Eines jeden Halbschekel-Beitrag muß volle zehn Geroh wiegen, muß sein Ganzes sein als *nb nzrniv Die größtdenkbare Mehrung des Nationalwissens und der Tatleistung stehen einander nur scheinbar gegenüber, beeinträchtigen sich nur scheinbar. Nur in scheinbarem Gegensatz steht die Aufgabe. Tag nnD mm za rnrDDßn bm w wim (3ebs= \fyua i, 8) zu dem Grundsatz nVk njp’jr «man «V nmon (Owos 1,17). Auf der einen Seite gilt zwar vbi3 tud min riabn (Mischna Peah 1), auf der andern b'N'^x azkn bva nmn.inrrstll. 18, 21); doch es gibt keine Widersprüche in dem Einheitswerk göttlicher Schöpfung. „Vermittler der Gegensätze ist sein Name". Das Wörtchen nmb „um ihrer„ der Thora willen" ist das lösende Wort. Zwei Beispiele dafür: Mordechai ha-Jehudr ist das eine. Ein kleinerer Teil seiner Amtsfreunds im Großen Sanhedrin hat mißbilligt, daß um der MlllMlMrMslMM willin skini TMafarsDnna eingeschränkt wurde; die Mehrheit der Mitgliedes des Sanhedrin hat ihm recht gegeben, er was imrr 21b ’in als wvbkiv tznn (Esther 10, 3), weit er zur Förderung des Klal-Besten führenden Staatsmann war. (Auch Mordechai-Poniwiesch^ hat nicht umhin gekonnt, Landtagsabgeordneten zu werden, wiewohl er die Regierung und das Parlament seines Landes in seinen glänzenden Sejm-Reden kaum über eine schwere Sugjoh unterrichtet.) Als zweites Beispiel sehen wir S. R.- &lms GedenketdesKeren Hatorah Poslscl\eclc-Konien: Landesdirektorium des Keren Hatorah in Deutschland, Hamburg Nr. 24753 (P. Sch. A. Hamburg). Keren Hatorah-Kommissariat Frankfurt a. M. Nr. 41666 (P. Sch. A. Frankfurt a.M Keren Hatorah-Kommissariat Nürnberg Nr. 18440 (P. Sch. A. Nürnberg) Keren Hatorah-Kommissariat Köln Nr. 50131 (P. Sch. A. Köln) Keren Hatorah-Kommissariat Leipzig Nr. 70147 (P. Sch. A, Leipzig) Keren Hatorah-Kommissariat Berlin, P. Sch. A. Berlin Nr. 12 594 für Abraham. Rzeszewski. Keren Hatorah-Kommissariat Breslau, P. Sch. A. Breslau Nr. 60510 für Iwan Möller Keren Hatorah-Kommissariat^Hamburg P. Sch. A.'Nr. 40 953 für Dr. Julius Baer