Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 21 (18.5.1926)
- Date
- 1926-05-18
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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Hfäffev fievausgegeften non dee fandesoeganifatfon dee Hgudas-Jlseoef in Seulfenfnnd \2. Jahrgang Frankfurt a. 2tt., (5. Mai (926/29. Ijar 5686 Nummer U An die Ortsgruppen der «Agudas Zisroel" in Deutschland, an die Mitglieder des Vorstandes der Landesorganisation, des Zenkralrats und des GkfchSftsführkndkN Ausschusses der Agudas Zisreel, Sehr geehrte Herren! Die vor längerer Zeit beschlossene Einberufung der Delegierten-Versammlung kann durch eine Reihe nacheinander wirksam gewordener Hindernisse erst jetzt Tatsache werden. Wir laden Sie hiermit zum Velegiertentag der „ftgudas Jisvoef ‘ In Deutfcfiland auf dflitfwoch, den 26. OTtai, oocmittags IO Uhr nach Berlin, Oranienburger Straße 69 (in den Räumen des TNontefiore-Vereins) mit der bereits angegebenen Tagesordnung: TZcritfyte het? <Beetmen, Aussprache, Wahl des Vororts und des Vorstandes freundlich ein. Die Gruppen, die ihre Vertreter noch nicht gewählt haben, wollen es, bitte, nunmehr tun, und uns das Wahlergebnis tunlichst früh vor der Tagung anzeigen. Halberstadl, 9. Rlai 1926. kamlesovganisation cfet* „flgucfas Jisroef“ in DeuffcfUand. (zur Schewuaus-Akkion des Keren Halorah! Rabbi Schimaun ben Jauchoi sagte: Wäre ich am Berg Sinai gewesen in dem Augenblick, da Israel die Thora empfing, ich hätte zu Gott gebetet, daß. er dem Menschen einen zweiten Mund gebe, damit der eine sich nur mit der Thora § mühe, und der andere den Körper versorge. I Dieses Wort des Talmud Jeruschalmi (an- I fangs ms*!!!) mag, über seinen ersten Sinn I hinaus, her Äüion, hie her Aeren Aathora I in diesen bedeutungsvollen Siwan-Tagen durch- M führen möchte, die Richtung geben. Wohl will » dieser Ausspruch ursprünglich das „Lernen" so I sehr in den Mittelpunkt allen menschlichen Tuns ft stellen, daß für die Notwendigkeiten des Tages » keine Zeit mehr bleibt; der Mund, der lernt, hat I n u r zu lernen, ein anderer, zweiter sorge für den v Tag. Doch liegt in ihm vielleicht noch ein anderer 9 Sinn. Der Mund, der lernt, der kann » für die Erfordernisse des Lebens 9 nichtbitten! A Die Ehre der Thora fordert für ihre Er- J forscher und Lehrer, sic sich nicht Zugleich um Die Dtm Des Lebens kümmern sollten, daß — um sogleich in den einem jeden bekannten Verhältnissen unserer Zeit die Dinge darzustellen — der m’tp’ wrm nicht zugleich ihr Kassierer sei. Die Sorge um die geistige Fortbildung der Schüler sei nicht verquickt mit der Sorge um ihre physische Erhaltung. Es darf nicht sein, daß die Männer in der hohen Region des Geistigen mit ihrem Wirken und gewaltigen Leisten noch beschwert und belastet sind mit Sorgen um die kleinen Dinge des Lebens. Es darf nicht unter der stillschweigenden Duldung der jüdischen Welt Brauch werden, daß dem Manne, der das Joch der Thora trägt, das Joch des materiellen T°n pN — in diesem Sinn — dazu aufgebürdet wird; darunter leidet die Thora und der f>irr *]vn Darunter leidet vor allem die Lehre selber. Denn so tft Der Laus Der Welti Wer, ohne Dazu ver? pflichtet zu sein, gibt, der beeinflußt, gewollt ober ungewollt, bewußt oder unbewußt, das Werk, für das er gibt. Und so muß, um der Reinheit und Unabhängigkeit der Lehre willen, auch der Lehrer unabhängig bleiben. Er darf nicht für sich und sein Werk pochen müssen an die Türen der Einzelnen, bitten müssen bei Organisationen und Verbänden! Ein anderer Mund muß für die Bedürfnisse des Lebens, muß für Geld sorgen! Dll8 ist Der @inn Dqs WortM von Dem Wösten Mund, um den der Rabbi in der Stunde gebeten hätte, da Gott das Gesetz gab. Und hierin mündet auch die hohe Mission des Keren Hathora, deren er sich zu allen Zeiten des Jahres bewußt ist, für die er aber umm snn pta besonders eifrig wirbt. Der Keren H a t h o r a ist der Mund, der für die Bedürfnisse des Tages sorgt, damit der andere Mund — die die mm -nmn ma» die andern Häuser der Gotteslehre alle — frei bleibt und ganz aufnahmefähig für Thora und nur für Thora! Keren Hglhortt lcilek Dos Recht seines Daseins ausschließlich ab von Der feierlich übernommenen Verpflichtung, nach Maßgabe seines Könnens für die Thora zu sorgen. Auf dieser Verpflichtung beruht der Anspruch, den alle Thoraanstalten an ihn haben, ausnahmslos und ohne Unterschied der sonstigen jüdisch-politischen Einstellung ihrer Führer, sofern sie auf dem Boden des tt? w'w stehen. Diese Verpflichtung begründet aber auch zugleich den Anspruch, mit dem der Keren Hathora an alle ß’sv sich wendet, daß sie seine Sorgen und Nöte zur Sache des eigenen Herzens machen. Soll der Keren Hathora dazu befähigt werden, so durchgreifend zu wirken, so umfangreich zu helfen, daß die großen Rabbiner des Ostens, ihren sehnlichsten Wünschen entsprechend, ihre ganze Sorge und Zeit und Kraft der Thora, allein der Thora, weihen, dann bedarf er nicht nur der wohlwollenden Sympathie, der gutwilligen Anerkennung, dann muß er die völlige Hingegebenheit aller für die Thora Begeisterten fordern. Soll der Lehrer der Thora laww'gleichen, sich im Zelt der Thora sorglos ihrer Erforschung hingeben lSnnen» sstt m jmnn w Mich früi st«ugkn in emsiger Arbeit für die Bedürfnisse des Bruders tätig sein können, dann muh der Ruf des Keren Hathora ein vielstimmiges, freudiges Echo wecken. Keren Hathora muß für die Jeschiwaus und die anderen Thorastätten sorgen, denn dazu hat er sich verpflichtet; Keren H a t h o r a will für die Thora sorgen, denn nur das sichert das Recht seiner Existenz; Keren Hathora kann für die Thora sorgen, wenn jedermann seinen Teil zum Werke beiträgt. Wenn Rabbi Schimaun ben Jauchoi schon die Notwendigkeit des „zweiten Mundes" zu feiner Zeit gespürt hat, roie müßte da erst un [ e r e die 9lolwen&ig{!eU degrei^en, Zeit, die auch dem einfachsten Menschen ein gewisses Minimum von Lebensbehaglichkeit züspricht, in der darum, sollen wir nicht vor uns selber erröten — unsere Thoralehrer nicht Mangel leiden dürfen, Mangel in einem Ausmaß, daß jedem von uns, der davon weiß, das Herz vor Schmerz sich krampst. Rabbi Schimaun galt als troaa ragte über Menschennatur hinaus; deshalb konnte er 13 Jahre in einer Höhle leben, von den Früchten einiger Johannisbrot- und Dattelbäume leben. Unsere vrnan •>Tütm von DöutQ sillkj nicht mßör NW unD trvWm — beglaubigte Berichte maßgebender Männer bestätigen das — trotzdem gibt's dem nisfr hingegebene Jefchiwahbachurim, die jahraus, jahrein buchstäblich von Brot und Wasser leben, aus Steinboden schlafen — auch heute gibt's sie noch! Das ist ein Denkmal dem hohen Idealismus, zu dem der echte Thorageist erzieht. Mal ist's aber zugleich unserer eigenen Unzulänglichkeit, daß wir, selber in größerer oder geringerer Sorglosigkeit lebend, solcher Not nicht gesteuert haben. Jüdische Art forderte oon uns, daß tmr uns voller Qtebe für birst unsere Brüder einsetztenwenn nicht aus rmvrn der jüdischen Art gemäß, so, weil es spsp die Selbstachtung, die Achtung vor denen gebietet, die die Thora durch den Sturm der Zeiten tragen. Aber vielleicht wußten wir es nicht, weil der Mund dieser der Thora so geweihten Menschen nur von Gottes Lehre überfloß, von eigener körperlicher Not aber schwieg? Nun, so soll Heute der „zweite Mund", der für die physischen Bedürfnisse dieser Menschen sorgen soll, soll Keren H a t h o r a laut, und noch lauter als bisher, von ihnen berichten, daß keiner mehr sagen kann: Ich mußte von solchen Dingen nichts, hätte tch's mußt, ich hätte mich nicht unter tausenderlei Vorwänden diesem Ruf entzogen! Die da eifrig und freudig sitzen und lernen, die sollen, sollten in Zukunft nur noch lernen, ihr Mund ist der Mund des jüdischen Volkes KivmiNn in der sich um die Lehre müht. Die da im K e r e n H a t h o r a und durch den Keren Hathora für die materiellen Bedürfnisse dieser mm sorgen, von ihrer Not der Welt erzählen, daß sie davon wisse — nud handle, das ist der andere Mund unseres Volkes: rrrrnx ba m1? mm in* Und so ruft dieser zweite Mund, so ruft Keren H a t h o r a die jüdischen Genossen in diesen heiligen Tagen, da unser Volk einst die Thora empfing, zur Mitarbeit auf: Um eurer Väter willen, die für die Thora gelebt, gedarbt and, roerm es fein mtttjie.