Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 21 (18.5.1926)
- Date
- 1926-05-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Partei, die auf ihre separate Liste etwa 2700 Stimmen vereinigte, auf ein Mandat zu rechnen hat, ist noch nicht gewiß. Brandkatastrophe im jüdischen Viertel von Nikolsburg. B e r l i n, 3. Mai. reiste, am Freitag in einem schmutzigen, kleinen galizischenEltern eingepflanzte Gottesfurcht — sie beseelte sie in Neste hängen blieb, um nicht den Sabbat durch Fahren zu entweihen. Eine reine jüdische Seele, der viel Segen ausströmte, ist mit Stuart Samuel der jüdischen Gemeinschaft genommen. Man wird ihr ein freundliches ewiges Gedenken bewahren. ihrem langen, reich gesegneten Leben bis auf den heutigen Tag. Dieser Gottesfurcht entspringen auch ihre edlen Taten. Mancher Arme und Bedrängte hat sich bei diesem beliebten, umsichtigen Herbergsmutter gestärkt. Ihre echtjüdische Gastfreundschaft ist geradezu nachahmenswert. An ihrem Ehrentag sprechen wir es aus: „Möchten stetssolche Frauengestalten in Israel walten, Frauen mit diesem Gottvertrauen und echtem Familiensinn nach altjüdischer Art. > Am 30. April ist in der Stadt Nikolsburg in Südmähren neuerlich ein furchtbarer Brand ausgebrochen, 5ser die osrhssrerlds Fsusrsbrunst vorn September 1924 irt jeöe«r t»eii iibetSos §Uuer faiii aßermals in dem dichtbevölkerten Judenviertel gum Ausbruch und ergriff, begünstigt von dem heftigen Wind, innerhalb weniger Minuten eine ganze Reihe von Straßenzügen. In einigen Stunden standen weit über 100 Häuser in Flammen. Die Tragik dieses neuerlichen Brandes ist um so größer, als durch ihn durchweg arme Leute betroffen sind. Die Löscharbeiten, an denen sich auch Feuerwehren aus Oesterreich beteiligten, waren durch den katastrophalen Wassermangel sehr behindert. Erst in den späten Nachtstunden konnte der Brand lokalisiert werden. Weiter wird aus Prag berichtet: Zu der Riesenbrandkatastrophe in Nikolsburg in Mähren, wo am Freitag das ganze Ghetto vernichtet wurde, wird bekannt, daß im ganzen 112 Häuser eingeäschert wurden, in denen über 200 Familien wohnten. 300 Personen sind obdachlos und mußten in schnell errichteten Notbaracken untergebracht werden. Verletzt wurden gegen 60 Personen. Erschütternd ist, daß das große Unglück von dunklen Elementen dazu ausgenützt wurde, während der Panik die Abgebrannten noch zu berauben. Das Nikolsburger Ghetto ist kulturhistorisch sehr interessant. Im vorigen Jahrhundert war es ein bedeutsames Handelszentrum und in den Zeiten von Rabbi Mordechai Baneth und S. R. Hirsch Vxt ein noch bedeutenderes Geisteszentrum. Es besaß nicht weniger als 13 Synagogen. Der Generalstreik und die Synagogen. London, 10. Mai. Während des Genealstreiks wurden in allen Synagogen Großbritanniens Gottesdienste abgehalten, in denen Gebete um Wiederherstellung des Friedens im Lande und Beendigung der gegenwärtigen industriellen Krisis gesprochen wurden. Die Prediger appellierten an die jüdischen Bürger, die öffentlichen Organe in der Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung zu unterstützen. Sir Herbert Samuel, der frühere Oberkommissar für Palästina und nachheriger Präsident der staatlichen Kohlenkommission, hatte es unternommen, zwischen den Parteien zu vermitteln. Man schreibt in der englischen &e{{eni(Icf)I!eU J>er (BermUKerlaligfeU §lr ßerbevle iett Hanptmfteil an Der Beilegung des Streikes gu. Sir Skuart Samuel n'y- London, 16. Mai. Am 14. Mai ist hier Sir Stuart Samuel, der ältere Bruder des früheren Oberkommissars von Palästina Herbert Samuel, gestorben. Stuart Samuel war eine führende Persönlichkeit im englischen Judentum und ein Mann von starkem jüdischen, man darf sogar sagen religiösem Empfinden. Mit Stolz hob er es stets hervor, daß die gutjüdische Einstellung seines Bruders des Oberkommissars, ihm, dem älteren Bruder, zu verdanken sei, der nach dem frühen -Tode der Eltern sich die Erziehung der jüngeren Geschwister angelegen sein ließ. Lange Jahre war Stuart Samuel Vorsitzender des Board of Deputies und in dieser Eigenschaft war sein wärmstes Interesse der Gesamtlage des jüdischen Volkes zugewandt. Sein Drang zu helfen, wies ihn auch in die Reihen der Zionisten und er betätigte sich als Mitglied im Präsidium des Misrachi, ohne dabei anderen Organisationen, die für Palästina arbeiteten, seine Mitwirkung zu versagen. Unvergeßlich bleibt allen Teilnehmern sein Hervortreten auf der großen Agudaversammlung in London im Jahre 1921, wo er, bezeichnender Weise (die Versammlung fand am Sabbatausgang statt), die vieltausendköpfige Menge rnit einem kräftigen „Gut Wach" bsgrützts. zu einer Zeit, da es die deutschen Delegierten in London kaum noch wagen dursten, deutsch zu sprechen. 'Regen Anteil nahm er auch an den Arbeiten der An gl oJewish Association. Er erzählte mit Hplz,'wie er, als er einmal im Aufträge der letzteren' Ürganijation die Ostländer be- Brief aus Palästina. Jerusalem, 28. April. öem |oe£>en »erö entlief? ten 95crttf)i:c t>cs Sy <x rt DßlöDEjjQrumcntsTflr io so hnm jahr ausländischer Waren um zwei Millionen ägypt. Psd. gegen das Vorjahr zugenommen. Die Einnahmen der Regierung aus Patenten und Handelssteuern betrugen im Berichtsjahre 1 019 955 ägyptische Pfund, 400 000 mehr als im Vorjahre. Diese Mehreinnahmen kommen aus der „jüdischen Alijah", die belebend auf den Handel gewirkt hat und die der Regeirung fast die Hälfte des Jahresbudget eingebracht hat. „So viel", schreibt „Doar Hajom", geben wir der Regierung, und^was gibt sie uns?" Im „Doar Hajom" wird eine Rede Vialiks glossiert, die er bei dem ihm bereiteten Empfang in New-Zork gehalten hat und in der er es als Glück hervorhob, daß die hebräische Sprache sich nicht als lebendige Sprache d e s täglichen Verkehres bei uns erhalten hat. „Wäre dies der Fall, so hätten wir heute I zwanzig hebräische Sprachen, jeder hätte sein Hebräisch gesprochen. Hebräisch ist die Sprache des Buches geblieben, und diesem Umstande danken wir es, daß wir heute die Spracheinheit haben". — Ob wir sie wirklich haben? Wenn man die philosophischen Bücher von Klatzk i n und anderer liest, möchte man es doch stark bezweifeln. In palästinensischen Blättern wird ein von angesehenen Persönlichkeiten Unterzeichneter P r o t e st gegen die Bestrebungen zur Neubildung einer Jüdisch e n L e - g i o n veröffentlicht. Die Reduzierung der militärischen Kraft in Palästina von Seiten der Regierung wird mit Freuden begrüßt, zugleich aber bedauert, daß das Gesetz nud die Verordnung die Deutung einer unterschiedlichen Behandlung der einzelnen Nationen, speziell eine Benachteiligung der Juden, zulassen. Die Bestrebungen nach der Richtung eines jüdischen Militarismus und der Neugründung der Jüdischen Legion müssen aber unter allen Umständen und mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen werden. Personalien. Altengronau, 6. Mai. Hier verschied im Alter von 77 Jahren der Kaufmann Samuel Münz. Derselbe war langjährigst Synagogsnültsftsr und Gsrneindsrat. und Hai sich gto^e (Berblen(le ttt her (3emein.be Stl grojje Qelel/tcjiinß bei ber ffieertj'guncj legie Zeugnis für das Ansehen ab, das der Heimgegangene in allen Schichten der jüdischen und christlichen Bevölkerung genoß. Mainz, 2. Mai. Im Alter von 84 Jahren starb der Rabbiner der Hauptgemeinde, Professor Dr. S a a l f e l d. Dr. Saalfeld wirkte nahezu 40 Jahre als Rabbiner der Mainzer Gemeinde, bis er 1917 infolge eintretender Krankheit in den Ruhestand zurücktrat. Saalfeld entfaltete auch rege Tätigkeit auf philanthropischem und sozialem Gebiet, und seine wissenschaftlichen Arbeiten verschafften ihm auch Achtung in der Gelehrtenwelt. Insbesondere hatte sich Saalfeld große Verdienste bei der Erforschung der Geschichte der Juden in den Rhein- und Maingebieten erworben. Kontra, 9. Mai. Ein schmerzlicher Verlust hat die hiesige Gemeinde betroffen. Lehrer i. R. Jakob Spier ist an den Folgen eines schweren Leidens im Alter von 66 Jahren verstorben. Cr hat 45 Jahre in hiesiger Gemeinde in vorbildlicher Weise gewirkt und erfreute sich senies freundlichen und hilfsbereiten Wesens wegen in allen Kreisen der größten Wertschätzung. Neuhüf, 9. Mai. Frau Jettchen Levi geb. Stern feierte im Kreise ihrer Kinderihren 80. Geburtstag. Geistes- und Körperfrische sind ihr bis ins hohe Alter geblieben. Baden-Baden» 10. Mai. Unsere älteste Fau in der Gemeinde, Frau Emma Stern geb. Nachmann, feiert in vollständig körperlicher und geistiger Frische am 2. Tag Schewuaus ihren 80. Geburtstag. Wer in Deutschland, der so manchmal in unesrer schönen Bäderstadt Erholung Jutfftej termt Sie greije Jubilarin nic^t? (Srojjmvttiei- Stern vom Hotel Tannhäuser, das sie mit ihrem sei. Gatten begründete, und wesentlich dazu beitrug, daß dieses Unternehmen sowohl als auch das Schwarzwaldhotel in Herrenalb, zu Erholungsstätten ersten Ranges wurden. Im nahen Murgtal, in Hörden geboren, sah sie im Elternhaus ein echt jüdisches Leben. Die ihr von -den Vermischtes. 3crlin» 14. SDiax. Sie Q5tcifcicf?ertgtrixj3j3e bet SSetrtirij oerart^taitet am ^meliert Sag Scljrouaiis, also am Donnerstag, den 20. Mai iöZö, nachm'Uags 5 Uhr, in den Räumen des Montefrore, Oranrenburgerstraße 69, ein gemütliches Beisammensein. Anschließend findet eine Aussprache über Erez Jisroel unter Leitung, von Frau Dr. Moses Auerbach statt. Gäste sind herzlich willkommen. Aschaffenburg» 26. April. Seit mehreren Jahren bestehen unter Leitung Sr. Ehrw. des Herrn Rabb. Dr.. Raph. Breuer und des Herrn Lehrer Schloß besondere Fortbildungskurse in Mischna, Hebr. Sprache, usw. An einem der letzten Sabbate, fand nach dem Mincha-Gottesdienst im Beisein der Gemeindemitglieder ein allgemeines Verhör statt, das ein hervorragendes Zeugnis ablegte, mit welchem Fleiß nud erfreulicher Hingabe Lehrer und Schüler hier Zusammenarbeiten und mit welcher Schlagsertigkeit eine ganze Anzahl Jungens von 10—15 Jahren schwierige Mischnas erklärten und sprachlich behrrschten. Düsseldorf, 27. April, Der Verein der Leiter- und Leiterinnen jüdischer Erziehungsanstalten Deutschlands veranstaltet seine diesjährige Jahresversammlung am Mittwoch, den 26. Mai 1926, in Düsseldorf im Heim der Düsseldorf-Loge, Grafenbergerallee 78, mit folgender Tagesordnung: 1. Oeffentliche Versammlung; Beginn vormittags 10, 1. Vortrag von Hofrat Dr. Oppenheimer- München: „Die Gesundheitspflege in unseren Anstalten"; 2. Vortrag von Direktor Silberberg-Ahlem: „Das Arbeitsprinzip in der Erziehung". In geschlossener Mitgliederversammlung werden mehrere Referate gehalten. Berlin, 30. Aprli. Im September v. I. verbreitete der Völkische Bund im Norden ein. Flugblatt der „Deutschen Erneuerungsgemeinde" in Leipzig, das am Schlüße in dickem Druck die Losung brachte: „Kauft nicht beim Juden!" Unterschrieben war: „Völkischer Bund Norden". Die jüdischen Kaufleute der Ortsgruppe Norden des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ließen bei dem Amtsgericht Norden eine Feststellungsklage erheben, die den Antrag enthielt, festzustellen, daß der Beklagte verpflichtet ist, der Klägerin jeden aus der Verbreitung des Flugblattes entstandenen Schaden zu ersetzen. In der mündlichen Verhandlung gab der Vertreter des Völkischen Bundes an, es seien garnicht die Juden im Norden gemeint, sondern das Judentum im allgemeinen. Als er mit den üblichen antisemitischen Schlagworten die Kläger anzugreifen unternahm, wurde er von dem Richter sofort dahiy! belehrt, daß er sich hiervor Gericht und nicht in einer völkischen Wahlversammlung befinde. Dem nunmehr rechtskräftig gewordenen Urteil ist zu entnehmen: „Die in dem Flugblatt durch den Beklagten üügmm üffcnffitf) im Mlkkll kffEk „Kauft llllsil Del QuDmr m vagu bestimmt «nV g^g^r ÄAs Publikum vor jüdischen Geschäften, also auch von denen der Kläger, fernzuhalten. In Verbindung mit dem sonstigen Inhalt des Flugblattes geht die Erklärung des Beklagten über eine zulässige bloße Anregung zur eigenen Entscheidung des Lesers über seine Stellung zu jüdischen Kaufleuten hinaus und stellt eine Verrufserklärung jüdischer Gewerbetreibender dar. Ein Beruf — lediglich aus politischen Gründen — erscheint als ein Vorstoß gegen die guten Sitten (Paragraph 826 BGB.) und verwerflich; insbesondere gilt dies dann, wenn, wie hier, der politische Gegner auch wirtschaftlich getroffen werden soll. Würzburg. 4. Mai' Hier fand gestern die feierliche Uebergabe des bisherigen Jsolierbaues der israelitischen Kranken- und Pfründnerhaus-Stiftung an den Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden statt. Der Landesverband hat in den Kreis seiner Aufgaben auch die Fürsorge für pflegebedürftige, alleinstehende Personen beiderlei Geschlechts ausgenommen, für die nunmehr in dem genannten Gebäude ein Heim geschaffen ist. Dieser Bau wurde teilweise auf Kosten des Landesverbandes in moderner Weife, mit elektrisch Licht, Dampfheizung, Kalt- und Warmwasser-Anlage hergerichtet, so daß die Räume nunmehr einen überaus freundlichen Eindruck machen- Das Haus ist in dem schönen großen Garten der Israel- Kranken- und Pfründnerhaus-Stiftung gelegen. Die- Stiftung stellt dem Verbände das Haus auf eine Reihe von Jahren zur Verfügung, während die Verwaltung gemeinschaftlich durch den Landesverband und die Kranken- und Pfründnerhaus-Stiftung durchgeführtwird. Bei der heutigen Uebergabe waren als Vertreter des- Landesverbandes die Herren Buchhändler Ludwig Laurib ^ommcrjientai: Qttfreb 95raUTtfd)£DßtQ6l! ÜOH hier anwesend. Der ^orsttzenbe ber rat Dr. G. Haas gedachte in seiner Ansprache der besonderen Verdienste der Herren Kommerzienrat Vraunschweiger und Sigmund Seligsberger um Schaffung und Einrichtung des Landesheimes. Herr Lazaraus dankte im Namen des Verbandes der Israel. Kranken- und Pfründ-