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Der Israelit · 1926-05-18 · Heft 21 (18.5.1926) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 21 (18.5.1926)
Date
1926-05-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 21 Seite 7 Der Israelit 18 Mai 1926 ift, jüdische Koch- und Kellnerlehrlinge zu beschäftigen. Der Vorstand behält die Frage weiter im Auge und will versuchen, sie zusammen mit dem Verein in Hamburg praktisch zu lösen. Bezüglich der Vermittlung für jüdisches Hotelpersonal (Hausdiener, Zimmer- und Küchenmädchen usw.) verhält es sich ähnlich. Auch hier besteht die sehr große Schwierigkeit, die jüdischen Angestellten zu Arbeiten, welche auch am Schabbos gemacht werden müssen, wie Reinigung der Schuhe, der Zimmer usw. heranzuziehen. Beim Kapitel „Preise" wurde allseitig festgestellt, daß alle Betriebe, gleichgültig, ob es sich um Saison- oder Stadtgeschäfte handelt, trotz bedeutend erhöhter Selbst- und Unkosten, bei Friedenspreisen angelangt sind. Es wurde bittere Klage darüber geführt, daß ß. B. in nieten Städten grn|je^ jüöijdje Vereine^ ^ngnr omovoxe Orgllmslltwnm, nicht, wie eg. ihre Pflicht wäre, ihre Festlichkeiten in den Sälen der jüdischen Hotels abhalten. Auch die Reisen nach dem Auslande und die Bevorzugung nichtjüdischer Gaststätten durch einen großen Teil des Publikums nehmen eher zu als ab. Viele Hotels, besonders in den Kur- und Badeorten, befinden sich in großer Rot. Nur wenn auch die nicht orthodoxen Kreise zu der Einsicht kommen, daß es ihre Pflicht ist, die gut geleiteten jüdischen Betriebe mehr als bis jetzt unterstützen und daß sie sich dort genau so wohl fühlen, wie in anderen Häusern, wird es möglich sein, die jüdischen Hotels auf dem Niveau zu halten, das ein großer Teil von ihnen unter bedeutenden Anstrengungen erklommen hat. Zu Punkt „Sommerpropaganda" wurde beschlossen, in den führenden jüdischen Organen Sammelinserate erscheinen zu lassen. Alle anwesenden Mitglieder haben ihre Beteiligung zugesagt, es ist dadurch die Möglichkeit einer besonders billigen und wirkungsvollen Reklame neben den bereits abgeschlossenen Annoncen geboten. Die Vorarbeiten hierzu sind in die Wege geleitet. Als Ort der nächsten Tagung, die im Oktober stattfinden soll, wurde Köln bestimmt. Die Versammlung wird jedoch nur dann abgehalten werden, wenn sich eine genügend große Anzahl von Mitgliedern ihrer Pflicht bewußt ist und sich zu der Tagung anmeldet. Sächsischer Gemeindeverband. Dresden, 1. Mai. Der sächsische Gemeindeverband hielt hier seine Jahrestagung ab, zu der Herr Dr. Jsmar Freund aus Berlin als Gast erschienen war. Es gelang ihm, die Versammlung zu einem Bekenntnis zu dem inzwischen gescheiterten Projekt eines Ausbaus des D. I. B. G. zum Reichsverband zu gewinnen. Hauptzweck der Tagung war die Anpassung der Verbandssatzung an die Reichsverfassung. Die Verbandssatzung soll derart gestaltet werden, daß sämtliche sächsischen Gemeinden zu einer ßA\Q\ons^\ni]$&}F im ginne Dos air» titels 137 der Reichsverfassung gusammengefaht werden. Gegen den Protest der Vertreter von Ehemnitz nahm die Versammlung die beschlossene Satzungsänderung einstimmig an. Um das Ausländerrecht. Braunschweig, 13. Mai. In der Gemeindeverordneten-Versamml u n g vom 20. April wurde beschlossen, den O st j u d e n für ihren Betsaal vorläufig für ein Jahr aus der Gemeindekasse einen Mietzuschuß von 450 Mark zu gewähren. Der Vorstand hatte seine grundsätzlichen Bedenken gegen einen derartigen Beschluß eingehend schriftlich und mündlich dargelegt, insbesondere darauf hingewiesen, daß es sich hier nach seiner Auffassung um eine Angelegenheit von unabsehbarer Tragweite handle, indem durch die Bewilligung des Zuschusses das B e - stehen einer orthodoxen Sondergemeinde neben der eigenen liberalen Gemeinde ihre tatsächliche Anerkennung finde, die Gemeindeverwaltung aber ferner auch zukünftig für etwaige „unliebsame Erscheinungen im orthodoxen Gottesdienst" mittelbar verantwortlich gemacht werden könnte. Da der Vorstand aus diesen grundsätzlichen Bedenken die Ausführung des Beschlusses der Gemeindeverordneten-Versammlung a b - lehnte, fand satzungsgemäß zur endgültigen Entscheidung der Frage anschließend eine vereinigte Versammlung der Vorsteher und Gemeindeverordneten statt, in der der Zuschuß für den ostjüdischen Gottesdienst gegen die Stimmen der drei Vorsteher und gegen die Stimmen »ott lui MlMM-LöMiWlsn öüslvlosseli nmrDC: Daraufhin legten die bisherigen Vorsteher Rechtsanwalt Mi elzin er, Sanitätsrat Dr. Sternthal und Bankdirektor Levy ihre Aemter nieder unter ausdrücklicher Ablehnung jeder etwaigen Wiederwahl. Bis zur Durchführung der erforderlichen Neuwahl führt der bisherige Vorstand seine Amtsgeschäfte fort. Aus Baden. Karlsruhe, 16. Mai. Der „Verein zur Wahrung der Interessen des g e s e tz e s t r e u e n Judentums in Baden" hält am Donnerstag, den 3. Juni in Freiburg i. B. seine Landesversammlung ab. Die Vereinsleitung hat auf einen, an und für sich zentraler gelegenen Ort wie Karlsruhe verzichtet, um auch einmal im badischen Oberland eine Kundgebung des gesetzestreuen Judentums zu veranstalten. Wir hören nun auch, ba|j geraöe in ^rcibur^ unb ben umltcgenbcn öanbgeiMTlüßll Die Wllhl FrewurgS alv Tagungsort lebhaft begrüßt wird, umsomehr, als neben den internen Vereinsberatungen auch eine öffentliche Versammlung geplant ist, die nachm. 2.30 Uhr im „Württemberger Hof" stattfinden soll. Es ist selbstverständlich, daß unter den drei vorgesehenen Referaten solche sind, die sich mit der Lage des gesetzestreuen Judentums in Baden und mit den Aufgaben, die ihm hier erwachsen, beschäftigen. Ueber diese Dinge werden S. Ehrw. Herr Konferenzrabbiner Dr. Unna-Mannheim und Herr Syn.-Abg. R. A. Kassewitz- Freiburg sprechen. Aber alle diejenigen, die auf solchen Tagungen auch gern einmal etwas anderes als ganz- und halbpolitische Themen hören, wird es freuen, daß ein weiteres Referat sich kein anderes Ziel setzt als iois zu sagen. So wird Herr Studienrat Dr. S. Levi-Mannheim, der dem derzeitigen Arbeitsausschuß des Vereins angehört, sprechen über „den Einzelnen und die Gesa irrt heit". Hoffen wir, daß die Tagung sich zu einer würdigen Kundgebung des gesetzestreuen badischen Judentums gestaltet. Wir sind sicher, daß unsere Freiburger Freunde alles tun werden, um den Tagungsteilnehmern das Bild einer starken und vorbildlichen gesetzestreuen Gruppe im Südwesten Deutschlands zu zeigen. Soweit Anträge für die am Vormittag um 10 Uhr beginnende Generalversammlung beabsichtigt sind, wird gebeten, sie bis spätestens 1. Juni an Herrn Dr. S. Levi- Mannheim B. 7. 8. zu richten. Alle Anfragen betr. die Tagung beantwortet gerne Herr Lehramtsassessor K. Darmstädter -Ladenburg oder Herr Joseph Dreifuß, Freiburg (Friedrichstr. 31). Ruhe auf Borkum. Borkum, 12. Mai. Am 11. Mai abends ging der Prozeß, den der völkische Pastor Münchmeyer gegen Dr. V ö l k l e i n, Dr. C h a r i g und P e l s angestrengt hatte, zu Ende. Das NWM ist um volWWgk MMllM für m nngr rischen Pastor, der, um einen Vergleich zu erreichen, sich verpflichtet hat, einen sechsmonatlichen Urlaub, der bis 10. Oktober 1926 zu dauern hat, beim Landeskirchenamt in Hannover zu beantragen. Er will sich fortan, aller politischen Betätigung enthalten. Der Schluß der Beweisaufnahme brachte noch einige sehr bezeichnende Einzelheiten. Es wurde festgestellt, daß Münchmeyer eine Erklärung zur Veröffentlichung vorbereitet hatte, in der er mit der Stellung Borkums unter holländischen Schutz drohte. Der Oberbürgermeister Kiebitz aus Borkum erklärte als Zeuge, Münchmeyer habe nur Unfrieden in die Gemeinde gebracht. Sensationell wirkte die Verlesung der beiden Urteile der Kirchenbehörden, die in schärfster Form eine mißbilligende Kritik von Münchmeyers Verhalten aussprachen. Nur dadurch, daß Münchmeyer verbreiten ließ, er sei von den Kirchenbehörden im wesentlichen freigesprochen, hat sich Völklein zu seiner Kritik an der Kirchenbehörde bewogen gefühlt. Vollkommene Ruhe in der Warschauer Judenstadt, keinerlei antijüdische Ausschreitungen in Polen. Berlin, 1. Mai. Zeitungen und Agenturen in Deutschland, der Tschechoslowakei und Oesterreich wußten zu melden, daß in Verbindung mit dem Aufstand Pilsudskis gegen die Regierung Witos Ausschreitungen gegen Juden und Plünderungen jüdischer Geschäfte in Warschau stattgksunsm WM Bön m MMWn M8W in mm eingetroffene jüdische Reisende erzählten sogar, daß während der militärischen Kämpfe im Stadtinneren etwa 25 Juden umgekommen sind. In Berlin gingen auch Gerüchte um, daß in Warschau ein regelrechter Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung stattgefunden hat und daß dabei mehrere Juden den Tod fanden. Die Erschwerung jeder telephonischen und telegraphischen Verbindung mit Warschau verhinderte die Prüfung aller dieser Gerüchte. Heute gelang es der Jüdischen Telegraphen-Agentur, eine Verbindung mit ihrem Warschauer Korrespondenten herzustellen. Unser Warschauer Korrespondent telegraphiert unter dem 15. Mai 12.52 Uhr vormittags: In dem jüdischen Viertel Warschaus, welches überhaupt außerhalb aller Operationen liegt, herrscht vollkommene Ruhe. Alle Nachrichten über angebliche antijüdische Unruhen entbehren der Grundlage und sind zu dementieren. Gk-tzs Dföno. Warschau, 2. Mai. Professor Dr. Chajim Heller, der in Berlin eine jüdische Hochschule für talmudische Wissenschaften gegründet hat, hält sich zurzeit in Warschau auf. Wie er Berichterstattern mitteilt, hat er z. Zt. ein umfassendes Werk über die Sepuaginta in Vorbereitung, das dazu dienen soll, die Bibelkritik in ihren Grundlagen zu erschüttern. Es wird darin wissenschaftlich zweifelsfrei nachgewiesen, daß der heute bekannte Text der Septuaginta keineswegs mit dem alten zur Zeit des Ptolomäus hergestellten indentisch ist. All die Argumente und Hypothesen der Bibelkritik auf Grund dieser griechischen Uebersetzung fallen in sich zusammen. Ueber Charakter und Bedeutung seiner Hochschule äußerte sich Heller: Hauptziel ist Vertiefung in die jüdische Wissenschaft. Die Hörer arbeiten auf verschiedenen Gebieten der Thorawissenschaft, um dann ein Gemeinsames als Waffe gegen alle Angriffe herzustellen. Zu dem Zwecke werden auch mehrere orientalische Sprachen studiert. An dem ersten Kurs, der sich auf dreiundeinhalb Jahre erstreckte, nahmen einige und zwanzig Hörer, zumeist aus Polen und Litauen teil, die bereits im Besitze von Namen und Thoragelehrsamkeit sind, darunter Rabbiner und Jeschiwaleiter. Der zweite Kurs wird demnächst eröffnet. Auf das jüdisch politische Leben übergehend, hält Professor Dr. Heller die Organisation Agudas Jisroel für eine Lebensnotwendigkeit des jüdischen Volkes. Ueber die drückende Not der Rabbiner, Thoragelehrten und Thoraanstalten in Polen sprach sich Heller in bewegten Worten aus. Helfen könne nur Amerika. Es müßte aber diese Hilfeleistung in umfassenderer Weise als bisher vor sich gehen. Das polnisch-jüdische Abkommen vor dem Sejm. Warschau, 29. April. In der gestrigen Sejmsitzung hielt Abg. Dr. Leon Reich vor der Abstimmung über das Budget-Provisötitilll kim Mßr in -ff ff??n Standpunkt des Jüdischen Klubs, der gegen düs Budget stimmte, üllklege. Er führte aus: „Ich erkläre feierlich von dieser Tribüne aus gegenüber dem Sejm und der öffentlichen Meinung der ganzen Welt, daß das „Abkommen" 42 Punkte enthalten hat, von denen 12 sofort zu verwirklichen waren, die übrigen nach gewissen Terminen. Wir Juden hegen den besten Willen, mit den schaffenden Kräften des polnischen Volkes zusammenzuarbeiten. Wir bedauern, daß man uns dazu nicht heranläßt. Die Handelspolitik der jetzigen Regierung ist mit ihrer ganzen Stärke gegen die Juden gekehrt. Noch heute wollen wir nur zum Wohle Polens arbeiten. Wir verstehen aber dieses Wohl in dem Sinne, daß für die Wohlfahrt aller Bürger gearbeitet wird. Wir glauben, daß Polen einmal unsere Haltung als gerecht beurteilen wird; hoffentlich wird es nicht zu spät sein." Litauen. Die Parlamentswahlen in Litauen. Korvno, 13. Mai. Die Wahlen zum litauischen Parlament, die drei Tage dauerten, endeten mit einem Sieg der linken Parteien gegen die der gegenwärtgien Regierung anhängenden rechten Partei. Die Regierungspartei wird wahrscheinlich kaum mehr als 30 Mandate auf sich vereinigen, während die linke Opposition und die nationalen Minderheiten zusammen mit Memel etwa 55 Mandate zählen wird. Auf der Liste des Blocks der nationalen Minderheiten wurden bis jetzt 10 Deputate gewählt: 4 Polen, 4 Juden nn? i »SWiftfJfi WM W WllM OHf MiMstM? llöch fünftem Mandat zu rechnen. Bisher sind die folgenden jüdischen Kandidaten gewählt: Dr. Robinsohn, Garsunkel, Finkelstein und Roginsky. Ob die Achduth-

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