Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 21 (18.5.1926)
- Date
- 1926-05-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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^r IS. Mai 1926 Der Israe l i t WWW Nr. 21 Seite 6 Für .40Pft liefern wir einen eleganten Kneifer mit Gläsern, Double ohne Fassung, der eigens für Nase und G esichtsbilduug h'ergerichtet wird. Es ist nicht mehr nötig, daß Sie sich mit schlechtpassenden Gläsern, falsch und schief sitzenden Kneifern behelfen, die Augen dadurch vernachlässigen und schädigen. Besprechen Sie sich mit unseren Fachleuten ohne Kaufverpflichtung, wir beraten Sie gut und bedienen Sie sehr preiswert Lieferung für alle Kassen. Orthozentrische Kneifer-Gesellschaft, Opernplatz. Für die Reise Feldstecher, Operngläser von 20.— Mk. an. Schutzbrillen und Kneifer in allen Farben lautet, in unmittelbarer Anknüpfung an den Mahnruf unseres Lehrers, wie folgt: „Ihr sollt euch erinnern der Thora meines Dieners Mofcheh, die Ich ihm für die All-Einheit Jisraels am Choreb geboten habe: Schöpfungsrecht und Rechtsordn u n fl." Tabor und Karmel. Don Rabbiner Philipp Bischer in SarospalaK (Ungarn). Auch andere Nationen feiern die Erinnerung an die Schaffung irgend ^ines wichtigen Gesetzes, das von heilsamem Einflüsse auf ihr Volksleben geworden ist. Wie sollte Israel am Festtage feiner Gesetzgebung nicht mit einem von heiligen Seligkeitsschauern erfülltem Herzen hinpilgern im Geiste zu jenem heiligen Berge Horeb, von dem herab vor Jahrtausenden das Grundgesetz unseres jüdischen Seins und Wesens, unseres ganzen jüdischen Volkstums verkündet ward. Fürwahr, mit doppeltem Rechte und mit erhöhter Seligkeit in seinem Herzen feiert Israel das Gedenkfest der göttlichen Thoraoffenbarung. Denn es weiß, daß das Thoragesetz nicht bloß für sein eigenes Volksleben zu einem Heilesborne der gnadenreichsten Gotteswaltung geworden ist, daß es einzig und allein dem Thora-Gefetze zu verdanken habe alle feine sittlichen Fortschritte und Errungenschaften, sondern daß auch die ganze Menschheit, die Völker alle, unermeßlichen Dank schulden für dieses durch Israel übermittelte Gnadengeschenk Gottes. fe* Mßtt» nichyMjWn Doitfor imD Dichter, Schiller, sieht sich gu den denkwürdigen Worten veranlaßt: „Die Gründung des jüdischen Staates ... ist eine der merkwürdigsten Begebenheiten, welche die Geschichte aufbewahrt hat.... wichtiger noch durch ihre Folge für die Welt, die noch bis auf diesen Augenblick fortdauert. Zwei Religionen, welche den größten Teil der bewohnten Welt beherrschen, das Christentum und der Jslamismus, stützen sich beide auf die Religion der Hebräer, und ohne diese würde es niemals weder ein Christentum, noch einen Koran gegeben haben. Ja, in einem gewissen Sinne ist es unwiderleglich wahr, daß wir der mosaischen Religion einen großen Teil der Aufklärung danken, deren wir uns heutigen Tages erfreuen." Unwillkürlich fällt uns bei solchen Aeußerungen nichtjüdischer Denker jener Ausspruch des Midrasch ein: „Zur Zeit, da Israel in der Wüste wanderte, entfprühten zwei glühende Funken den Tragstangen der Bundeslade und vernichteten alle Schlangen und Skorpionen, die dort in der Wüste, das Leben Israels bedrohten." ^ürtaet^r, seit Oahrtausendsn schon wandert Awräcl m der Düste tar üttU Skorpionen, die böswilligsten Verleumdungen und argwöhnischsten Verdächtigungen umbrausen es, giftspeienden Schlangen und Skorpionen gleich. Israel ist zur Zielscheibe alles gemeinen Spottes und Hohnes erniedrigt worden. Aber „zwei Lichtfunken entsprühen den Tragstangen der Bundeslade und diese vernichten all die Schlangen und Skorpionen." Der welthistorische Ruhm Israels ist es und bleibt es: daß es der Träger der göttlichen .Bundeslade ist und zwei herrliche Lichtfunken entsprühen diesen sii8,i '12. nämlich jene zwei grundlegenden Ideen aller menschlichen Kultur und Gesittung, die Idee des Monotheismus, wie sie in dem *]V rrrr 8Vi '218 und die Idee der H u m a n i - tat, der Menschenverbrüderung, wie sie in dem 2iiin xb ausgesprochen worden ist. Diese zwei.grundlegenden Ideen, die wie zwei Hellstrahlende Sonnen am Horizonte der Menschheit aufgegangen, die finsteren Wolkenschleier des Polytheismus und der Barbarei verjagt und den Boden für den reinen und wahren Gottesglauben und Gottesdienst und für die Menschheit und Menschenliebe bereitet haben, sie bilden das ewige Ruhmesblatt Israels in der Weltgeschichte und lassen verstummen all das Schlangengezischel gegen das jüdische Volk. Israel bleibt der rwig? »nd der göttlichen Bundeslabe. Cs sollte und soll aber diesen ihm anvertrauten Gottesschatz nie und nimmer mit Mitteln der Gewalt den übrigen Nationen ausdrängen. Tiefsinnig lautet daher jener Ausspruch der Weisen: D’ina b*r\ ^22» ^12' M'w2 ri2^aa Sinn: Israel hat ein Priesterreich.zu sein. Der Priester hat aber das Volk zu belehren. Du könntest aber meinen', daß diese Belehrung selbst mit Gewalt und Zwangsmitteln zu erfolgen hat, darum sagt uns die Thora: a'w2 712*?»» „Ein Priesterrei ch". Die Belehrung hat nur auf priesterliche Art und Weife zu erfolgen. Die Belehrung des Priesters hat mit aufklärenden und überzeugenden Worten zu erfolgen, nicht aber mit Feuer und Schwert, nicht aber mit Mitteln der Gewalt. Und dies ist auch der tiefe Sinn jenes Ausspruches in der Mechilta: „Da Gott seinen '218- Ruf ertönen ließ: „Ich bin der Ewige, dein Gott", sofort erbebten die Berge. Es kam der Berg Thabor und der Berg Karmel. Jeder von beiden sprach: Ich wurde gerufen! Als aber Gott weiter sprach: „Der ich dich aus Mizrajim herausführte" blieben beide an ihren Stellen, indem sie sprachen: Gott hat es bloß mit denjenigen zu tun, die er aus Mlgrlljkm fämsnfo" Der Berg Thab 0 rist hier das Symbol der kriegerischen Stärke und Tüchtigkeit. In wird der Thabor bei der Gelegenheit erwähnt, da die Prophetin Deborah den Heerführer Abinoam aufforderte, um den Berg Thabor zehntausend Mann zur Bekämpfung von Sisera zu sammeln. (Richter 4.) Der Berg Karmel aber erinnert uns an das eifervolle Auftreten des Elijahu. Denn dort auf des Karmels Gipfel spielte sich jene wunderbare Begebenheit ab, da Elijahu zur Bewahrheitung seiner Sendung und seines Glaubens Feuer vom Himmel herabflehte. Auch wissen wir, daß nach jenem Vorfälle auf dem Karmel Elijahu einer erhabenen, bedeutungsvollen Vision gewürdigt worden war. (Siehe Könige, 1,19.) Jene prophetische Vision belehrte Elijahu, daß Gott mit npn naai mit der holden Stimme der Belehrung das Erziehungswerk seiner Menschenkinder bewerkstelligt zu sehen wünscht, nicht aber mit der Berge zerschetternden, Felsen zerklüftenden Donnerstimme rücksichtslosen Eiferns. Und dies lehrt uns auch obiger Midraschausspruch: '2iK‘-,»81 rrnpn da Gott seine Thsvr sffsntzaM imö 3ms[ sich zum Sßorr* geuge ihrer Verbreitung inmitten ber Menschhell erkoren hatte, kamen der Berg Karmel und der Berg Thabor und sprachen: '7i8ij?i '2J8 „Ich bin gerufen worden". Das heißt: es könnte etwa der Gedanke auftauchen, ob man nicht vielleicht die Thora auf gewaltsame Weise unter die Völker verbreiten soll, denn der Berg Thabor erinnert uns an die kriegerische Stärke und der Berg Karmel an das stürmische Eifern Elijahus. Vielleicht sollte nun auch Israel mit rücksichtslosem Eifer die heiligen Lehren der Thora den anderen Nationen aufzwingen, so wie dies in der Geschichte von Seiten anderer Weltreligionen geschehen ist. Hiergegen bemerkt nun der Midrasch sehr tiefsinnig: -2 7»? 1M821.1 1V8 1'ÖÜ israw P'D •D'ISOÖ 8'2imr? '» VN 8*?8 pOV üb 11281 121pa2 8"18 „Wie aber die . weiteren Worte ertönten: Der ich dich aus Mizrajim geführt habe! da sind die Berge Thabor und Karmel an ihren Stellen geblieben, indem sie sprachen: Gott hat es bloß mit denjenigen zu tun, die Er aus Mizrajim führte." Ja, die Erinnerung an die Verfolgungen in Mizrajim sollte Israel für alle Zeiten daran mahnen, nie und nimmer ein anderes Volk zu unterdrücken und zu verfolgen, wie die Thora auch anderwärts darauf hinweist: „Unterdrücket nicht vkll Memvelli Denn Mkllwk ffllM ihr im Lande Mtzfäjim". Auch darin offenbart sich der göttliche Charakter unserer Thora, daß sie nirgends Israel aufforderte, die Anerkennung der ihm geoffenbarten Lehren und Wahrheiten mit Zwangsmitteln zu verbreiten. Nur mit leisem feinem Winke deutet sie es an- O’im roVaa '’b i'.in Dn8v Ihr habt euch priesterlich in der Menschheit Mitte zu betätigen, d. h., ihr habet die euch gewordene Thora auch der übrigen Menschheit zum Bewußtsein zu bringen, aber solches darf nicht mit Inanspruchnahme von Zwangsmitteln geschehen, sondern bloß damit: wnp iv daß ihr mit der Heiligung eures ganzen Lebenswandels vor Gott die Tatsache Seines Daseins und Waltens inmitten der Menschheit bezeuget, oyu ’2ii n’aii tnVtf .Tni2'm ^ov Alle ihre Wege sind Wege des Lieblichen und alle ihre Pfade sind Frieden. Nicht bloß die Wege der Thora, ihre Gesetze und Vorschriften sind lieblich, sondern auch alle ihre Pfade, die Mittel und W e r k z e u g e, die zu ihr führen, die die Menschheit für sie gewinnen sollen, auch sie sind die des Friedens. Die Thora wünscht nicht die gewaltsame Verbreitung ihrer Lehren, weil sie eben ihres göttlichen Charakters bewußt ist, weil sie weiß, daß früher oder später ihr die gemge Mlenfchhsit (jtilbtgett mtrb, baß immer schöner und herrlicher die goldenen ÄeHeen wnljvev Gotteserkenntnis auf den Fluren der menschlichen Geistesentwicklung ihr zureifen werden. llomrponaenren * naebriebten. Deutsche« Reich. Vertagung Iisroel. — der Zentralratsfihung der Agudas Palästina-Konferenz. — Deutscher Detegiertentag. Wien, 18. Mai. Wie uns das Zentralbüro der Agudas Jisroel telegraphisch mitteilt, ist es den polnischen Mitgliedern des Zentralrates infolge der bekannten Ereignisse nicht möglich, zu der auf Montag, den 24. Mai einberufenen Zentralratssitzung zu erscheinen. Die Sitzung kann daher |lait|mbcn. (£mc 5^5 teracxtrftijiitrcj h e s (5 c TtfjäTtsTüDrcnDtii Ausschusses wirb jedoch auf Montag, den 24. Mai vormittags 8 Uhr nach Berlin einberufen. Am gleichen Tage, nachmittags 3 Uhr, findet eine von der Palästina-Zentrale einberufene Sonder- KonferenzüberErezBisroel-Angeleg e nheilen statt und der D e u t f ch e D e l e g i e r t e n t a g, der am Mittwoch stattfinden sollte, tritt bereis am Dienstag den 2 9. Mai, vormittags 10 Uhr zusammen. Schochtimverband. Frankfurt a. M., 12. Mai. Zum Zwecke der Gründung eines Schochtim-Verbandes trafen sich am Lag Beaumer in Frankfurt a. M. eine größere Anzahl Schochtim aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands. Es wurde ein provisorischer Vorstand gewählt, der die weitere Ausarbeitung der Organisation übernehmen und mit einem Programm, sowie einem Statutenentwurf vor die erste Generalver-; tU 'iJ i ly t Ö i