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Der Israelit · 1926-05-18 · Heft 21 (18.5.1926) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 21 (18.5.1926)
Date
1926-05-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile 4 Nr. 21 Der 3 » r o *! t t 18 Mai 1926 Schöpfers legitimieren, daß künftighin Verrat an diesem Recht Verrat an der Schöpfung selber gleichkommt. Das unfreie Geschöpf lebt notwendig geschöpfliches Leben. Aber dem freien Geschöpf ist die Schöpfung als solche, ohne Schöpfungsrecht, belanglose Episode. Erst die Offenbarung des Schöpfungsrechts gibt der erlebten Schöpfung Sinn und Inhalt. Welch ein Moment: Mitten im Aufruhr der ihren Schöpfer vom Schöpfungstage her wiedererkennenden und willenlos hingeworfenen unfreien MMung Mt Die frm SWMllg. Ml Jrsr-aels Volk aufrecht am Ftthe des 48ergs: ttrtb was da die Welt durchdringt von einem Ende zum anderen: das ist keine Katastrophe, die (Staaten in Blutströmen wegschwemmt: das ist kein Naturverhängnis, dem gottfremde Kultur verfällt: das ist überhaupt keine Tat: das ist d a s W o r t! Schon einmal war das Wort ergangen. Aber dies Wort war Tat. Wie der Meißel des Bildners hatte es sich in das Chaos gegraben und ihm geformte Schöpfung entrissen. Und wieder war Wort ergangen. Aber auch es war Tab Die Schöpfung hatte es gegen den Machtstaat gebäumt und Schöpfungsfluten über ihn getürmt. Nun ist es, wie einst an Adam und Noach, nichts als Wort. Es harrt der Tat. Nicht Gottes ist die Tat. Die Tat ist der freien Schöpfung, Jisraels, freien Volks. Die Tat ist die Geschichte dieses Volks, Jisraels Geschichte. Der Gott der Geschichte offenbart sich im PZort. Aber dieses Wort kündet zunächst die Identität des Gottes der Geschichte und des Gottes der Schöpfung. Der nichts als sprechende Gott ist der gleiche Gott, der Jisraels Schöpfung erleben ließ, da er in Schöpfungsallmachttaten Jisraels Scharen aus Mizrajim geführt, der mmat üüFMopfmiüQomuBtQn miamn. 2mmi erlebt bas Wort imb erlebt im Wort gum andern Male den Gott der Schöpfung. Denn dieses Wort ist SchöpfungsworM Welch ein Wort: ,,^Mrfach geteilt ist es, wie einst das Schöpfungswvrt an unfreie Schöpfung, wie eben noch das Schöpfungswort gegen empörerische freie Schöpfung: und ist doch eins: den Menschen, nichts als den Menschen als solchen, Gottes wiedergewonnenen Menschen redet es an, vom Schöpfer zum Geschöpf. Am Sinaitage, da der Schöpfer, als Gott der Geschichte, Jisraels Volksschöpfung geschichtliche Ziele weist und sie im Angesicht der hingeworfenen unfreien Schöpfung, vor den lauschenden Völkern, die in Machtstaaten entmenscht sind, durch feierliche Proklamation in die Geschichte einführt, da fällt nicht die leiseste Andeutung nationaler Größe und Wohlfahrt, nationalen Ruhms und Glanzes, kriegerischer Kraft und Betätigung: der nationalen Organisation: des Staates, des nationalen unbeschreiblicher Anmut. Nun entwickelte sich das eigentliche Volksfest. Buden waren aufgestellt. Es gab Gelegenheit. Speise und Trank zu erhalten. Cs entstand ein iißiMui ßiMiai u»z ßamiatei QämUMr. äai M in fpäicr Nachtstunde durch ölnzünden eines grasten Aeuers. in welches man alle möglichen Dinge, Gewänder, seidene Tücher usw. hinein warf, sein Ende fand. M. R. (Wiedereröffnung des jüdischen Museums in Prag.) Nach einer weitgehenden baulichen Adaptierung wurde das jüdische Museum zu Prag neueröffnet. Aus den Ruinen der Judenstadt Prag, dieses wohl ältesten und bedeutendsten Ghettos Mitteleuropas, entstand vor etwa 20 Jahren eine Sammlung von historischen und künstlerischen Denkmälern der Juden Prags und Böhmens. Bisher waren die Sammlungen in einem als Wohnhaus gebauten Lokal untergebracht, jetzt ist das Museum in ein Gebäude übersiedelt, das durch seine Lage und Architektonik für das jüdische Museum besonders geeignet ist. Es ist die ehemalige Zeremonienhalle am alten Judenfriedhof, zehn Schritte von der vom hohen Rabbi Löw gegründeten Klaus-Synagoge, nicht weit entfernt von dem jüdischen Rathause und von der Altneuschul. Die Sammlung enthält eine überaus große Zahl sehr bedeutender und wertvoller Objekte, die Kultur und Geschichte der historienreichen jüdischen Gemeinden Böhmens augenscheinlich werden lassen. Herrschaftsraums: des Landes, wird überhaupt nicht Erwähnung gegönnt; als einzige gottgewollte Organisation erscheint die Familie, die in Treue und ehrendem Gehorsam Sohn an Vater kettet: in Schöpfungsworten ursprünglichster Einfachheit, in Schöpfungsworten ewiger Vorweltlichkeit enthüllt Gott-Schöpfer die Grundlage des Schöpfungsnacheinander und des Schöpfungsnebeneinander, die beide den einzigen Inhalt des geschichtlichen Lebens der neu geschaffenen Menschheit künftig zu bilden haben. Jisraels göttlicher Verfassungsgrundriß ist bis zum heulistkll Dokrirnent ge&Iiebert^ das selbst Mains zarle Kinder me Kunst lehren soll. — Mensch zu sein. In ihrer Kindheit liest und lernt die unter dem römisch-rechtlichen Machtgedanken lebende Menschheit Jisraels Verfassungsgrundriß. Kinder find noch keine Philister. Kinder haben noch kein Verhältnis zum Machtstaat. Kinder dürfen, eine Weile noch, Menschen sein. Aber wahrlich nicht deshalb hat der als Gott der Geschichte im Wort sich offenbarende Schöpfungsgott den „Dekalog" verkündet, auf daß die „Erwachsenen" ihn mit mildem Lächeln der Kinderstube überweisen. Verfassungsgrundriß will der „Dekalog", Grundriß des „öffentlichen" Rechts will er sein und dem geschichtlichen Leben eines ganzen Volkstums für alle Zeiten Richtung geben. Für alle Zeiten! Dem Tat heischenden Schöpfungswort haben sie einmütig ihr Tatversprechen zugejubelt und haben, Stamm für Stamm, ihre Jugend vorangeschickt, mit dem Schöpfungsgott den ewigen Bund, zu schließen. — Es ist der alte Bund der Väter, erneuert von der zum Volk gewordenen Familie Abrahams. Schöpfungstat-Erlebnis und Schöpfungswort- Offenbarung hat Abrahams Familie zum Volke Gottes gemacht. — -- IVffl. (Schlußkapitel.) Mitten in der Welt als Natur, in greifbarer und jederzeit nachweisbarer „Wirklichkeit", steht als ragender Zeuge des Gottes der Schöpfung, als ragender Zeuge der Welt als Schöpfung: die jüdische Nation. Vergebens müht sich die Verstandeserkenntnis der Naturbeflissenen um Entwirrung des ungeheuerlichen Rätsels der jüdischen Nation, um Entdeckung des Geheimnisses ihrer „ewigen" Existenz. Den allgemeingültigen Gesetzen des sollverstummten Naturseins der Nationen spricht diese Existenz blutigen Hohn. Die vollendete Einmaligkeit des historischen Vorgangs schließt jede "Ableitung" aus. Und dieses geheimnisvolle Rätsel hat sich nicht etwa erst nachträglich als solches herausgestellt. Mit furchtbarer Eindringlichkeit reden die Bücher Gottes und die Bücher der Propheten. Die wahnwitzigste „Kritik" dieser Bücher, die ihre „Entstehung" um Jahrhunderte „verlegt", kommt um die schlechterdings beispiellose historische TatsarA lllSst tzornm. daß in MM Die „lkwigM" Dor jüdischen Nation, ihr Fortbestand trotz Verlustes des Staates und trotz völliger Zerstreuung in dürren, jede Mißdeutung ausschließenden Worten geweissagt worden ist. Man lese nur in aller Vorurteilslosigkeit die betreffenden Stellen im ünften der Gottesbücher nach, um die Kraft ermessen zu können, die den späten Nachkommen derer, zu denen Moscheh einst gesprochen, aus einen Worten, die längst buchstäbliche Erfüllung gefunden haben, Zuwachsen muß. Die jüdische Nation ist der „ewige Jude". Aber nicht deshalb ist die jüdische Nation unsterblich, weil sie nicht sterben kann. Unsterblich ist die jüdische Nation, weil sie nicht sterben soll. Die Naturnationen sind vergänglich, denn sie wurzeln im Seienden. Die jüdische Nation ist ewig, wie das Soll der Schöpfung. Als Naturnation hätten wir den Verlust von Staat und Land nicht überdauern können. Wir sind aus dem Erdreich herausgerissen worden, aus dem die Naturnationen ihre Lebenskraft säugen, ohne daß sie mit „Naturnotwendigkeit^ verdorren und absterben müssen. Aber weil Gottes Sollen in uns war, weil und insofern Gottes Sollen uns zur Einheit der Nation verband, weil und insofern wir nur deshalb Nation waren, weil wir auf Gottes Befehl Nation sein sollten: deshalb haben wir die Weissagung wahr machen, deshalb haben wir, ein Wunder ohnegleichen, in jahrtausendelanger Zerstreuung uns als Nation erhalten können und harren, von Schöpfungsvergangenheit getragen, in unverwüstlicher Widerstandsmacht der gsrvsissagtsn Schäpfllngszukunft entgsgsn. „X)ii sollst DicO erinnern! Du sollst nitOt vergessen!" Der Mahnruf unseres sterbenden Lehrers ist nicht wirkungslos verklungen. Wohl haben nicht alle ihn befolgt. Verschollen sind unsere Brüder vom Reiche Ephrajim, weil sie sich nicht erinnerten und weil sie vergaßen und weil sie aus der Schöpfungssphäre in die Natur sich verpflanzen wollten, die Abrahams Söhne nicht bergen kann. Zerstört ist unser Staat, weil er nicht mehr die Organisation des supra-individuellen Sollens, sondern die Organisation des supra-individuellen Seins und deshalb der Feind der Nation war. Auf den Trümmern unseres Staates aber hißte Jirmejohu die Fahne des Gottes der Schöpfung und eröffnete die Wundergeschichte unseres Golus, das Moscheh einst geweissagt hat. Als Einheit des Sollens sind wir ins Golus gezogen. Als Einheit des Sollens werden wir, nach der nämlichen Weissagung unseres Lehrers, Staat und Land wiedergewinnen. Jüdischnationales Leben führen heißt: in der Welt als Schöpfung Hausen, in der allein die jüdische Nation zu finden ist. Will man den Seelenzustand unserer Heimgegangenen Väter im Golus mit einem Wort definieren, so muß man sagen, öaß sie ganz ganz und gar in der Welt als Schöpfung gelebt haben. Will man die Aufgabe. wt üss Wis HMjgzn stchsn. in mm Mmi §ufammenfaffen, so muh man sagen: Zurückgur Welt als Schöpfung! Dieser Ruf aber ist gleichbedeutend mit dem Ruf: Zurück zur j ü d i s ch e n N a ti o n! Den Schleier der Welt als Natur haben wir zu durchschauen, und in der als Gottes Schöpfung begriffenen Welt haben wir geschöpfliches, haben wir schöpfungsgeschichtliches Leben zu führen. Die Welt als Schöpfung kennt keine — Philister. Als Gottes^ freie Menschen, die einzigen Geschöpfe, in denen Gottes Schöpfungsbefehle nicht verstummt sind, haben wir alle dem Herrn der Schöpfung Verantwortung dafür zu leisten, ob wir in unserem Leben Gottes als Natur uns dienstbar gemachte Schöpfung Schöpfungszielen zugeführt haben. In dieser Verantwortung liegt die Geschichtlichkeit aller freien Geschöpfe. In der Welt als Natur ist der Mensch als solcher nichts als Philister. In der Welt als Schöpfung ist der Mensch als solcher-alles. Nur aus der schöpfungsgeschichtlichen Sphäre unserer Nation, unserer nationalen Vergangenheit. nur aus der immer vertiefteren Erkenntnis hm hu Walt SHästsllttZ bifymtffymhm Oga des Schöpfungsrechts der Thora können wir die Einsicht in die Wege gewinnen, die in die Welt als Schöpfung führen. „Du sollst dich erinnern! Dusollst nicht vergesse n!": dasistdasganzeGeheimnis. — Der letzte Mahnruf des letzten der Propheten Wochenkalender. vom 22 —29. Mai 1826. < vom 9. bis 16. Siwan 6666 Sam-ia« Mai 22 9 p’D Sonntag 23 10 Montag 24 11 Dienstag 25 12 Mittwoch 26 13 Donnerstag 27 14 Freitag 28 15 Samstag 129 ■jnVynu 16 1.

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