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Der Israelit · 1926-05-18 · Heft 21 (18.5.1926) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 21 (18.5.1926)
Date
1926-05-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Der Israelit Nr- 21 Seite 3 18. Mai 1926 Pflichtgefühl stärken, uns mit der heiligen Lehre zu beschäftigen. Der ppn ist gleichsam das große Jahesprogramm für das Lernen. Kenntnis von *|"jn und v"V ist das Pensum. Am Verständnis des ppn kann schon ein jeder erkennen, welchen Umfang und welche Tiefe seine Kenntnisse haben unö sollte zu neuem Eifer angeregt werden. Eine wohl überall verbreitete Sitte ist es, am numw Haus und Synagoge mit Blumen zu jctfmütfert. Sn ben alten Quellenschriften tnirb uns dieser Brauch in dreifacher Aorm äöerlleseri. Man streute Kräuter auf den Fußboden (13 b3 im 13. Jahrhundert, *?"'->n» im 14. Jahrhundert, x"»n und 2713h im 16. Jahrhundert.) In der Synagoge wurden 2 Bäume oder große Aeste ausgestellt^ h3und vmx pv im 17. Jahrhundert). Gegen diesen Brauch wurde vom Wilnaer Gaon Einspruch erhoben, da auch die Nichtjuden an dem Feste, welches unserem ni!?i3i27 entspricht, diese Sitte üben. Es würde so das Aufstellen der Bäume unter criin nipn fallen. (Mitgeteilt im trm "n und im mm nur*») Endlich schmückte man Heim und Synagoge mit duftenden Blumen. 13 ^>> ynrw* Im rnhy* wird berichtet, daß der Brauch bestand, beim Morgengebet vom Synagogendiener duftende Blumensträuße austeilen zu lasten und zwar gleich nach n»wi bei der Stelle *]Tiy m»i257n3* Je nach Verschiedenheit der Ausübung dieses Brauches, muß auch die Begründung sein. Für das Hinstreuen von Kräutern wird vom im*? und in H3 als Grund angegeben, es soll erinnern, daß das Betreten des Berges Sinai während der Gesetzesoffenbarung verboten war. Nicht einmal das Vieh durfte auf dem Berg weiden. (2. B. M. 19, 13). Der tiefere Sinn dieser Begründung dürfte wohl sein, wir sollen durch dieses Symbol daran erinnert werden, daß die Offenbarung Gottes am Sinai ein so gewaltiges Wunder war, ein Erlebnis so über das Reale hinausiM Inj kr riiiiifr l(til nur kn MMn VkssstMMWn s?M, ist der Manifestation dieser Offenbarung, vor der heiligen min Abstand, Ehrfurcht notwendig und Voraussetzung jedes tieferen Verständnisses. Bäume wurden aufgestellt, um die Erinnerung daran wachzurufen, daß auch nimty ein Gerichtstag ist. Das Ergebnis der Obsternte wird an diesem Tag bei Gott bestimmt, wie es in der nw» von mwn wxn heißt: jb’xn nrrs bsr pvjj rmya (Diese Begründung findet sich beimi3?3 und beim armxp») Das Schmücken der Räume mit duftenden Blumen soll die Gesetzesfreude noch erhöhen. (13 *?3)« Es ist vielleicht nicht unwahrscheinlich, wenn wir den Sinn dieses Brauches, wenn ein so schöner, sinniger Brauch überhaupt der Deutung bedarf, in folgendem finden möchten. Thauro nicht für jeden Tag des Festes ein erneutes Freudenopfer, läßt vielmehr der Betätigung desselben einen weiten Spielraum, indem sie sich mit dem Verlangen des Fleischgenusses irgendwelchen Opfers begnügt. Wenn sie aber so den erhebenden Gedanken der Freude, mit welcher Gott den Festtag ausgestattet, auf jo manche Opfer ausdehnt, die aus heitrem oder trübem Anlasse in den Tempel gelangen, so fällt auf der anderen Seite die Ansicht des rr?x (Anfang nran ins Gewicht, daß es gleichwohl geboten sei, ein Mal am Feste ein Friedensopfer mit dem ausdrücklichen Gedanken an nnyv darzubringen. Trifft diese Absicht zu, so hat die Thauro, die dem Gedanken des Freudenopfers ein so weites Bereich verliehen, Fürsorge getroffen, daß er wenigstens e i n Mal am Feste in voller Deutlichkeit hervortrete, um auf diese Weise in seiner selbständigen Eigenart zur Geltung zu kommen und den übrigen Tagen des Festes bei der an ihnen vermehrten Möglichkeit der Verwirklichung in ausgeprägter Form als Vorbild zu dienen. Illl iNfft Me Mslllll m großen MMks? g"s so halten Me m^Dpfer Wem, Der am pm Tempel hinaufwallt, die Wahrheit vor Augen, daß die Himmelsblume der Freude in prächtiger Entfaltung ihren Duft weit verbreitet, weil sie aus dem jüdischen Friedensgedanken kraftvoll hervorsprießt. Uns aber, die wir, des Tempels beraubt, einer dem Idealen so sehr entfremdeten Zeit angehören, legt diese Ansicht den Gedanken nahe, am Ende des v"!'-Gebetes um so tiefer des engen Zusammenhangs von „Leben, Frieden und Freude" zu gedenken, und uns dessen bewußt zu werden, daß Gott allein diesen Zusammenhang in solch vollkommener Weise geschaffen und daß Er ihn uns als wahren Segen der Ihm gewidmeten Feste wieder zuteil werden lassen möge. Jiiyi32> foü uns Gott als den Offenbarer des Gesetzes erneut verehren lernen. Der Gott der Sittlichkeit, wie wir Ihn aus der nun erkennen, ist aber derselbe, der sich in den Schöpfungen der Natur offenbart. Diese Einheit von Natur- und Gesetzesoffenbarung findet ja ihren klassischen Ausdruck im gedanklichen Aufbau des neunzehnten Psalms. Die dem vnv vorangehenden ni3i3 sowohl beim Morgenals auch beim Abendgebet lehren dieselben Gedanken, die erste preist Gott als Den öajöpfer uao Genfer «nb die zweite als den Gesetzgeber der NUN' Der Blumenschmuck am myi32* will uns daran erinnern, daß wir Gott auch feiern dürfen als den Schöpfer aller Schönheiten der Natur. Liebe zur nun und Liebe zur Natur können Wege werden zur Gottesliebe. Bestimmte Arten von Kuchen sind für das N1371327-Fest durch den rrnn vorgeschrieben, sie werden mit Butter oder Käse zubereitet. Zuerst wird dieser Brauch im >3 ^3 angeführt, ferner bringen ihn von älteren Halachisten n"hL7 und D,m3X p»> 3 Begründungen sind für diesen .INI» gesunden worden. Der süße Geschmack derartiger Milchspeisen soll an die nun erinnern, deren Inhalt und Form „der Seele süß und angenehm" sind. 13 VsO' Der rr"»i meint, durch das Esten von Milchspeisen wird man veranlaßt, da man Milch- und Fleischspeisen nicht bei einer Mahlzeit einnehmen darf, zwei Mahlzeiten nacheinander abzuhalten. Jedesmal wird man zur ntsi» ein neues Brot nehmen. Die hierbei verwendeten zwei Brote sollen an die zwei Weizenbrote erinneren, die zur Zeit des Tempel dargebracht wurden. Im mm M» wird von einem großen rn ein dritter Grund angeführt. Das Esten von Milchspeisen soll daran erinnern, daß mit dem Tage der Gesetzgebung die Speisegesetze in Kraft traten. Nach dem Empfangen der 10 Gebote durften die Juden damals keine Fleischspeisen genießen, da nun das ueö ote er m Dar wmöcimnöe anre ist gmgms, großer Gedanken zu fein. Wir möchten für dieses Mal unsere Betrachtungen schließen. Die liturgischen Gebräuche unseres Festes, rin nhi» und die aramäischen Stücke niöipx und Dins UL' sollen ein anderes Mal betrachtet werden. Durch unsere Ausführungen sollte gezeigt werden, daß das Wort des D.mxp»' das er bei dem Brauch 3hn ^bx» zu essen anführt: VxTtf-’ im» Hin min in doppeltem Sinne berechtigt ist. Der irn» soll nicht geringgeschätzt werden, er ist wie Gesetz der nun anzusehen. Aber es darf auch in dem Sinne gelten: der jüdische Brauch ist der Träger erhabener Lehren. kleines Feuilleton. Am Grabe des Rabbi Meür baal Haneß. (Nach einem Privatbriefe.) Nach altem Herkommen wurde auch in diesem Jahre am Lag Beomer der Gedenktag von Rabbi Meir Bal Hanes in Tiberias auf festliche Weise begangen, d. h., es war, wie wir in Deutschland sagen, ein großes Volksfest, das dem Andenken dieses Mannes gilt, der im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung oder, wie andere sagen, etwas später in der Gegend von Tiberias gelebt, gewikt und auch seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Schon am Vormittag strömte eine bunte Menge freuvkgen ilMMn Böller NM «mrestem ttrmm?, p Wyk zu Esel, zu Pferde, zu Wagen und sogar per Auto nach Tiberias um rechtzeitig zu Beginn des Festes zur Stelle zu fein. Um 2 Uhr nachmittags versammelte sich alles Volk, soweit der Platz dafür ausreichte, in der schönen und hochinteressanten Synagoge dieser alten Römerstadt. Musikanten spielten orientalische Weisen und die einheimischen frommen, ehrwürdigen, ernsten Männer tanzten, manche mit einer wunderbaren Grazie, die zu beschreiben die Feder nicht imstande ist. Dann kam Militär, besetzte die Eingänge des Gotteshauses, und es erschien der geladene Stadtgouverneur, begrüßt von rasender Musik. Nun wurde „ausgehoben", die Thorarollen nicht wie bei uns in Deutschland in Mäntelchen gehüllt, sondern in festen runden Holzkasten, die vollkommen mit getriebenem Silber überzogen sind und zur Von Mzrajim zum Sinai. Von Kfaac IZreucr in Frankfurt a. W. (Schluß.) Nur durch Schöpfungs taten konnte der Schöpfungsgott sich offenbaren. Denn Schöpfung ist Gottes Tat. Wie einst dem Nichts der Schöpfungsgott stürmend die Schöpfung entrissen, so hat er in Schöpfungswundern den Machtstaat als NMMpMg unb S8ofteschöpfung erstehen lassen. Das Bild des kämpfenden Kriegers drängte sich Jisrael auf, da der Schöpfungsgott auf annektierter Erde ein Volk sich zu eigen machte. Der Schöpfungsgott im Kampf mit der eigenen Schöpfung: Furchtbarer konnte die Tragik adamitifcher Menschheitentwicklung, die Tragik auch des Schöpfungsgottes selber, nicht in Erscheinung treten. Jäh ließ der Schöpfungsgott den Jubelchor der Engel verstummen. Die adamitische Menschheit hat die Schöpfung annektiert. Ihre geschichtliche Entwicklung setzt Gottes Schöpfung nicht fort, sondern befindet sich in stetem Gegensatz zu ihr. Dieser Gegensatz zeigt sich nicht nur in den großen geschichtlichen Katastrophen, die, vom Gott der Geschichte schicksalhaft geschürzt, Adams Menschheit immer wieder ereilen: er tritt auch in jenen grauenhaften Naturerscheinungen zutage, die in wenigen Augenblicken blühende Kulturstätten in vorweltliches Vernichtungschaos wandeln. Der Gott der Geschichte ist Adams Menschhet zum Katastrophengott geworden. Der Gott der Schöpfung ist Adams Menschheit zum Vernichtungsgott geworden. Aber der gegen den Machtstaat Mizrajims kriegerisch zur Vernichtung gekehrte Schöpfungsgott hat aus dem Chaos der Vernichtung Jisraels Volkstum als neue Schöpfung erstehen lassen. Und dem Volke der Schöpfung offenbart sich der sondern als Qeljrer des Echö^»fnn^Srechl^ Zwischen der Schöpfung dieses Volkes und feiner Geschichte darf sich, bei Strafe seines Untergangs, ein Gegensatz nicht auftun. Schöpfungsgeschichte, Geschichte der Verwirklichung göttlicher Schöpfungsziele, ausgesprochen und festgelegt in Schöpfungsrecht, soll seine Geschichte sein und bleiben. Die ursprünglich allmenschheitliche Funktion des Gottes der Geschichte, als des der frei geschaffenen Menschheit Schöpfungsrecht setzenden Gottes, soll wenigstens für Jisrael erneut in Kraft treten. In der Treue zum Willen des Schöpfers, im Gehorsam zum Schöpfungsrecht soll das Bekenntnis zur erlebten Schöpfung sich bewähren. Dieses Recht aber so unzweifelhaft, in geschichtlichem Erleben, sich als Wille des Feier des Tages noch reichen Blumenschmuck trugen. Ein großer Mischeberach für König, Regierung und Gouverneur, begleitet von lauten Hedadrufen und dem Händeklatschen der Menge gibt das Zeichen zum Ausbruch des Zuges, um zu dem Grabe des Rabbi Meir zu wallfahren, das etwa 1 Kilometer von Tiberias entfernt bei den heißen Bädern am Ufer des Sees liegt. An der Spitze des Zuges schritt der Gouverneur. Es ging durch die engen Gäßchen der sauber gekehrten Stadt — alle Läden war ab Mittag geschlossen —, die Frauen tanzten dauernd um die Thorarollen herum und alles Volk schrie, klatschte in die Hände mit dem Gouverneur an der Spitze, umgeben von einem Kordon jüdischer Gendarmen als Ehrenwache. Von den Dächern und Balkons herab spritzten die alten Frauen, die nicht selbst mitgehen konnten, Wasser zur Kühlung aus die drängende Menschenmenge. Als man aus der Stadt auf die Landstraße kam, stiegen die Gendarmen zu Pferde und flankierten den Zug zu beiden Seiten. So ging es nun mit Musik, Gesang und Tanz langsam .Lanz langsam vorwärts in sisktzsl ff?fjfj wnenölit^em v^tauti unt> unget^urem <2>e Dränge, BewunvernswkN Die Disziplin der Mischen Massen, hier wie bei allen größeren Zusammenkünsten im Lande, wo niemals die geringsten Störungen oder Unfälle Vorkommen. Allmählich erreichte die Spitze des Zuges das stattliche Haus, in welchem das Grab des R. Meir s. A. sich befindet und in welchem mehrere Ieschiwoth und Synagogen untergebracht sind. Die eigentliche Grabstätte wurde er vor wenigen Jahren aus herrlichstem wertvollen Marmor neu hergerichtet. Nun wurden die Thorarollen im Hause in bereit stehende Schränke gesetzt. Es brannten zahllose Kerzen und Oellichter. Die Menge weinte, betete, lachte und tanzte an der Grabstätte. Das Gedränge erreichte einen außerordentlichen Höhepunkt. Auffallend war die große Anzahl schöner Frauen und Mädchen von

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