Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 21 (18.5.1926)
- Date
- 1926-05-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450388-2450409--73153-2530546- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
des Offenbarungsgeistes fein sollte. Das war Thorageist zur Zeit äußerster staatlicher Machtentfaltung. Das ist die Friedensmacht des ewigen Gottesgesetzes, dessen Geburtsstunde wir froh begehen am heiligen Wochenfeste. Und wenn wir den Festespsalm (Pf. 29) an diesem Tage lesen, dann ersteht vor dem geistigen Auge der späten Enkel noch jene Szene zwischen Bileam und den Heidenvölkern und wir vernehmen deren Zwiegespräch: „Der Herr gibt heute Seinem Volke Maßt M fim sMöt hMo Sein Bolf mit Friede n."- Wochenrundschau. Synagogenkonzerte. Die Synagoge ist ein vV» mj?ö. das durch den Geist, der darin in heiligen Gebeten und Gebräuchen zum Ausdruck kommt, uns des großen Heiligtums einen Hauch verspüren läßt. Unsere liberalen Brüder verübeln es uns gar sehr, wenn wir von ihren Resormtempeln mit ihrer über^eigerten künstlerischen Ausgestaltung im Zusammenhang mit Konzertsälen sprechen. Wie oft und wie bewußt verwandeln sie aber selber ihr Gotteshaus zu einem Konzertsaale, mit Konzertsängern, moderne Musikdarbietungen, Eintrittskarten und allen anderen Attributen eines Konzertsaales. So lesen wir im „Gemeindeblatt" der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden die Ankündigung eines Konzertes in der Synagoge am Sonntag, den 16. Mai. Hauptmitwirkende: Kammersängerin Elise Stünzer, Konzertmeister Jahn m wMkii mß Die Küinorrn Der MmeMDe, Der Synagogenchor und selbstverständlich auch der Organist mit. Es ist ein Fall, der für viele spricht. Gerechtfertigt wird die Profanierung der von den Liberalen immerhin als heilig erachteten Stätte durch die gleich oben am Programm angebrachte Mitteilung, daß der Reinertrag diesem oder jenem Wohltätigkeitszwecke zu Gute komme. Wie es mit solchen Reinerträgen steht bei Mobilmachung großer Künstler, deren Namen ziehen sollen, weiß man aus Erfahrung. Aber ganz abgesehen davon, müßten sich nicht Herz und Vernunft gegen einen so gearteten „Wohltätigkeitsdienst" auf Kosten des jüdischen Gottes, der Tradition und des religiösen Empfindens auflehnen? Wir wissen von Fällen, in denen solche Synagogenkonzerte sogar am Sabbat gegen Eintritt abgehalten wurden. In Dresden und anderswo wurden die Karten am Sabbat für das Sonntagskonzert in der Synagoge verkauft. Aber all das tritt in den Hintergrund angesichts derTatsacheimGanzen: Konzerte mit Kammersängerinnen und Konzertmeistern in der Synagoge! Und da solche Veranstaltungen in jüngster Zeit leider nicht allein das Vorrecht ausgesprochen liberaler Gememben blleb, wo es eigeallllD nlßt mehr viel z u entheiligen gibt, sondern auch in Gemeinden, die noch Anspruch auf Tradition machen (wie Hannover), der Konzertmeister an der Stätte der Andacht in Funktion tritt, so muß doch dagegen Verwahrung eingelegt werden, daß die Wohltätigkeit als Aushängeschild für eine Entweihung des heiligen-Raumes dient, der dazu da ist, Gebete aus Herzenstiefe, je ungekünstelter um so sicherer, zum obersten „Erhörer der Gebete" zu befördern. „Mein Haus soll Haus des Gebetes für alle Völker genannt werden", sagte der Prophet. Unser Gotteshaus, das Heiligtum im Kleinen, soll nicht in rückläufiger Entwicklung zur Singspielhalle der Völker herabsinken. Akademische Berufsberatungssteüe des B. I. A. Als vor etwa fünfundzwanzig Jahren der Zusammenschluß der thoratreuen Studenten in den Vereinigungen (V. I. A.) und bald darauf im BundeJüdischerAkademiker verwirklicht wurde, war hierfür ausschließlich die Sorge um die g e i st i g e und religiöse Zukunft der gesetzestreuen Judenheit bestimmend. Man wollte durch die gemeinsame Arbeit und die Pflege der persönlichen Beziehungen die Strebenden Des WWeri CrziMiMiMs vsmaasn. Ms Nöte der Krregszeit und die wirtschaftlichen Folgen der Inflation haben zwangsläufig auch die Sorge für das wirtschaftliche Wohl der Bundesbrüder zu einer Aufgabe des Bundes gemacht. Die Unterstützung bedürftiger Bundesbrüder, wie sie vom Wirtschaftsamt organisiert und ausgebaut wurde, bildet die bisherige Haupttätigkeit des Bundes auf diesem Gebiet. Daneben wurde ein A r b e i t s n ach w e i s, sowie zur Beschaffung von Lehrmitteln ein Büch e r a m t eingerichtet. Eine Folge der Wirtschaftskrise ist es auch, daß die Frage der Berufswahl größere wirtschaftliche Bedeutung gewonnen hat, als bisher. Die für die Berufsausbildung verfügbaren Mittel sind wesentlich geringer, als in der Vorkriegszeit, und die Sorge für die wirtschaftliche Existenz hat an Bedeutung zugenommen. Diesen Umständen trägt der Bund in der Weise Rechnung, daß er die akademische Berufsberatung zu seinem Aufgabenkreis heranzieht. Oft genug-sind Eltern, Lehrer und junge Leute über die Chancen des Berufes, den sie in erster Reihe in Aussicht nehmen, nur unzureichend unterrichtet, und es ist für sie schwer, sich von sachkundiger Seite zuverlässige IllsormalwNM zu mrslWsön. Mm Den miru schaftlichen Aussichten ist hier die Frage des ruer von besonderer Bedeutung. Hier will der Bund die ihm zur Verfügung stehenden Erfahrungen und Materialien den Interessenten zur Verfügung stellen. Unter den Vundesbrüdern sind wohl alle in Betracht kommenden Berufe vertreten. Eine große Anzahl von Bundesbrüdern verfügt auch in wirtschaftlichen und sozialen Dingen über große Erfahrungen und ein reifes Urteil. Durch geeignete Umfrage kann wohl in sämtlichen Angelegenheiten der Berufswahl eine weitgehende Klärung erreicht werden. Mögen in allen Fragen dieser Art diejenigen, welche derartige Auskunft wünschen, sich vertrauensvoll an den Bund Jüdischer Akademiker (Rechtsanwalt Dr. Wiener, Berlin C. 2, Neue Friedrichstraße 69) wenden. Sie könnnen versichert sein, daß der Bund und seine Mitarbeiter sich der Verantwortung, die sie durch eine solche Beratung für die wirtschaftliche Zukunft und die religiöse Entwicklung der Jugend übernehmen, vollauf bewußt sind, und daß sie gerne ihre Kraft in den Dienst dieser Sache stellen werden. Das, was geleistet werden kann, ist trotzdem nicht allzuviel. Aber jeder einzelne Fall, in welchem ein junger Mensch vor einem Mißgriff in der Berufswahl bewahrt und einem für ihn geeigneten Beruf zugeführt wird, bedeutet Die des NlV^V'Festes. Von Bernhard S. Sacobson in Kainburg. (Schluß.) Das schon erwähnte «nnnD'asHJö'o bringt noch einen Erklärungsversuch für die Bedeutung dieses Brauches. So wie der Hohepriester die Nacht vor dem Versöhnungstag wachend verbringen mußte, so sollen auch wir uns auf das Anhören der m^sr rvnmnDurcf) das Lernen in der Nacht vorbereiten. Aber auch ohne jeden historischen Hinweis oder Vergleich scheint uns dieser an:» seine große Bedeutung zu haben. Das Fest der Gesetzgebung soll erneut in uns den Wunsch wachrufen und das Die Festtagsfreude. Von Willy Wolf in Köln. 7^>8 'i irrvvni ■piyin 71212 718 mnvb „Und laß' uns Gott, unser Gott, den Segen Deiner Feste Zum Leben und Frieden, zur Freude und Wonne aufnehmen." Der Gedanke, zu welchem sich unser v"i--Gebet in -ikskr innigsn SiWMte erlM, smmim auZ hlmmliMr «Heimen und Uesen in unserer ehernen Zell wie kaum zuvor den sieghaften Beweis seiner ewigen Wahrheit. Irren wir nicht, so haben ihn die Weisen etwa den Vorschriften der rmm ->nbv entnommen und in den herrlichen Worten haben sie ihn wie in goldnen Schalen, unberührt von äußeren Einflüssen, rein erhalten. In voller Entwicklung strebt er empor, zeigt seine Wurzel als „Leben", seinen Stamm als „Frieden" und seine Blüte als „Freude" — und gerade in dieser über den Frieden hinauswachfenden Kraft offenbart sich, wie uns scheint, sein überirdischer Ursprung. Gilt doch im Kreise der Menschheit allgemein der Friede als das letzte Ziel gesellschaftlicher Gestaltung, mährend er in Wirklichkeit erst Wert und Bedeutung in der D a s e i n s f r u d e erlangt die er jedem Einzelnen innerhalb der Gesamtheit bereitet." Wird doch der Friede gar oft aus Gründen der Nützlichkeit als eine bloße Notwendigkeit für das Zusammenleben der Menschen begriffen, während die Freude ein geisüges Gefühl ist, welches der Schöpfer selber als Angebinde seiner Liebe ins Herz der Menschen gepflanzt. Solange der Ernst des Golus auf uns lastet, beseelt uns diese Freude in einer ununterbrochenen Zeitdauer nur am »"iv wo sie sich zu einer geistig erwärmten Empfindung entfaltet, die kein Sterblicher in das Gewand der Sprache zu kleiden vermag. Für die Zeit des Tempelbestandes hat ihr die Thauro an den Wanderfesten in den nnvv einen klaren Ausdruck verliehen und wir glauben, daß dieses Opfer schon in seinem Namen den Gedanken unserer Gebetstelle verbrieft. Denn was sind „Friedensopfer der Freude" sinngemäß anders als Opfer, die aus dem Gedanken des Friedens geboren, der Seelenstimmung der Freude entsprechen? Der aus den Friedensopfern hervorleuchtende Gedanke des Friedens thront gewiß auch in der Höhe des Geistes und äußert sich öei Urnen in Dem llrnftanDe, Dal alle. Ms bsi äse Verteilung eines Opfers in Betracht kommen, ihre Befriedigung finden, indem Altar, Priester und Eigentümer in den Genuß des Opfers gelangen. Allein die „Friedensopfer der Freud t ‘ bedeuten mehr. Sie dienen der Erfüllung der für die Wallfahrtsfeste gebotenen Pflicht, durch den Genuß von heiligem Fleische eine das Innenleben weihende sittliche Lebensfreude zu empfinden. Der Weg zu dieser Freude führt beim Opfer über die gleichen Stadien, welche den Gedankengang unseres Gebetes bezeichnen. Denn den „Friedensopfern der Freude" gehen zwei andere Opfer voraus, mit welchen der jüdische Mann dem Gebote der Thauro gemäß am Peßach, Schewuoth und Sokkoth im Tempel vor Gott erscheint: n"8i 7>l>iN ein Cinzelopfer und nr'm ■’nbv ein Friedensopfer. Das Emporopfer geht vollständig in den Altarbrand, das Sinnbild der Thauro, auf und ist daher geeignet, ein Wesen zu vergegenwärtigen, das sich der hellen Wärme der Thauro hingibt. Die Thauro aber ist das „Leben", und die Friedensopfer zeigen, wie wir dies schon andeuteten, ihrem Namen getreu, durch die Art ihrer Verteilung sinnfällig die im „Frieden" verwirklichte Zufriedenheit Aller. Dazu tritt dann in den Friedensopfern der Freude als drittes Moment die „Freude", so daß unser v^i'-Gebet in Worten den Gedanken enthält, den die v"i'-Opfer an heiliger Stätte in der imposanten Anwesenheit der Nation zur Darstellung brachten. Und wie die in Heiligkeit empfundene Freude den Friedensgedanken überstrahlt, so erscheint sie in den Opfern überhaupt nicht an das Friedensopfer gebunden. Die Erhabenheit dieser Freude liegt ja in dem Gefühle der Begeisterung, die der Genuß des Opferfleisches gewährt und daher vermögen beispielsweise die Priester die Pflicht, am Feste Opferfleisch zu genießen, durch dar ihnen zuteil werdende Fleisch der Sühneopfer zu erfiiHeit- (£s fonnen (SiLfjiteopfer feer Ö-efcttTt±f>e*£ £= «-»soi») Siiljrteopfer x>art Jeirt. Do hatte etwa Jemand am Feuer entzündet, ohne davon zu denken, daß heute'. 7121? oder daß diese Tätigkeit verboten sei. Kommt ihm daraufhin sein Vergehen zum Bewußtsein, so bringt er zur Sühne desselben ein Sühneopfer. Die Priester genießen das Opferfleisch und dies bewirkt für den Besitzer des Opfers die volle Entfündigung. Die innere Befriedigung der Priester beim Genüsse des Opfers ist dann so groß, daß sie der Freude des Festes in vollem Maße gleichkommt. Die Pflicht des Freudenopfers reicht in zwei wichtigen Punkten weiter als das Gebot der beiden oben zusammengestellten Festtagsopfer. Jene gilt für beide Geschlechter, diese nur für die Männlichen. Jene ist an jedem Tage des Festes erneut zu erfüllen, dieses nur ein Mal während des ganzen Festes. Nur fordert die