Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 21 (18.5.1926)
- Date
- 1926-05-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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?') 's "r0 67. Jahrgang. Frankfurt a- M., den 18. Mai 1928 6. Mman 6686 Nr. 21 l| Ein Centralorgan fOr das orthodoxe Judentum |[0| F/1 Begründet von Dr. Lehmann ln Mainz. l\\ i Abonnement ab Januar 1924: Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausland: Vierteljahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; Frankreich 13 Fr.; Belgien 15 Fr.; Holland 2 fl.; Italien 20 Lire; Jugoslawien 53 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien 200 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowakei 25 Kronen; Ungarn 50000 Kronen; Dänemark 5 Kronen; _Norwegen 5 Kronen; Schweden 3.50 Kronen. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Goldpf. für die siebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bet Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 30 Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Tertseite 1.60 Mk., vorletzte Tertseite 2.— Mk.; Chiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnferataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b. H., Franks, a. M., Gr. Eschenheimer Straße 23, Tel. Hansa 5842 sow. durch sämtl. Annoncen-Erped. des In- und Auslands. Alleinige Inseratenann. für Franks. Geschäftsanzeigen: Jul. Schmidt, Langestraße 7, IJ. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19802. - Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr. 79605.-PostsparkassenamtBudapest Nr. 18424.-Postscheckkonto Warschau Nr. 190757. - Postscheckamt Zürich Nr. VIII 7254 - Inkasso-Bank Rotterdam - Postscheckamt Amsterdam Nr. 24869 - Böhmische Unionbank in Prag - Banca Marmarosch Blank & Co. in Bukarest — Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. — Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten sich ergebenden Zahlungsverpflrchtungen ist Fkankfurt^^M^ wieder in ein Tohu-Wabohu versinken?" Bileam TRadft nnb Frieden. Betrachtung zum Offenbarungsfsstö. Von A. Mannheimer in Dettelbach. Wenn im Frühling Baum und Strauch im Blütenschmucke prangen, wenn duftende Blümchen aus dem grünen Wiesenteppich, muntere Vöglein vom blauen Himmelszelt herab uns ihre Grüße senden, dann begeht das jüdische Volk das „Fest der Offenbarung". Doch wartet Israel nicht auf diesen Festtag ein volles Jahr. Täglich ist jedem wahren Juden der feierliche Akt am Sinaiberge gegenwärtig. Täglich dankt er in der Morgenandacht meiner besonderen Benediktion dem Weltenkönig, .nro “WS' daß er uns auserwählte von allen Nationen und uns seine Lehre gab." Was hat man nicht alles schon zusammengetragen an Schmähungen und Verdrehungen gegen das „auserwählte Volk!". Wie wenig fruchtete der Hinweis und die tausendfach wiederholte Widerlegung der Anschuldigung, als ob Israel in überhebendem nationalem Dünkel sich den Nimbus der Auserwähltheit beilege. Die Zehn Gebote nahm die Welt aus unseren Händen entgegen, und heute noch bilden sie die Grundlage jeder wahren Kultur und Zivilisation, an der man nicht ohne dauernden Schaden rütteln darf. Dafür sucht man sich auf andere Weise zu entschädigen. Es ist geradezu ergötzlich, welche Gliederverrenkungen unsere Gegner vornehmen und was für Eiertänze sie aufführen, um der Welt zu beweisen, daß der nidpi ureigenes (Bui öeS-3ltbßtttlltHS fßt, und es fehle nicht an «Aimrnen, brie ihn ani liebsten aus dem Religionsunterricht ausgeschaltet sehen möchten. Was aber bewegt die jüdische Seele am Feste der Offenbarung? Welche Gedanken spielen im tiefsten Grunde unseres Herzens am Geburtstage der heiligen Thora? Gehen wir in die graue Vorzeit zurück, die um Jahrtausende dem Offenbarungsakte näher stand, und lauschen, wie sich dieser im Jdeenkreise der Altvorderen spiegelt. Als des himmlischen Vaters Donnerstimme vom lichtumfluteten Sinai tönte — so lautet ein Midraschwort —, spürte man die gewaltige Aufregung der Natur selbst in weiter Ferne, auch unter heidnischen Nationen. Und sie kamen zu ihrem Propheten Bileam mit der Frage: „Was geht in der Welt vor? Soll diese etwa beruhigte nun die Völker mit dem PsalmistennJDrte: verleiht heute ****** Macht." Und im Chorus erscholl es aus dem Munde der Heiden: biVtya ivp NX •pa1« 'n der Ewige möge Sein Volk segnen mit Frieden." Wahrlich, ein schönes und sinniges, ja ergreifendes Midraschwort zur Offenbarung am Sinai! O, dränge es doch in die Ohren derer, die den schmählichsten und schändlichsten Mißbrauch treiben mit der Bezeichnung Israels als „auserwähltes Volk". Nein! Die „Macht", welche Israel am Sinai erhielt, war die Aufgabe, die erhabensten und beglückendsten Ideen durch die Welt zu tragen, eine tränenreiche Mission, der am Ende als Siegespalme der Frieden winkt. Und einer solchen Aufgabe galten die Glück- und Segenswünsche der zeitgenössischen Heiden, von denen sogar das stolze 20. Jahrhundert noch manches zu lernen hat. Macht und Frieden! Nach modernen Begriffen innerlich Gegensätze, nach jüdischer Anschauung harmonisch zusammenklingende Ideale. Macht und Frieden! Die Weltgeschichte ist das dickleibige Aktenbuch, kündend, wie der Friede stets unter dem Knie der Macht ächzte und nur auf einen Rollepwechsel harrte. Macht stürzt nach Macht, Friedensschlüsse folgen auf Friedensschlüsse; Pazifizierung und Befriedung nennt es die lebende Nation. Spa, Versailles, London, Paris, Cannes, Genua, Locarno, Genf: zwischen den extremen Polen von Macht und Frieden wirft man sich von einer Seite auf die andere, wie ein Fieberkranker. Und Israel feiert fjeute in jeinen Synagogen den Tag der Qsfen- Banmg, bei Der sich die Macht so innig mit dem Frieden vermählte nach dem ergreifenden Zeugnisse aus heidnischem Prophetenmund. Freilich, Macht führt erst zum Frieden über die Brücke der Wahrheit. Wahrheit, nennt ein Weiser im alten Israel die erste Säule, auf der das Weltall ruht, Recht die zweite und Frieden die dritte. Ohne Wahrheit kein Recht; kann es keines geben. Und wanken diese beiden Säulen, so stürzt die dritte — der Frieden — von selbst nach. nvx rrnrv Lehre der Wahrheit nennt der Jude sein heiligstes Buch. Und nur in diesem Sinne gilt die Gleichung Macht gleich Frieden. Kein Völkerbund ist denkbar ohne den Lebenshauch der Wahrheit, kein Weltfrieden ohne den Odem des Emes. Macht und Frieden! Es ist wahrlich kein Zufall, daß Juden in allen Ländern zu den wackersten Kämpen der Völkerversöhnung und Völkerverständigung gehören, selbst auf die Gefahr hin, vaterlandsloser Gesinnung bezichtigt zu werden VSkt sich Dnsllltsll, jff lieber 9Sebrot>ung nuszusötzen. Und überall sind es Nationalisten- Chauvinisten, Vertreter des brutalen militaristischen Machtsystems, welche dem Friedensgedanken den Todesstoß versetzen möchten. In diesem Lager befinden sich die wütigsten Judenfresser; sie kämpfen gegen die Verbindung von Macht und Frieden im jüdischen Thorageiste. „Das Judentum mit seinem unsichtbaren Gott und seinen idealen Welt- und Lebensanschauungen ward von je von allen denen gründlich gehaßt, die auf die Entartung und Käuflichkeit der Menschen spekulierten. Daher sprechen sie: „Lechu wenachechidem usw., Kommt, wir wollen sie vernichten als Volk, der Name „Israel" (Gottessieger) soll nicht mehr gedacht werden." (S. R. Hirsch, Psalmenkommentar Kap. 83, V. 5.) Je frecher der Antisemitismus sein Haupt erhebt, je nackter er seine Methode anwendet, desto trüber wird der politische Horizont, desto verwickelter die Diplomatie, desto größer die Gefahr, daß die Macht wieder einmal den Frieden erwürgt. Gerade am Offenbarungsfeste, da die Idee nationaler Selbstüberschätzung für den Juden in berückender Form uns nahen könnte, da erscheint im jüdischen Gotteshause die Gestalt einer Moabiterin, der edlen Ruth, und schlingt wiederum, wenn dies überhaupt nötig wäre, die Fäden zur Allmenschheit. Und im Hintergründe tauchen die Glanzgestalten jüdischen Königtums auf, David und Salomo der Weise. Heidenblut floß in ihren Adern. Salomo, zu Deutsch „Friedensfürst", erfüllt die Welt mit dem Glanze Jeines Namens. Reichtum, Fruchtbarkeit, Frieden führen Israel auf den «Sipfel staatlicher Macht. Das aber ist der beste Boden für das Aufblühen eines engherzigen, streitbaren Chauvinismus. Was aber sehen wir? Der lang gehegte Wunsch, der schönste Traum Israel war in Erfüllung gegangen. Auf Zions Höhe stand das Nationalheiligtum, der Tempel fertig zur Einweihung. Tausende füllten in festlich froher Stimmung die weiten Hallen. Salomo selbst, die Krone auf dem Haupte und im königlichen Ornate kniete dort vor seinem Gotte und hielt die groß angelegte Weiherede. Da entflossen seinem Munde die wahrhaft königlichen Worte: „Aber auch der Fremde, der nicht von Deinem Volke Israel ist, und hierherkommt, zu Dir zu beten, erhöre auch ihn und gib ihm, um was er Dich bittet." Das war vor 3000 Jahren. Das war im jüdischen Tempel, wo jeder Stein Zeuge