Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 20 (13.5.1926)
- Date
- 1926-05-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 4 Nr. 20 Der Ssraeltr bedarf, während letzterer sich als logisch gerechtfertigt erweisen muß. Hoch geachtet wird von jeher der mia im jüdischen Volk. Gerade in den Vorschriften vom rupia^-Fest findet sich ein Ausspruch des amax pa der lautet: irmax in:»" "xrn mm* Von altersher versucht man es, für die Volksgebräuche Begründungen zu finden, die ihnen, abgesehen von ihrer verbindlichen Gültigkeit, als Brauch und Schöpfung des Volkes auch Sinn und Bedeutung geben. Gerade für das niitia^-Fest, das keine in der mm vorgeschriebenen nnxa hat, haben die üM» besondere Bedeutung, da sie, wie wir sehen werden, alle drei Bedeutungen des Festes in verschiedener Form zum Ausdruck vrmgkv. Da eine MemnlWe veulslhe Dearr berlung unseres Wissens bisher Nicht erschienen rst, so seien in den folgenden Ausführungen einige Bemerkungen über Alter und Bedeutung der nurov* Minhagim zusammengetragen. In Talmud und Midrasch scheinen sich keine Nachrichten zu finden, in welcher Weise man das mjnaw" Fest gefeiert hat. Natürlich war die Feier schon dadurch anders als heute, weil dieses Fest zu den Wanderfesten gehörte und somit das jüdische Volk in großen Massen zu einer imposanten Feier in Jerusalem vereinigte. Wir meinen eine Feier, die durch besondere Symbole dem Fest eine eigene Note gab. Im Talmud wird uns nur von den Gepflogenheiten einzelner Talmudlehrer erzählt, wie sie die riiviaw-Tage auszeichneten. Mar, ein Sohn des Amoräers Rabina, pflegte immer zu fasten, auch an Sabbaten und Festtagen. Aber zu den wenigen Malen, an denen er sein Fasten aussetzte, gehörte msnaip' da es der Tag ist, „an dem die min gegeben worden ist." Rab Josef, einer der berühmtesten Amoräer, pflegte zu diesem Feste den Auftrag zu geben, ihm ein besonders gutes Kalb zuzubereiten. Dieses Festmahl begründete er damit, daß nur die mirv ihre Befolgung und ihr Studium, ihn von anderen gleichen Namens unterscheide: 'X mx Xpltf3 X2'X *|0Y» £P*U xpl xvl' 'X.1 1X^> (Beide Gebräuche werden im Talmud babli n'W'öomos mitgeteilt). Von den Bräuchen, die das riiNiav-Fest betre^erXf j’djeint |td^ nur einer rt i t erhalten gu Huben, nämlich der, die jüdischen Kinder Mil dem Unterricht am niviaw beginnen zu lassen. Rabbi Eleafar ben Jehuda, der im 12. Jahrhundert in Deutschland lebte, bringt in seinem Werknpii Abschnitt 294 ausführliche Notizen über den ersten Unterrricht des jüdischen Kindes. Man wählte diesen Tag, damit sich beim Einzelnen das am gleichen Tage wiederhole, was einst das Erlebnis des ganzen jüdischen Volkes war. Der mjnaff Tag soll für den einzelnen Juden nicht nur der Tag der Erinnerung sein an die Gesetzgebung am Sinai, sondern auch an den ersten Schultag. Um den ersten Unterricht kindgemäß zu gestalten, waren folgende Anstalten getroffen. Das hebräische Alphabet, der Vers „Die Thora hat Gott uns anbefohlen", der Ausspruch „Die Thora werde mein Beruf" (mmix mn mm) und der erste Vers des dritten Buches der mm wurden auf eine Tafel geschrieben. Die Buchstaben waren von einer dünnen Schicht Honig bedeckt. Der Lehrer trug zunächst dem Kind alles vor und ließ es nachsprechen und den Honig abessen. Dann brachte man einen Kuchen, der eine hebräische Aufschrift hatte (Jes. Kap. 50, Vers 4) ferner ein abgeschältes Ei, das mit einem Bers aus Ezechiel (Kap. g, Vers 9) vsrfchsn m&v. Wis bei der Tchsl, fo vsrfM mau auch hier. Erst wurden die Verse gelesen und dann durfte das Kind die Speisen genießen. Der Verfasser des npin warnt davor, diese Gebräuche und ihre Benutzung gering einzuschätzen, sie seien vielmehr geeignet, „das Herz zu öffnen". Ohne hier auf Schulfragen näher einzugehen, sei nur bemerkt, daß vor 6 Jahrhunderten man schon erkannte, wie wichtig der seelische Eindruck ist, den das Kind vom ersten Schultag empfängt. Heute beginnt man in unseren jüdischen Schulen damit, die Schulräume so auszugestalten, daß sie beim Kind einen starken jüdischen Eindruck Hervorrufen können. Man erfüllt es von neuem, den ersten jüdischen Unterricht so zu gestalten, wie der arua es fordert, daß er geeignet ist, „das Herz zu öffnen." Betrachten wir zuerst den Brauch, die erste Nacht des mxiav-Festes „durchzulernen". Bei diesem Lernen, das bekanntlich in größerer Gemeinschaft (mit pa) stattfindet, wird eine ganz bestimmte Stofsauswahl aus yin und nwra getroffen. Das Buch, aus dem gelernt wird, heißt jiprv Die Trauernden pflegen zwischen den Hauptabschnitten vrnp zu sagen. Die erste Quelle, die über die Bedeutung dieser Nacht etwas bringt, ist der mm Nach Ansicht dieses Werkes haben schon Amoräer in dieser Nacht sich ausschließlich dem Gesetzesstudium hingegeben. Der Name, den das Buch trägt, pxrn «ns dein in dieser %la(tjt geiernt wird, pammt auch aus DeimmT* Das Verbum ]pn und davon abgeleitete Hauptwort spielen in der Vegriffsterminologie des mir eine große Rolle. In das Gebetbuch ist dieser Ausdruck auch eingedrungen, da viele eine Anordnung für die nächtlichen Gebete über die Zerstörung Jerusalems, mm ppfv bringen. Zu diesem Verbum jpm ist das Hauptwort zu ergänzen. Eine Ordnung, Begründung, religiöse Konzentration der Seele aus Gott Ansprachen gehalten, die, ganz abgesehen davon, daß sie mit Seder und einer religiösen Feier, für die das Programm genau vorgeschrieben ist, nichts zu tun haben, von den Gästen, für die sie bestimmt waren, überhaupt nicht verstanden wurden. Die Emigranten saßen betrübt und gingen nicht aus sich heraus." Bezeichnend für die Molive der Ueberfahrt und ihre Tragik ist das, was drei junge, kräftige Auswanderer dem Berichterstatter von ihrem Schicksal erzählten. Sie stammen aus Rußland und wurden nach dem Kriege, wissen selber nicht wie, nach Rumänien verschleppt. Dort erfuhren sie, daß in Pera allen Emigranten Ackerboden umsonst gegeben werde. Sie begaben sich mit vieler Mühe nach Pera, fanden aber dort statt des erhofften Bodens Leiden ohne Ende und entschlossen sich, von dort nach Kanada auszuwandern. Auf dem Wege dorthin wurden sie aber nun in Ellis Island festgehalten. Obwohl alle ihre Papiere und Bisa in Ordnung sind. Es müssen die Unterschriften nochmals telegraphisch festgestellt werden und ebenso die Bestätigung der Einreise in Kanada. So warten sie bereits zehn Tuge auf der Insel. Läßt sie Kanada nicht herein, dann sind sie heimatlos. Rach Rußland zurück können sie nicht. Zwei junge, bildhübsche Mädchen müssen hier Seder halten, weil auf dem Wege zum Vater nach Pittsburg die Mutter, die mit ihnen fuhr, erkrankte. So mußten sie alle drei hier landen. Zwei junge Leute sitzen hier und warten, daß man sie aus Amerika herausilitfc: Deren einer Dal M m Merlin ein menen su schulden kommen lassen, der andökö hat sich vor zwei Jahren ohne genügende Papiere hineingeschmuggelt und ist jetzt ertappt worden. Beide wurden nach der Insel verbracht, von wo sie demnächst nach Europa zurücktransportiert werden. . . . Und die tragischen Erzählungen werden wieder unterbrochen von einer englischen Rede, die jemand vom Komitee zum höheren Ruhme Amerikas, des Landes der Freiheit und des Glückes, hält. Es wurden nun die amerikanische Hymne und darauf die Hatikwah gesungen. Und beide Lieder hören sich an, wie Traueraesänqe des neunten Aw. - (geutftfe Ausgrabungen in ^atäftina). Geh. Rat Prof. Dr. Erich Sellin, Ordinarius der alttestamentarischen Theologie an der Berliner Universität, bat, wie er der .Dossischen Zeitung" aus Nablus schreibt, am 24. März mit seiner neuen Ausgrabung des alten Sichem in Palästina begonnen. Schon die ersten Wochen haben manche interessante Resultate ergeben. Die Stadtmauer ist in ihrem Lause überwiegend sestgestellt, ein imposantes Bauwerk des zweiten vorchristlichen Jahrtausends. Mancherlei wichtige Cinzelfunde find bereits gemacht; ein israelitischer Hausaltar, eine Astarte, ein Ostrokon mit aramäischer Schrift, Krugstempel, reiche Erzeugnisse der Keramik. Die Grabung wird diesmal systematsch bis in den Herbst fortgesetzt werden. Wochenkalender. vom 13.—22. Mai 1926./ vom 2. bis 9. Siwan 6686 Samstag Mai 15 nmaa 2 Jl’O 'i pns semgag IS? 1 INotttäg 17 4? h!?iin ■>»■> hüb» Dienstag 18 5 1 3~iy Mittwoch 19 6 nwiam 'X Donnerstag 20 7 msnattn * nn Freitag 21 8 an inorr Samstag 22 9 '3 'K pns 13 Mai 1926 und Besserung durch Ihn, dies dürfte vielleicht ungefähr den Begriff ppn umschreiben und zugleich andeuten, welche Bedeutung nach dem mir dem Lörnen in dieser Nacht beizumessen ist. Ausführliches über Bedeutung und Art des Lernens in dieser Nacht bringt Rabbi Jesaja Horwitz, der 1630 starb, in seinem Werkrrnan mm*? Er schildert dort nicht nur den Eharakter der Heiligkeit, den diese Nacht hat, sondern auch genau, was in dieser Nacht gelernt werden soll. Er be-. richtet, daß der Brauch des Durchlernens in dieser Nacht in a l l e n Ländern eingeführt ist, und daß im wesentlichen auch die Stoffauswahl die gleiche ist. Unsere gedruckten Tikkunim haben die Lernordnung so, wie der r\"bv sie bringt. Sie ist aber SMMft Mn 300 HMs M. HssfnM des Minen Weilchens unnn mmran rnv> das vor 18 Jahren ln Warschau erschienen ist, macht nun darauf aufmerksam, daß die Reihenfolge der rnroo» im ppn eine andere ist, als die in den Mifchnaausgaben. Im findet sich von dieser Abweichung nichts. Der Verfasser des genannten Buches bemüht sich darzulegen, daß der Zusammenhang zwischen einer xnao» und der andern, wie sie sich in den Mifchnaausgaben finden, zwar oft auffällig, aber doch zu erklären ist, wie es Maimonides in seiner Einleitung zur Mischnaordnung Seraim nachweist. Die Anordnung des ppn aber ist natürlicher und leichter zu begreifen, so folgen die Abschnitte über die Feste im ppn in ihrer natürlichen Reihenfolge aufeinander. Wir stellen der Klarheit wegen die Reihenfolge der Abschnitte der 2. Ordnung a) im Mischnajoth, b) im ppn gegenüber. a) i) naip' 2) pmw 3) amos' 4) 5) X21'' 6) 7) NL'2' 8) rpxi' 9) nvjjtfv 10) n^iö' ii) pp *rsnö' 12) m^nb) l) naW' 2) pi-py, 3) amos' 4) ,-u'rn 5) nra' 6) pp isn»' 7) niffn 8) xarn 9) naio» iv) a'bpw- 11) n^ia» Der Verfasser bes mm D’ayaa mo weist für alle Ordnungen nach, welches Prinzip der Zusammensteller des ppn befolgt hat, er schweigt aber von einer Begründung der Abweichung von der Mischnaordnung. Es sei versucht, für diese Frage eine Antwort zu finden. Der amax p» ist der Ansicht, daß das Lernen in dieser Nacht vornehmlich für Die Gelehrten, mimhm ist. Her pH (lebte vor zirka 200 Jahren) dagegen schreibt, daß das Lernen des im ppn Vorgefchriebenen vor allem für den Laien in Frage kommt. Die Rücksichtnahme auf den Ungelehrten bei dem man keine Kenntnis der maimonidifchen Erklärung des Zusammenhangs der ninav» voraussetzen kann, hat dazu geführt, daß man von der Reihenfolge der Mischna abgewichen ist und eine solche gewählt hat, die auch für den Unkundigen verständlich ist. Abgesehen von dem mehr mystischen Grund des mm ppn» den der mir bringt, sucht der amax pa einen einfachen Grund für das Lernen in dieser Nacht. Nach einem Midrasch glich der Zustand Israels bis zur Gesetzgebung am Sinai dem des Schlafes. Gott mußte sie gleichsam aus diesem Schlummer erwecken. Um nun zu zeigen, wie gewaltig die Wirkung der mm auf uns ist, verbringen wir die Nacht des Festes der Erinnerung an die Gesetzgebung wachend und mit der heiligen Lehre beschäftigt. (Schluß folgt.) Reichsßunb jüdischer Arontsolbaten. Berlin, 3. Mai. Korrespondenzen« ßaebriebten mw Zu unserem Artikel in Nr. 17 des „Israelit" über „Jüdisches Kraftmeiertum" geht uns eine Zuschrift vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten zu, in der zur Klärung von angeblichen Mißverständnissen auf unserer Seiten